Motorrad V2 Motor Test: Die Ducati Streetfighter V2 im Detail

Die Streetfighter V2 von Ducati ist ein vielseitiges Naked-Bike mit ausgezeichneten Fahrleistungen und modernster Ausstattung. An diesem Vorzeigemodell orientiert sich die neue Streetfighter V2, indem sie deren aggressives Styling aufgreift. Angefangen beim markanten LED-Scheinwerfer mit typisch V-förmigem Tagfahrlicht über das offensiv auf der linken Seite dargebotene gelbe Federbein bis zur luftigen Heckpartie mit der doppelten Durchlüftung unterm Sitz.

Technische Details des Motors

So liefert der 955 Kubik große 90-Grad-V-Motor 112 kW/153 PS Spitzenleistung und ein Drehmoment von 101 Newtonmetern. Zur Anpassung an persönliche Vorlieben oder die Witterung lässt sich sein Charakter über drei Kennfelder verfeinern, die in drei Fahrprogrammen "Sport", "Road" und "Wet" zusammen mit verschiedenen Einstellungen des ABS, der Traktions- und Wheeliekontrolle sowie der Motorschleppmoment-Regelung hinterlegt sind. Alle anderen Parameter sind über das Menü im farbigen TFT-Display individuell nachjustierbar.

Fahrwerk und Handling

Fahrwerkseitig bleibt die Grundkonstruktion der Panigale V2 erhalten, mit einem Hauptrahmen, der den Motor mittragend integriert und gleichzeitig als Airbox fungiert. Voll einstellbare Federelemente vorn wie hinten gehören in dieser Klasse zum guten Ton. Gemäß dem Einsatzzweck als Naked-Bike sorgt ein neuer Gitterrohr-Hilfsrahmen samt deutlich längerer Schwinge für eine geänderte Fahrwerksgeometrie, über die mehr Last auf das Vorderrad gebracht wird.

Für den Landstraßeneinsatz ist der hohe und breite Aluminiumlenker perfekt, er verbindet den Fahrer bei weitgehend aufrechter Haltung ideal mit dem Motorrad. Das relativ dicke Polster ist mit 84,5 Zentimetern ziemlich hoch, aber schmal genug für guten Bodenkontakt. Die tief liegenden Rasten sorgen für einen entspannten Kniewinkel während der Fahrt. Mehr Spritzigkeit soll dem Desmo-V eine gekappte Sekundärübersetzung bringen, für den Straßenbetrieb haben die Ingenieure das Ansprechverhalten des Ride-by-Wire-Systems sanfter ausgelegt.

Fahreindruck auf der Straße

Sehr agil und mit viel Gefühl fürs Vorderrad prescht die Ducati über die kleinen Sträßchen, lässt sich exakt dirigieren und bietet schon im vergleichsweise zahmen "Road"-Modus noch ausreichend Druck für flotte Fahrdynamik. Spontan und nachdrücklich, aber nicht aggressiv reagiert der Motor auf Gasgriffbefehle und macht selbst im "Sport"-Modus einen sauber kontrollierbaren Eindruck. Stabilitätsprobleme sind der Ducati auch bei schnell aufeinanderfolgenden Schräglagenwechseln fremd. Dafür sorgen die mannigfach einstellbaren Federelemente mit gutem Ansprechverhalten und straffer Dämpfung. Gut harmonieren die Pirelli-Diablo-Rosso-IV-Reifen in 120/70 ZR17 vorn und 180/60 ZR17 hinten, die der Streetfighter V2 nach kurzer Aufwärmphase eine gute Neutralität und Handlichkeit bescheren.

Testfahrt auf der Rennstrecke

Auf der Rennstrecke von Monteblanco zeigt die Ducati ihr zweites Gesicht. Mit kräftigem Sound rast die Streetfighter über die Strecke, die deutlich gestraffte Fahrwerksabstimmung bringt eine hohe Geradeauslauf-, Kurven- und Bremsstabilität und belegt damit die große Bandbreite des hochwertigen Fahrwerks. Beim heftigen Runterbremsen von rund 240 auf 65 km/h - bestens unterstützt vom serienmäßigen Blipper - überzeugt die nur leicht modifizierte Bremsanlage der Panigale V2 mit transparentem Bremsgefühl bei höchster Effizienz. Für beste Sicherheit sorgt die Schräglagenfähigkeit aller Assistenzsysteme.

Technische Daten Ducati Streetfighter V2 (Herstellerangaben)

Merkmal Daten
Motor 2 Zylinder, 90°-V-Motor, 955 ccm Hubraum
Leistung 112 kW (153 PS) bei 10750 U/min
Max. Drehmoment 101 Nm bei 9000 U/min
Ventile/Zylinder 4
Kühlung Flüssigkeitskühlung
Assistenzsysteme u.a. mit kurventauglichem Bosch ABS EVO, Ride-by-Wire, rückwärtsdrehende Kurbelwelle, voll einstellbare Showa-Federgabel, voll einstellbares Sachs-Federbein, Riding-Modes, Traction-Control EVO DTC
Fahrwerk Monocoque Aluminium; Up-Side-Down-Telegabel (43 mm Standrohrdurchmesser), 120 mm Federweg; Zweiarmschwinge Aluminium hinten, 130 mm Federweg
Reifen vorne 120/70 ZR 17
Reifen hinten 180/60 ZR 17
Leergewicht 200 kg

Der neue Ducati V2 Motor mit 890 cm³ und 120 PS

Ducati überrascht mit einem neuen V2-Motor: mit 890 cm³, 120 PS und einem Drehmoment, das an 1.000 Kubik erinnert. Der neue Motor wirkt sehr vernünftig, marktorientiert und Breiten-kompatibel. Dazu kommen noch interessante Technik und ein Drehmoment, das eher an 1.000 Kubik erinnert als an 890 Kubik. Die erste wichtige Kennzahl des neuen V2 von Ducati fiel bereits: die beiden Zylinder messen in Summe ein Volumen von 890 Kubikzentimetern.

Die Zahl ist ebenso überraschend wie beachtlich, da der neue Motor damit kleiner ist als die beiden Triebwerke, die er kurz- und mittelfristig ersetzt: nämlich den Testastretta mit 937 Kubik und den Superquadro mit 955 Kubik. Wobei Superquadro das Stichwort sein kann, denn im Detail ist zu erahnen, dass der neue, einfach nur V2 genannten Motor, vom Superquadro abstammt. Der Hub ist mit 61,5 Millimeter nur 0,7 mm länger als beim extrem kurzhubig geltenden Superquadro mit 955 Kubik. Etwas entschärft das die deutlich kleinere Bohrung von 96 Millimeter zu 100. Trotzdem dreht der neue Motor 10.750 Umdrehungen pro Minute für seine 120 PS Spitzenleistung, um in Gang 5 und 6 bei 11.350 Touren in den Limiter zu drehen. Die Verdichtung liegt bei 13,1:1.

Neue Ducatis ohne Desmo

Jeder neue Motor von Ducati der Neuzeit muss sich direkt der Frage stellen: Desmo oder Nicht-Desmo. Beim neuen V2 verzichtet Ducati wie schon beim Granturismo-V4 auf die Desmodromik und setzt auf eine konventionelle Ventilsteuerung per Federn. Interessant: Die Nockenwellen mit Kettenantrieb werden über ein Zwischenrad indirekt von der Kurbelwelle angetrieben. Ein Kniff der Platz im Zylinderkopf spart und schon beim 1.050er-V2 von Suzuki erfolgreich im Einsatz ist, seit über 20 Jahren. Die Ventile der Einlassseite messen 38,2 Millimeter Tellerdurchmesser und haben hohle Schäfte, womit sie 5 Prozent Gewicht sparen. Die je Zylinderkopf beiden Auslassventile haben Teller mit 30,5 Millimetern im Durchmesser.

Sehr viel Drehmoment

Das Drehmoment des neuen Ducati-V2 ist eines näheren Blickes würdig, denn die 93.3 Nm sind für einen 890er-Motor beachtlich. Die nötige Drehzahl von 8.250 Touren allerdings auch, doch hier kommt das Aber: durch die neue variable Ventilsteuerung der Einlassnockenwelle tunt Ducati den Drehmomentverlauf enorm auf Durchzug. Bereits ab 3.000 Touren erzeugt der V2 immer über 60 Nm. Ein Wert der selbst bei 11.000 Umdrehungen pro Minute nicht mehr unterschritten wird. Erwähnenswert: Die Einlassnockenwelle kann sich bis zu 52 Grad verdrehen und die Überschneidung der Ein- und Auslassventile per gesteuertem Öldruck-Aktuator stufenlos anpassen. Alle 10 Millisekunden überprüft das System den Stand der Nockenwellen zueinander. Das verspricht, ein starker Motor zu werden.

Leichtbau-Motor

54,4 Kilo leicht ist der neue V2 von Ducati, was nur in Relation wirklich wirkt. Zum Vergleich: Der neue Motor wiegt damit 9,4 Kilo weniger als der aktuelle Superquadro und gleichzeitig 5,9 Kilo weniger als der aktuelle Testastretta. Und selbst das Gewicht des luftgekühlten Desmodue in der 800er-Scrambler unterbietet der neue wassergekühlte um 5,8 Kilogramm.

Mehr und weniger Leistung bekannt

Neben den 120 PS als Spitzenleistung des neuen V2 nennt Ducati 2 weitere Werte. 126 und 115 PS. Die 126 PS leistet der Motor in Kombination mit 98 Nm Drehmoment durch eine reine Rennsportanlage, wohl mit einem neuen Mapping. Also nicht für die Straße zugelassen. Die 115 PS tauchen bislang nur verklausuliert auf. Ducati spricht davon, dass diese Leistung den größten Abenteuern gelassen gegenüberstehenstehen soll.

Technische Daten Ducati V2 (Herstellerangaben)

  • 890 ccm großer 90° V-Twin
  • Gewicht 54,4 kg (-9 kg im Vergleich zum Superquadro 955, -5,89 kg im Vergleich zum Testastretta Evoluzione, -5,82 kg im Vergleich zum Desmodue Scrambler)
  • Steuerkette, doppelte obenliegende Nockenwelle, variable Ventilsteuerung (IVT), 4 Ventile pro Zylinder, 38,2 mm Hohlschaft-Einlassventile, 30,5 mm Auslassventile
  • Bohrung x Hub 96 × 61,5 mm
  • Verdichtungsverhältnis 13,1:1
  • maximale Leistung 88 kW (120 PS) bei 10.750 U/min - 126 PS mit Racing-Auspuffanlage und maximalem Drehmoment 93,3 Nm bei 8.250 U/min
  • Version mit stärkerer Lichtmaschine und verkürzten Übersetzungen für den ersten und zweiten Gang, maximale Leistung 85 kW (115,6 PS) bei 10.750 U/min und maximales Drehmoment von 92,1 Nm bei 8.250 U/min
  • Aluminium-Zylinderlaufbuchsen
  • Euro5+-Homologation
  • Mehrscheibenkupplung im Ölbad, servounterstützt und mit Anti-Hopping-Funktion
  • Halb-Trockensumpfschmierung mit Druck- und Spülpumpe
  • Kraftstoffeinspritzung mit Drosselklappen mit 52 mm Durchmesser
  • Sechsganggetriebe mit optionalem Ducati Quick Shift (DQS) 2.0
  • Ölwechsel nach 15.000 km
  • Überprüfung und eventuelle Einstellung des Ventilspiels bei 30.000 km
  • CO₂-Emissionen (WMTC): 120 g/km

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