Bekannte deutsche Mountainbiker Namen und die Entwicklung des Sports

André Wagenknecht ohne Mountainbike ist kaum vorstellbar. Der 41-Jährige liebt und lebt den Radsport und ist sogar Deutscher Meister in den Disziplinen Enduro und Downhill. Auch wenn er seine aktive Karriere bereits beendet hat, ist ein Tag ohne Biken für ihn kaum vorstellbar. Rund um seine Wahlheimat Pöhl mit dem Elstertal, der Elstertalbrücke und den Kletter- und Wandergebieten rund herum, ist er ganz viel unterwegs.

Als Testfahrer für neue Produkte, als Fotomodell und Videofahrer oder einfach just for fun. Ich hatte schon in den 1980er-Jahren einen Draht zum Biken, aber einfaches Herumfahren war mir irgendwie zu langweilig. Ich bin schon damals auf umgebauten Klapprädern über Hindernisse gesprungen und auf dem Hinterrad gefahren. Da wusste ich aber noch gar nicht, dass es ein Fahrrad namens Mountainbike gibt, mit dem das alles ganz problemlos klappt. Sehr schnell wurde ich jedoch auf diese Bikes aufmerksam, als in den 1990er-Jahren die ersten auf den Markt kamen.

Da ich immer den Drang hatte, möglichst schnell zu fahren oder möglichst weit zu springen, habe ich meinen Fokus zügig auf den damals noch jungen Downhill-Sport gelegt. Für mich ist erstmal alles Mountainbiken! Wobei die beiden Disziplinen Enduro und Downhill reine Rennsportarten sind. Freeride erklärt sich im Namen selbst - hier ist alles möglich, findet aber zu 99 Prozent auch immer bergab statt. Beim reinen Mountainbiken geht’s durchaus auch bergauf. In mir steckt aber schon immer der Racer, also der Bergabfahrer.

Ich würde sogar behaupten, dass man entweder ein „Racer“ ist, oder nicht. Die Kontrolle über das Bike. Die Geschwindigkeit. Der Geruch im Wald. Die Technik und ihre Möglichkeiten. Und die anderen Menschen, die mit dem Sport verbunden sind. Auch wenn sich die Biker im Vergleich zu den Anfangszeiten des Sports schon stark verändert haben, so sind es doch fast immer Menschen mit Visionen, Querdenker, allesamt freizeit- und naturliebend. Da ich in den letzten Jahren immer mehr in die Entwicklung von Bikes und Zubehör hineinschnuppern durfte, bewegen mich heute mehr die Technik und die Weiterentwicklung der Räder, als eine Zehntelsekunde.

Aber sobald man auf dem Bike sitzt, ist es doch wieder das gleiche Gefühl wie damals: Da ist nichts! Nur du bist da und das Bike! Die Motivation ist also, nach einer Durststrecke erneut auf dem Rad zu sitzen und zu merken: Man war ich dumm, dass ich diese Durststrecke hatte! Am liebsten ist André natürlich gemeinsam mit Freunden - hier die MTB-Größen Steffi Marth und Tobi Woggon - auf den sächsischen Trails unterwegs. Seit ich Vater bin, versuche ich natürlich, meine Zeit auf dem Bike effektiver zu nutzen. Ich reise immer noch, aber fahre auch sehr viel in meiner Heimat - und jetzt gerade natürlich noch mehr.

Wir sitzen in Sachsen auf einer kleinen Goldgrube, denn die Mittelgebirge hier bieten unendliche Möglichkeiten in Sachen Mountainbiken - für jeden Biker, egal welches Level er hat. Gerade auch die neuen Enduro- und All-Moutainbikes ermöglichen extrem viele Bike-Erlebnisse. Sie geben noch mehr Sicherheit, sind noch besser auf die Herausforderungen angepasst und machen einfach extrem viel Spaß. Die dicht bewaldeten Flächen und die langen Flusstäler sind ein Markenzeichen von Sachsen. Bei den Trails denke ich immer an die Steine, wie zum Beispiel im Elstertal, welche bei Nässe auch das Fahrkönnen fordern.

Top-Mountainbike-Spots in Sachsen

André Wagenknecht empfiehlt:

  • Stoneman Miriquidi: Eine fordernde Ein- bis Drei-Tagetour, auf der man die Weite des Erzgebirges entdecken kann.
  • TrailCenter Rabenberg: Das erste und größte TrailCenter Deutschlands ist eine Klasse für sich. Hier findet man richtig naturnahe, zum Teil wurzelige und steinige Trails für jeden Anspruch.
  • Bikewelt Schöneck: Mein Homespot darf natürlich nicht fehlen. Hiermit verbinde ich meinen Titel als erster deutscher Meister im MTB-Enduro im Jahr 2014. Das ist einfach einer der besten Bikeparks, die es in Deutschland gibt. Klein, aber fein!

Marcus Klausmann: Eine Downhill-Legende

Die deutsche Downhill-Legende Marcus Klausmann hat es wieder einmal allen gezeigt. Er wurde bei den Deutschen Downhill Meisterschaften am 21.07.2013 im Conti Bikepark Bad Wildbad, der wohl schwierigsten deutschen Downhillstrecke , zum 15.Mal Deutscher Meister. Sein größter Konkurrent und Teamfahrer im GHOST Factory Racing Team, Johannes Fischbach, fuhr im Seeding Run Bestzeit und ging als großer Favorit ins Rennen.

ENDURO: Nachdem deine Siegesserie bei den Deutschen Downhill Meisterschaften in den Jahren 2011 und 2012 verletzungsbedingt unterbrochen war, bist du dieses Jahr wieder als strahlender Sieger zurückgekehrt. Viele aus der Bikerszene hatten dir diese Rückkehr aufs Siegerpodest nicht mehr zugetraut. Meine spezielle Motivation diese Jahr war es, nach meiner langen Verletzungspause, zu zeigen, dass mit mir noch zu rechnen ist. Gerade die starke nationale Konkurrenz durch „Fischi“, der ja im vergangenen Jahr den Meistertitel im Downhill holte, motivierte mich.

ENDURO: Es stellt sich zwangsläufig die Frage, wie gehst du mit deiner stärksten Konkurrenz, die auch noch im gleichen Team fährt, um. Marcus Klausmann: Also ich komme gerade vom gemeinsamen Pumptrack fahren mit „Fischi“. (“Klausi” zeigt auf sein verschwitztes T-Shirt) Wir verstehen uns gut. Der Downhill-Sport ist ja kein Team-Sport und jeder fährt letztendlich für sich. Und diese Konkurrenz durch „Fischi“ hat mich, wie bereits erwähnt, zusätzlich motiviert. Außerdem hatte ich in der Vergangenheit meine Erfolge im Weltcup, wenn diese auch schon ein paar Jahre zurück liegen.

Marcus Klausmann: Bis Ende Oktober 2012 konnte ich verletzungsbedingt nur Krankengymnastik machen. Meine Grundkondition war total im Keller und mein Saisonziel war ganz klar auf die Deutsche Downhill-Meisterschaft ausgelegt. Marcus Klausmann: Ich will dieses Jahr noch das eine oder andere Downhill-Rennen fahren und im Oktober mit der Familie eine Woche Strandurlaub in Finale Ligure machen. Dort findet ja der letzte Lauf zur ENDURO WORLD SERIES statt, an dem ich teilnehmen möchte, sofern ich noch einen Startplatz bekomme. Außerdem würde ich gerne in Flims (7. Lauf der Specialized-SRAM Enduro Series am 12./13.10.2013) mitfahren. Das neue Ghost AMR Riot 27,5″ Lector 9.

Marcus Klausmann: Mein Training ist heute intensiver, bewusster und kürzer. Marcus Klausmann: Der Enduro-Sport wird eine ähnliche Entwicklung machen wie der Downhill-Sport in den letzten 20 Jahren. Geld wird letztendlich dem professionellen Teil des Enduro-Sportes seinen Stempel aufdrücken. Die Sponsoren werden maßgeblich die Entwicklung bestimmen. Enduro-Rennen sollten sich meiner Meinung nach nicht zu weit von ihrem Ursprung entfernen, d.h. es sollten keine Etappen-Downhill-Rennen werden, das Shutteln ist nicht unproblematisch, da es z.B. wie in Riva die finanzkräftigen Teams/Fahrer bevorteiligt und auch das wochenlange Training vor dem Rennen, wie z.B. Marcus Klausmann: Ich hab immer noch sehr viel Spaß beim Biken, egal ob Downhill oder Enduro.

Aber wenn ich mitmache, dann will ich auch gewinnen. Deshalb werde ich mich im Winter breiter aufstellen, so dass ich meinen Ansprüchen gerecht werden kann und dazu gehört beim Enduro-Fahren natürlich auch mehr Kondition als dies beim Downhill notwendig ist.

Mountainbike-Pioniere und die "Neue Deutsche Welle"

Als stolzer Daddy von Robin und Max-Philip ist Manne der Mann der ersten Stunde und die „graue Eminenz“ im Redaktionsteam. Sein erstes Rad-Rennen gewann er im Grundschulalter beim Schulfest. Nach weniger erfolgreichen Versuchen im Fußball fand er über den Ausdauersport (Marathon) im Jahr 1989 seine Passion fürs Biken! Das Thema Racing verfolgt ihn noch immer, niemand im Team kennt die EWS-Profis besser als Manne. Als ehemaliger Chef-Analyst einer Landesbehörde weiß er, wie man richtig recherchiert, und findet exklusive News, die sonst niemand hat.

Neben vielen Entwicklungsbüros internationaler Radmarken gibt es in Deutschland Firmen, die wahre MTB-Träume im Heimatland fertigen. Was treibt sie an, wie sehen sie die Zukunft des Produktionsstandorts? Und wie fahren sich ihre Bikes?Als Mitte der Neunziger der MTB-Virus aus den USA nach Europa schwappt, ist die Euphorie auch hierzulande groß. Eine schrille Szene formt sich und mit ihr Marken, hinter denen echte MTB-Visionäre stehen. Einer der bis heute bekanntesten ist Karl-Heinz Nicolai. "Kalle" ist mit der Fertigung erst in einer Doppelgarage, dann in einem niedersächsischen Viehstall zu Hause. Von dort aus macht sich Nicolai einen Namen, kommt mit echten Klassikerbikes auf den Markt, viele fahren noch heute.

Während andere bekannte Marken wie Cyclecraft, Votec und Bergwerk aufgekauft werden oder in die Pleite rutschen, mausert sich Nicolai zu einem Hightech-Industrieunternehmen mit Schweißrobotern und etlichen CNC-Fräsen. Auch ein gewisser Jürgen "Jü" Schlender lässt in den Anfangstagen seiner Firma Alutech bei Nicolai Rahmen fertigen.In den 00-Jahren beginnt dann die goldene Zeit deutscher Radgiganten wie Radsport Arnold (heute besser bekannt als Canyon), Ghost und Cube. Deren Fokus auf Wachstum und Volumen jedoch klar "asiatisch" ist. Wie auf dem Weltmarkt üblich übernehmen Dienstleister in Fernost die Produktion der Rahmen und Anbauteile. Lediglich die Endmontage der Räder findet teils in Europa, auch in Deutschland statt.

Ein zweiter Frühling für deutsche Hersteller

Da ist die Faszination Mountainbike natürlich ungebrochen. Der deutsche Ehrgeiz ohnehin. So verwundert es nicht, dass in den 2010er Jahren einige Marken aus der Wettkampfszene heraus neu entstehen: Aus dem Enduro-Rennsport kommen etwa Kevin Dewinski und Chris Reichling von Crossworx, die sich mit ihrer eigenen Radmarke einen lang gehegten Traum erfüllen. Auch Mathias Reichmann als begnadeter Downhill-Racer zückt das Konstruktionspapier, um sich ein Sportgerät nach seinem Gusto zu kredenzen. Nachdem immer mehr Kumpels seinen Rahmen ergattern wollen, legt er den Baustein für die eigene Marke. Ähnlichen Start-up-Geist zeigt man in Dortmund bei Last, wo erste Dirtjump-Rahmen (zunächst unter dem Namen Hase Bikes) in einer Garage parallel zu Studium und Job geschweißt werden.

Als dann die Corona-Pandemie über die deutsche Wirtschaft hereinbricht, ergeben sich für die Kleinserienhersteller à la Crossworx und Kavenz plötzlich ungeahnte Möglichkeiten: "Automotive Zuliefererbetriebe standen auf einmal ohne die riesigen Aufträge da, diese Lücken konnten wir für uns nutzen, um Rahmenteile in Deutschland zu fertigen. So gesehen war Corona für uns die Möglichkeit durchzustarten. Um unser eigenes Bike in Deutschland zu fertigen, konnte wohl keine bessere Chance kommen. Also haben wir uns getraut, diesen Schritt zu gehen, und der Mut wurde belohnt", so Giacomo Großehagenbrock von Kavenz. Auch die Lieferfähigkeit spielt den Herstellern mit deutscher Heimat in die Karten: Als die Logistikkette durch die Lockdowns in Asien zusammenbricht und danach horrende Frachtkosten für Container von Asien nach Europa anfallen, bleibt hier fast alles beim Alten.

Innerhalb von nur wenigen Wochen stellen Kavenz, Last und Co. Custom-Bikes auf die Stollen, lediglich die Lieferverzögerungen der großen Komponentenhersteller wie Shimano und Sram bremsen auch Made in Germany aus.Wie schnell man in der Branche Fuß fasst, zeigt auch Christian Gemperlein. Der Gründer und Geschäftsführer von All Ahead Composites forschte für sein Studium im Bereich der Faserverbundwerkstoffe. Seine Diplomarbeit? Das als Leichtbauikone bekannte Biturbo-Monocoque-Laufrad mit sechs Speichen. Auch er wagt den Schritt zum Unternehmer, der Start der Komponentenmarke Bike Ahead folgt - und die Leichtbauparts schlagen voll ein.

Als Gemperlein für namhafte Hersteller Prototypen fertigt, folgt der Durchbruch. Heute lassen unter anderem die Edelmarken Stoll aus der Schweiz und Last aus Dortmund in der Manufaktur in Würzburg ihre Carbon-Rahmen in wochenbasierten Chargen fertigen. Ob er jemals über eine Verlagerung der Produktion ins vermeintlich günstigere Ausland nachgedacht hat? "Unsere spezielle Carbon-Technologie ist komplex, da brauche ich direkten Zugriff zur Fertigung. Facharbeiter sind überall schwer zu bekommen. Die Rohstoffkosten werden vom Weltmarkt diktiert, und die Energiekostenentwicklung ist zwar unschön für uns, aber fast zu vernachlässigen. Warum also nach Asien? Dass man in Deutschland oder Europa nicht zu konkurrenzfähigen Preisen und Bedingungen fertigen kann, ist für mich ein Irrglaube", sagt der Franke.

Bewusst ist die Manufaktur auf geringe Stückzahlen ausgelegt. Größere Volumen kann Gemperlein aber auch: Gemeinsam mit anderen großen Radfirmen baut er als Berater eine neuartige Carbon- Fabrik in Portugal auf: "Für mich war es schon immer ein Antrieb, Hightech-Carbon- Rahmen auch in Deutschland bzw. Europa herzustellen. Anfangs stieß ich noch auf taube Ohren, mittlerweile ist das Interesse sehr groß."Das lokale Bewusstsein der Kunden sei größer geworden - so beschreibt es auch Kevin Dewinski, Mitbegründer von Crossworx Cycles. "Nicht nur uns begeistert der lokale Fertigungsbezug: Der Großteil der Arbeitsschritte unserer Rahmen - von Kartonagenherstellung über Lackierarbeiten bis hin zum Fräsen der Bauteile - findet im Umkreis von circa 30 Kilometern um unseren Firmensitz statt."

Die Pionierinnen: Susi Dahlmeier und Regina Stiefl

Sie war jung und wollte den Führerschein - darum fuhr Susi Dahlmeier, eigentlich Mittelstreckenläuferin, 1988 ihr erstes Rennen. Als 17-Jährige sparte sie für die Fahrschule, und in Garmisch-Partenkirchen wurde ein Lauf des Grundig Cup ausgetragen. Es war eines der ersten Mountainbike-Rennformate in Deutschland und Vorläufer des Weltcups. Dahlmeier, die damals noch Buchwieser hieß, setzte also ihren Kletterhelm auf, schlüpfte in die Laufhose und schwang sich auf das Rad ihres Leichtathletiktrainers: ein schwerer Stahlesel mit knackender Schaltung, wie sie sich erinnert. Sie startete am Samstag in der Disziplin Dual Slalom, am Sonntag beim Cross Country - und gewann.

"In den Interviews wurde ich gefragt, ob ich zum nächsten Rennen nach Belgien komme. Ich antwortete: Na ja, ich habe eigentlich gar kein Rad", erzählt Dahlmeier. Schnell war ein Sponsor zur Stelle. Susi Dahlmeier, übrigens die Mutter von Biathlon-Star Laura Dahlmeier, ist zusammen mit ihrer Schwester Regina Stiefl eine der Pionierinnen des Mountainbikesports in Deutschland. Sie wuchs in Garmisch-Partenkirchen auf. Bald ging es für Rennen in andere Städte, auch nach Berlin. Dort seien Sportler den Teufelsberg hoch- und runtergefahren, um die Höhenmeter vollzukriegen, so Dahlmeier. Am Anfang habe die Mauer noch gestanden, "ein beklemmendes Gefühl, dort Freizeitsport zu betreiben".

Die Entwicklung des Mountainbikesports

Erfunden wurde das Mountainbike in den USA. Wer Anfang der Siebzigerjahre trainieren wollte, griff zum Rennrad. Dafür bauten sie stabile Cruiser der Marke Schwinn um. Das war, ohne Federung, alles andere als komfortabel, funktionierte aber gut genug, um erste Rennen zu veranstalten. Welches Jahr die Geburt der Sportart markiert, darüber ist man uneins. Vielleicht war es 1976 mit dem ersten Rennen der Downhiller am Mount Tamalpais. Der Begriff "Mountainbike" soll indes Ende der Siebzigerjahre erstmals gefallen sein. Das gefiel Ritchey so gut, dass der Schweißer-Guru fortan unter seinem Namen Mountainbikes produzierte. Mitte der Achtziger schwappte die Welle dann nach Europa und brach quasi direkt vor Ulrich Stancius Füßen.

Zu dieser Zeit gab der Journalist das Magazin "Surf" heraus und interessierte sich auch sonst für alles, was Sport und Spaß zusammenbrachte. Das liberale Denken der amerikanischen Windsurf- und Skateboardszene faszinierte die deutsche Jugend. "Wir haben Kalifornien an den Baggersee geholt", sagt Stanciu. Beim Windsurf World Cup auf Sylt entdeckte er im Sommer 1985 das eigenartige Fahrrad des Schweizer Surfweltmeisters Karl Messmer. "Es hatte dicke Reifen, und der Lenker war ganz anders. So etwas hatte ich noch nie gesehen." Er lieh sich das Rad und fuhr den betonierten Deich hoch und runter. Ihm war klar: Das passt zu uns Surfern.

Stanciu fuhr schon vorher gern Rennrad, in Shorts und mit Ringelsocken, und wurde dafür eher belächelt. Sein Skifreund Klaus Stanner arbeitete für ein Sportgeschäft in Garmisch-Partenkirchen und brachte ihn auf die Idee eines Magazins für Mountainbiker. Das US-Militär hatte damals noch einen Stützpunkt in Garmisch. Die Soldaten seien mit ihren Rädern durch den Ort gefahren und die Leute ganz verrückt danach gewesen; Stanner habe containerweise Mountainbikes aus den USA importiert. "Er meinte: Uli, das geht ab. Da musst du was draus machen", sagt Stanciu.

Uli Stanciu ist auch Mitgründer der Transalp . Das Mountainbike-Etappenrennen soll im Juli 2020 zum 23. Mal stattfinden, mit Teilnehmern aus 40 Ländern. Für die gut 500 Kilometer und 18.000 Höhenmeter hat man sieben Tage Zeit. Die Idee entstand bei einer Mehrtagestour mit zwei Freunden von Mittenwald nach Bozen. Die Federgabel, was für eine ErleichterungVon einer Tour erstellte er ein Roadbook, eine 40-seitige Tabelle mit genauen Anweisungen, wann man wo abbiegen muss. Über das "Bike"-Magazin konnten Leser die Liste bekommen. "Wir hatten in der ersten Woche viereinhalbtausend Anfragen", erzählt Stanciu. Studierende wurden eingestellt und taten nichts anderes, als zu drucken und zu verschicken.

Für seine Verdienste um den Sport wurde Stanciu 2015 in die Mountainbike Hall of Fame aufgenommen, zwei Jahre vor dem deutschen Ex-Cyclocross-Fahrer Wolfgang Renner, der 1982 mit seiner Firma Centurion das erste deutsche Serienmountainbike auf den Markt gebracht hatte. Seitdem hat sich technisch viel getan. V-Brakes wurden durch Scheibenbremsen ersetzt, Rahmen aus Aluminium oder Carbon gefertigt. Größter Meilenstein war aber wohl die Erfindung der Federgabel und später der hinteren Federung.

"Da gab es eine Schlüsselstelle, eine Wurzelpassage mit tiefem Sprung, die ohne Federung irrsinnig schwierig zu fahren war", erinnert sich Susi Dahlmeier an die Downhill-Europameisterschaft im Jahre 1990. Die Zeiten, in denen man als tollkühnes Naturtalent mit Kletterhelm aufs Podium rasen konnte, sind vorbei. Das Equipment ist heute kompromisslos auf Leistung getrimmt, die Fahrer sind es auch. Trotzdem geht es im Grunde noch immer um das Gefühl, das die Repack-Bande bei ihren kalifornischen Sturzfahrten mit Uli Stanciu als Deichbiker auf Sylt und Susi Dahlmeier im Wurzellabyrinth teilte: Freiheit. Und Adrenalin.

Sabine Spitz und Manuel Fumic: Erfolge auf der olympischen Bühne

Das Mountainbiken erfreut sich in Deutschland in der breiten Öffentlichkeit einer immer größer werdenden Beliebtheit. Das Fahren in der Natur zieht die Menschen an, dazu gesellen sich fahrerische Aufgaben, die es in sich haben können. So auch auf der olympischen Bühne. Das deutsche Gesicht im Mountainbikesport ist Sabine Spitz. In fast zwei Jahrzehnten fuhr sie große Erfolge ein. Nach Olympiabronze 2004 in Athen gewann sie vier Jahre später in Peking Gold. 2012 in London kam die Silbermedaille hinzu. Für die einzige deutsche Männer-Medaille bei Olympia oder WM sorgte Manuel Fumic bei den Welttitelkämpfen 2013.

International herausragender Mountainbiker ist der Schweizer Nino Schurter, der wie Spitz einen kompletten olympischen Medaillensatz hat - mit dem goldenen Höhepunkt 2016 in Rio. 2024 in Paris dürfen sich die Fahrer*innen auf einen fordernden Kurs freuen. Austragungsort ist der Elancourt-Hügel, der höchste Punkt der Region Paris mit einer Höhe von 231 Metern. 95 Prozent der Strecke werden auf bestehenden Wegen zurückgelegt.

Raphaela Richter: Deutschlands schnellste Enduro Mountainbikerin

Raphaela Richter ist Deutschlands schnellste Enduro Mountainbikerin. Ab sofort gibt uns die deutsche Meisterin exklusive Einblicke in ihr Leben auf und neben der Rennstrecke. Als rasende Reporterin berichtet sie uns von allen Enduro Worldcup Rennen 2023. Raphaela Richter ist Deutschlands schnellste Enduro Racerin. Ab sofort bloggt die deutsche Meisterin für uns nach jedem Rennen des neuen Enduro Worldcups (ehemals EWS). Nachdem das Feedback auf die Berichte vom Speed Company Racing Team aus der Marathon Welt durchweg positiv waren, haben wir uns entschlossen, auch für Fans des Enduro Sports einen Blog auf die Beine zu stellen.

Ein Anruf reichte, um Raphaela Richter, die amtierende Deutsche Enduro Meisterin, zu motivieren uns nach jedem Enduro Worldcup in Blogform zu berichten. Man schwitzt, man wird dreckig man tut sich weh. Mountainbiken ist ein rauer Sport. ch muss bei der Frage immer schmunzeln. Ganz ehrlich, ich finde das total albern. Warum sollte etwas, nur weil man dabei dreckig wird, den Männern vorbehalten bleiben? Ich liebe es mich aus eigener Körperkraft durch die Natur zu bewegen. Und ich liebes es meinen Körper an sein Limit zu bringen. Beim Mountainbiken kann man diese beiden Faktoren perfekt vereinen. Ich bin mit zwei großen Brüdern auf den Rennstrecken Deutschlands aufgewachsen. Für klischeemäßiges Prinzesinnentum war in meiner Jugend eigentlich gar keine Platz. All Eyes on Raphaela Richter. Im Enduro Worldcup zählt die Bayreutherin zu den schnellsten Damen.

Definitiv. Ich hatte schon immer Sponsoren. Schon früh in meiner Karriere wurde ich von Radon und später dann von Santa Cruz unterstützt. Aber es ist dann nochmal etwas anderes, in einem professionellen Team unterwegs zu sein. Zuvor musste ich 40 Stunden arbeiten, mein Training abspulen und alle Wettkämpfe organisieren. Da kannst du dich nicht zu 100% auf den Rennsport konzentrieren. Das war aber immer mein Ziel. Du bist gerade wieder Deutsche Meisterin im Enduro geworden. Der Titel gibt mir Selbstvertrauen und natürlich etwas Bestätigung. Aber mein Fokus liegt mittlerweile voll auf dem Worldcup. Es gibt einfach noch ein paar Frauen weltweit die schneller fahren als ich. Da geht also noch was.

2019 bin ich zwei Mal auf das Podium der Enduro World Series gefahren. Und genau da will ich dieses Jahr auch wieder hin. Wenn du bei einem Worldcup auf dem Podium stehst weißt du, dass du wirklich alles aus deinem Körper gequetscht hast. Bei Rennen mit kleinen Starterfeldern bei den Damen vergleiche ich mich heimlich auch immer mit den Männern. Das kommt wohl noch von der Zeit als ich mit meinen Brüdern unterwegs war. Ich schau dann immer, wie viel ich hinter den Top Jungs gewesen bin und Frage mich: Wo haben die die Zeit gut gemacht? Du warst auch im Downhill Worldcup schon in den Top 10 unterwegs. Es war ein Mega Erlebnis als ich in Leogang 2019 auf Platz 6 gefahren bin. Auch auf meine Medaille von der 4-Cross Weltmeisterschaft 2018 bin ich stolz.

Wenn du in die Weltspitze willst, kannst du aber nicht Hans Dampf in allen Gassen sein. Mir gefällt die Mischung aus Ausdauer und Fahrtechnik beim Enduro am besten. Ich will in dieser Disziplin erst mal meine Grenzen ausloten, bevor ich mich mal wieder auf ein anderes Bike schwinge. Raphaela liebt große Sprünge, fiese Rock Gardens und besonders technische Trail Sektionen. Die Behauptung "Mountainbiken sein ein rauer Männersport" findet die Schwester zweier großer Brüder total albern. Dank meinem Sponsor Ibis habe ich das Privileg, dass ich mich ein weiteres Jahr voll auf den Sport konzentrieren kann.

Wir waren als Team bereits bei den ersten beiden Worldcup Rennen in Tasmanien unterwegs. Aber ich habe gemerkt, dass meine Fitness und auch meine Skills auf dem Bike prinzipiell auf sehr hohem Niveau sind. In Downunder haben die beiden Puzzle-Stücke einfach noch nicht zueinander gefunden. 2023 liegt mein voller Fokus auf dem Enduro Worldcup. Ich werde vielleicht das ein oder andere Rennen abseits des Worldcups fahren, dann aber mehr als Vorbereitung. Und ich bin ganz ehrlich. Bis zum nächsten Mal. Der bayerische Rundfunk hat eine wirklich hochwertige Dokumentation über 5 Deutsche Mountainbikerinnen gedreht. In der 10-Teiligen Reportage wird Raphaela mehrmals gefeatured und erzählt dabei nicht nur über ihre Motivation Rennen zu fahren, sondern zeigt auch, was sie auf dem Bike wirklich drauf hat.

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