Hunt Laufräder im Test: Carbon Gravel und Aerodynamicist im Fokus

Der britische Laufradbauer Hunt erfreut sich derzeit großer Beliebtheit. Wer verstehen möchte, warum das so ist, sollte einen Radsatz wie den Hunt 35 Carbon Gravel testen. Beim Gravelbike stellt sich die Frage nach Felgen- oder Scheibenbremsen nicht, da diese Gattung ein Kind der neuen Zeitrechnung ist. Kompromisse in Bezug auf Reifenbreite, Rahmenform oder Felgenmaterialien mussten beim Gravelbike nie eingegangen werden.

Hunt 35 Carbon Gravel im Detail

Ein Name, der in diesem Zusammenhang immer wieder fällt, ist Hunt. Die Briten sind im Gravel-Rennsport stark vertreten und bieten ihre Produkte zu vergleichsweise günstigen Preisen an. Natürlich können Aerodynamik und Gewicht ihren Preis haben.

Der Hunt 35 Carbon Gravel für 999 Euro wiegt 1.499 Gramm inklusive Tubelessband, aufgeteilt auf 684 Gramm für das Vorderrad und 815 Gramm für das Hinterrad. In dieser Preisklasse ist das ein guter Wert. Hunt hat kürzlich einen Gravel-Radsatz mit flachen Alu-Felgen vorgestellt, der nochmals fast 100 Gramm weniger wiegt, aber ein Drittel weniger kostet.

Gravel-Racer legen Wert auf Aerodynamik, was tiefe Carbonfelgen erforderlich macht. Die Breite der Felge ist beim Graveln entscheidend. Mit 25 mm Innenmaß und der Hookless-Form lassen sich am Hunt 35 Carbon Gravel Reifen bis zu 64 mm Breite fahren, wobei die Mindestbreite laut Hersteller 29 mm beträgt. Der Einsatzbereich reicht vom Allroad-Bike bis zum Trail-Graveller. Hunt empfiehlt 40er Reifen, die derzeit beim Graveln üblich sind.

Hunt setzt auch bei diesem mittelhohen Gravel-Radsatz auf aerodynamisch günstige Messerspeichen - 24 vorne und 28 hinten, was das Hinterrad stabiler macht. Die zweifach gekreuzten Speichen berühren sich, was aber nicht zu Geräuschbildung führt und ein Indiz für die hohe Steifigkeit des Radsatzes ist. Die "Pillar"-Speichen sind an der Biegung des Kopfes verstärkt, um an dieser kritischen Stelle mehr Stabilität zu gewährleisten. Ersatzspeichen und Tubeless-Ventile sind im Lieferumfang enthalten.

Die Montage gestaltet sich kinderleicht, was typisch für hakenlose Felgen ist. Die Reifen bleiben dauerhaft dicht, sodass man sich das Nachpumpen fast sparen kann. Mit knapp 2 bar geht es ins Gelände, und im Vergleich zu einem 1.800 Gramm schweren Standard-Radsatz sind 300 Gramm weniger rotierende Masse spürbar. Das Rad lässt sich einen Tick handlicher bewegen und wirkt agiler, wobei man sich schnell an diesen Effekt gewöhnt.

Die Hunt-Laufräder wirken sehr steif. Ob beim Antritt oder beim Verzögern, Bremsscheiben-Schleifgeräusche im Wiegetritt bleiben aus. Auch der Sechs-Klinken-Freilauf trägt zum schnellen Fahrgefühl bei. Beim Ausrollen ertönt ein helles, markantes Surren, und der Freilauf scheint kaum zu bremsen. Der geringe Eingriffswinkel von nur 5° (72 Rasterpunkte) führt dazu, dass der Leerweg beim Antreten sehr gering ist.

Im Dauereinsatz hinterlässt auch der eine oder andere harte Schlag keine Spuren. Nach einigen Hundert Kilometern ist der Rundlauf top.

Hunt Aerodynamicist: Neue Generation der Mittelklasse-Carbonlaufräder

Hunt hat seine Mittelklasse-Carbonlaufräder überarbeitet und bietet sie in drei Felgenhöhen mit Carbon- oder Stahlspeichen an:

  • 34 mm (Berg)
  • 44/46 mm (Allround)
  • 54/58 mm (Aero)

Alle drei Felgenhöhen sind wahlweise mit Stahl- oder Carbonspeichen erhältlich. Die Laufräder sind ausschließlich für Scheibenbremsen verfügbar und verfügen über klassische Hakenfelgen (kein Hookless) mit einer Maulweite von 22 mm. Das Gewicht beginnt bei 1175 g (Setgewicht), und die Preise starten bei 1399 Euro mit Stahlspeichen bzw. 1899 Euro mit Carbonspeichen.

Die Ingenieure von Hunt haben in einem dreijährigen Entwicklungsprozess über 47.000 Stunden Rechenzeit investiert, um die drei neuen Modelle mit differenzierten Felgenprofilen für Vorder- und Hinterrad zu entwickeln. Hunt hat für alle Felgenhöhen im Windkanal Werte ermittelt, oft im direkten Vergleich mit Konkurrenzprodukten. Die 1399 Euro teure Version mit dreifach konifizierten Aero-Wing-Stahlspeichen ist mit 1264 Gramm (Setgewicht) ebenfalls sehr leicht.

Hunt gibt an, dass seine Laufräder in Windkanaltests den zweitbesten Wert unter am Markt erfolgreichen Wettbewerbern erreicht haben und beispielsweise schneller und leichter sein sollen als das Tour de France-erprobte Material von Jonas Vingegaard.

Der 44_46 Aerodynamicist wird als Allrounder positioniert, der sowohl bergauf dank geringem Gewicht als auch durch aerodynamische Vorteile bei hohem Tempo überzeugen soll. Die Vorderradfelge ist mit 44 Millimetern geringfügig niedriger als die 46 Millimeter hohe Hinterradfelge. Im Windkanal will diese Kombination im Vergleich mit zahlreichen Wettbewerbern die besten Aerodynamikwerte erreicht haben. Die Version mit Carbonspeichen wiegt laut Hersteller 1274 Gramm, die Ausführung mit Stahlspeichen 1364 Gramm. Ein Testlaufradsatz mit Stahlspeichen wog 1376 Gramm (600 Gramm Vorderrad, 776 Gramm Hinterrad).

Der 54_58 Aerodynamicist ist der aerodynamischste Vertreter der überarbeiteten Laufradlinie von Hunt. Auch hier stehen die Zahlen für die Felgenhöhen (54 Millimeter vorne, 58 Millimeter hinten). Im Windkanal will man namhafte Konkurrenz hinter sich gelassen haben. Die Version mit Stahlspeichen wiegt laut Hunt 1468 Gramm und kostet 1459 Euro, mit UD-Carbonspeichen sind es 1391 Gramm Setgewicht für 1959 Euro.

Gemeinsamkeiten aller Aerodynamicist-Modelle

Identisch bei allen sechs Ausführungen sind die Maulweite von 22 Millimetern, die Tubelessfähigkeit und der Lieferumfang, der neben montiertem Tubeless-Felgenband auch Tubeless-Ventile, eine Kontrollkarte vom Laufradbauer, vier Ersatzspeichen in verschiedenen Längen sowie ein 10-fach-Distanzring für Shimano-Kassetten umfasst.

Alle drei Felgenhöhen setzen zudem auf die identischen Hunt-Naben H_Ratchet DBL, die mit Zahnscheiben mit 40 Zähnen kommen und 9° Eingriffswinkel bieten. Bei den Lagern setzt Hunt auf die Edelstahlkugellager ABEC 5 des Herstellers Enduro. Bei den Carbonhakenfelgen kommt zudem eine voll recycelbare Epoxidharz-Technologie zum Einsatz, die die Trennung und Wiederverwendung sowohl des Carbonmaterials als auch der Harzkomponenten am Ende des Lebenszyklus ermöglicht.

Die Ausführungen mit Stahlspeichen setzen auf 20 Speichen am Vorder- und 24 Speichen am Hinterrad, während bei den Versionen mit Carbonspeichen je 18 bzw. 21 Speichen zum Einsatz kommen. Der handschriftliche Aerodynamicist-Schriftzug ist ein schicker Gegenpol zu manch deutlich lauterer Optik bei Wettbewerbern.

Testerfahrungen mit dem Hunt 44_46 Aerodynamicist

Das Set aus Vorder- und Hinterrad ist mit 1376 Gramm angenehm leicht. Höhen- oder Seitenschläge waren im Neuzustand nicht zu beklagen und stellten sich auch auf den knapp 500 Testkilometern nicht ein. Die Montage von Pirelli-Reifen gelang schnell und einfach, tubeless wurden die Laufräder bisher aber nicht verwendet.

Im Sattel fällt sofort die sehr direkte, fast schon explosive Beschleunigung auf. Tempo halten die Laufräder sehr gut. Subjektiv rollen die Aerodynamicist sehr schnell und machen so viel Spaß - auch bergauf trotz der etwas höheren Felge.

Weniger gut gefiel, dass das Vorderrad durchaus sensibel auf Seitenwind reagiert. "Insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten, so ab 60 bis 70 km/h fängt das Vorderrad ein bisschen an zu tanzen", so ein Testfahrer. "Womöglich eine Folge des geringen Gewichts der Felge - das reduziert ja die rotierende Masse, welche durchaus stabilisierend wirken kann."

Während schnelle Abfahrten folglich nach einer ruhigen Hand am Lenker verlangen, gefiel das Handling bei etwas niedrigeren Geschwindigkeiten durchaus. Die Lenkung ist präzise, die Kraftübertragung subjektiv sehr effektiv.

Insgesamt fällt das Fazit positiv aus: ein leichter, schneller Laufradsatz mit eigenständiger Optik zu einem fairen Preis. Hunt Wheels gewährt auf die neuen Aerodynamicist-Laufräder drei Jahre Garantie und bietet ein lebenslanges Crash Replacement an.

Hunt 50 Carbon Disc im Labor- und Praxistest

Hunt hat seine preisattraktiven Rennradlaufräder Carbon Disc überarbeitet und bietet sie ab 999 Euro an. Die Hakenfelgen sind in drei Höhen (30, 40 und 50 mm) erhältlich und verfügen über eine Maulweite von 22 mm. Ein neues Ratchet-Freilaufsystem mit Zahnscheiben kommt zum Einsatz. Die Set-Gewichte liegen unter 1500 Gramm.

Die Felgen mit U-Profil sind mit 22 Millimetern Maulweite deutlich breiter geworden und verfügen laut Hunt über ETRTO-konforme Kompatibilität mit Reifen von 25 bis 50 Millimetern - und sind damit auch fürs Gravelbike eine Überlegung wert. Trotz der größeren Breite verspricht Hunt Set-Gewichte für Vorder- und Hinterrad unter 1500 Gramm: Der Hunt 30 Carbon Disc wiegt laut Hersteller 1408 Gramm, der Hunt 40 Carbon Disc 1433 Gramm und der Hunt 50 Carbon Disc 1464 Gramm. Alle Modelle sind Tubeless-kompatibel und werden inklusive Tubeless-Felgenband und Ventilen ausgeliefert. Durch die klassische Hakenfelge sind aber auch Tube-Only-Reifen kompatibel.

Das neue Hunt 50 Carbon Disc-Laufrad soll auch besonders aerodynamisch sein. Im Windkanal ist es laut Hunt im Vergleich zu herkömmlichen Aluminium-Laufradsätzen mit einer Höhe von 25 Millimetern acht Watt schneller, und selbst im Vergleich mit Aero-Laufrädern wie den hauseigenen Sub50 Limitless Aero Disc oder dem Enve 4.5 SES ist es mit 28-mm-Reifen nur vier Watt langsamer.

Auch die Naben sind neu: Der Name H_Ratchet 36T SGL verweist auf den neuen Zahnscheibenfreilauf. Vorteil: größere Eingriffsfläche bei geringerem Materialeinsatz im Vergleich zu klinkenbasierten Systemen. Das einseitige Zahnscheibenantriebssystem erinnert an die aktuelle DT Swiss-Nabentechnologie, ist laut Hunt für hohe Drehmomente ausgelegt und eignet sich sowohl für Straßen- als auch für Gravel-Antriebssysteme mit einem oder zwei Kettenblättern sowie für Kassetten mit großer Bandbreite. Die Naben kommen mit gedichteten Industrielager und Dumonde Tech Pro X-Freilauffett.

Aufgebaut werden die Laufräder vorne und hinten mit je 24 dreifach konifizierten J-Bend-Speichen von Pillar mit 2-facher Kreuzung. Wie alle Hunt-Laufräder werden auch die Carbon Disc-Laufräder von Hand gefertigt und mit einer handsignierten Qualitätskontrollkarte des Laufradbauers versehen.

Der Lieferumfang umfasst Tubeless-Ventile und -felgenband sowie Ersatzspeichen. Das ergibt ein Set-Gewicht von 1481 Gramm. Auch die Seitensteifigkeiten sind mit 94 Nm/° vorne und 83 Nm/° hinten über jeden Zweifel erhaben und sorgen für souveräne Kraftübertragung.

Praxiseindrücke und Kritikpunkte

In der Praxis beschleunigt das Set sportlich-agil und hält das Tempo nicht zuletzt wegen der aerodynamisch vorteilhaften Felgenhöhe ausgesprochen gut. Die größte Überraschung ist die Lenkung: Sowohl bei Seitenwind als auch in schnellen Abfahrten rollen die 50 Carbon Disc wie auf Schienen und offenbaren eine Spurtreue, die man angesichts der Felgenhöhe kaum erwarten würde. Wer es noch leichter und fahrstabiler haben möchte, erhält die Laufräder auch mit 30 oder 40 Millimeter hohen Felgen. Tubeless-Reifen hielten die Luft auf der Carbonfelge mit den zum Lieferumfang zählenden Ventilen und Felgenbändern sehr gut.

Zwei Kritikpunkte gab es dennoch: Zum einen war der Laufradsatz zwar ohne Höhen- oder Seitenschlag zentriert, das Vorderrad stand allerdings einen Millimeter außermittig, das Hinterrad einen halben. Und der Freilauf sägt fast schon störend laut: Das verscheucht zwar zuverlässig Fußgänger oder andere Radfahrer, sorgte aber bei Gruppenfahrten teils für gerümpfte Nasen und verwunderte Nachfragen. Das muss man mögen...

Hunt Sub50 Limitless Aero Disc

Der britische Laufradhersteller Hunt hat den neuen Laufradsatz Sub50 Limitless Aero Disc vorgestellt und will damit eine außergewöhnliche Balance zwischen Steifigkeit, Gewicht, Aerodynamik und Komfort bieten. Die Laufräder sind auf breite Reifen abgestimmt und sollen damit aerodynamisch besser performen als die Konkurrenz. Ein geringes Gewicht und gute Steifigkeitswerte erzielen die Briten vor allem durch die Verwendung von Speichen aus Carbon. Eine weniger leichte, aber preiswertere Variante wird mit klassischen Stahlspeichen angeboten.

Hunt hat sich zum Ziel gesetzt, den schnellsten Allround-Rennrad-Laufradsatz bei einer Felgenhöhe von maximal 50 Millimetern und für Reifenbreiten von 28 bis 30 Millimeter zu kreieren. Nach Aussage des Herstellers sind die Sub50 Limitless Aero die ersten Rennrad-Laufräder, deren äußere Breite mehr als 30 Millimeter beträgt.

Tests im Windkanal

Für die Entwicklung führte Hunt ausgiebige Tests im GST Windkanal in Immenstaad am Bodensee durch. Dabei konnte das Hunt Sub50 Limitless Aero teilweise Felgen deutlich höherer Bauart aerodynamisch übertrumpfen. Als Dokumentation des Entwicklungsprozesses veröffentlichte Hunt ein sehr ausführliches Whitepaper.

Die erste Lieferung von HUNT SUB50 Limitless Aero Disc-Laufrädern kann ab dem 1. Februar in extrem begrenzter Stückzahl bei Hunt Bike Wheels vorbestellt werden. Der HUNT SUB50 beeindruckt mit modernster Technologie: Hookless, breite Felgen und Carbon-Speichen, kombiniert mit eigens entwickelten Naben. Die Laufräder beeindrucken mit einer speziell für breite Reifen entwickelten Aerodynamik und vielen versteckten Details, die sie aus dem Testfeld hervorstechen lassen.

Mit 1.365 g sind die SUB50 eines der leichtesten Modelle im Testfeld. Erreicht wird das Gewicht durch Carbonspeichen und eine extrem schmale Nabe. Durch 50 mm tiefe und bis zu 34 mm breite Felgen stellt der Hersteller mit die massivsten Räder im Testfeld. Ähnlich wie Roval setzt HUNT an der Front auf eine breite, sehr bauchige Felge und eine schmale und schlanke Geometrie am Heck. Für maximale Effizienz ist unser Top-Modell mit CeramicSpeed-Lagern ausgestattet. Klassisch HUNT ist das Design mit dem prominenten Schriftzug, dezenten Streifen auf der Felge sowie kleinen Prints auf dem Felgenrand versehen.

Für Erstbesitzer bietet HUNT das sogenannte H Care Programm, was lebenslanges Crash Replacement bedeutet. Ähnlich wie die CADEX-Laufräder stellen auch die HUNT SUB50 eines der steifsten Räder im Test dar. Ideal für Sprints und schnelle Antritte, sei es am Berg oder beim Beschleunigen aus Kurven. Auch in der Abfahrt sorgen sie für ein extrem präzises und unterhaltsames Fahrerlebnis. Die Kehrseite: Die Compliance kommt bei den HUNT SUB50 etwas zu kurz.

Die HUNT SUB50 zeigen in Sachen Aero-Performance ein beeindruckendes Potenzial. Sie sind schnell auf der Geraden und bieten einen guten Segeleffekt, der mehr ist, als man von 50 mm tiefen Felgen erwarten würde. Dies wurde auch im Windkanal bestätigt. Die SUB50 liegen in etwa gleichauf mit den CADEX 50 Ultra und der Aero-Überraschung DT Swiss ERC, jedoch etwa 3,5 Watt hinter dem Testsieger Syncros Capital SL Aero.

HUNT bietet mit den SUB50 ein durchdachtes Laufrad. Neben Carbonspeichen, eigenen Naben und progressiver Felgengeometrie überzeugen sie mit steifem und effizientem Fahrverhalten, das wiederum den Performance-Charakter unterstreicht. Aufgrund der geringen Compliance richtet sich das Laufrad jedoch eher an hartgesottene Racer.

Hunt Wheels: Entwicklung und Produktion

HUNT Bike Wheels wurde 2015 von den Brüdern Tom und Peter Marchment gegründet. Seitdem haben Laufräder enorme Entwicklungssprünge gemacht: Sie sind schneller, leichter, weniger windanfällig und vor allem immer breiter geworden. Sie prägen den Charakter eines Bikes, erweitern oder beschränken die Einsatzmöglichkeiten und sind zu einem integralen Bestandteil der Aero-Optimierung geworden.

HUNT-Wheels ist auf Wachstumskurs. Zu Coronazeiten haben bis zu 400 Laufradsätze am Tag das Lager verlassen, und auch wenn die „Crazy Times“ vorbei sind, geht die aktuelle Krise der Bike-Branche weitestgehend an den Engländern vorbei. Wem ein neues Bike gerade zu teuer ist, der greift stattdessen zum Wheel-Update oder macht das Gravel-Bike mit einem zweiten Laufradsatz zum Road-Racer. Das Angebot ist gigantisch: Alu, Carbon, Rim, Disc, Keramik oder Stahllager, niedrig- oder hochprofil Felge, Gravel, Road oder MTB-Einsatz.

HUNT entwickelt vor Ort, fertigt in Asien und verschickt die Laufräder in den meisten Fällen direkt an die Endkunden. Viele moderne, aerodynamisch optimierte Felgenprofile sehen sich auf den ersten Blick ziemlich ähnlich. Ohne Decals wäre es für den Durchschnittsfahrer schwer zu erkennen, welche Marke gerade am eigenen Hinterrad kreiselt.

Egal ob Road- oder Gravel-Racer, aktuell ist noch kein Ende des Pneu-Wachstums in Sicht. Reifenbreite rauf, Luftdruck runter lautet die aktuelle Zauberformel für maximale Effizienz und minimalen Luftwiderstand. Damit diese Gleichung aufgeht, müssen allerdings die Felgenbreiten nachziehen. Denn nur ein Reifen, der sich nicht bauchig vor der Felge wölbt, sondern U-förmig mit ihr abschließt, kann wirklich Watt sparen. Eine Felge sollte daher mindestens genauso breit sein wie der Reifen, aerodynamisch ausgereift, wenig windanfällig, tubeless ready und natürlich trotzdem leicht. Vor- und Hinterrad müssen dabei nicht zwangsläufig gleich aufgebaut sein. Da die Luft zuerst aufs Vorderrad trifft, ist das Aero-Optimierungspotenzial hier am höchsten. Hohe Felgenprofile und breite Felgen können da besonders punkten. Das Hinterrad rotiert aerodynamisch indifferenter im Windschatten des Sitzrohrs.

Am Rechner spielen die HUNT-Entwickler auf Basis dieser Zielvorgaben verschiedene Profile und Designideen durch und verändern in einem iterativen Prozess Nuancen am Radius der Felgenflanke oder an der Materialstärke des Felgenbetts. Ziel ist es, auftretende Kräfte über die gesamte Konstruktion zu verteilen und materialermüdende Belastungsspitzen zu vermeiden. HUNT setzt dabei nicht auf Superlative.

Mit den wachsenden Felgenbreiten wachsen auch die Anforderungen an die Endverbraucher, sich mit der Kompatibilität von Reifen-Felgen-Kombinationen auseinanderzusetzen - Hookless macht es da nicht einfacher. Die European Tyre and Rim Technical Organisation (ETRTO) definiert hier Standards, welcher Reifen mit welcher Innenmaulweite benutzt werden darf. HUNT hat sich entschieden, ihn für jedes Laufrad einzuhalten.

Im Windkanal müssen die bespeichten Modelle dann zeigen, was sie draufhaben. HUNT veröffentlicht übrigens zu jedem aerodynamisch optimierten Laufrad umfangreiche Daten und Vergleichsdaten. Und zwar nicht nur, wenn das eigene Design am schnellsten ist, sondern auch, wenn mal andere Hersteller die Aero-Nase vorn haben.

Bei den UCI-Tests trifft ein flacher, mit einem Silikonpad gedämpfter Stahlblock mit einer Kraft von 40 Joules auf die unbereifte Felge. Die Felge muss den Einschlag ohne sichtbare Schäden überstehen. HUNT definiert hier genaue Zielwerte, externe Partner übernehmen die Produktion.

Oli steht stolz vor einer archaisch anmutenden Maschine und hält einen Block mit einem fies aussehenden Metallkeil in der Hand. Dieser fällt in der hauseigenen Felgen-Folterkammer, ähnlich wie bei einer Guillotine, mit einer Kraft von 40 bzw. 70 Joules auf die bereiften Prototypen. 40 Joules entsprechen in diesem Szenario ungefähr der Begegnung eines 30 km/h schnellen 90-Kilo-Fahrers mit einem Bordstein. Der Anspruch ist, dass die Felge den Aufprall schadlos übersteht. Und bei 70 Joules? Hier darf die Felge zwar Schäden aufweisen, soll dem Fahrer aber noch ein sicheres Abbremsen bis zum Stillstand ermöglichen, sofern er nicht beim Aufprall 15 Meter weiter im Gebüsch liegt. Bei den auftretenden Kräften ist das ehrlich gesagt das realistischste Szenario. Bei Gravel-Laufrädern liegen die Anforderungen noch mal höher.

Service und Nachhaltigkeit

Das Wheel-Building-Department ist der Service-Hub für HUNT Wheels UK. Hier bekommen nicht nur online bestellte Laufräder ein wenig feinmechanische Zuneigung, sondern auch die Produkte, die über Bike-Shops verkauft wurden. Seit 2020 bedient ein eigener Standort in Boulder, Colorado, den amerikanischen Markt, und seit Sommer 2024 gibt es auch einen HUNT-Hub in Dresden. Europäische Kunden bekommen ihre HUNT Wheels jetzt direkt aus Deutschland, und auch mögliche Reparaturen und Garantiefälle werden vor Ort abgewickelt.

Einerseits setzt HUNT auf eine Technologie, bei der sich Harz und Carbonfasern am Ende eines Laufrad-Lebens wieder separieren und weiterverwenden lassen. Aus einem alten Laufrad wird so zwar noch kein neuer Rahmen, aber vielleicht ein Flaschenhalter oder ein GPS-Mount. Andererseits finden sich auch heute bereits recycelte Carbonfasern in den weniger belasteten Bereichen einiger HUNT-Laufräder.

Bei der Frage nach seiner Vision für das Unternehmen kommt Tom ins Schleudern. Kein vorformuliertes Mission-Statement, kein Performance-Versprechen, stattdessen ein unsicheres Lächeln. „I guess, I just want this to be a place where people enjoy to work and build wheels.“ Dann entschuldigt er sich. Das nächste Meeting ruft.

Zusammenfassung der Hunt Laufräder im Test

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Modelle und Eigenschaften der getesteten Hunt Laufräder zusammen:

Modell Material Felgenhöhe Maulweite Gewicht (Set) Besonderheiten
Hunt 35 Carbon Gravel Carbon 35 mm 25 mm 1499 g Hookless, Gravel-spezifisch
Hunt 44_46 Aerodynamicist Carbon 44/46 mm 22 mm 1376 g (Stahl) / 1274 g (Carbon) Allround, Aerodynamisch optimiert
Hunt 50 Carbon Disc Carbon 50 mm 22 mm 1481 g Aero, Zahnscheibenfreilauf
Hunt Sub50 Limitless Aero Disc Carbon 50 mm >30 mm 1365 g Hookless, Carbonspeichen

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