Bequemer Fahrradsattel Mountainbike Test: So finden Sie den Richtigen

„Mein Hintern tut weh, ich kann nicht mehr sitzen!“ - Ein schmerzender Po kann die schönste Fahrradtour vermiesen. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Die Bedeutung des richtigen Fahrradsattels

Der Sattel ist Dreh- und Angelpunkt beim Fahrradfahren. Er sollte so schmal sein, dass er komplett unter dem Radfahrer verschwindet. Der Sattel sollte nicht zu früh zu breit werden. Eine T-Form ist ideal, keine Dreiecksform, denn beim Treten muss der Oberschenkel am Sattel vorbei.

Egal für welchen Fahrradsattel Sie sich entscheiden, er sollte immer im Einklang mit Ihrer Sitzposition und Ihrem Einsatzbereich stehen. Tourenradler sitzen besonders lange auf dem Sattel, manche tragen dabei auch noch einen Rucksack, der das Gewicht, das auf den Sitzknochen lastet, erhöht. Cityradler sind dagegen tendenziell eher kurz unterwegs. Wer aufrecht fährt, belastet den Fahrradsattel hauptsächlich mit dem eigenen Körpergewicht. Reiseradler fahren in der Regel leicht nach vorne gebeugt (45-Grad-Haltung), sodass auch der Lenker das Körpergewicht mitträgt.

Probleme und Lösungen

Radfahrer müssen diese Probleme nicht aussitzen, sondern können etwas dagegen tun. Drehen Sie zunächst an den Stellschrauben Ihres Sattels, und verändern Sie in kleinen Schritten die Einstellung - waagerecht, leicht nach unten kippend, in der Höhe. Möglicherweise haben Sie damit schon das Problem gelöst.

Viele Sattelhersteller bieten mittlerweile ihre Sattelmodelle in verschiedenen Breiten an. Der beste Sattel nützt nichts wenn er falsch montiert und eingestellt wird. Auch die „Sattelhöhe“ ist ein wichtiges Kriterium damit beim Radfahren Freude aufkommt.

Häufige Beschwerden

  • Kribbeln und Taubheitsgefühle im Genitalbereich bei Männern und Frauen aufgrund von Durchblutungsstörungen der Nerven und Blutbahnen.
  • Schmerzen am Sitzknochen: Entweder der Sattel ist noch neu oder er ist zu weich, die Sitzknochen versinken so tief im Sattel, dass das darunterliegende Gewebe gereizt wird.
  • Schmerzen am Steißbein.

Was tun bei Beschwerden?

  • Verändern Sie die Einstellung Ihres Sattels in kleinen Schritten (waagerecht, leicht nach unten kippend, in der Höhe).
  • Achten Sie auf die richtige Sattelbreite, die zu Ihrem Sitzknochenabstand passt.

Sitzknochenabstand messen

Der Münchner Hersteller SQlab hat die Methode der Sitzknochenvermessung in Deutschland etabliert. Aber auch andere Hersteller bieten Sättel an, die auf der Berechnung des Sitzknochenabstands basieren. So bieten viele Fachhändler an, den Sitzknochenabstand ihrer Kunden zu messen.

Um den Sitzknochenabstand zu messen, brauchen Sie Wellpappe, eine Sitzgelegenheit mit ebener Oberfläche, einen Stift und ein Lineal. Die Wellpappe wird auf die gerade Sitzfläche (beispielsweise ein Hocker) gelegt. Setzen Sie sich nun mittig auf die Pappe und richten Ihren Oberkörper auf, die Füße stellen Sie auf die Zehenspitzen, damit die Sitzknochen mehr Druck auf die Pappe ausüben. Umkreisen Sie nun mit einem Stift den Abdruck, und kennzeichnen Sie den tiefsten Punkt mit einem Kreuzchen.

Satteltypen und ihre Besonderheiten

Stufensattel

Beim Stufensattel ist der hintere breite Teil des Sattels höher, der vordere Teil liegt tiefer. Der Fahrer sitzt mit seinen Sitzknochen auf dem erhöhten hinteren Teil. Dadurch lastet weniger Gewicht auf dem Dammbereich und den Genitalien. Die empfindlichen Nerven und Blutgefäße im Dammbereich werden nicht komprimiert. Stufensättel können den Druck je nach Modell um bis zu 80 Prozent reduzieren. Der Stufensattel eignet sich sowohl für Männer als auch für Frauen. Entlastung bringt er Radfahrern die bei konventionellen Sätteln Schmerzen oder Taubheitsgefühle im Dammbereich oder den Genitalien haben.

Lochsattel

Lochsättel haben eine Aussparung um die empfindlichen Stellen unterhalb des Schambeinbogens zu entlasten. Der Lochsattel eignet sich für Fahrer/innen die häufig Taubheitsgefühle bekommen aber keine Probleme mit Druck im Dammbereich haben.

Spaltensattel

Die Sattelnase ist zweigeteilt mit einem Spalt dazwischen. Manche Modelle besitzen keine Sattelspitze (ISM Adamo) andere haben eine tiefer gezogene Sattelspitze (Selle SMP). Verbessert die Durchblutung und reduziert den Druck im Dammbereich.

Ähnlich wie beim Lochsattel verhindert der Spaltensattel Taubheitsgefühle. Allerdings darf der Fahrer nicht druckempfindlich an den Seiten des Dammbereiches sein.

Kernledersattel

Mit Kernledersattel ist eine Bauform gemeint bei der die Sitzfläche komplett aus Leder (meist Rindsleder) gefertigt ist. Diese wird mit der metallenen Unterkonstruktion verbunden. Der Lederbezug kann mit Werkzeug nachgespannt werden. Ledersättel passen sich an die Anatomie des Menschen an. Allerdings dauert dieser Prozess mehrere hundert Kilometer. Kernledersättel wollen regelmässig mit Lederfett gepflegt werden. Da es sich um ein Naturprodukt handelt können Ledersättel am Anfang auch abfärben. Deshalb sollte man keine hellen Hosen tragen. Ledersättel passen sehr gut zu klassischen Fahrrädern und Urbanbikes. Bei richtiger Pflege sind diese Sättel sehr langlebig. Geeignet sind Ledersättel für Fahrer, welche die lange Einfahrzeit nicht scheuen.

Standardsattel

Der Standardsattel sollte eine flache Sitzfläche haben damit sich der Druck großflächig verteilt. Moderne Sättel haben zur Entlastung im Dammbereich Vertiefungen die den Druck reduzieren. Teilweise wird auch bei der Unterkonstruktion und der Polsterung mit verschiedenen Materialien gearbeitet, um die Druckverteilung zu optimieren. Standard Sättel werden von der Mehrheit der Radfahrer gefahren. Sie eigen sich für alle Arten von Fahrrädern. Vorteil guter Kontakt über den Sattel zum Rad. Der Druck verteilt sich auf eine große Fläche.

Medizinischer Sattel

Die medizinischen Sättel sind meist so konstruiert dass der Dammbereich zu 100% entlastet wird. Rocksättel wurden ursprünglich für Damen entwickelt die mit Kleid Radfahren. Medizinische Sättel eigen sich nicht für den Radsport. Am besten geeignet sind diese Sättel für Fahrräder mit aufrechter Sitzposition. Der Kontakt und die Führung zum Fahrrad geht durch die fehlende Sattelnase verloren. Ausser beim SQlab Sattel 600 active, dieser besitzt eine tiefergelegte Sattelnase.

Mountainbike-Sättel im Test

Wer lange und mit Vergnügen Mountainbike fahren will, muss auch den richtigen Mountainbike-Sattel haben. Im Gegensatz zu freizeitlichen Sätteln für normale Fahrräder sind solche für Mountainbikes härter und leichter. Bei langen Touren sind härtere Sattel eher von Vorteil, da man sonst in das weiche Polster einsinkt und der Sattel anfängt zu drücken.

Auf den ersten Blick mag es vielleicht besser sein, dass der Sattel möglichst weich und bequem ist, geht man dieser Frage aber genauer nach, dann hat ein sehr weicher und eventuell auch breiter Sattel beim Mountainbiken mehr Nachteile als Vorteile.

Ist der Sattel straff gepolstert, dann stützt er den Biker über längere Zeit und die Polsterung wird nicht zusammengedrückt. Zudem sollte man als sportlicher Biker eh nur mit einer passenden und gepolsterten Radhose fahren, da dieses Polster meist keinen Druck im Dammbereich erzeugt, sofern die Hose zum entsprechenden Fahrer und Einsatzgebiet passt.

Am Ende kann man sagen: Je sportlicher man fahren will, desto straffer sollte die Polsterung sein, damit bei langen Touren der Sattel ausreichend gut stützen kann.

Die Suche nach dem richtigen MTB-Sattel

Die Suche nach dem richtigen MTB-Sattel ist nicht einfach und bedarf etwas Zeit und tatsächlich auch Geduld. Eine reine Faustformel gibt es nicht, aber gewisse Anhaltspunkte, an denen man sich orientieren kann.

  1. Sitzknochenabstand bestimmen: Im Fachgeschäft gibt es hierzu spezielle Matten, mit denen man den Abstand ermitteln kann, zu Hause ist das aber auch recht einfach machbar (siehe oben).
  2. MTB-Disziplin berücksichtigen: Je nach Disziplin sollte der Sattel schmäler oder breiter sein.

Den ermittelten Sitzknochenabstand kann man jetzt je nach Disziplin mit dem ein oder anderen Zentimeter addieren. Beispielsweise kann man 0-1 cm bei CC-Bikes dazu addieren, 2 cm bei einem All-Mountain-Fully oder vielleicht sogar 3 cm bei einem reinrassigen Enduro-Bike.

Ein zu breiter MTB-Sattel führt zum Beispiel dazu, dass der Biker leicht nach vorne rutscht, wo gegengesteuert werden muss.

Empfohlene Mountainbike-Sättel

SQlab 611 Ergowave

Der SQlab 611 Ergowave hat es zum Testsieger geschafft. Er überzeugt mit hohem Sitzkomfort bei jeglichen Bedingungen. Schmerzen an den Sitzknochen und ein Taubheitsgefühl im Dammbereich sind mit diesem MTB-Sattel nahezu kein Thema mehr, hat man die Richtige der insgesamt vier Breiten gewählt.

Ergon SM Pro

Der Ergon SM Pro steht unserem Testsieger in nichts nach. Der Ergon SM Pro bietet nahezu denselben Komfort wie unser Testsieger und eigentlich hätte es auch der SM Pro verdient von uns zum Testsieger gekürt zu werden, wenn nicht hier und da unser Testsieger nicht trotzdem einen Hauch besser wäre.

Ergon SMC Core

Der Ergon SMC Core ist ein ausgeklügeltes und ergonomischer MTB-Sattel, der die Sitzknochen aktiv entlastet. Er ist tatsächlich der bequemste Sattel im Test.

Selle Italia SLR Boost X-Cross Ti 316 Superflow

Der Selle Italia SLR Boost X-Cross Ti 316 Superflow ist ein hochwertiger und durchdachter MTB-Sattel für schnelle Cross-Country-Bikes und Touren.

Ritchey Comp Trail

Der Ritchey Comp Trail ist ein gut gepolsterter Mountainbike-Sattel für einen breiten Einsatzbereich. Er ist sogar ohne gepolsterte Radhose ausreichend bequem - und das zu einem fairen Preis.

Terry Fly Arteria Gel

Der Terry Fly Arteria Gel ist ein geschlechtsspezifisch anatomischer Sattel und macht vor allem auf sportlichen Cross-Country- oder All-Mountain-Touren Spaß.

Weitere Tipps für mehr Komfort

  • Neue Sättel einfahren: Unser Gesäß muss sich erst an den neuen Sattel gewöhnen. Eine schmerzhafte Reaktion auf den ungewohnten Druck ist daher normal.
  • Geschlechtsspezifische Sättel: Einige Hersteller bieten geschlechtsspezifische Sättel an. Ob Gleichstellung oder nicht: ausprobieren. Denn die Hauptsache ist: Sie fühlen sich wohl.
  • Weiche Sättel sind nicht immer besser: Weiche Sattel machen zwar den Eindruck, bequem zu sein, doch für längere Touren sind sie überhaupt nicht gut geeignet.

Empfehlungen für verschiedene Fahrradtypen

  • City: Holland- und Tourenrad mit aufrechter Sitzposition.
  • Tour: Trekkingbike, Reiserad und bequemes MTB.
  • Sport: Mountainbike, Rennrad und Gravelbike.

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