Fahrradventil wechseln: Eine detaillierte Anleitung

Dieses Thema ist sehr wichtig, denn nur wenn der Fahrradreifen gut befüllt ist, rollt das Fahrrad auch am besten. Es gibt mehrere Fahrradventil-Arten, was oft für Verwirrung sorgt. Warum das so ist und welche Vorteile die unterschiedlichen Fahrradventil-Typen haben, erfährst du hier. Außerdem findest du im folgenden Artikel nützliche Informationen zum idealen Luftdruck und zum Austausch von Ventilen.

Unterschiedliche Ventiltypen im Überblick

Kommen wir zunächst zu den Ventilen, von denen es unterschiedliche Typen gibt: z.B. das Autoventil, das Blitzventil und das Französische Ventil. Alle Infos zu den einzelnen Fahrradventilen und Funktionsweisen der Ventilarten.

Die gängigsten Fahrradventile

  • Autoventil (Schrader-Ventil; AV): Benannt nach seinem Erfinder August Schrader, zeichnet sich das "Autoventil" durch den robusten Aufbau und einfache Handhabung aus. Da es auch bis zu zehn bar Druck aushält, war es für motorisierte Fahrzeuge die erste Wahl.
  • Französisches Ventil (Sclaverand-Ventil; SV): Das französische Ventil - auch Sclaverand- oder Presta-Ventil genannt - hat sich vor allem bei Rennrädern durchgesetzt. Der Grund? Es ist nicht nur besonders schmal (Durchmesser: 6,5 mm), sondern hält auch einem Druck von bis zu 15 bar stand.
  • Blitzventil (Fahrradventil): Das Blitzventil - oft einfach Fahrradventil genannt - ist das am weitesten verbreitete Ventil bei modernen Zweirädern. Oft wird fälschlicherweise Dunlopventil (DV) als Synonym benutzt.

Daneben findet man auch oft das Dunlopventil in Auflistungen von Fahrradventilen, oft als Synonym für das Blitzventil. Und auch wenn der Aufbau ähnlich ist, unterscheiden sich die beiden Typen leicht. Beim Dunlop-Patent wird durch Druck eine Gummimembran beim Aufpumpen weggedrückt, beim Blitzventil eine Metallkugel.

Eine weitere Ventilart ist das seltene Reginaventil, auch italienisches Ventil genannt. Es ähnelt vom Aufbau und Abmessungen dem französischen Ventil, ist aber hierzulande kaum zu finden. Daher sind auch Pumpen mit einem passenden Aufsatz eine Seltenheit.

Autoventil (Schrader-Ventil) im Detail

Ein "Autoventil" muss nicht immer am Auto sein. Ein Autoventil - auch Schrader-Ventil genannt - findet sich heute an nahezu jedem motorisierten Fahrzeug wieder. Da weder der Antrieb noch die Größe des Rads für seine Verwendung relevant ist, ist das Autoventil auch an Fahrrädern wiederzufinden. Und egal, ob es sich um ein klassisches Trekking- oder City-Rad oder ein E-Bike handelt, nahezu alle Fahrräder lassen sich auf ein Autoventil umrüsten.

Vom Aufbau her ist das Schrader-Ventil her recht simpel: Ein federgelagerter Ventileinsatz dichtet das Ventil ab. Wird der mittig stehende Pin eingedrückt, kann Luft eingepumpt werden. Pumpen für Autoventile haben daher auch oft ein Gegenstück zum Pin, damit die Ventilöffnung während des Pumpvorgangs offen steht. Gleichzeitig kann jedoch in diesem Moment auch Luft entweichen, weshalb eine Pumpe mit Rückschlagventil benutzt werden sollte.

Welche Autoventil-Typen gibt es?

Bei Autos, Lkw, Transportern, aber auch Motorrädern und Rollern, kommen meistens "Autoventile" zum Einsatz, da es sowohl ausreichend Luftdruck aushält, genaue Messungen ermöglicht und einfach in der Handhabung ist. Doch auch unter den Schrader-Ventilen gibt es leichte Unterschiede in Aufbau und Material:

  • Gummiventil: Ventile aus Gummi - auch Snap-In-Ventil genannt - sind einfach zu wechseln und günstig in der Anschaffung. Dafür können sie, besonders bei hohem Reifendruck, schneller undicht werden und neigen auch dazu, im Alter porös zu werden. Außerdem gilt: Sie sind nur für Geschwindigkeiten bis 210 km/h zugelassen.
  • Metallventil: Robuster, aber teurer. Ein Metallventil - auch als Clamp-In-Ventil bekannt - wird vor allem bei Alufelgen wegen der Optik bevorzugt. Bei schnellen Fahrzeugen (Höchstgeschwindigkeit über 210 km/h) ist diese Ausführung Pflicht. Darüber hinaus sind sie bei anständiger Pflege oft langlebiger.
  • Ventile mit RDKS: Neben einfachen Gummi- und Metallventilen gibt es beide Ausführungen auch mit Reifendruck-Kontrollsystem (RDKS). Das System ist seit 2014 bei allen Neuwagen Pflicht und soll vor Unfällen durch falschen Reifendruck oder schleichendem Plattfuß verhindern. Dafür sorgt ein Sensor mit einer Batterie (bis zu sieben Jahre Lebensdauer laut Herstellern), der die Daten an ein Steuergerät sendet.

Warum müssen Ventile gewechselt werden?

Der Zahn der Zeit nagt auch am Ventil. Das gilt vor allem bei Gummiventilen, die auf Dauer durch UV-Strahlung, Streusalz, Bremsstaub & Co. porös werden und so nicht mehr dichthalten können. Expert:innen empfehlen, diese Ventile bei jedem saisonalen Reifenwechsel tauschen zu lassen. Viele Fachbetriebe erledigen diese Arbeit standardmäßig.

Auch Ventile mit RDKS-Sensor müssen mindestens alle fünf bis sieben Jahre gewechselt werden. Grund ist hier jedoch die Batterie. Und auch bei Metallventilen kann ein Austausch sinnvoll sein, da auch sie dauerhaft Witterung und Chemikalien ausgesetzt sind. Hier genügt es jede zweite Saison. Wird Druckverlust festgestellt, sollten Ventil und Reifen genau gecheckt werden und alsbald getauscht werden. Das gilt auch, wenn das Ventil etwa durch Bordsteinkontakt verbogen wurde.

Kann man Ventile am Auto wechseln?

Der Tausch eines Autoventils ist selbstverständlich möglich - und bei defekten Ventilen auch notwendig. Im Fachhandel, in Baumärkten oder in Online-Shops finden sich passende Austauschventile fürs Auto. Wichtig ist für den Tausch in Eigenregie auch das passende Werkzeug (wichtig ist hier, welche Art von Autoventil verwendet wird). Am einfachsten läuft der Austausch bei Gummiventilen - auch Snap-In-Ventil genannt, wie sie etwa viele Stahlfelgen haben.

Im Internet finden sich eine Vielzahl an Videos, die den Wechsel veranschaulichen. Da es sich jedoch um ein vitales Bauteil für die Verkehrssicherheit handelt und moderne Autos mit einem Reifendruck-Kontrollsystem ausgestattet sind, das beim Wechsel angelernt werden muss, empfiehlt sich der Besuch bei einer Fachwerkstatt. So wird sichergestellt, dass die Ventile korrekt sitzen und dicht sind sowie Sensoren (wenn vorhanden) korrekt angelernt werden.

Viele Werkstätten wechseln das Ventil oft bereits beim Wechseln der Reifen (nicht Radwechsel im Sommer/Winter) standardmäßig. Wer Bedenken wegen undichter Ventile hat, sollte diese von einem Profi checken lassen.

Was sind die Vorteile eines Autoventils beim Fahrrad?

Ein Autoventil am Fahrrad bietet einige Vorteile, die andere Ventilarten nicht bieten können. Auf der Habenseite des Autoventils steht die einfache Handhabung. Die meisten gängigen Fahrradpumpen sowie alle Luftpumpen an Tankstellen sind mit einem Schrader-Ventil eine Anlaufstelle für Radler:innen mit plattem Reifen. Durch die sichere und robuste Konstruktion sind zudem Defekte am Lufteinlass sehr selten. Und auch der Kraftaufwand (vor allem bei einer Handpumpe) hält sich in Grenzen, da hier kein Druck aufgebaut werden muss, um Luft einzufüllen.

Verwendete Luftpumpen müssen zwingend ein Rückschlagventil besitzen, da sobald der Stift des Ventils vom Pumpenkopf eingedrückt wird, Luft in die Pumpe entweichen würde. Dunlop- und Sclaverand-Ventile benötigen dies nicht, weshalb nicht jede Fahrradpumpe für Autoventile geeignet ist. Zudem ist der Druck mit maximal zehn bar deutlich niedriger als der Reifendruck, der mit einem französischen Ventil (bis 15 bar) erreicht werden kann.

Ein Autoventil eignet sich demnach für Alltags-Fahradfahrer:innen, die auf Reisen schnell und einfach an einer Tankstelle Reifen aufpumpen möchten. Geeignete Fahrradtypen sind daher Trekking- und Mountainbikes, sowie City-Räder und E-Bikes. Rennrad-Fahrer:innen sind mit anderen Ventilarten besser beraten.

Wie wechselt man ein Fahrradventil?

Der Wechsel eines Fahrradventils ist denkbar einfach: Das Ventil ist meistens direkt am Schlauch angebracht und wird daher bei einem Schlauch-Wechsel gleich mitgetauscht. Ein idealer Zeitpunkt, um den Ventiltypen zu wechseln, ist also eine Reifenpanne, bei der der Schlauch zerstört wurde.

Wichtig bei der Auswahl des passenden Fahrradschlauchs sind neben der Radgröße auch die Bohrung der Felge. Das Ventil muss hier passend sitzen, eine Ventilmutter kann (je nach Felge und Ventil) bei der Montage helfen.

Oft lassen sich nur Fahrradfelgen mit Aussparung für Dunlopventile (8,5 mm) mit einem Schrader-Ventill nachrüsten. Bei Fahrrädern mit französischem Ventil (6,5 mm Durchmesser) ist der Austausch nur mit einer neuen Felge möglich.

Ventil austauschen: Anleitung

Der Wechsel von einem Sclaverand- auf ein Autoventil ist eigentlich nicht schwierig. Das Projekt läuft wie ein klassischer Reifenwechsel ab, bis die Felge freigelegt wurde. Danach folgen Sie dieser Anleitung:

  1. Rüsten Sie die Bohrmaschine mit dem Stahlbohrer aus. Achten Sie darauf, dass er gut sitzt.
  2. Fixieren Sie die Felge entweder mit Ihrer Hand oder spannen Sie sie ein. Sie darf sich beim Bohren nicht bewegen.
  3. Setzen Sie nun den Bohrer von außen an das Loch in der Felge an. Bohren Sie ruhig und gründlich, um das Loch zu erweitern.
  4. Nach der Locherweiterung nutzen Sie das Schleifpapier, um das Innere des Lochs so gut wie möglich zu glätten.
  5. Zum Abschluss wischen Sie gut mit einem Tuch über die Felge, um die restlichen Metallspäne zu entfernen.
  6. Nun können Sie den neuen Schlauch mit Autoventil aufziehen.

Schlauchwechsel in Schritten

  1. Die Luft über das Ventil vollständig ablassen. Hierfür das Ventil aufschrauben (gilt für Dunlop und französisches Ventil) beziehungsweise bei Autoventilen mit einem spitzen Gegenstand den Stift reindrücken.
  2. Den Reifen von beiden Seiten Richtung Felgenmitte drücken, dadurch erhält er mehr Spielraum.
  3. Den Reifen vorsichtig mit den Reifenhebern über die Felge hebeln. Den einen Reifenheber durch Verschieben entlang der Felge zum vollständigen Abziehen des Reifens verwenden. Vorsicht: keine scharfkantigen oder eckigen Werkzeuge wie Schraubendreher verwenden!
  4. Der Reifen kann durchaus mit einer Seite in der Felge verbleiben. Am Ventil zunächst die Sicherungsmutter abschrauben. Danach in den Reifen hineingreifen und das Ventil aus dem Felgenloch ziehen. Anschließend den kompletten Schlauch herausnehmen.
  5. Die Reifeninnenfläche und die Felge sollten vor dem Schlauchwechsel untersucht und abgetastet werden. Beim Reifen sollten innen keine Risse oder Fremdkörper spürbar sein und die Felge keine scharfkantigen Stellen oder Verformungen aufweisen.
  6. Vor dem Einlegen des Ersatzschlauchs diesen leicht anpumpen. Dabei nur so viel Luft einfüllen, dass der Schlauch eine runde Form bildet. Dadurch lässt er sich leichter einlegen, und die Gefahr einer Quetschung durch den Reifen wird verringert.
  7. Den Reifen nun zunächst einseitig auf die Felge aufziehen und dabei den Reifenheber zur Hilfe nehmen. Dazu den Reifen auf einer Seite in die Felge einfädeln und anschließend am Felgenumfang entlang in die Felge einfädeln.
  8. Den leicht aufgepumpten Schlauch mit dem Ventil in das Felgenloch stecken. Anschließend wird der Schlauch zwischen Mantel und Felge eingelegt. Vorsicht: Hierbei sollen keine Falten und Quetschungen auftreten!
  9. Den Reifen ohne Reifenheber in die Felge drücken, den Reifenwulst jeweils zur Felgenmitte schieben. Mit etwas Kraft und der Zuhilfenahme der Reifenheber lässt sich der Reifen nun aufziehen. Vorsicht: Sofern der Reifenheber zur Hilfe genommen wird, darf der Schlauch beim Hebeln nicht eingeklemmt werden.
  10. Im letzten Schritt wird der Reifen aufgepumpt, das Laufrad zurück in das Fahrrad gesetzt, die Radnabenverschraubung festgezogen und die Bremsanlage bei Felgenbremsen eingehängt.

Der optimale Luftdruck

Der Fahrradluftdruck ist zum Teil eine individuelle Sache und hängt zudem vom Gewicht und der Streckenbeschaffenheit ab. Grundsätzlich gilt: Weniger Druck sorgt für einen höheren Komfort aufgrund der stärkeren Eigenfederung der Reifen. Allerdings steigt die Gefahr von Reifenpannen. Ein hart aufgepumpter Reifen rollt leichter. Außerdem verschleißt er langsamer und die Anfälligkeit für Defekte ist geringer.

City-, Touren- und Trekkingräder: von 3,0 bar bei einer Reifenbreite von 50 Millimetern bis zu 4,5 bar bei einer Reifenbreite von 35 Millimetern. Um den persönlichen „Wohlfühlluftdruck“ zu ermitteln, eignet sich folgende Methode: Pumpe den Reifen bis zum erlaubten Höchstdruck auf. Rollt das Rad zu hart ab? Reduziere den Druck in kleinen Schritten bis zum gewünschten Level.

Empfohlener Luftdruck für verschiedene Fahrradtypen

Fahrradtyp Empfohlener Luftdruck
Trekking-/Cityrad ca. 3 bis 4 Bar
Mountainbike ca. 2,5 Bar
Rennrad ca. 8 Bar

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