Jeder, der mit dem Motorrad die Welt bereisen will, steht am Anfang vor der Frage, welches Motorrad ihn begleiten soll. Die Frage aller Fragen, die wahrscheinlich alle Reise-Affinen an die Grenzen der Philosophie treiben kann. Wie so oft im Leben lässt sich die Frage nicht so pauschal beantworten.
Immerhin kommt es darauf an, welche Länder auf der Route stehen und welche Bedingungen dort vorzufinden sind. Auf asphaltierten Straßen lässt es sich leichter fahren als im Gelände. Auf einer Tour durch die Wüsten mancher afrikanischen Länder und den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens brauchst Du eine leistungsstärkere Maschine als auf einer Reise durch Gegenden mit gut entwickelter Infrastruktur und gemäßigten Klimazonen.
Wichtige Kriterien für die Auswahl
Wähle ein Reisemotorrad, das zu dir und deinem Reisestil passt. Hier sind einige wichtige Kriterien, die bei der Auswahl berücksichtigt werden sollten:
1. Zuverlässigkeit
Unser wichtigstes Kriterium: Das Motorrad soll anspringen und fahren. Wir wollen unterwegs so wenig Zeit wie möglich in Werkstätten mit dem Schraubenzieher in der Hand verbringen. Außerdem soll es auch den ein oder anderen Sturz verzeihen können. Wäre zudem auch gut, wenn es mal mit schlechtem Sprit klarkommt.
Die Zuverlässigkeit ist natürlich stark subjektiv und kann nicht immer direkt beurteilt werden. Aber wie oben gesagt, Zuverlässigkeit hat die höchste Priorität. Hauptsache, die Punkte oben stimmen.
2. Geländetauglichkeit
Bestimmt kann man auch mit einer Honda Goldwing die Welt umrunden, wir wollen aber ein Motorrad haben, das mit allen Wegen und Untergründen zurechtkommt. Dieses Kriterium ist für uns allerdings auch relativ schwer zu beurteilen. Wir haben bis auf ein paar Schotterpisten nicht so viel Offroaderfahrung.
Hier knüpfen wir direkt am vorherigen Punkt an. Auf dem Reiseenduromarkt gibt es so einige Boliden und Schlachtschiffe. Angefangen bei der BMW R 1200 GS, über die Ducati Multistrada hin zu einer KTM 1190 Adventure. Das kommt uns alles zu groß und schwer vor.
3. Gewicht und Größe
Ein leichtes Reisemotorrad bietet dir viel mehr Möglichkeiten. Auch die Streckauswahl wird nach dem Gewicht des Motorrades ausfallen. Da wir jedoch zu zweit mit Gepäck auf einem Motorrad sitzen, brauchen wir natürlich auch etwas Leistung. Wir sehen uns daher im 650 ccm Bereich.
Zu hoch sollte sie auch nicht sein, ich möchte auch mit meinen 1.73cm Körpergröße noch mit den Füßen den Boden berühren können. Mit der Suzuki XT 660 hatte ich damit Probleme (~88cm Sitzhöhe).
4. Verbrauch und Reichweite
Da wir viele, viele, viele Kilometer machen wollen wäre es sowohl nachhaltiger als auch besser für die Reisekasse, wenn das Mopped nicht all zu durstig ist. Wir würden da gerne auf einen sparsamen Motor mit unter 5l/100km setzen. Es wäre auch schön, wenn man mit einer Tankfüllung über 300 km kommt.
Der Tank muss aber nicht übertrieben groß sein. Im Zweifelsfall packt man halt noch ein, zwei PET Flaschen mit Benzin ein.
5. Komfort
Wenn wir zehntausende von Kilometern unterwegs sind, soll es auf Fahrer und Soziussitz bequem sein.
6. Einfache Technik und Ersatzteile
Unser Motorrad soll möglichst einfach und mechanisch gehalten sein. Das ist weltweit schrauberfreundlicher. Einen E-Starter sollte es aber schon haben. ABS wäre ganz nett, muss aber nicht sein.
Es wäre gut, wenn das Motorrad kein absoluter Exot ist und man eine gute Verfügbarkeit von Ersatzteilen hat. Möglichst weltweit. Wir wissen, dass man nicht überall alles an Ersatzteilen bekommen kann, aber ehrlich gesagt können wir nicht einschätzen, was sich hier gut eignet.
7. Alter und Zustand
Das gehört auch ein bisschen in die bereits genannte Kategorie der Zuverlässigkeit, unser Motorrad muss nicht das Neuste sein. Es wäre aber gut, wenn der Motor noch viele Kilometer mitmacht. Man hört ja von Reiseenduros, die über 200.000 km problemlos laufen.
Ob es eine neue oder alte Maschine ist, ist für uns erst mal nicht erheblich. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Für die älteren Maschinen spricht, dass die Ersatzteilverfügbarkeit größer ist und sie meist leichter zu reparieren sind. Die Wahrscheinlichkeit einen Mechaniker zu finden, der ein altes Mopped kennt, ist auch größer. Außerdem sind die älteren Moppeds günstiger zu haben.
8. Budget
Unser Budget soll vor allem fürs Reisen eingesetzt werden und nicht in Technik verballert werden. Inklusive Gepäcksystem, Wartungsarbeiten, Ersatzteile und ggf.
9. Unscheinbarkeit
Wir legen uns nicht auf eine bestimmte Marke fest und legen auch nicht viel Wert darauf, das hübscheste Mopped zu fahren. Wir denken, je unscheinbarer das Motorrad ist, desto weniger weckt es Begehrlichkeiten von Kriminellen.
Motorrad-Optionen
Nach allem Abwägen ist eine Liste mit einigen möglichen Kandidaten entstanden. Mit keinem der aufgeführten Moppeds sind wir schon selbst gefahren, deswegen gehen alle auf Kommentare auf Internetrecherchen zurück.
- BMW F 650 GS/Dakar: Wohl der Klassiker unter den Reiseenduros. Uns überzeigt vor allem, dass ihr eine sehr hohe Zuverlässigkeit zugesprochen wird. Ihre Geländefähigkeit hat sie regelmäßig bei der Rallye Dakar unter Beweis gestellt. Die „kleine“ GS punktet mit niedriger Sitzhöhe und geringem Verbrauch. Die Einzylinder-Maschine mit viertakt Motor gibt es auch auch in der Version „Dakar“ mit verlängerten Federbeinen und größerem Vorderrad. Die Sitzhöhe ist dann allerdings wieder höher.
- Honda Africa Twin:
- Honda Transalp: Die Honda Transalp ist auch ein beliebtes Fortbewegungsmittel unter Motorradreisenden. Sie weist einige Ähnlichkeiten zur Africa Twin auf, ist aber straßenorientierter.
- Suzuki V-Strom: Die V-Strom ist ein Allroundmotorrad. Sie ist eines der jüngeren Motorräder dieser Liste.
- Kawasaki Versys: Die Kawasaki Versys gilt als V-Strom Konkurrent. Sie basiert auf der Kawasaki ER 6, Nachfolgerin unserer Erna. Sie hat, wie die V-Strom auch, einen niedrigen Verbrauch und benötigt für einen Offroad-Einsatz einige Anpassungen.
- Yamaha Ténéré: Die Ténéré ist zwar nach einem Teil der Sahara benannt, die Meinungen zur Offroadtauglichkeit gehen aber auseinander. Mit einem 20l Tank verspricht die Reiseenduro eine hohe Reichweite.
- Triumph Tiger T400: Die Tiger T400 gehört zu den größeren und schwereren, aber auch leistungsstärkeren Moppeds in dieser Auswahl. Sie ist mehr für die Straße als fürs Gelände gemacht.
Schon viele Stunden haben wir in die Recherche nach einem passenden Reisemoppet gesteckt. Beim ganzen Vergleichen kann man sich sehr verlieren. Wir haben jetzt einen sehr viel besseren Überblick über den Markt, sind aber irgendwie trotzdem noch unentschlossen. Wahrscheinlich sind alle aufgeführten Motorräder ganz gut zum Verreisen.
Weitere wichtige Überlegungen
Neben dem Motorrad selbst gibt es noch weitere wichtige Aspekte bei der Planung einer Motorrad-Weltreise:
- Ausrüstung: Auf Deiner Welttour mit dem Motorrad wirst Du einige Länder mit deutlich weniger Entwicklungsstandard kennenlernen, in denen das Alltagsleben ganz anders ist als unseres. Und genau das macht ja auch das Wunderbare am Reisen aus. Nichts sollte drücken, ewig brauchen zum Trocknen oder schnell reißen. Kaufen Deinen Motorradhelm zu Hause in Deutschland und miete ihn nicht woanders. Versuche so wenig wie möglich zu packen. Ich reise meistens nur mit Handgepäck, da ich alle Sachen des nichttäglichen Gebrauchs gnadenlos aussortiere.
- Finanzierung: Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Finanzierung, denn eine Welttour mit dem Motorrad ist nicht gerade günstig. Vielleicht hast Du ja schon längere Zeit gespart, um Deinen Traum zu verwirklichen? Eine gute Idee ist, einen Podcast, Reiseblog oder Video-Tagebuch zu führen und jeden Tag kurz und knackig von Deinen Erlebnissen zu berichten und damit nebenbei noch etwas Geld zu verdienen.
- Gesundheitliche Vorbereitung: Eine Motorradweltreise solltest Du nicht von einem Tag auf den anderen starten. Während Du einen Kurz- oder Wochenendurlaub in Europa oder anderen Ländern der nördlichen Halbkugel relativ spontan antreten kannst, sind für Aufenthalte in anderen Ländern medizinische Vorbereitungen zu treffen. Wenn Dich Deine Weltreise mit dem Motorrad nach Südostasien, nach Afrika und/oder einige andere Länder der südlichen Hemisphäre führt, musst Du verschiedene Impfungen durchführen lassen.
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