Die Geschichte des alten Kettler Dreirads

Mit großen Hoffnungen kommt Bankbetriebswirtin Susanne (46) aus Laatzen in der Nähe von Hannover zu den Superhändlern. Mitgebracht hat sie ihr orangefarbenes Kettler-Dreirad von 1973. Seitdem sie rausgewachsen ist, stand es auf dem Dachboden. Auch als sie eigene Kinder bekam. „Das ist zu schade für die Kinder“, fand sie.

Als Kind fährt man ja nicht komplett unfallfrei, darum ist der Lack auch etwas mitgenommen. Das gute Stück ist ein Liebhaberstück im besten Sinne. Vor allem für Susanne.

Die Superhändler und das Kettler Dreirad

Da schlucken selbst die abgebrühten Trödelprofis. Überhaupt scheinen sie nur ein freundliches Interesse zu haben, keine Begeisterung. Auch wenn Antoine Richard sich zu einer Proberunde aufschwingt, die er aber bald abbricht. „Ich habe einen Krampf“, ruft er und stellt das Gefährt zurück auf den Podest. „Schön sind die Schutzbleche“, sagt er noch.

Sie glaubt, ja - und will mindestens 220 Euro für ihren fahrbaren Untersatz aus Kindertagen haben. „Ich habe Angst, Dich da reinzuschicken“, sagt Moderator und Trödelprofi Sükrü Pehlivan. Er schätzt, dass keiner der Händler, die in ihren Einzelzimmern auf den Besuch der Verkäuferin warten, mehr als 30 oder 50 Euro zahlen will. Und richtig. Sie müssen sich ein Grinsen vor Entsetzen verkneifen angesichts der Preisvorstellungen.

Trödelfuchs Markus Reinecke würde es für 30 nehmen. Auf Oldtimermessen würden mit sowas gern die Autos dekoriert. Aber 300 Euro sind ihm natürlich viel zu viel.

Susanne hat die Verkäuferrhetorik komplett drauf, wie sie bei Antoine Richard beweist. „Du hast es Probe gefahren. Als Hingucker im Wohnzimmer“, preist sie ihr Gefährt an. Dort hat der Schöngeist vermutlich eher Kristallvasen stehen. Er lächelt breit und antwortet: 150 Euro“, dann eine lange Pause, in der man als Zuschauer verwirrt ist.

Will er diesen Schrott mit Rädern wirklich für 150 Euro kaufen? Krass! Doch dann fährt er fort: „150 Euro gibst Du mir, dann restauriere ich Dir das.“ Susanne lehnt ab, auch wenn es bedeutet, dass sie das Dreirad mit nach Hause nehmen muss.

„Ein bisschen enttäuscht bin ich schon, ich hätte mir mehr Interesse erhofft“, sagt Susanne. "Ich glaube, die hohe Preiserwartung kommt, weil sie in ihr Dreirad verliebt ist", analysiert Gastgeber Pehlivan und kann sich eine bissige Bemerkung angesichts der übertriebenen Preisvorstellungen nicht verkneifen: „Wer sein Dreirad liebt, schiebt es. Und zwar wieder nach Hause.“

Das Ende einer Ära: Kettler stellt die Fertigung ein

Der Kettcar-Hersteller Kettler stellt die Fertigung ein. Nach dem dritten Insolvenzantrag innerhalb von vier Jahren ist nun Schluss. Am Montag wurden die Beschäftigten auf einer Betriebsversammlung über die Schließung informiert.

Die Meldung über die Fertigungseinstellung sorgte bei zahlreichen Menschen für Entsetzen. Viele verbinden Kindheitserinnerungen mit Kettcar.

Unter den Beiträgen sammelten sich zahlreiche Kommentare der User, die uns von ihren Erlebnissen berichten.

  • "Meine Eltern haben mein altes Kettcar auf den Speicher gestellt, als ich größer wurde. Sie haben es dann später meinen eigenen Kindern gegeben. Ich hoffe, meine Enkelkinder benutzen es irgendwann auch, so wie wir. Bin mega stolz drauf. Leider habe ich nie ein eigenes bekommen. Aber selbstverständlich habe ich noch das Kettler Dreirad meiner Kinder und meine Enkelkinder haben natürlich Kettcars in der Garage stehen! Bin wirklich sehr traurig darüber, dass diese Ära zu Ende geht."
  • "Es war ein Teil meiner Kindheit"
  • "Ich hatte eines von meinem Opa bekommen! So 1980 schätze ich! Ich hab Jahre gebraucht, um genug Kraft zu haben, um das Ding überhaupt bewegen zu können! Es ging so schwer zum treten! Auch die Kinder meiner Generation haben schon mit ihren Kettcars die Straßen 'unsicher' gemacht. Es war eine schöne Zeit, unfassbar, dass diese Ära wirklich zu Ende ist."

Instagram-Userin Katrin beschreibt, welche persönlichen Folgen die Kettler-Pleite auf ihre Familie hat: "Die Firma Kettler hat uns ernährt. Mein Mann hat 35 Jahre bei Kettler gearbeitet. Mit 58 jetzt noch mal von vorn anzufangen ist hart. Ich hoffe es gelingt ihm."

FOCUS-Online-User Karl-Hermann Blome ärgert sich über das Ende des Unternehmens und weist der Jugend eine gewisse Teilschuld zu: "Die wahre Ursache ist doch, dass die Kids von heute lieber Computerspiele spielen oder das Handy in der Hand haben und fett werden."

Steffen Poida erklärt zudem die wichtig Rolle, die das Unternehmen in Deutschland eingenommen hat: "Der Begriff 'Kettcar' war einer der ersten Markennamen, die im Duden aufgenommen wurden. Soviel sollte ausreichen, um die Rolle dieses Kettler Produktes in der jüngeren Geschichte zu verdeutlichen. Da endet ein Stück großartige Nachkriegsgeschichte in unserem Land, weil es vor dem globalisierten Markt kapitulieren muss.

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