Wer bereits darauf brennt sein Fahrrad oder Mountainbike nach der Winterpause wieder den Hang herunterzujagen oder sogar schon eine erste Tour unternommen hat, kann sich in diesem Jahr einen neuen Begleiter aufs Smartphone holen, um seine Tour zu tracken. Apps zur Routenplanung und Navigation vereinfachen die Planung und Durchführung von Radtouren.
Funktionen und Features von Mountainbike-Apps
Denn die Gratis-App MTB Hangtime erfasst interessante Daten zu Ihrer Fahrt. Das ist nicht nur für Statistik-Nerds spannend, sondern bringt auch spaßige Features: Wer Fahrten über die App aufzeichnet kann anschließend beispielsweise live gegen seine eigene Strecken-Bestzeit antreten. MTB Hangtime nutzt alle wichtigen Sensoren, die in Ihrem Handy verbaut sind, um Ihre Fahrradtour so genau wie möglich aufzuzeichnen. Das ist besonders für Mountainbiker wichtig, die sich im Nachhinein Details zu Ihrem Fahrverhalten anschauen wollen, etwa bei besonders schwierigen Sprüngen oder Kurven.
Denn die App erkennt Sprünge automatisch und zeichnet sie als gesonderten Punkt auf der Streckenkarte ein. Ein Klick auf den jeweiligen Sprung öffnet eine Vielzahl an Details, etwa zur Neigung Ihres Fahrrads, der Beschleunigung oder Geschwindigkeit. Darüber hinaus lassen sich aber auch Gesamtinformationen etwa zu Dauer und Distanz der Tour einsehen.
Viele schwören auf die App von Bergfex (Apple & Android). Die gefundenen oder selbst geplanten Touren lassen sich unkompliziert auf dein Garmin-Navigationsgerät übertragen, sodass du auf der Tour nicht mit deinem Handy navigieren musst. Sie funktioniert wie ein KI-gestützter Personal-Coach und passt deine Trainingspläne an dein Leistungsniveau an. Und, klar: Lass alle wissen, wie lange und wo du mit Bike unterwegs gewesen bist. Getrackt wird natürlich mit Strava.
Besonders wenn dein Mountainbike auf Tour unerwartet schlapp macht, kann die App mit ihren über 50 Schritt-für-Schritt-Reparaturanleitungen ziemlich nützlich sein. Man shreddet virtuell. Und das Beste daran?
Die Qual der Wahl: Welche App ist die Richtige?
Kennen Sie das? Sie möchten eine Radtour planen aber eine Frage nach der anderen kommt auf? Wohin soll es gehen? Wo soll die Tour langführen? Gibt es Einkehrmöglichkeiten? Sind lokale Besonderheiten wie Schutzgebiete zu beachten? Womit plane ich die Route? Wie navigiere ich auf dem Rad?
Wir haben vier Apps ausprobiert:
- komoot
- Outdooractive
- Locus Map
- Naviki
Im Anschluss geht es um die Streckenvorbereitung - Selbst planen oder eine Tour aus einem Tourenportal nutzen. Wer selbst plant, sollte immer auch darauf achten, ob vielleicht saisonale Zugangsbeschränkungen auf Wegen bestehen. Gleiches sollte auch überprüft werden, wenn Sie eine Tour von anderen nachfahren möchten. Mehr zu dem Thema gibt es ganz unten unter dem Stichwort Fehlgeleitet.
Detaillierter Vergleich von vier ausgewählten Apps
Komoot
Komoot ist die Nummer 1 der beliebtesten Outdoor-Navi-Apps. Wer die App oder auch die Browser-Version ausprobieren möchte, muss zunächst ein Benutzerkonto anlegen. Darüber erfolgt auch der Datenaustausch zwischen Onlineportal, App und GPS-Geräten.
Betriebssystem: Android & iOS
Kosten: Basis mit regionaler Testkarte gratis; das Offline-Karten-Welt-Paket kostet einmalig 30 Euro, das Premium-Abo mit Zusatzfunktionen 60 Euro pro Jahr.
Zielführung: Die Zieleingabe erfolgt per Karte, Highlights oder über die Suchzeile. Die Adress-Suche ist dabei nicht wirklich benutzerfreundlich. Während der Fahrt erfolgt die Zielführung per Linie auf der Karte, durch Pfeile und Abbiegehinweise. Auch eine Sprachausgabe ist möglich. Wird die geplante Strecke verlassen, erfolgt bei vorhandener Internetverbindung eine Umplanung.
Routenplanung: Selbst auf dem kleinen Handy-Display lassen sich individuelle Routen gut planen. Strecken aus der Portalplanung zu Hause gelangen nahtlos in die App. Zahlreiche fertige Touren-Vorschläge werden angeboten. Diese lassen sich auch leicht nach individuellen Wünschen anpassen.
Offline-Funktionen: Reine Kartendaten lassen sich auf dem Handy speichern. So reduziert sich unterwegs der Datenverbrauch. Für eine Neu- oder Umberechnung, falls die geplante Strecke verlassen wird, ist eine Internetverbindung notwendig.
Vor- und Nachteile der Touren-App komoot
Plus: Einfache Bedienung; gute Streckenvorschläge; viele Schnittstellen (GPS, E-Bike)
Minus: Nicht komplett offline; Premium-Abo mit begrenztem Mehrwert
Outdooractive
Über das hervorragende Touren-Portal von Outdooractive lässt sich einfach eine passende Strecke auswählen. In der Auswahl sind viele Qualitätsstrecken der Fahrrad-Regionen enthalten.
Betriebssystem: Android & iOS
Kosten: Basiskonto mit Werbung; Pro-Abo (30 Euro pro Jahr) mit größerer Kartenauswahl und Offline-Daten; Pro+ (60 Euro pro Jahr) mit noch größerer Kartenauswahl
Zielführung: Individuell geplante Strecken oder Touren-Vorschläge synchronisieren sich automatisch im Hintergrund zwischen Web und App. Direkte Zieleingabe ist ebenfalls möglich. Während der Navigation erfolgt die Zielführung per Linie auf der Karte, durch Pfeile und Abbiegehinweise. Auch eine Sprachausgabe ist möglich. Beim Verlassen der geplanten Strecke gibt es lediglich einen Hinweis, keine Umplanung.
Routenplanung: Schnell noch unterwegs eine eigene Tour planen ist möglich. Allerdings nur mit Internetverbindung. Die Stärke von Outdooractive liegt in der großen Anzahl qualitativ hochwertiger Touren-Vorschläge.
Offline-Funktionen: Eigene Kartenausschnitte und geplante Strecken lassen sich in beiden Pro-Abos herunterladen.
Vor- und Nachteile der Touren-App Outdooractive
Plus: Detaillierte Such- und Filtermöglichkeiten für Touren-Vorschläge; viele Integrationen der Smartwatch
Minus: Nicht komplett offline; kein Re-Routing
Locus Map
Die Spitzen-App für entlegene Gebiete. Bei Locus Map sind alle wesentlichen Funktionen auch ohne Internetverbindung im Gold-Abo verfügbar.
Betriebssystem: Nur Android
Kosten: Basic mit Werbung und reduzierten Funktionen; Silver-Abo (10 Euro pro Jahr): erweiterte Funktionen, aber ohne Offline-Funktionen; Gold-Abo (24 Euro pro Jahr): Voller Offline-Funktionsumfang
Zielführung: Einzelzieleingabe am Smartphone, GPX-Track-Import und Übernahme geplanter Strecken aus dem Web-Routenplaner möglich. Zielführung mit Linie auf Karte, durch Pfeile und Abbiegehinweise. Beim Verlassen der Tour wird die Strecke neu berechnet.
Routenplanung: Strecken unterwegs planen ist möglich. Besser als GPX-Track importieren oder aus dem Locus-Web-Routenplaner übernehmen. Fertige Touren-Vorschläge gibt es bei Locus Map nicht.
Offline-Funktionen: Im Gold-Abo ist eine komplette Offline-Funktionalität enthalten. Karten und Routing-Daten liegen im Speicher vom Smartphone.
Vor- und Nachteile der Touren-App Locus Map
Plus: Volle Offline-Funktion; preiswerte Abo-Modelle; große Kartenauswahl
Minus: Keine fertigen Touren-Vorschläge; Schnittstellen zu GPS und E-Bike fehlen
Naviki
Die Fahrrad-Navigation für den urbanen Raum und für entspannte Freizeit-Touren. Dazu werden die markierten Radrouten bevorzugt in die Planung eingebunden.
Betriebssystem: Android & iOS
Kosten: Kostenlose Basisversion mit Werbung und reduziertem Funktionsumfang; Zusatzfunktionen als Bausteine für Einmalbetrag
Zielführung: Informatives Kartenbild in Ortschaften, wahlweise in drei Design-Stilen. Markierte Radrouten werden hervorgehoben. Zielführung mit Linie auf der Karte, Abbiegepfeilen und als Extra Sprachansage. Wird die geplante Strecke verlassen, erfolgt bei vorhandener Internetverbindung eine Umplanung.
Routenplanung: Profile für diverse Räder. Außer „Alltag“ sind alle Profile kostenpflichtig. Das Freizeit-Profil liefert schöne Touren abseits der Hauptstraßen und orientiert sich an bekannten Radrouten. Viele fahrradspezifische Sonderziele. Komfortable Planung auf dem Computer, von dort gelangen die Touren nahtlos in die App. Für S-Pedelecs werden Radwege automatisch ausgeschlossen.
Offline-Funktionen: Mit dem gekauften Offline-Karten-Extra können Kartendaten auf dem Handy abgelegt werden. Keine Streckenberechnung im Offline-Modus.
Vor- und Nachteile der Touren-App Naviki
Plus: Bekannte Radrouten finden Berücksichtigung; sinnvolle Fahrrad-POIs; Routing für S-Pedelecs
Minus: Nicht komplett offline; keine fertigen Touren-Vorschläge
Streckenvorbereitung: Fertiggericht oder selbst geplant?
Vor dem Tour-Vergnügen steht die Planung und Vorbereitung. Die einen lieben fertige Touren aus einem Tourenportal, für andere ist das Selbstplanen Teil des Abenteuers. Es braucht jeweils vier Schritte, dann sind Sie abfahrbereit.
Die fertige Tour
- Suchen und Filtern im Tourenportal: Aus der Masse an Touren den passenden Kandidaten herausfiltern nach Standort, Länge, Schwierigkeitsgrad & Co.
- Download der Tour: Wunschstrecke als GPX-Track herunterladen.
- Check der Strecke und Übertragung: Geladene Strecke in einem Karten-Tool öffnen und Streckenverlauf und Höhenprofil prüfen.
- Zielführung auf dem Smartphone: Übertragung in die Navi-App auf dem Smartphone. Möglichst alle Daten auf dem Smartphone offline laden und Zielführung starten.
Die selbst geplante Tour
Vor der Planung braucht es erst einmal eine Tour-Idee.
Praxis-Tipps für die Smartphone-Navigation
Ein großes Manko ist der Energieverbrauch der Geräte. Im Vergleich zu Radcomputer ist ein Smartphone unter ungünstigen Umständen schnell leer. Eine Powerbank samt Ladekabel ist neben einer guten Lenkerhalterung obligatorisch. Radreisende sollten immer ein Auge auf die Steckdosen-Infrastruktur haben. Räder mit Nabendynamos können teilweise mit USB-Steckern ausgerüstet werden, sodass Smartphones auch während der Fahrt mit Strom versorgt werden. Zu beachten ist, dass manche Dynamos erst ab einer gewissen Geschwindigkeit genügend Spannung zur Verfügung stellen. Abhilfe schafft ein Pufferspeicher.
In sonnigen Gebieten haben wir auch schon gute Erfahrungen mit faltbaren Solar-Panels gemacht. Zusätzlich sollte alles, was Strom frisst, deaktiviert werden - unnötige Datenverbindungen, Hintergrundaktualisierungen und latent geöffnete Apps saugen die Telefone schnell leer. Auch die Helligkeit des Displays kann zum Stromsparen etwas runtergefahren werden. Bei übersichtlicher Streckenführung kann man das Smartphone ausschalten. Die meisten Apps schicken Abbiegehinweise auf das Sperrdisplay. Radreisenden sei die gute, alte Papierkarte als Ergänzung zur Technik empfohlen.
So nennt man die Navigation mit konkreten Abbiegehinweisen und Ansagen, wie man sie auch aus dem Auto kennt. Ein Track ist die Aufzeichnung der tatsächlich gefahrenen Strecke samt Metadaten wie Geschwindigkeit, Höhe etc. Dabei handelt es sich um einen konkreten Punkt auf der Karte.
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