Anlasser defekt beim Motorrad: Ursachen, Symptome und Kosten

Startprobleme am Motorrad sind tückisch. Sie können ohne Vorwarnung auftreten, bei kaltem wie auch bei warmem Motor, bei neuen wie bei alten Maschinen. Die Fehlersuche kann durchaus aufwendig und schwierig sein, denn viele Komponenten spielen zusammen und kommen als Ursache infrage.

Ursachenforschung: Die Hauptfehlerquellen

Jeder Verbrennungsmotor arbeitet nach einem relativ simplen Prinzip. Der Kraftstoff wird mit Luft vermischt, verdichtet und dann entzündet. Da dazu der Motor drehen muss, gibt es vier Hauptfehlerquellen für Startprobleme:

  • Das Kraftstoffsystem
  • Das Zündsystem
  • Anlasser und Co.
  • Der Bereich Motor und Verdichtung

Erste Schritte bei der Fehlersuche

Wichtig ist es, bei der Fehlersuche systematisch und logisch vorzugehen. Im Folgenden werden die einzelnen Komponenten und möglichen Fehlerquellen genauer betrachtet.

Sicherungen

Der erste Blick geht immer zu den Sicherungen, die man sorgfältig kontrolliert. Eine weitere, wenn auch seltene Möglichkeit ist ein defektes Zündschloss, das die Stromversorgung unterbrechen kann. Prüfen Sie, ob alle Verbraucher (Licht, Blinker und so weiter) nach Drehen des Schlüssels mit Strom versorgt werden.

Tritt ein Startproblem direkt oder kurz nach einer Bastelaktion auf, so ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst verschuldet. Fehler beim Zusammenbau (beispielsweise bei der Tankmontage), abgeklemmte Kabel, durchgebrannte Sicherungen oder eingeklemmte Schläuche sind oft für das Ungemach verantwortlich.

Motor dreht nicht: Batterie als Hauptverursacher

Hier ist in den meisten Fällen, besonders bei tiefen Temperaturen, die Batterie der Verursacher der Probleme. Schnelle Abhilfe unterwegs lässt sich bei alten Maschinen meist durch einen beherzten Tritt auf den Kickstarter, bei Motorrädern ohne Kat durch Anschieben und bei Einspritzern mit Kat durch Überbrücken mit geeigneten Starthilfekabeln erreichen.

Sobald wie möglich sollten dann aber Batterie, Ladestromkreis und Lichtmaschine mithilfe eines Multimeters geprüft werden. Ein Tausch von Batterie, Regler oder Gleichrichter ist relativ unproblematisch, der einer Lichtmaschine schon aufwendiger und meist erheblich teurer.

Liegt das Problem an defekten oder korrodierten Kabeln beziehungsweise Anschlüssen oder Kriechströmen, ist die Fehlersuche allerdings meist ein Geduldsspiel.

Der Hauptverursacher von Startproblemen: eine schwächelnde Batterie.

Anlassersystem prüfen

Sind Batterie und Ladestromkreis in Ordnung, liegt vermutlich ein Defekt im Anlassersystem vor. Der simpelste Fehler ist dabei der Sicherheitsschalter am Seitenständer, der ein Losfahren mit ausgeklapptem Seitenständer verhindern soll. Wegen Verschmutzung oder Korrosion kann er klemmen, und trotz eingeklappten Seitenständers ist dann ein Starten des Motors nicht möglich. Abhilfe schaffen eine Reinigung und Schmierung.

Ein Anlasser wird in der Regel über ein Relais, den sogenannten Anlasser-Magnetschalter gesteuert. Dieses Relais schließt nach Betätigung des Startknopfs den Kontakt zwischen Batterie und Anlasser, und der Anlasser nimmt seine Arbeit auf.

Häufiger ist es allerdings der Magnetschalter selbst, der beschädigt ist. Gibt er trotz geladener Batterie nur ein klackerndes beziehungsweise schnarrendes Geräusch von sich, sollte man ihn prüfen. Dazu kann man den Magnetschalter entweder demontieren und mithilfe einer Widerstandsmessung gemäß der Anleitung des Werkstatthandbuchs prüfen oder ihn in eingebautem Zustand überbrücken.

Dreht der Anlasser nun, so ist der Magnetschalter defekt und muss getauscht werden.

Der Anlasser selbst

Die nächste Möglichkeit ist der Anlasser selbst. Zur Prüfung muss er ausgebaut (das ist bei vielen Motorrädern recht einfach) und zerlegt werden. Kontrolliert werden die Bürstenfedern, Kohlebürsten, Kollektornuten und ein eventueller Masseschluss des Rotors. Alternativ dazu kann man den ausgebauten Anlasser auch zu einer Kfz-Elektrik-Werkstatt (beispielsweise Bosch-Dienst) bringen, die das Problem manchmal für kleines Geld beheben können. Ein Austausch-Anlasser ist die letzte und zugleich teuerste Möglichkeit.

Anlasser-Freilauf

Noch unangenehmer und oft auch teurer ist ein Schaden am Anlasser-Freilauf. Motorräder haben überwiegend sogenannte Freiläufe als Verbindung zwischen Anlasser und Motor, bei denen der Kraftschluss über Federn und Klemmrollen in eine Richtung hergestellt wird und - sobald der Motor läuft - wieder getrennt wird.

Bei einem Defekt dieser sogenannten Anlasser-Kupplung wird der Startvorgang meist von bösen metallischen Geräuschen begleitet, und der Anlasser dreht zwar, nimmt den Motor aber nicht oder nicht immer mit.

Motor dreht, Maschine springt nicht an

Wenn der Motor beim Starten kräftig durchgedreht wird, liegt es zumindest nicht am Anlassersystem. Geht es nur darum, die Maschine möglichst schnell zum Laufen zu bringen, hilft manchmal Startpilot oder alternativ auch einfach Bremsenreiniger, der in den Einlass des Luftfilterkastens gesprüht wird. Dadurch entsteht ein besonders zündfähiges Gemisch, das den Kaltstart erleichtert.

Überprüfung des Kraftstoffsystems

In diesem Fall wird die Fehlersuche mit einer Überprüfung des Kraftstoffsystems fortgesetzt. Dazu gehören Benzinhahn, Leitungen, Filter und - falls vorhanden - die Benzinpumpe. Bei Vergasermotoren kann ein durchsichtiger Benzinfilter aus dem Zubehör, den man hinter einer eventuell vorhandenen Benzinpumpe montiert, im wahrsten Sinne des Wortes für Klarheit sorgen.

Auch ein komplett verunreinigter oder verölter Luftfilter kann die Ursache für Startprobleme sein, denn das Benzin/Luft-Gemisch wird dadurch zu fett. Ein poröser oder verrutschter Ansaugstutzen führt hingegen zum Ansaugen von Nebenluft, sodass der Motor zu mager läuft und zumeist im kalten Zustand nicht anspringen will.

Vergaser

Zum Kreis der "üblichen Verdächtigen" gehören bei dieser Art von Startproblemen vor allem die Vergaser. Nach längerer Standzeit verflüchtigen sich die brennbaren Bestandteile des Benzins. Der verbleibende Restkraftstoff ist nicht mehr zündfähig, und der Motor säuft beim Startversuch ab.

Defekter Benzinhahn

Ein defekter Benzinhahn und/oder ein undichtes Schwimmernadelventil sorgen ebenfalls dafür, dass zu viel Kraftstoff ins System gelangt. Beim Startvorgang saugt sich dann der Isolator der Zündkerzen-Mittelelektrode mit Benzin voll, es entsteht ein Kriechstrom, der Zündstrom wird ohne Funkenbildung abgeleitet, und der Motor "säuft ab".

Kaltstartsystem

Falls der Motor nur in kaltem Zustand schwer anspringt, bei Betriebstemperatur aber problemlos startet, kann logischerweise auch das Kaltstartsystem eine mögliche Fehlerquelle sein. Moderne Maschinen mit Einspritzanlage vertragen in der Regel auch längere Standzeiten klaglos.

Überprüfung der Zündung

Sofern man einen Fehler im Kraftstoffsystem ausschließen kann, steht die Überprüfung der Zündung an. Zuerst prüft man, ob alle Zündkerzenstecker fest auf den Kerzen sitzen, sich nicht gelockert haben und Zündkabel und Kerzenstecker keine Haarrisse aufweisen. Um eventuell vorhandene Feuchtigkeit zu vertreiben, WD 40 oder anderes Kriechöl in den Kerzenstecker sprühen und im Zweifelsfall die Kerzenstecker erneuern.

Auch das Kerzenbild sagt einiges über mögliche Fehlerursachen aus: Ist die Kerze hell und trocken, liegt es wahrscheinlich an der Benzinzufuhr. Ist sie hingegen braun/verrußt und nass, deutet vieles auf keinen oder einen zu schwachen Zündfunken, eventuell aber auch auf einen Kraftstoffüberschuss und damit ein Vergaserproblem hin.

Neben den Steckern und Kerzen können Defekte an Zündspulen, Gebern, Steuergerät beziehungsweise Unterbrecher-Kontakten und natürlich an der Verkabelung ebenfalls Grund für die Probleme sein.

Motordefekt als Ursache für Startprobleme

Als letzte Ursache für die Startprobleme bleibt noch ein Motordefekt, der dazu führt, dass das Kraftstoff/Luft-Gemisch nicht genügend komprimiert wird, um zünden zu können. Erste Auskunft über eine ausreichende Verdichtung gibt ein Kompressionstest.

Kosten für die Reparatur eines Anlassers

Die Kosten für den Wechsel des Anlassers setzen sich aus dem Anschaffungspreis des Neuteils sowie den Arbeitskosten zusammen. Der Anlasser selbst gibt es je nach Fahrzeug und Hersteller neu bereits ab ca. 90 Euro. In der Werkstatt kostet der Austausch eines Anlassers meist zwischen 300 und 700 Euro.

Die wichtigsten Werkzeuge für die Wartung

  • Kerzenschlüssel
  • Neue Zündkerze
  • Fühlerlehre
  • Kupferpaste
  • Startpilot/Bremsenreiniger
  • WD 40 oder Ähnliches
  • Starthilfekabel
  • Benzinstabilisator
  • Multimeter
  • Zündspannungsprüfer
  • Kompressionsmesser
  • Colortune-Kerze

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