Die mechanische V-Brake Felgenbremse ist auch im Zeitalter der hydraulischen Scheibenbremsen für viele immer noch die erste Wahl am Fahrrad. Sie ist sehr effektiv, technisch einfach aufgebaut und relativ preiswert. Dieser Leitfaden bietet eine detaillierte Anleitung zur Reparatur und Wartung von V-Brake Felgenbremsen am Fahrrad.
Inhaltsübersicht
- Aufbau der V-Brake Felgenbremse
- Funktionsweise der V-Brake Felgenbremse
- Qualitätsunterschiede bei der V-Brake Felgenbremse
- Produkt-Empfehlungen zu V-Brake, Bremsgummi, Felge
- Verschleiß an der V-Brake Felgenbremse
- Einstellung der V-Brake Felgenbremse
- Wartung und Reparatur an der V-Brake Felgenbremse
Aufbau der V-Brake Felgenbremse
Die V-Brake Felgenbremse heißt eigentlich Linear Pull Brake oder Direct Pull Brake. V-Brake ist lediglich der von Shimano vergebene Name für diese Bremse und er wird von vielen Herstellern heute einfach übernommen. Diese V-Brake besteht im Wesentlichen aus den Bremsarmen samt Bremsschuhen, den Bremsgriffen und den Bowdenzügen samt Bowdenzughüllen. Die Bremsarme werden auf passende Aufnahmesockel an Gabel bzw. Sattelstreben montiert und sind drehbar gelagert.
Die im Bremsarm verbaute Schenkelfeder wirkt dem Zug am Bremsgriff entgegen und sorgt für eine ausreichende Vorspannung, damit die Bremsbeläge nicht ständig auf der Felgenflanke entlang schaben. Die Bremsarme nehmen die Bremsschuhe auf und werden über den Bowdenzug angesteuert. Um stets eine symmetrische Bewegung beider Bremsarme zur Felge sicherzustellen, existiert an mindestens einem der Bremsarme eine kleine Einstellschraube, um die Spannung der Schenkelfeder zu dosieren.
Die Bremsschuhe bestehen aus einem Bremsgummi und der Befestigungsschraube für die Aufnahme im Bremsarm. Beim Cartridge-System muss lediglich der Bremsgummi ausgetauscht werden. Hier ist die Halterung samt Befestigungsschraube quasi endlos wiederverwendbar. Dieses System ist auf Dauer preiswerter und bietet noch weitere Vorteile: Du kannst verschiedene Gummimischungen für dein Bike testen (denn da gibt es gewaltige Unterschiede) und es ist sehr genau abzuschätzen, wann der Bremsgummi seine Verschleißgrenze erreicht hat und ausgewechselt werden muss.
Für den Vielfahrer und für Radreisen empfehlen wir auf jeden Fall das Cartridge-System bei der V-Brake Felgenbremse. So beschränkt sich der Verschleißteile-Umfang hier lediglich auf die nackten Bremsbeläge. Die Bremsschuhe sind unbegrenzt wiederverwendbar.
Funktionsweise der V-Brake Felgenbremse
Über den Zug an den Bremsgriffen wird der Bowdenzug gespannt und die Bremsbeläge werden von beiden Seiten zu den Felgenflanken gezogen. Je stärker der Anpressdruck, desto höher ist die Reibung zwischen Felge und Bremsgummi. Ein zu starker unkontrollierter Zug an den Bremsgriffen kann jedoch zum Blockieren der Bremsbeläge auf der Felge führen. Dann wird die Bewegungsenergie unter Umständen durch einen Überschlag des Fahrrads abgebaut und du fliegst dabei über den Lenker.
Achte daher bei der Benutzung einer V-Brake Felgenbremse immer auf einen gefühlvollen Einsatz deiner Handkräfte am Bremsgriff. Zumindest, solange es noch kein Antiblockiersystem am Fahrrad gibt (alles eine Frage der Zeit).
Qualitätsunterschiede bei der V-Brake Felgenbremse
Die V-Brake Felgenbremse genießt seit jeher einen guten Ruf, weil sie eben sehr effizient ist. Wenn dieses Bremssystem mal kritisiert wird, geschieht das oft zu Unrecht. Tatsächlich ist nämlich häufig eine mangelhafte Qualität der Einzelteile die Ursache für Schwergängigkeit oder reduzierte Wirksamkeit beim Bremsen.
Der Bremsgummi
Er sieht trivial aus, doch tatsächlich steckt eine Menge Entwicklungsarbeit dahinter. Eine Gummimischung zu finden, die auch bei Nässe, Hitze, Kälte und vielen anderen Umwelteinflüssen noch sicher ihren Dienst verrichtet, ist eben nicht trivial. Und gute Qualität hat dann ihren Preis. So kostet ein Paar hochwertige Cartridge-Bremsgummis von Kool Stop eben 8 Euro, obwohl es nur „ein bisschen Gummi“ ist.
Entweder du recherchierst im Internet nach den Erfahrungen anderer Biker mit den diversen Bremsbelägen oder du testest sie selber. Wir persönlich schwören seit Jahren auf die Bremsbeläge von Kool Stop. Sie sind nach unserer Erfahrung die Beläge mit den besten Eigenschaften (Bremsverhalten, Verschleiß, usw.).
Die Bremsarme
Je steifer und hochwertiger die Bremsarme, desto effizienter erfolgt die Kraftübertragung vom Bowdenzug auf die Bremsbeläge an der Felge. Die Bremse spricht eher an und es geht unterwegs spürbar weniger Betätigungskraft als Blindleistung verloren. Ein besonders sensibler Punkt ist die Einstellbarkeit der Bremsschuhe zur Felgenflanke. Grundsätzlich ist dieser Punkt bei allen V-Brakes nicht glücklich gelöst, aber dennoch trennt sich hier die Spreu vom Weizen: Eine hochwertige V-Brake ermöglicht eine exakte Feinjustage in der Position des Bremsgummis zur Felgenflanke. Bei minderwertigen Systemen kann das schon mal eine unerträgliche Fummelei werden.
Die Klemmschraube für den Bowdenzug
Bei einer hochwertigen V-Brake liegt der Bowdenzug im Klemmbereich in einer Mulde, die das Aufspleißen des Drahtgeflechts vermeidet. Bei einfachen Systemen wird der Bowdenzug dagegen lediglich zwischen zwei flachen Metallflächen geklemmt und damit lässt sich das Aufspleißen des Bremszuges kaum vermeiden. Und genau dieses Aufspleißen macht die Möglichkeit zur Wartung an den Bowdenzügen unmöglich. Denn in der Regel ist der Bowdenzug dann nach erstmaligem Lösen der Klemmschraube nicht wieder sicher zu fixieren im Klemmbereich.
Die Bremsgriffe
Hohe Steifigkeit, spielfreie Lagerung des Zughebels im Bremsgriff, ergonomische Gestaltung, leicht bedienbare Einstellschrauben, … all das macht einen hochwertigen Bremsgriff aus. Sind die Bremsgriffe zudem noch symmetrisch gestaltet, kannst du sie bei Bedarf links wie rechts verbauen, also auch austauschen, aus welchem Grund auch immer.
Die Bowdenzüge
Einfache Bremszüge bestehen aus verzinktem Stahldraht. Höherwertige Bremszüge aus Edelstahldraht weisen weniger Rauigkeit in der Oberfläche auf und gleiten somit leichter in den Bowdenzughüllen. Zudem sind sie resistenter gegen Korrosion.
Die Bowdenzughüllen
Hochwertige Zughüllen enthalten einen Teflonschlauch. Das bewirkt weniger Reibung des Bowdenzugs gegenüber der Zughülle. Allerdings verträgt Teflon kein Lithium-verseiftes Fett. Folglich empfehlen die Hersteller zum Teil, kein Fett anzuwenden.
Die Alu-Felge
Neben den Bauteilen der V-Brake Felgenbremse zählt hier auch die Qualität der Felge zu den Einflussfaktoren. Eine zu weiche Aluminium-Legierung neigt zum Schmieren, wenn harte Bremsgummis auf der Felgenflanke ans Werk gehen: Es löst sich Material aus der Felge und im Bremsverlauf entstehen daraus Kaltverschweißungen und Riefen auf der Bremsfläche.
Solche Felgen haben eine deutlich geringere Lebensdauer und erhöhen zudem die Abnutzung an der Bremsbelägen. Hochwertige Alu-Felgen bestehen aus einer widerstandsfähigen Aluminiumlegierung und trotzen den harten Belastungen beim Bremsen mit deutlich weniger Verschleiß.
Verschleiß an der V-Brake Felgenbremse
In erster Linie verschleißen bei einer V-Brake die Bremsbeläge und die Felgen durch die Reibung beim Bremsen. Dabei wird dieser Verschleiß massiv beeinflusst durch Witterung, Schmutz auf Felge bzw. Bremsbelag und die Oberflächenbeschaffenheit der Felgenflanke.
Bei trockenem Wetter auf staubfreier Asphaltstraße und mit einer Felgenflanke ohne Riefen oder sonstige Beschädigungen erzielst du eine sehr hohe Standzeit deiner Bremsbeläge und Felgen. Ein hochwertiger Bremsgummi kann unter diesen Bedingungen leicht eine Standzeit von 10.000 km oder sogar mehr erreichen. Dagegen kann bei schlechtesten Bedingungen der gleiche Bremsgummi schon nach einigen hundert km hinüber sein.
Der Verschleiß an der Felgenflanke ist in diesem Zusammengang noch dramatischer. Die Wandstärke der Felgenflanke wird durch den abrasiven Verschleiß immer dünner und irgendwann platzt die Flanke durch den Reifendruck dann ohne Vorankündigung auf.
Manche Felgen haben eine Kontrollrille auf der Felgenflanke, an der sich dieser Verschleiß ablesen lässt. So verpasst du nicht den richtigen Zeitpunkt für den Austausch der Felge. Hat deine Felge jedoch keine solche Verschleißanzeige, musst du dir anders helfen: Reduziere den Luftdruck in deinem Reifen auf das Minimum, stelle die Bremsbeläge deiner Felgenbremse so eng ein, dass sich das Laufrad gerade noch frei drehen lässt und pumpe den Reifen nun auf den max. zulässigen Luftdruck auf.
Wenn das Laufrad sich jetzt nicht mehr frei drehen lässt, ist das ein deutlicher Hinweis auf eine Verformung der Felgenflanke durch die reduzierte Wandstärke. Dann solltest du zeitnah die Felge auswechseln.
Schlecht eingestellte Bremsbeläge können ebenfalls zu erhöhtem Verschleiß im System führen: Die Bremsgummis verschleißen ungleichmäßig und auch die Felge leidet stärker. Langfristig leiden auch die Bowdenzüge unter der Bewitterung: sie können korrodieren. Ebenso können Beschädigungen der Bowdenzughüllen oder Knicke und zu kleine Biegeradien zu einem erhöhten Verschleiß an den Bowdenzügen führen.
Einstellung der V-Brake Felgenbremse
Bevor du nun zum Werkzeug greifst und deine Fahrradbremsen einstellst, erfährst du in unserem Ratgeber, was es bei den unterschiedlichen Bremsen zu beachten gilt.
Position des Bremsgriffs
Für eine effiziente Bedienung ohne Verrenkung oder Ermüdung der Hände müssen die Bremsgriffe in ihrer Position am Lenker richtig ausgerichtet werden. Das betrifft sowohl die Positionierung zu den Lenkergriffen als auch die Winkelstellung. Teste verschiedene Einstellungen, berücksichtige hierbei aber auch Ergonomie und Komfort in der Bedienung der Betätigungshebel für deine Schaltung.
Die Spannung auf dem Bowdenzug
Durch den Verschleiß an den Bremsgummis wird der Betätigungsweg am Bowdenzug immer größer. Folglich muss der Bowdenzug des Öfteren nachgespannt werden. Für kleine Anpassungen drehst du hierfür an der Einstellschraube zwischen Bremsgriff und Bowdenzug. Durch Herausdrehen dieser Schraube verlängert sich die feststehende Bowdenzughülle und der Bowdenzug erhält somit mehr Spannung.
Für größere Anpassungen gibt es zwei Einstell-Möglichkeiten: Die Verschraubung der Bremsbeläge in den Bremsarmen beinhaltet zwei unterschiedlich dicke Distanzring-Pärchen und zwei Unterlegscheiben. Durch das Vertauschen dieser Bauteile beeinflusst du den Abstand der Bremsbeläge zur Felge.
Alternativ kannst du die Klemmung des Bowdenzugs lösen und den Bowdenzug an einer anderen Stelle klemmen. Allerdings leidet das Drahtgeflecht des Bowdenzugs mit jedem Lösen der Klemmschraube: Es spleißt mehr oder weniger stark auf. Daher kommt diese Variante der Einstellung nur im äußersten Bedarfsfall zum Einsatz.
Bremsbelag zur Felge ausrichten
Über die Verschraubung der Bremsbeläge im Bremsarm kannst du die Position der Bremsbeläge zur Felge einstellen. Die beiden Distanzring-Pärchen auf dem Gewindebolzen (Taumelscheiben) bilden hierfür zwei kleine Kugelgelenke und erlauben eine individuelle Anpassung des Bremsbelags zur Felgenflanke. Hierbei ratsam: den Bremsbelag am hinteren Ende mit ca. 0,5 - 1,0 mm Luft zur Felge fixieren. Das vermeidet Quietschgeräusche beim Bremsen. Hierzu klemmst du beim Festschrauben ein Stück Pappe oder ähnliches am hinteren Ende zwischen Felge und Bremsgummi.
Wenn die Bremse einseitig zieht
An den Bremsarmen (an einer Seite oder an beiden Seiten, je nach Modell) befindet sich eine kleine Einstellschraube, über die du die Spannung der Schenkelfeder in den Bremsarmen verstellen kannst. Verändere die Spannung der Feder so, dass beide Bremsarme sich symmetrisch zur Felge bewegen. Das reduziert auch mögliche Reibungsverluste infolge von schleifenden Bremsbelägen während der Fahrt.
Schleifen die Bremsbeläge nur stellenweise bei der Drehung der Laufräder, hat die Felge möglicherweise einen Seitenschlag und muss in diesem Fall zunächst nachzentriert werden. Erst danach erfolgt die Korrektur über die Einstellschrauben an den Bremshebeln.
Hat die Schenkelfeder im Bremsarm generell zu wenig Vorspannung, löse die Verschraubung der Bremsarme auf dem Aufnahmesockel am Rahmen und verändere die Position des Federschenkels in den drei Löchern am Sockel. Hilft auch das nicht mehr, kannst du den langen Flügel dieser Schenkelfeder aushängen und vorsichtig überdehnen, um ihm wieder mehr Spannung zu verleihen.
Wartung und Reparatur an der V-Brake Felgenbremse
Als Erstes werden die beiden Bremsarme auf die dafür vorgesehenen Sockel an der Gabel oder am Hinterbau des Rahmens aufgesteckt. Anschließend fixierst du sie mit den entsprechenden Schrauben. Achte dabei darauf, dass beide Seiten eine ähnliche Federspannung aufweisen, um eine gleichmäßige Funktion zu gewährleisten!
Nun führst du den Bremszug durch den linken Bremsarm, spannst ihn über die Führung und ziehst ihn durch den Quetschbolzen auf der rechten Seite. Ziehe den Zug leicht an, aber noch nicht zu fest, damit du später noch die Feineinstellung vornehmen kannst.
Ein besonders wichtiger Schritt ist das Einstellen der Bremsbeläge. Sie sollten exakt parallel zur Felge stehen und einen Abstand von etwa 0,5 bis 1 mm zur Felgenflanke haben. Achte darauf, dass sie beim Bremsen nicht den Reifen berühren, denn das wäre gefährlich!
Wenn du die Beläge festschraubst, kannst du sie leicht kippen, damit sie an der Vorderkante minimal früher greifen, das verhindert lautes Quietschen beim Bremsvorgang.
Nun geht es an die Zugspannung. Drücke den Bremshebel und prüfe, ob beide Bremsarme gleichzeitig anziehen. Falls nicht, kannst du mit einem kleinen Schraubendreher an den Spannschrauben an den Seiten nachhelfen, bis beide Arme gleichmäßig reagieren.
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