Bänderriss im Sprunggelenk beim Radfahren: Behandlung und Prävention

Ein Bänderriss ist oft die Folge, wenn ein Fuß stark umknickt. Er kann sehr schmerzhaft sein und erfordert viel Geduld. Ein Band oder mehrere Bänder halten der plötzlichen Krafteinwirkung nicht stand und reißen ein oder ganz durch. Die häufigste Ursache für gerissene Bänder sind Sportverletzungen oder Arbeitsunfälle. Manche Menschen haben genetisch bedingt ein höheres Risiko für Bänderrisse.

Ursachen und Symptome

Ein Bänderriss (Bandruptur) kann überall dort im Körper auftreten, wo sich Gelenke befinden. Ein Bänderriss am Fuß wird fast immer durch Umknicken des Fußes nach innen verursacht. Auch im Kniegelenk reißen häufig die Außenbänder - oft durch abrupte Richtungswechsel beim Sport (Sportverletzung). Bänderrisse im Schultergelenk, Handgelenk oder Ellenbogengelenk passieren in der Regel durch einen Sturz. An Fingern sind die Auslöser Stürze, Ballsportarten oder handwerkliches Arbeiten.

Typische Symptome sind starke Schmerzen gleich nach der Verletzung, Schwellung, Druckempfindlichkeit, Bluterguss (Hämatom) und Bewegungseinschränkungen am verletzten Gelenk. Wenn ein Band reißt, hören Betroffene das manchmal sogar als Knallen, Krachen oder Knacken. Es ist meist nicht möglich, das Sprunggelenk zu belasten. Ist das Bein betroffen, fällt Gehen schwer oder gelingt nicht.

Bei einer Verstauchung wird ein Gelenk über das normale Maß verdreht. Als Folge sind die Gelenkkapsel oder die Bänder überdehnt. Manchmal reißen sie auch ein oder durch. Für Laien ist es unmöglich, zwischen einer Bänderdehnung, einem Bänderriss oder einer leichten Verstauchung ohne Beteiligung der Bänder zu unterscheiden. Die Stärke der Schmerzen sagt nicht immer etwas aus über die Schwere der Bandverletzungen. Ist das Gelenk sehr instabil, spricht das eher für einen Bänderriss. Bei Beschwerden (Schwellung, Schmerzen, Bewegungseinschränkung, Bluterguss) sollte man immer zum Arzt oder zur Ärztin.

Wird nicht ausreichend behandelt, kann das Gelenk nach einer Bandruptur noch mehr Schaden nehmen. Erste Anlaufstelle zur Klärung einer Bandverletzung ist ein Orthopäde oder eine Orthopädin. In der Praxis untersucht der Arzt oder die Ärztin das Gelenk zuerst: Durch Beweglichkeitstests kann die Diagnose gestellt werden. Üblich ist eine Röntgenaufnahme, um eine Verletzung am Knochen, beispielsweise einen Bruch, auszuschließen. Die Bänder sind im Röntgenbild aber nicht sichtbar. Ergänzend können dem Arzt oder der Ärztin Ultraschallaufnahmen helfen, das Ausmaß der Bänderverletzung zu erkennen.

Die PECH-Regel

Die PECH- Regel ist eine sehr effektive Maßnahme zur Erstversorgung von Zerrungen, Prellungen, Verstauchungen und von einem Bänderriss. Mit der Behandlung kann man eine mögliche Verschlimmerung verhindern.

Behandlung

Meist behandelt man einen Bänderriss konservativ - also ohne Operation. Die Bandruptur heilt von alleine, dass heißt die Bänder wachsen innerhalb von rund sechs Wochen wieder zusammen. Das betroffene Gelenk muss während der Therapie geschont und entlastet werden. Dafür muss mehrere Wochen lang - meist sechs bis acht Wochen - eine Orthese getragen werden, sogar im Schlaf. Sie stützt das verletzte Gelenk - meist Sprunggelenk - und erlaubt begrenzte Bewegung ohne Belastung. Gegen die anfänglichen Schmerzen helfen Schmerzmittel wie Diclofenac, Ibuprofen oder ASS. Es gibt sie als Salben oder als Tabletten.

Früher wurde bei einem Bänderriss häufiger zur Operation geraten. Heute ist man zurückhaltender in der Therapie. In der OP werden bei einem minimalinvasiven Eingriff (Schlüssellochtechnik) die Bänder vernäht. Bei starker Schädigung werden körpereigene Sehnen an ihre Stelle verpflanzt, beispielsweise bei einer so genannten Kreuzbandplastik. Der Heilungsprozess einer Bandruptur dauert in der Regel sechs bis acht Wochen. So lange sollte man das Gelenk nicht voll belasten.

Die Dauer der Krankschreibung hängt vom Beruf ab. Bei sitzender Tätigkeit, die auch zu Hause erledigt werden kann, ist Arbeiten unter Umständen schon nach wenigen Tagen möglich. Bei einer körperlich belastenden Tätigkeit können Betroffene mit einem Bänderriss wochenlang arbeitsunfähig sein. Joggen oder Ballsport sind innerhalb der ersten sechs bis acht Wochen tabu. Schonung ist in der ersten Zeit der Behandlung wichtig.

Wenn das Gelenk nicht richtig gut verheilt, können Spätfolgen auftreten. Es bleibt instabil und kann schneller verschleißen (Arthrose). Im schlimmsten Fall muss doch operiert werden. Ausreichendes Aufwärmen vor dem Sport ist wichtig.

Das Sprunggelenk beim Radfahren

Das obere und das untere Sprunggelenk sind komplexe Gebilde aus mehreren Knochen, Bändern und Muskeln, die zusammen eine wichtige Rolle für unsere Beweglichkeit spielen. Die Knochen, die das obere Sprunggelenk bilden, sind das Schienbein (Tibia), das Wadenbein (Fibula) und das Sprungbein (Talus). Die Knochen, die das untere Sprunggelenk bilden, sind das Fersenbein (Kalkaneus), das Kahnbein (Os naviculare), das Würfelbein (Os cuboideum) und das Sprungbein (Talus). Das Sprunggelenk ist für viele alltägliche Bewegungen wie Gehen, Laufen und Springen unerlässlich. Obwohl Radfahren im Allgemeinen als gelenkschonende Sportart gilt, sind auch hier Verletzungen und Beschwerden möglich.

Vorbeugung und Rehabilitation

Die richtige Technik und Ausrüstung sind entscheidend, um Verletzungen beim Radfahren vorzubeugen. Das Tragen von gut stützenden Fahrradschuhen und passende Pedale können ebenfalls dazu beitragen, Verletzungen zu vermeiden. Nach einer Sprunggelenksverletzung kann Radfahren auch eine wichtige Rolle in der Rehabilitation spielen. Es gibt verschiedene spezielle Übungen und Techniken, die helfen können, die Funktion des Sprunggelenks nach einer Verletzung wiederherzustellen.

Dazu gehören Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit, der Kraft und des Gleichgewichts, wie z.B. das Heben und Senken des Fußes oder das Balancieren auf einem Bein. Manchmal gibt es Warnzeichen dafür, dass eine Verletzung nicht richtig heilt. Wenn Sie solche Symptome bemerken, ist es wichtig, sofort ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Geben Sie Ihrem Körper die Zeit, die er braucht, um zu heilen, und kehren Sie nicht zu früh zu Ihren normalen Aktivitäten zurück.

Außenbandruptur

Mit „Bänderriss des Sprunggelenks“ oder „Außenbandruptur“ beschreiben viele Patienten eine sehr häufige Verletzung des oberen Sprunggelenks: starke Schmerzen nach kräftigem Umknicken - meist beim Sport oder im Alltag, z.B. an einer Bordsteinkante. Häufige Begriffe mit ähnlicher Bedeutung sind Umknickverletzung des Sprunggelenks oder Supinationstrauma. In Deutschland ereignen sich 8000 solcher Verletzungen pro Tag. Ohne Behandlung zeigt sich 6 Monate nach einem Bänderriss des Sprunggelenks bei 20-30% der Patienten eine chronische Bandinstabilität. Wichtige Untersuchungen sind Ultraschall, MRT und DVT.

Abhängig vom Unfall gibt es sehr viele verschiedene Möglichkeiten sich das obere Sprunggelenk zu verletzen. Die mit Abstand häufigste Variante ist eine Verletzung des kräftigen vorderen Bandes zwischen Sprungbein und Wadenbein - Ligamentum fibulo-talare anterius - kurz LFTA.

Supinationstrauma

Das vordere dieser drei Bänder (LFTA) wird zusammen mit der Gelenkkapsel des oberen Sprunggelenks verletzt, wenn der gesamte Fuß über die Außenseite (die Seite der kleinsten Zehe) wegknickt. Diesen sehr häufigen Unfall nennt man Supinationstrauma - der Fußinnenrand dreht sich nach oben und der Fußaußrand knickt nach unten weg. Auch Adduktion und / oder Innenrotation des Fußes gegen den Unteschenkel können Teil der Umknickbewegung sein. Das Supinationstrauma des Fußes ist in Deutschland die häufigste Sportverletzung überhaupt - etwa jede fünfte Verletzung beim Sport in Deutschland ist eine Supinationsverletzung des oberen Sprunggelenks.

Je schwerwiegender der Unfall, desto mehr wichtige Strukuren des oberen Sprunggelenks werden verletzt. Typischerweise wird bei einer Umknickverletzung des Sprunggelenks zuerst das LFTA verletzt (im Bild rot markiert). Bei noch mehr Krafteinwirkung reißt als nächstes das Band zwischen Wandbeinspitze und Fersenbein (LFC) bis schließlich bei sehr ausgerpägten Verletzungen die Knochen brechen und eine Sprunggelenkfraktur entsteht.

Zu Beginn sind die Beschwerden nach einer Umknickverletzung für fast alle Patienten gleich: starke Schmerzen direkt nach dem Unfall und zunehmende Schwellung im Bereich des Sprunggelenks.

Im günstigsten Fall entsteht nur eine Bänderdehnung, die Gelenkkapsel und die stabilisierenden Bänder des oberen Sprunggelenks sind zwar stark beansprucht worden aber noch intakt. Solch eine Verletzung wird oft auch als etwas ungenau als Sprunggelenksdistorsion bezeichnet. Auch eine Bänderdehnung kann einige Wochen Beschwerden bereiten und sollte konsequent therapiert werden.

Zerreißt das Ligamentum fibulo-talare -anterius (LFTA) zusammen mit der Gelenkkapsel bei einem Unfall (meist ein Supinationstrauma), entsteht die einfachste Form eines Bänderrisses am oberen Sprunggelenk. Auch hier sollten mögliche Begleitverletzungen gezielt von einem Experten untersucht und ausgeschlossen werden. Der Erfolg einer funktionell-konservativen Therapie nach Ruptur des LFTA wird von vielen Patienten und ärztlichen Kollegen unterschätzt.

In ausgeprägteren Fällen einer Umknickverletzung wird zusätzlich zum LFTA auch das nächste stabilisierende Band auf der Außenseite des oberen Sprunggelenks verletzt: das sehr kräftige Ligamentum fibulo-calcaneare - kurz LFC - verbindet die Wadenbeinspitze mit der Außenseite des Fersenbeins und stabilisiert so gleichzeitig das obere und untere Sprunggelenk.

Weitere Verletzungen und Probleme

Oft liegen zusätzlich zum Bänderriss noch weitere Verletzungen vor, die die dringende Abklärung und Behandlung durch einen Spezialisten erfordern. Neben Knochenbrüchen an der Basis des fünften Mittelfußknochens (Ansatz der Peroneus brevis Sehne) und an der Oberseite des vorderen Fersenbeins (Ursprung des Ligamentum bifurcatum) sind das vor allem die Verletzungen der Syndesmose am oberen Sprunggelenk und die Osteochondrale Läsion des Talus.

Die osteochondrale Läsion des Talus (OCL) tritt nach 6,5% aller Umknickverletzungen des oberen Sprunggelenks auf und verursacht zu Beginn selten Schmerzen. Bei anhaltenden Beschwerden nach einer Umknickverletzung sollte deshalb unbedingt zeitnah ein MRT des oberen Spunggelenks durchgeführt werden.

Die größten Probleme nach Bandverletzungen am oberen Sprunggelenk sind dauerhafte Beschwerden, Instabilitätsgefühl und drohender Gelenkverschleiß (sekundäre Arthrose). Patienten die mehrfach und regelmäßig umknicken sind in mehr als der Hälfte der Fälle betroffen (Gribble PA. et al., Sport Med 2016). Auch nach dem ersten Umknickereignis erleben viele Patienten persistente Beschwerden wie Instabilität des Sprunggelenks, Schmerzen im Alltag oder erneutes Umknicken. Nach dem ersten Umknickereignis (Supinationstrauma) ist die Chance auf eine Besserung der Beschwerden in den ersten 12 Monaten jedoch deutlich höher als bei Patienten die schon öfter und mehrfach umgeknickt sind.

Bereits 3-6 Monate nach einem wiederholten Umknickereignis kommt bei ausbleibender Besserung eine Operation in Frage. Nach dem ersten Umknickereignis sollte man mit der Entscheidung für eine Operation bis zu 12 Monate warten, da in dieser Zeit noch mit einer erheblichen Besserung der Beschwerden gerechnet werden kann.

Diagnose und Behandlung im Detail

Eine Verletzung der Außenbänder am oberen Sprunggelenk ist keine Katastrophe - die Prognose ist bei konsequenter Therapie sehr gut. Wichtig ist jedoch die Feststellung, dass es sich tatsächlich „nur“ um einen Bänderriss handelt. Oft sehen wir zusätzliche Verletzungen. Die meisten dieser zum Teil schwerwiegenden Unfallfolgen kann ein medizinischer Laie nicht von einem Bänderriss am Sprunggelenk unterscheiden, denn es zeigen sich sehr ähnliche Beschwerden (z.B. Schmerzen). Außerdem ist ein erweitertes Verständnis der Biomechanik von Verletzungen am oberen Sprunggelenk notwendig, um die gesamte Tragweite einer Verletzung abschätzen zu können.

Die Notfallversorgung direkt nach einer schweren Umknickverletzung erfolgt oft vor Ort in einer Notaufnahme oder durch den Bereitschaftsdienst. Hierbei werden nach einer ärztlichen Untersuchung in der Regel herkömmliche Röntgenbilder angefertigt, um grobe Knochenbrüche auszuschließen. Patienten die häufiger kräftig umknicken und danach keine oder nur geringe Beschwerden entwickeln sind entweder hypermobil (sehr lockere Bänder) oder zeigen deutliche Zeichen einer chronischen Instabilität des oberen Sprunggelenks.

Neben der genauen Anamnese zum Unfallhergang und bestehenden Begleiterkrankungen ist eine differenzierte ärztliche Untersuchung, mindestens von der Großzehe bis zum Kniegelenk, notwendig. Zusätzlich nutzen wir die Digitale Volumentomografie (DVT) zur exakten und hochauflösenden Darstellung der Knochen. So können auch Verletzungen aufgespürt und in den Behandlungsplan mit einbezogen werden, die auf „normalen“ Röntgenbildern nur schwer zu entdecken sind. Liegen zum Zeitpunkt der ärztlichen Vorstellung noch keine Röntgenbilder vor, eignet sich die Digitale Volumentomografie auch hervorragend als Primärdiagnostik. Es ist also nicht erforderlich vor dem ersten Termin bei uns Röntgenbilder extra anfertigen zu lassen.

Noch vor wenigen Jahrzehnten wurden alle Bänderrisse am oberen Sprunggelenk konsequent operiert. Heute weiß man, dass ein Großteil dieser Verletzungen mit konsequenter funktionell-konservativer Therapie beschwerdefrei werden kann (z.B. frühe Vollbelastung mit Orthese). Dazu sind jedoch zwei Dinge zwingend erforderlich: die exakte Diagnose der Verletzung und der sichere Ausschluss von problematischen Begleitverletzungen.

Die Therapie von Bänderrissen am Sprunggelenk erfolgt in drei Phasen:

  1. Entzündungsphase (1. & 2. Woche)
  2. Proliferationsphase (3. bis 6. Woche)
  3. Remoddelierungsphase (ab der 7. Woche)

In den ersten zwei Wochen nach dem Unfallereignis stehen die kurzfristige Schmerzreduktion für unsere Patienten und eine möglichst genaue Analyse der Verletzungsfolgen im Vordergrund (MRT und DVT). Unmittelbar nach dem Unfall sollte das Sprunggelenk für etwa 1-2 Tage vollständig ruhiggestellt und entlastet werden. Neben der allgemein gültigen PECH-Regel (Pause, Eis, Compression, Hochlegen) kommen als Hausmittel Wickel mit Quark oder Retterspitz in Frage.

Sobald nach MRT und DVT die genaue Diagnose gestellt ist, kann die Rehabilitation starten. Schmerzadaptierte Vollbelastung an Unterarmgehstützen bei angelegter Orthese sind der nächste Schritt. Beschwerdeadaptierte physiotherapeutsche Maßnahmen wie Mobilisation der angrenzenden Gelenke, Lymphdrainage, Lymphtape, und Elektrotherapie können ebenso beginnen wie gezielte Trainingsmaßnahmen mit isometrischen Spannungsübungen, schmerzadaptiertes Propriozeptionstraing des verletzten Beins und Kräftigung des gesamten Körpers. Schmerzreduktion und abschwellende Maßnahmen bestimmen für den Patienten die ersten zwei Wochen nach dem Bänderriss.

Ab der dritten Woche nach dem Unfall beginnt die Bandverletzung zu heilen und bildet neue Kollagenfasern (Proliferation). Die neu gebildeten Kollagefasern sollen im Idealfall so ausgerichtet sein, dass Sie einer späteren Belastung optimal standhalten. Damit dieser Prozess zu einem funktionell exzellenten Ergebnis führt, sind gezielte Reize von außen erforderlich.

Patienten beginnen mit Übungen auf dem Fahrradergometer, starten mit physiotherapeutisch angeleitetem leg-press Training und Koordinationstraining. Das propriozeptive Training kann intensiviert und ausgebaut werden. Die Orthese wird weiterhin konsequent getragen und darf lediglich zur Körperhygiene kurz abgelegt werden.

Nach 6 Wochen ist neue Verbindung im Bereich der Bandverletzung entstanden. Diese neue Kollagenverbindung ist noch nicht sehr stabil - jedoch stabil genug um die Orthese nur noch zu tragen, wenn eine Gefahr für erneutes Umknickens besteht (z.B. bei sportlicher Belastung oder auf unebenem Untergrund).

Im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk machen wir etwa sieben Wochen nach dem umknicken ein MRT des oberen Sprunggelenks, um höhergradige osteochondrale Läsionen des Talus sicher auszuschließen. Die Patienten sollen nun Ihre individuelle Trainingsbelastung abhängig vom Schmerzniveau langsam aber konsequent zu steigern. Auftretende Schwellungszustände können mit Kompressionsstrümpfen gut therapiert werden.

Operation

Nach einem Bänderriss am oberen Sprunggelenk muss nur ein kleiner Anteil der Patienten im Verlauf des Heilungsprozesses operiert werden. Bleibt nach 3-6 Monaten trotz intensivem Training ein Instabilitätsgefühl zurück oder kommt es immer wieder zum erneuten Umknicken, wird eine Operation zur Stabilisierung des oberen Sprunggelenkes in Erwägung gezogen.

Falls 3-6 Monaten nach dem Unfall immer wieder chronische Entzündungen oder sogar Einklemmungserscheinungen auftreten, kann ein Impingement des oberen Sprunggelenks vorliegen. Dabei führen entweder Bandreste, eingeschlagene Gelenkkapsel oder die neu gebildete Narbe zu mechanischen Problemen und Reizungen im Gelenk. Hier kann eine Arthroskopie des oberen Sprunggelenks helfen, das Problem zu lösen.

Zu Beginn nicht bemerkte Begleitverletzungen führen oft erst nach mehreren Wochen zu anhaltenden Beschwerden. Neben Verletzungen des Innenbandes und der Syndesmosenbänder sehen wir vor allem Durchblutungsstörungen des Sprungbeins - sogenannte Osteochondrale Läsionen des Talus (OCL), auch Osteochondrosis dissecans (OD) genannt. Dies sind schwerwiegende Verletzungsfolgen, die eine längerfristige Therapie und oft auch eine Operation erfordern.

Das Umknicken des Sprunggelenkes

Das Umknicken des Sprunggelenkes, auch Supinationstrauma genannt, ist schnell passiert. Eine unachtsame Bewegung reicht meist schon aus, um sich das Sprunggelenk zu verletzen. Das Sprunggelenk ist in zwei Gelenke aufgeteilt, das obere (Articulatio talocruralis) und das untere Sprunggelenk (Articulatio talotarsalis). Wobei sich das untere Sprunggelenk noch in das vordere untere Sprunggelenk (Articulatio talocalcaneonavicularis) und das hintere untere Sprunggelenk (Articulatio subtalaris) aufteilt.

Das untere Sprunggelenk ist für die Bewegung des Fußes zur Seite (Supination und Pronation) zuständig. Das obere Sprunggelenk ist für die Streckung und Beugung (Plantarflexion und Dorsalextension) des Fußes zuständig. Gehalten wird es dabei von den Außen- und Innenbändern. Ein Supinationstrauma kann zu einer Bänderdehnung, einem Bandanriss oder einem kompletten Zerreißen, eines oder mehrerer Bänder führen. In schwierigen Fällen kann es sogar zu einem Knochenbruch kommen. Kommt es zum Umknicken des Fußes, können Schmerzen und Schwellungen, bis hin zur Bewegungseinschränkung die Folge sein.

Grade der Verletzung

  • Grad I: Nach dem Umknicken ist ein leichter Schmerz zu spüren.
  • Grad II: Die Verletzung äußert sich mit stärkeren Schmerzen, einer leichten Bewegungseinschränkung und einer Schwellung.
  • Grad III: Es setzt sofort ein starker Schmerz ein.

Eine eindeutige Diagnose kann nur von einem Facharzt gestellt werden. Nach einer Verletzung ist es angeraten, sofort die Maßnahmen der PECH-Regel zu befolgen (P-Pause, E-Eis, C-Compression, H-Hochlagern). Eine zügige Erstversorgung kann und wird den Genesungsverlauf positiv beeinflussen. Bei einem Verletzungsgrad II-III kann es unterstützend notwendig sein, eine Schiene (z.B. Aircast) anzulegen. Auch physikalische Therapien wie Ultraschallbehandlung oder Iontophorese können beim Heilungsverlauf helfen.

Ziel zu Beginn der Behandlung ist es die Schwellung zu minimieren. Die Vergrößerung des Gewebedurchmessers führt zu einer schlechteren Versorgung und Durchblutung der verletzten Region. Das ist allerdings wichtig, damit der Körper die verletzte Struktur heilen kann. Die Schwellung kann durch hochlegen, kühlen und bewegen behandelt werden. Eine Belastung ist insoweit angeraten, als dass sie schmerzfrei oder schmerzarm möglich ist. Durch die Bewegung der Struktur wird die Schwellung schneller abgebaut.

Neben der konservativen Behandlung ist auch eine operative Behandlung möglich. Diese wird aber nur in schweren Fällen durchgeführt.

Rehabilitation und Übungen

Recht zügig nach der Verletzung kann damit begonnen werden, die Eigenreflexe zu schulen, die Propriozeption zu verbessern und die zur Stabilisierung notwendigen Muskelgruppen zu trainieren. Zehen krallen, spreizen und strecken sowie den Fuß hochziehen und strecken sollte schon zeitnah nach der Verletzung geübt werden. Auch das Gehen sollte, solange es schmerzfrei /-arm möglich ist, schnell wieder aufgenommen werden. Das Dehnen der Wadenmuskulatur und das Kräftigen der Schienbeinmuskulatur stehen anschließend im Vordergrund.

Ist die Wadenmuskulatur verkürzt, kann das Umknicken begünstigt werden, da die Muskulatur den Fuß in eine anfällige Richtung zieht. Die Propriozeption, also die Tiefensensibilität, kann durch gezielte Gleichgewichtsübungen, z.B. auf dem Therapiekreisel geübt und verbessert werden.

Es ist ratsam, sich in die helfenden Hände eines kompetenten Physiotherapeuten zu begeben. Klingen die Beschwerden immer weiter ab, ist man auf einem guten Weg.

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