Motorradbegeisterte nehmen auf Touren gerne auch mal den Nachwuchs mit. Doch bevor es gemeinsam auf die Straße geht, ist Vorbereitung notwendig - damit die Kinder wirklich sicher mitfahren.
Ein Kind als Beifahrer ist aber nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Hier sind die Regeln und wichtigen Aspekte, die es zu beachten gilt.
Gesetzliche Grundlagen und Voraussetzungen
Kinder als Beifahrer auf dem Motorrad sind prinzipiell nicht verboten. Es gibt dafür in Deutschland kein gesetzliches Mindestalter.
Der Gesetzgeber regelt die Mitnahme von Kindern auf dem Motorrad in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung:Krafträder, auf denen eine zweite Person befördert wird, müssen mit einem Sitz für Beifahrer ausgerüstet sein.
Laut § 35 a Abs. 9 StVZO sowie mit Blick auf § 61 StVZO müssen Motorräder, auf denen ein Beifahrer mitgenommen wird, mit einem entsprechenden Sitz, einer passenden Haltevorrichtung sowie mit Fußstützen ausgestattet sein.
- Krafträder, auf denen eine zweite Person befördert wird, müssen mit einem Sitz für Beifahrer ausgerüstet sein.
- Hierfür sind Fußstützen und eine Festhaltemöglichkeit vorgeschrieben.
Eine Ausnahme gibt es nur für Kinder unter sieben Jahren: Sie dürfen auch mitfahren, wenn es einen besonderen Sitz gibt, der nur für Kinder ausgelegt ist.
Wer als Motorradfahrer Kinder mitnimmt, die das 7. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, muss zusätzlich neben einem besonderen Sitz auch für eine Radverkleidung oder eine gleich wirksame Einrichtung am Bike sorgen.
Das Kind muss aber in jedem Fall körperlich und geistig reif genug dazu sein.
Die Körpergröße ist dabei von besonderer Bedeutung: Bei einer Sitzprobe auf dem Motorrad zeigt sich, ob der Sprössling mit den Füßen die Fußrasten erreicht.
Kraft und Ausdauer sind ebenfalls wichtig, denn der Beifahrer bzw. die Beifahrerin muss sich über längere Zeit gut festhalten können.
Helmpflicht und Schutzausrüstung
Selbst wenn nur wenige Runden um einen Häuserblock geplant sind, ist das Tragen eines Motorradhelmes auch für das mitgenommene Kind unverzichtbar.
Ein Helm ist für Beifahrer ebenso Pflicht wie für die Fahrer - und damit auch für Kinder.
Ein Fahrradhelm reicht übrigens nicht aus, weil er im Ernstfall keinen ausreichenden Schutz bietet. Im Fachhandel werden geeignete Kinderhelme angeboten.
Kinderhelme sind leichter als die für Erwachsene. Damit wird eine unnötige Belastung im Nacken- und Schulterbereich des Kindes vermieden. Die Schale von Kinderhelmen ist allerdings auch deutlich kleiner als bei normalen Helmen, was weniger Schutz bedeutet. Dafür passt er aber besser.
Wie Erwachsene brauchen auch Kinder unbedingt eine spezielle Schutzausrüstung. Dazu gehören eine extra verstärkte Motorradhose und -jacke sowie robuste, mindestens halbhohe Stiefel und atmungsaktive Motorradhandschuhe. Kinderhandschuhe mit entsprechendem Schutz werden in vielen Variationen angeboten und sind unbedingt zu empfehlen. Winterhandschuhe als Ersatz sind nicht ratsam.
Eltern sollten unbedingt darauf achten, dass die Motorradbekleidung optimal passt. Ist sie zu klein oder zu groß, ist das Kind nicht ausreichend geschützt.
Den besten Schutz und eine größere Flexibilität als Lederbekleidung bietet Textilbekleidung mit abriebfesten Fasern wie Cordura. Diese Kleidung ist allwettertauglich, bietet ein herausnehmbares Innenfutter und auch Weitenregulierung.
Bußgelder bei Verstößen
Wer auf dem Motorrad ein Kind ohne Helm mitfahren lässt, riskiert 60 Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg.
Vorbereitung und Verhalten während der Fahrt
Vor der ersten Ausfahrt sollten Eltern und Kind gemeinsam das richtige Verhalten besprechen und einüben.
Dabei ist es wichtig, dem kleinen Mitfahrer bzw. der kleinen Mitfahrerin zu erklären, mit welchen Fahrmanövern sie rechnen müssen, und wie sie sich beispielsweise in Kurven richtig verhalten.
Sinnvoll ist es auch, vor der Fahrt Klopfzeichen zu vereinbaren, damit das Kind signalisieren kann, wenn es anhalten möchte.
Absolut empfehlenswert: eine Gegensprechanlage, damit der Fahrer bzw. die Fahrerin mit dem Nachwuchs während des Trips stets in Kontakt bleiben kann.
Wichtige Verhaltensweisen für den Beifahrer
- Absprachen über die Kommunikation und Fahrweise sind im Vorhinein zu treffen.
- In der Regel sitzen Sie als Sozius sehr nah am Fahrer und legen die Arme um dessen Hüfte bzw. Taille.
- Ihre Füße stehen während der gesamten Fahrt auf den Fußstützen und Ihre Knie liegen am Motorrad an.
- Überraschen Sie den Fahrer deshalb nicht mit plötzlichen Bewegungen oder einer ruckartigen Gewichtsverlagerung.
- Reagieren Sie jedoch erst mit dem Motorradfahrer und nicht vor ihm.
Besonderheiten im Ausland
Wer im Auslandsurlaub sein Kind auf dem Bike mitfahren lassen will, sollte bedenken: Dort gelten zum Teil andere Regelungen und Bestimmungen im Straßenverkehr, die teilweise auch den Beifahrer bzw. die Beifahrerin betreffen. In manchen Ländern ist die Mitnahme von ganz jungen Kindern ausdrücklich verboten.
Motorrad-Beifahrer: Tipps für eine sichere Fahrt
Motorradfahren mit Sozius ist eine besondere Herausforderung. Damit Touren zu zweit nicht nur dem Fahrer, sondern auch dem Sozius Freude machen, sollten Sie folgende Regeln beachten.
- Mit Sozius ändert sich das Fahrverhalten.
- Auch der Sozius muss richtig gekleidet sein.
- Das Bike vor der Fahrt anpassen.
Anpassung des Fahrverhaltens mit Sozius
Mit einem Sozius ändert sich das Fahrverhalten der Maschine je nach Gewicht sogar deutlich. Die Auswirkungen auf die Achslastverteilung und damit die Fahrphysik: Das Vorderrad wird entlastet und überträgt die Lenkbefehle weniger genau. Das Heck pumpt wegen des Mehrgewichts stärker und kann die Fahrlinie beeinflussen. Deshalb müssen vor einer Fahrt mit zwei Personen die Federelemente der Mehrbelastung angepasst werden. Vor allem im Heck müssen Federvorspannung und - sofern einstellbar - die Dämpfung erhöht werden.
Eine Erhöhung des Reifendrucks ist ebenfalls nötig. Mindestens 0,2 bar mehr als im Solobetrieb sind angebracht, der maximale Reifenluftdruck (siehe Betriebsanleitung) ist allerdings zu beachten. Bei Fahrten mit Sozius gewinnt die Hinterradbremse stark an Bedeutung.
Der Fahrer sollte niemals das Vertrauen seines Sozius enttäuschen. Wilde Ritte und Kurvenkratzen auf der Fußraste sind tabu, sie führen zu Angst und Verkrampfung. Grundsätzlich sollte der Fahrer defensiv und vorausschauend fahren.
Geeignete Motorräder für Beifahrer
Für Beifahrer geeignete Motorräder verfügen über besondere Merkmale, sodass sie problemlos mit Sozius/Sozia gefahren werden können. Beispielsweise sind sie für das zusätzliche Gewicht einer weiteren Person ausgelegt und so konstruiert, dass sich das Motorrad leicht an Beifahrer anpassen lässt.
Folgende Merkmale sind bei beifahrergeeigneten Motorrädern besonders wichtig:
- Bequemer Sitz - Für optimalen Komfort sollte der Soziussitz idealerweise einige Zentimeter höher liegen als der Fahrersitz. Zudem sollte der Sitz breit genug und ausreichend gepolstert sein, sodass er Stützung, Bewegungsfreiheit und lang anhaltenden Komfort bietet.
- Leichtgängige Bedienelemente - Die Bedienelemente des Motorrads sollten einfach zu bedienen und leichtgängig sein. Dadurch wird die Fahrt stabiler und kontrollierter, was besonders wichtig ist, wenn man einen Beifahrer dabei hat.
- Breiter Lenker - Ein breiterer Lenker bietet bessere Kontrolle und Stabilität. Diese sind erforderlich, da sich die Dynamik des Motorrads durch das zusätzliche Gewicht verändert.
- Gute Fahrposition - Das Motorrad sollte Fahrer und Beifahrer eine natürliche und bequeme Sitzposition ermöglichen. Diese beugt insbesondere bei längeren Fahrten Ermüdungserscheinungen vor und sorgt für eine bessere Kontrolle über das Motorrad.
- Sozius-Rückenlehne - Erhöht den Beifahrerkomfort.
- Fahrerkommunikation - Bluetooth-Kommunikationssysteme sind separat vom Motorrad erhältlich.
Alkohol und Beifahrer
Explizite Vorgaben gibt es nicht, was den Alkoholkonsum des Beifahrers betrifft. Ja, für den Beifahrer gelten keine Promillegrenzen. Diese sind lediglich für den Fahrer von Bedeutung.
Allerdings kann ein Beifahrer, der nicht alkoholisiert ist, auch eine echte Hilfe in einigen Situationen bei der Straßennutzung sein.
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