Über die Alpen mit dem Mountainbike - für viele ein Traum und eine Herausforderung zugleich! Spannende Trails und traumhafte Aussichten sind nur zwei Gründe für eine Transalp. Doch was genau ist eine Transalp überhaupt? In der Regel geht es einmal über den Alpenhauptkamm auf die andere Gebirgsseite. Und obwohl der Weg natürlich das Ziel ist, locken bei einer Überquerung von Nord nach Süd Pizza und Pasta am Mittelmeer oder an einem oberitalienischen See.
Wer möchte, kann die Transalp individuell planen und Dauer und Anforderungen ganz den eigenen Möglichkeiten anpassen. Auf den meisten bekannten Routen ist man zwischen fünf und neun Tagen unterwegs - ohne Pausen- oder Puffertage. Im Hinterkopf behalten sollte man, dass das Wetter in den Bergen - oder auch die eigene Verfassung - zu Verzögerungen führen können. Ein Plan B oder bereits eingeplante Pausen- beziehungsweise Puffertage erhöhen die Erfolgsaussichten der Unternehmung. Was das Zeitfenster für die Transalp angeht: Los gehen kann’s im Sommer, wenn der Schnee geschmolzen ist.
Welche Transalp-Routen gibt es?
Ost- oder Westalpencross? Von Deutschland aus wird sich in vielen Fällen eine Überquerung der Ostalpen anbieten. Generell empfehlen sich die Routen durch die Westalpen sowohl konditionell als auch technisch eher für Fortgeschrittene. Wir stellen die bekanntesten Wege über die Alpen kurz vor:
Ostalpen
Alle Wege führen an den Lago (oder ein anderes Wasser): Besonders bekannt sind die Joe- und die Heckmair-Route, die von Oberstdorf aus in sechs bzw. sieben Etappen an den Gardasee führen. Die Touren werden als mittelschwer bis schwer bewertet. Wer es extremer mag, ist auf der Direttissima gut aufgehoben - hier geht’s hoch bis auf über 3000 Meter. Übernachtet wird teils auf Hütten, teils im Tal.
Die Via Claudia Augusta zählt zu den leichteren Transalp-Routen. Start ist in Oberstdorf oder Garmisch-Partenkirchen (die beiden Routen treffen sich im österreichischen Nauders); Ziel auch hier: der Gardasee. Die Route von Garmisch mit 360 Kilometern und 5200 Höhenmetern ist als leicht eingestuft und auch für Neulinge machbar, von Oberstdorf aus ist sie mit 374 Kilometern und über 8000 Höhenmetern als mittelschwer bewertet.
Auch von zwei bekannten bayerischen Seen - dem Tegernsee und dem Chiemsee - gibt es zwei schwere Mountainbikerouten über die Alpen an den Gardasee. Beliebtes Transalp-Ziel: der Gardasee.
Auch den anderen italienischen Lieblingssee der Deutschen erreicht man von Oberstdorf aus. Auf der schweren Mountainbiketour an den Lago Maggiore kann man sogar dem Comer See noch einen Besuch abstatten. Ansonsten geht es in sechs Tagen über 12.000 Höhenmeter durch Österreich, die Schweiz und Italien.
Wem ein See nicht genug ist: Die Route Berchtesgaden-Venedig führt in sechs Etappen bis an die Adria. Der Großteil der Strecke ist als leicht einzustufen, einzig die zweistündige Passage über den Felber Tauern verlangt etwas mehr Kondition und Technik.
Gleich sieben Seen passiert man auf der 444 Kilometer langen Tour vom Lago Maggiore zum Gardasee, Muskelkraft für knapp 14.000 Höhenmeter braucht es auf der mittel- bis schweren Tour. Einige Seen gibt’s auch auf der Alpennordseite auf dem "BoKö" - wie der Maxweg vom Boden- an den Königssee liebevoll genannt wird.
Westalpen
Ziel: Mittelmeer! Für die Route vom Genfersee nach Ventimiglia braucht man Kondition - und Zeit. Acht Pässe über 2500 Meter summieren sich im Laufe der fast 600 Kilometer langen Strecke auf insgesamt 16.400 Höhenmeter.
Welche Route eignet sich für Transalp-Neulinge?
Wer selten bis nie auf einem Mountainbike saß, sollte sich erstmal an Zwei- bis Dreitagestouren versuchen - am besten mit erfahrener Begleitung, die Tipps zu Planung, Ausrüstung und Fahrtechnik parat hat.
Flusstäler in den Alpen dienten schon vor hunderten Jahren als Transitwege. Und auch heute führen die einfachsten Routen durch diese: Vom Chiemsee aus gibt es zum Beispiel einfache Routen an den Gardasee über Inntalradweg, Reschenpass, Etschtal und Passo San Giovanni oder über Brenner, Eissack- und Etschtal. Routen mit breiten Fahrwegen bieten sich auch für Transalp-Neulinge an.
Welche Transalp schaffe ich?
Wenn du eine Route für dich ausgewählt hast, geht es an den persönlichen Check. Folgende Fragen solltest du dir beantworten:
- Wie viele Etappen hat die Route? Passt dies zu meiner Fitness und meinem zeitlichen Rahmen?
- Jede Etappe genau durchgehen: Wie viele Höhenmeter, wie viele Kilometer sind zu bewältigen?
Wie man das Bike auch in anspruchsvollerem Gelände sicher trägt, sollte man vor der Alpenüberquerung geübt haben.
Was muss alles mit auf die Transalp?
Eine Faustregel, die dafür sorgen sollte, dass die Packlust nicht überhandnimmt, lautet: Maximal acht Kilo sollte der Rucksack (25-30 Liter reichen) für eine Transalp wiegen. Angenommen, man hat Helm, Radhose, Trikot, Buff, Radschuhe, ggf. Handschuhe und Sonnenbrille an und Trinkflaschen und Navigationsgerät am Rad, sollten folgende Dinge in den Rucksack (mit Regenhülle):
- Hose, Oberteil, Unterwäsche für die (Hütten-)Abende
- Optional: Ersatz-Trikot und -Radhose, Wechselsocken
- Regenjacke
- Isolierende (Wärme-)Schicht (in den Bergen kann es auch im Sommer schnell frisch werden)
- Erste-Hilfe-Set
- Biwaksack für Notfälle
- Smartphone, Lademöglichkeit
- Karte digital (wenn möglich im Offlinemodus nutzbar) und Papier
- EC-Karte, Bargeld, Personalausweis, ggf. DAV-Mitgliedsausweis
- Ggf. Hüttenschlafsack
- Energieriegel, Snacks
- Funktionshandtuch (schnelltrocknend)
- Duschgel/Shampoo
- Zahnbürste und -pasta
- Deo
- Sonnencreme
- Ohropax
Ggf. Insidertipp: Bei einer Transalp macht sich jedes zusätzliche Gewicht bergauf schnell bemerkbar. Gerade Neulinge können auch eine geführte Tour in Erwägung ziehen - hier wird oft ein Gepäcktransport angeboten.
Welches Fahrrad nehme ich?
Wer ein eigenes Mountainbike besitzt, wird dieses vermutlich auch für die Transalp nutzen. Wer sich ein Rad leiht oder sogar eine Neuanschaffung erwägt, kann die Wahl des Fahrrads auf die geplante Route abstimmen. Sind technisch eher leichte Touren geplant, reicht ein verhältnismäßig leichtes Cross-Country-Hardtail, bei höherem Trail-Anteil ergibt ein Fully Sinn und wer technisch wirklich anspruchsvoll unterwegs ist, wird vielleicht sogar zum Enduro greifen. Auch Transalps mit dem E-Mountainbike sind heute keine Seltenheit mehr - hier gilt es, weitere Punkte zu beachten (Komme ich mit dem Gewicht des Bikes klar? Wo kann ich den Akku laden? Bin ich auch auf der Abfahrt sicher unterwegs? Etc.).
Ein Leih- oder auch neu angeschafftes Mountainbike fährt man vor der Transalp ausgiebig Probe - und nutzt das Probefahren gleich als Training.
Wer das optimale Bike gefunden hat, kann einige Komponenten einstellen (lassen), um Schmerzen und Fehlhaltungen zu vermeiden. Generell birgt eine bequemere Sitzhaltung auf langen Touren Vorteile. Detaillierte Infos zu den Einstellungen gibt es hier. Auch die Frage nach Pedalen und Schuhen sollte man sich stellen: Sind viele Geh- und Tragepassagen zu erwarten? Führen die Abfahrten über ruppige Trails? Welches Bike passt am besten zu den Anforderungen der gewählten Tour?
Wie plane ich eine Transalp?
Erste Inspiration liefern Blogs, Foren, Bücher, Tourenportale, Social Media …Nach der Entscheidung für eine Route sollte man mit der Detailplanung beginnen und die Etappen auf der Karte durchgehen: Wie lang sind sie und wie schwierig? Wie ist die Wegbeschaffenheit? Wo kann ich mich mit Wasser und weiterem Proviant versorgen? Gibt es im Notfall eventuell sogar eine Werkstatt unterwegs? Besonders zu beachten sind die jeweiligen rechtlichen Gegebenheiten in den (Bundes-)Ländern, also die Frage: Welche Wege darf ich überhaupt mit dem Bike befahren?
Wenn die Etappen geplant sind, heißt es: Unterkünfte buchen. Für die meisten Alpenvereinshütten funktioniert das hervorragend mit dem Online-Reservierungssystem. Bei spontanen Buchungen kann das Last-Minute-Hüttenbett helfen. Selbstverständlich sollte es sein, in der Unterkunft (besonders auf Berghütten) möglichst früh Bescheid zu geben, wenn man die Buchung doch nicht wahrnehmen kann. Insidertipp: Wer die Tour nicht am Wochenende startet, bekommt leichter Platz auf den Hütten und ist nicht mit allen anderen unterwegs. Schon in die Planung sollte man mögliche Pausentage einbeziehen - reserviere ich eine Unterkunft eventuell direkt für zwei Nächte? Einen Plan B für unvorhergesehene Verzögerungen (Wetter, Pannen, etc.) parat zu haben, sorgt für ruhige Nächte.
Auch Hin- und Rückfahrt will bei einer Transalp geplant sein: Kann das Fahrrad überall mitgenommen werden? Insidertipp: Die Fahrradkapazitäten in den Zügen auf beliebten Strecken (wie z.B. vom Gardasee nach Deutschland) sind sehr knapp und ohne frühzeitige Buchung schwer zu ergattern. Eine spontane Fahrradmitnahme ist so gut wie ausgeschlossen.
Wer den Planungsaufwand minimieren möchte, nimmt an einer geführten Tour teil. Angebote finden sich meist auf den Sektionswebseiten. Auch der DAV Summit Club bietet geführte Transalps an.
Mit wem unternehme ich eine Transalp?
Ein ähnlicher Fitnesszustand in der Gruppe beugt Unzufriedenheiten und Enttäuschungen vor. Zwischenmenschlich sollte es natürlich auch passen. Die richtige Begleitung macht die Transalp doppelt schön.
Was muss ich für eine Transalp können?
Solide Fahrtechnik auf allen Untergründen ist das A & O. Einen Überblick gibt es hier, Details im Alpin-Lehrplan Mountainbiken oder beim Fahrtechnikkurs deiner Sektion.
Häufig gibt es Passagen, auf denen das Rad getragen werden muss. Ohne Platten schaffen es wohl die wenigsten über die Alpen. Gerade im Hochgebirge kann man sich genauso wenig auf eine durchgehende Markierung wie auf durchgehenden Handyempfang verlassen - daher sollte man sich unbedingt auch mit Blattkarte und ggf. Kompass orientieren können.
Durchhaltevermögen und der Wille, sich zumindest ein bisschen zu quälen, braucht es für eine Überquerung der Alpen schon auch!
Wissen: Was mache ich im Notfall? Dafür sollte man den Erste-Hilfe-Kurs in regelmäßigen Abständen auffrischen - hier gibt es eine Zusammenfassung der wichtigsten Maßnahmen.
Wie bereite ich mich auf eine Transalp vor?
Radfahren lässt sich wunderbar in den Alltag integrieren, egal ob zur Arbeit, für kleinere Erledigungen oder in den Biergarten - und ist oft nervenschonender als mit Auto oder Öffis.
Die Wochenenden sollte man nutzen, um erste Mehrtagestouren in der Umgebung - gerne auch mit ein paar Höhenmetern z. B. im Mittelgebirge - zu unternehmen.
Gezieltes Krafttraining für Beine und Rumpf. Hier gibt es Trainingstipps für Kraft, Ausdauer und Mobilisation.
Die richtige Planung und Vorbereitung verschaffen Gelassenheit unterwegs. Das gilt auch für die optimale Ausrüstung, also: sich im Vorfeld Zeit nehmen und im Fachhandel beraten lassen. Dann ist man auch mental perfekt auf das anstehende Abenteuer eingestimmt.
Wie bleibe ich fit auf einer Transalp?
Regelmäßig, am besten schon vor dem Hunger-/Durstgefühl, essen und trinken. Unterwegs Energieriegel oder auch mal belegtes Brot oder Trockenobst, in der Unterkunft ordentlich und gerne kohlenhydratreich Abendessen und Frühstücken.
Pause machen! Am besten schon vorab geeignete Plätze auswählen und nicht erst rasten, wenn der Körper schon völlig erschöpft ist.
Wer schon vorher bestimmte Körperregionen als „Schwachstelle“ ausgemacht hat - häufig sind das Po, Hände oder Rücken - sollte auf diese Bereiche besonderes Augenmerk legen. Verschiedene Einstellungen am Rad (siehe oben) auszuprobieren oder eine bewusste Wahl der Radlhose und -handschuhe kann viele Beschwerden lindern. Je nach Körperteil sollte man dennoch bewährte Salben dabeihaben oder wohltuende Übungen kennen.
Wie orientiere ich mich auf meiner Transalp?
Besonders auf viel frequentierten Routen findet man meist Markierungen in Form von Schildern, farbigen Symbolen am Fels oder Steinmännchen - verlassen sollte man sich darauf aber lieber nicht. Daher immer auch Karte (ggf. Bekannte Routen sind meist ausgeschildert - verlassen sollte man sich darauf jedoch nicht. Wer die Touren-App auf dem Smartphone (Achtung: Empfang, Tour vorher herunterladen) oder ein GPS-Gerät zur Orientierung nutzen möchte, braucht eine passende Halterung für den Lenker. Außerdem muss man sich mit der Verfügbarkeit von Lademöglichkeiten auseinandersetzen - im Bestfall hat man eine geladene Powerbank dabei.
Der perfekte Downhill-Flow? Dabei kann man schon mal alles um sich herum vergessen. Insidertipp: Gerade auf Berghütten finden sich oft Gleichgesinnte, die auch auf der Tour unterwegs sind und Auskunft zu Wegbeschaffenheit oder sonstige Tipps geben können. Dasselbe gilt für die Hüttenwirtsleute.
Welche Gefahren und Risiken gibt es bei einer Transalp?
Dass das Wetter in den Bergen schnell umschlagen kann, ist kein Geheimnis. Daher sollte man auf alles vorbereitet sein: Hitze, Kälte und die damit verbundenen Gefahren von Hitzschlag oder Unterkühlung oder Gewitter (Verhaltenstipps gibt’s hier) genauso wie Schnee, der im Hochgebirge bis in den Sommer liegenbleiben kann.
Auch bei akribischer Planung kann es unterwegs zu Erschöpfung oder Überforderung kommen. Was tun? Generell sollte man von Beginn der Tour an dafür sorgen, nicht in einen Erschöpfungs- oder Überforderungszustand zu kommen. Dazu gehört, langsam zu starten und ausreichend Pausen mit Energiezufuhr einzulegen. Aber auch, wenn es dafür zu spät ist, kommt man meist unbeschadet aus der Situation heraus, wenn man ein paar Dinge beachtet. Bei akuter Erschöpfung macht man das Naheliegende: eine Pause, während der man die Energiereserven auch durch Essen und Trinken wieder auffüllt. Bei Überforderung sollte man hingegen versuchen, sich immer nur auf das zu konzentrieren, was direkt vor einem liegt - und alles andere mal kurz ausblenden. Auch hier helfen kurze Auszeiten, z. B. ein Atemzug mit geschlossenen Augen. Selbstverständlich darf und sollte man sich auch aus der Gruppe Unterstützung holen.
Wer fernab der Zivilisation mit dem Bike unterwegs ist, muss mit Pannen umgehen können - und das passende Werkzeug dabeihaben (siehe oben). Die häufigsten Pannen und wie du sie behebst, haben wir hier zusammengefasst.
Verletzungen und Stürze passieren den Besten. Wichtig ist, vorbereitet zu sein und zu wissen, was im Notfall zu tun ist. Das Wetter kann einem schnell einen Strich durch die Rechnung machen.
Klassische Transalp-Routen: diese Veranstalter bieten geführte Touren an
Wer seine MTB-Tour beim Veranstalter bucht, zahlt zwar etwas mehr, muss sich aber um Route, Navigation, Unterkünfte, Gepäcktransport und Rücktransfer nicht mehr kümmern. Von der Kurz-Transalp über viele klassische Alpencross-Routen (z. B. Garmisch-Gardasee) bis zur Westalpenpassage - hier die Adressen der größten Bike-Touren-Veranstalter:
Transalp-Routen mit Lift- und Shuttle-Einsatz bieten immer mehr Veranstalter an. Allerdings bedeutet das nicht, dass man gar keine Höhenmeter mehr selbst treten muss. Die verschiedenen Angebote an MTB-Strecken über die Alpen und Leistungen gibt’s hier:
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