Wer lange und mit Vergnügen Mountainbike fahren will, muss auch den richtigen Mountainbike-Sattel haben. Ein guter MTB-Sattel macht den Unterschied: Wer lange Touren fährt oder technisch anspruchsvolle Trails meistert, merkt schnell, wie wichtig die richtige Sitzposition ist. Ein passender Sattel verhindert Druckstellen und sorgt für Komfort, auch auf rauem Terrain.
Insgesamt haben wir 24 MTB-Sättel ausgiebig getestet. Die Preisspanne reichte von 10 bis ca. 200 Euro. Hier sind einige der besten Modelle im Überblick:
- SQlab 611 Ergowave
- Ergon SM Pro
- Ergon SMC Core
- Selle Italia SLR Boost X-Cross Ti 316 Superflow
Kriterien für die Bewertung von MTB-Sätteln
Nach welchen Kriterien bewerten die Testmagazine MTB-Sättel und wie schneiden die Anbieter in den Tests ab? Hier sind einige wichtige Aspekte:
Polsterung und Komfort
Die intuitive Annahme, dass es beim MTB-Sattel auf eine möglichst weiche Polsterung ankommt, ist aus Sicht der Fachmagazine falsch. Genau das Gegenteil ist der Fall: Gerade dicke Polster können die Haut infolge des schwimmenden Sitzbeins und der dadurch erzeugten Reibungseffekte reizen. Zur Pein werden sie vor allem auf längeren Touren. Daher bevorzugen Tester vielmehr ein definiertes Sitzgefühl. Das Erfolgsrezept für einen guten MTB-Sattel lautet also: Lieber ein härteres Sattelmodell wählen als ein zu weiches.
Punkte sammeln auch Modelle, bei denen die Satteldecke leicht nachgibt. Beispiel ist der SQ-Lab 611 active TiTube MTB, der beim Gewicht wiederum der Konkurrenz hinterherhinkt - womit ein weiteres entscheidendes Kriterium definiert ist.
Insgesamt ist der SQlab 611 Ergowave unser Testsieger. Er bietet nahezu alles, was man von einem MTB-Sattel erwarten kann. Er ist straff, aber dennoch sehr komfortabel, und mit dem breiten und tiefen Dip verhindert er ein Taubheitsgefühl im Dammbereich. Die breite und flache Sattelnase unterstützt dies noch zusätzlich. Das robuste und leicht strukturierte Obermaterial erhöht die Lebensdauer und Fahrkontrolle und sogar das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt hier.
Gewicht und Material
Gewichtseinsparungen werden häufig beim Gestell vorgenommen, Leichtgewichte setzen hier auf Carbon. Ein weiteres Qualitätsmerkmal für einen guten Unterbau ist das Obermaterial, das möglichst rutschfest sein sollte.
Obermaterial und Rutschfestigkeit
Ein weiteres Qualitätsmerkmal für einen guten Unterbau ist das Obermaterial, das möglichst rutschfest sein sollte. Richtig macht es für den Geschmack von World of MTB der Nepal Ti von Selle Italia, dessen Sättel in der Gewichts- und Haltbarkeitsdisziplin auf der Zufriedenheitsskala jedoch etwas nach unten rutschen. Auch beim Sattel kommt es auf Grip an: Die geriffelte Oberfläche verhindert beim Nepal Ti von Selle Italia das Rutschen.
SQ-Lab und Ergon haben in diesen und auch allen anderen Prüfpunkten hingegen die Nase vorn.
Wie die richtige Sattelgröße und -form ermitteln?
Die Formel für den richtigen Sattel ist im Grunde simpel: Auf die optimale Druckverteilung kommt es an. Die Suche nach dem passenden Modell sollte daher mit dem Ermitteln der richtigen Sattelbreite bzw. dem Ausmessen des Sitzknochenabstands beginnen. Dies kann mit Hilfe von Wellpappe geschehen, präzisere Ergebnisse liefert der örtliche Händler mittels Druckfolie oder Sensoren.
Mit dem Ermitteln des Sitzknochenabstands ist bereits die halbe Etappe auf dem Weg zum richtigen Sattelmodell geschafft. Alles Weitere bestimmt die Sitzposition. Faustregel: Ist der Oberkörper stark nach vorne geneigt, kann das Sattelheck ruhig etwas schmaler sein. Die Sattelnase sollte in diesem Fall etwas breiter ausfallen, da sich der Auflagepunkt in Richtung Schambein verlagert. Auch eine leicht nach unten geneigte Nase kann das Sitzgefühl bei sportlicher Sitzhaltung verbessern. Bei aufrechter Position verhält es sich genau umgekehrt.
Tipp: Anbieter wie SQ-Lab oder Ergon stellen auf ihren Webseiten auch Sattelfinder zur Verfügung. SQ Lab bietet seine Modelle sogar in bis zu fünf verschiedenen Größenausführungen an. Auf eine ausgiebige Probefahrt ist jedoch unumgänglich - am besten ohne gepolsterte Bikehose. Von Blindkäufen im Netzhandel raten wir dringend ab.
Hierzu wird nur ein Stück Mess- oder Wellpappe benötigt sowie ein einfaches Lineal. Die Pappe wird auf einen glatten und harten Hocker gelegt und sich anschließend mit aufrechtem Rücken darauf gesetzt und mit leicht angezogenen Beinen. Nachdem man vorsichtig aufgestanden ist, lassen sich auf der Pappe zwei kleine Abdrücke zu erkennen.
Ein weiterer Punkt ist die MTB-Disziplin beziehungsweise das Rad, für welches man den Sattel kaufen möchte. Je nach Disziplin sollte der Sattel schmäler oder breiter sein. Den ermittelten Sitzknochenabstand kann man jetzt je nach Disziplin mit dem ein oder anderen Zentimeter addieren. Beispielsweise kann man 0-1 cm bei CC-Bikes dazu addieren, 2 cm bei einem All-Mountain-Fully oder vielleicht sogar 3 cm bei einem reinrassigen Enduro-Bike.
Ein zu breiter MTB-Sattel führt zum Beispiel dazu, dass der Biker leicht nach vorne rutscht, wo gegengesteuert werden muss. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Sitzposition und die richtige Größe des Bikes überhaupt. Wer komplett falsch auf einem zu kleinen oder zu großen Bike sitzt, wird nie einen Sattel finden, der einen schmerzfrei Radfahren lässt.
Weiter möchten wir noch erwähnen, dass jeder Hintern unterschiedlich ist und nicht jeder auf jeden MTB-Sattel passt. Wir können aber in diesem Test gut abwägen, welcher Sattel prinzipiell eine gute Wahl ist oder eben nicht.
MTB-Sättel mit Aussparungen im Genitalbereich
Um das Schambein zu entlasten, besitzen heute viele Sättel Aussparungen. Manche Experten halten davon herzlich wenig und beklagen häufig, dass das Schambein zwar geschont wird, die Ränder der Aussparungen dafür umso mehr Druck ausüben und sich letzten Endes genau der gegenteilige Effekt einstellt.
Sättel mit leichter Vertiefung werden von Testern häufig als bequemer empfunden als Sättel mit vollständiger Aussparung.
Empfehlungen für verschiedene MTB-Disziplinen
Je nach Disziplin sollte der Sattel schmäler oder breiter sein. Hier sind einige Richtlinien:
- Cross-Country (CC): Sitzknochenabstand + 0-1 cm
- All-Mountain-Fully: Sitzknochenabstand + 2 cm
- Enduro-Bike: Sitzknochenabstand + 3 cm
Am Ende kann man sagen: Je sportlicher man fahren will, desto straffer sollte die Polsterung sein, damit bei langen Touren der Sattel ausreichend gut stützen kann.
Top-Modelle im Detail
Hier sind einige der im Test hervorragend abgeschnittenen Modelle im Detail:
SQlab 611 Ergowave
Der SQlab 611 Ergowave hat es zum Testsieger geschafft. Er überzeugt mit hohem Sitzkomfort bei jeglichen Bedingungen. Schmerzen an den Sitzknochen und ein Taubheitsgefühl im Dammbereich sind mit diesem MTB-Sattel nahezu kein Thema mehr, hat man die Richtige der insgesamt vier Breiten gewählt. Die Verarbeitung des 611 Ergowaves ist sehr gut, lediglich über die Klebereste an der Unterseite könnte man sich beschweren. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau und im täglichen Einsatz sowieso nicht sichtbar.
Das Polster ist eher straff, deshalb sollte der MTB-Sattel nur mit einer gepolsterten Radhose gefahren werden. Die sollte aber bei den meisten MTB-Disziplinen sowieso Pflicht sein. Das Außenmaterial aus C84 Kevlar ist leicht strukturiert und bietet beim Biken guten Halt.
Der Dip, also die Aussparung in der Mitte des Sattels, ist deutlich ausgeprägt und zieht sich weit nach vorne und geht in die sehr flache und im Vergleich deutlich breitere Spitze über. Auf dem Bike bzw. im Sattel ist der hinten recht breite 611 Ergowave sehr bequem, trotz der straffen Polsterung. So hatten wir während unserer ausgedehnten Testfahrten nie Schmerzen im Bereich der Sitzknochen. Auch der Dip und die breite Spitze machen genau das, was sie sollen, nämlich den Druck vom Damm nehmen und ihn auf eine breite Fläche verteilen. Bei den zum Teil recht langen Uphills hatten wir nie ein taubes Gefühl oder Probleme dieser Art. Der Sattel war der komfortabelste in dieser Testrunde.
Der SQlab 611 Ergowave bietet nahezu alles, was man von einem top MTB-Sattel erwartet. Viel Komfort und ein ergonomisches Design, um den Dammbereich zu schützen, ohne dabei zu weich oder zu hart zu sein. Auch das geringe Gewicht und die angenehme Oberfläche machen den Sattel zu einem treuen Begleiter auf langen, ausgedehnten und anstrengenden Touren mit dem ein oder anderen technischen Trail.
Ergon SM Pro
Der Ergon SM Pro steht unserem Testsieger in nichts nach. Der Ergon SM Pro bietet nahezu denselben Komfort wie unser Testsieger und eigentlich hätte es auch der SM Pro verdient von uns zum Testsieger gekürt zu werden, wenn nicht hier und da unser Testsieger nicht trotzdem einen Hauch besser wäre. Wie schon erwähnt, ist die Verarbeitung des Ergon SM Pros ausgezeichnet. Wenn überhaupt, dann könnte man die Klebereste auf der Unterseite des Sattels bemängeln, dies wäre aber sehr kleinlich von uns.
Die Polsterung des MTB-Sattels besteht aus OrthoCell-Inlays, welche den Druck optimal verteilen sollen. Beim SM Pro ist das Polster nicht ganz so straff wie bei unserem Testsieger und eine Spur bequemer, gerade auf Trails mit vielen kleinen Stößen. Der Entlastungskanal ist tief und geht recht weit nach vorne. So soll laut Ergon der Dammbereich bestmöglich entlastet werden. Zusätzlich ist hier noch eine kleine Belüftungsöffnung eingearbeitet.
Während unserer ausgiebigen Testfahrten war der MTB-Sattel stets sehr bequem und schmerzende Sitzknochen waren nie ein Thema. Lediglich während einer langen Tour und den dortigen, teilweise recht steilen Uphills konnten wir ein minimales Taubheitsgefühl im Dammbereich feststellen, das auch mit Nachjustieren des Sitzwinkels nicht gänzlich verschwand.
Am Ende liegt der Ergon SM Pro mit unserem Testsieger nahezu gleich auf, nur der Sitzkomfort ist beim SQlab geringfügig höher als beim SM Pro. Auch ist der Ergon etwas teurer. Letztlich können wir den SM Pro aber jedem Biker und für nahezu jede MTB-Disziplin empfehlen.
| Modell | Preis (ca.) | Besonderheiten |
|---|---|---|
| SQlab 611 Ergowave | 100-200 € | Hoher Komfort, ergonomisches Design, straffe Polsterung |
| Ergon SM Pro | 80-150 € | OrthoCell-Inlays, tiefer Entlastungskanal, bequeme Polsterung |
| Ergon SMC Core | 70-130 € | Zwei-Schalen-Aufbau, dämpfender Kern, rückenschonend |
| Selle Italia SLR Boost X-Cross Ti 316 Superflow | 120-250 € | Straffe Polsterung, edler Materialmix, leicht |
Ergon SMC Core
Der Ergon SMC Core ist ein ausgeklügelter und ergonomischer MTB-Sattel, der die Sitzknochen aktiv entlastet. Er ist tatsächlich der bequemste Sattel im Test. So können wir den Sattel für nahezu alle Mountainbike-Disziplinen empfehlen. Wie nicht anders bei Ergon zu erwarten, ist die Verarbeitung ausgezeichnet. Nur wenn man pingelig genau ist, lässt sich hier und da eine unschöne Stelle an der Unterseite des Sattels finden.
Auf den ersten Blick wirken die Polster sehr unscheinbar, sie haben es jedoch in sich, sieht man etwas genauer hin. Der MTB-Sattel besitzt einen zwei Schalen-Aufbau. Das bedeutet, dass zwischen eine steife, untere, und eine flexible, obere Schale der dämpfende und ergonomische Kern aus dem BASF-Infinergy eingebettet ist. Somit ist die obere Schale mehr oder weniger schwimmend gelagert und macht dadurch die Tretbewegungen des Fahrers mit. Der Druck auf die Sitzknochen wird reduziert. Zeitgleich werden durch den Kern auch kleine Schläge gedämpft, wodurch Schmerzen im Bereich der Sitzknochen minimiert werden sollen und so der Sattel laut Ergon nachgewiesen rückenschonend ist.
Dank der Vertiefung in der Mitte des Sattels, dem sogenannten Entlastungskanal, wird ein zu hoher Druck auf den Dammbereich reduziert, um so ein Taubheitsgefühl zu verhindern. Im Übrigen setzt Ergon hier eine geschlechterspezifische Form des Kanals ein.
Letztlich ist der Ergon SMC Core ein top MTB-Sattel, den wir jedem empfehlen können, egal für welche Disziplin. Wer Schmerzen oder Probleme mit dem Rücken hat, wird mit diesem Sattel bestimmt nicht enttäuscht werden.
Selle Italia SLR Boost X-Cross Ti 316 Superflow
Der Selle Italia SLR Boost X-Cross Ti 316 Superflow ist straff gepolstert, dennoch relativ komfortabel und verfügt über einen edlen Materialmix. Der Selle Italia SLR Boost X-Cross Ti 316 Superflow ist ein hochwertiger und durchdachter MTB-Sattel für schnelle Cross-Country-Bikes und Touren. Die Verarbeitung und der gesamte Materialmix sind ausgezeichnet und rechtfertigen den hohen Preis. Hier bekommt man einiges für sein Geld.
Wir fuhren den Sattel in der Größe L3 mit einer nachgemessenen Breite von 15,0 cm. Das Gestänge besteht, wie der Name schon vermuten lässt, aus Titan. Das spart nicht nur an Gewicht, sondern macht den Sattel an dieser Stelle sehr robust. Titan ist aber relativ teuer, was den Preis nach oben treibt. Die Sitzschale besteht aus carbonfaserverstärktem Nylon, was den Sattel insgesamt robust macht, aber auch Gewicht einspart.
Zwischen Schale und Gestänge sind kleine Schaumstoffplättchen eingearbeitet. Als Polsterung kommt das Light Gel von Selle Italia zum Einsatz. Die Polsterung selbst ist durch das verwendete Gel sehr straff, aber genau das möchte man bei einem sportlichen Sattel haben, da dieser ohnehin mit einer gepolsterten Radhose gefahren wird.
Der Sattel verfügt über die neutrale und laut Selle Italia ikonische SLR-Form. Die große Aussparung reduziert nicht nur den Druck auf den Dammbereich, sondern sorgt zudem für eine gute Belüftung. Gerade bei langen Touren macht sich das bemerkbar. Der Sattel ist auch nach Stunden des Pedalierens komfortabel, Schmerzen oder Taubheitsgefühle haben wir im Test nicht gespürt. Der Bezug ist auch bei Nässe nicht rutschig und sieht robust aus.
Insgesamt erhält man mit dem Selle Italia SLR Boost X-Cross Ti 316 Superflow einen erstklassigen Sattel für seine schnelle CC-Maschine. Er ist nicht nur leicht, sondern auch robust und komfortabel und ideal für schnelle oder lange Runden. Dennoch würden wir das Einsatzgebiet genau auf das eben Erwähnte beschränken, denn bei aufrechter Sitzposition wird er dennoch schnell unkomfortabel.
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