Ohne eine gut geölte Kette läuft am Mountainbike buchstäblich nichts. Die Fahrradkette ist das Bauteil am Rad, das besonders oft Pflege braucht. Schmiermittel verringern den Verschleiß der Kette, schonen die Zahnräder und erleichtern das Treten. Klassischerweise kommen Öle, Sprays oder Kettenfett zum Einsatz.
Warum ist der richtige Kettenschmierstoff wichtig?
Eine regelmäßig und fachmännisch geölte Kette garantiert geringere Reibung, verbesserte Schaltperformance und vor allem viel geringeren Verschleiß. Dabei gilt generell: Auch ein mittelprächtiges Öl ist immer noch viel besser als gar kein Öl.
Öl ist nicht gleich Öl
Ähnlich verhält es sich auch mit Kettenöl für das Fahrrad. Unterschiedliche Spezifikationen und eine große Preisspanne machen die Auswahl gar nicht so leicht. Die Preise variieren zum Teil ungewöhnlich stark. So kostet das preiswerteste Öl in diesem Test schmale 6 Euro mit 65 ml, das teuerste aber rund 32 Euro mit nur 50 ml - ob da doch flüssiges Gold drin ist? Beim genaueren Blick auf die Flasche springen einen dann noch Fachbegriffe an wie PTFE, Teflon, Silikon, Keramik oder Graphit an.
Unterschied Kettenöl für nasse und trockene Bedingungen
Nass-Kettenöle sind für den Einsatz bei schlechtem Wetter optimal. Ein dickeres Grundöl ist mit Haftvermittlern versehen. Die Kette wird mit einem Schutzmantel umgeben. Nachteil: Auch Schmutz haftet besser an der Kette.
Öl für trockenes Wetter (nicht zu verwechseln mit Trockenschmiermittel) ist dünner, dringt besser in die Laschen und Glieder ein. Es ist weniger sichtbar, wäscht sich aber auch schnell wieder ab.
So haben wir getestet: Kettenöl
Praxistest:
Da es auf dem Trail schwer ist, vergleichbare Bedingungen herzustellen, haben wir den Praxistest auf die Handhabung beschränkt. Im Fokus: die Dosierbarkeit. Darunter verstehen wir, wie dünn oder dickflüssig das Öl ist, wie gut die Pipette der Flasche ist und wie sich der Flaschenkörper eindrücken lässt. Diese drei Faktoren findest du unter dem Faktor Handhabung.
Labortest:
In unserem Auftrag testete das Labor der NOLD Hydraulik und Pneumatik GmbH in Bad Waldsee die 16 Kettenöle auf ihre Schmierfähigkeit und den Verschmutzungsgrad. Im ersten Schritt wurde die Schmierstoffprüfung nach Brugger (DIN 51347) durchgeführt. Dabei wird das Öl auf einen Prüfzylinder aufgetragen und mit Druck gegen einen rotierenden Prüfring gepresst. Anschließend werden die Schleifspuren auf dem Prüfzylinder automatisch ausgemessen und ein Belastungswert in N/mm² angegeben.
Beim Reinheitstest misst ein Laser die Verschmutzung, indem er die Anzahl der Kleinstpartikel im Öl zählt. Nach unterschiedlichen Größen werden die Partikel im Mikrometerbereich sortiert und nach ISO 4406:1999 in drei Reinheitsklassen klassifiziert.
Bewertungsmatrix: Die besten Kettenöle im Test: Anhand einer Auswertungstabelle wird die Punktezahl für jedes Öl errechnet und somit die Endnote bestimmt. Zum Endergebnis trägt die Schmierfähigkeitsprüfung zu 60 Prozent bei, der Reinheitstest zu 15 Prozent und die Handhabung zu 25 Prozent. Anhand der Punkte kannst du erkennen, wie weit entfernt das Produkt von der nächsten Note liegt.
Die Problematik von PFAS in Kettenschmierstoffen
PFAS − per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen − bauen sich in der Umwelt extrem langsam ab und können sich auch im Körper von Menschen und Tieren anreichern. Für einige PFAS sind Gesundheitsrisiken nachgewiesen. „Think Chemicals“, eine Initiative des dänischen Verbraucherrats, hat im Jahr 2023 in etlichen Kettenölen PFAS nachgewiesen. In der Liste der Inhaltsstoffe sollten Begriffe wie „Fluoropolymer“, „Fluorinated compound“ und auch „Teflon“ nicht auftauchen. Der Umwelt zuliebe raten wir, bereits gekaufte Produkte mit PFAS nicht zu verwenden.
Da die öffentliche Aufmerksamkeit für die schädlichen Wirkungen der Fluorchemikalien in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist, kann es sein, dass seit dem dänischen Test auch einige der PFAS-haltigen Kettenöle und -sprays verändert wurden.
Alternativen: Kettenwachse im Test
Die schiere Flut an Produkten für die Fahrradkette lässt Köpfe wie Kurbeln kreiseln. Obendrein bieten manche Hersteller inzwischen auch noch Öle und Schmiermittel auf Nano-Partikel-Basis sowie Spezial-Produkte mit Zauber-Zutaten wie Graphen. Kostenpunkt: schlappe 129,95 Euro für 140 Milliliter.
Doch brauchen Ketten wirklich all diese Spezial-Mittelchen, um geschmeidig über die Kassette zu gleiten und den Verschleiß am Antrieb so gering wie möglich zu halten? Wir gehen der Frage auf den Grund und testen 18 Allround-Schmierstoffe für die Fahrrad-Kette der wichtigsten Hersteller am Markt.
Kettenwachs als Alternative zu Öl
Pioniere des Kettenwachsens haben schon vor Jahrzehnten damit begonnen, Paraffin statt Öl auf die Kette aufzutragen, im Prinzip also Kerzenwachs zu verwenden. Ein damit geschmierter Antrieb zieht kaum Dreck an und wo kein Dreck haftet, ist auch weniger Verschleiß. Viel weniger Verschleiß. Ganz besonders beim Biken im feuchten Tann.
Mittlerweile hat so ziemlich jeder traditionelle Hersteller Kettenwachs im Programm, hinzu gesellen sich zig Firmen, die Wachsen zu ihrem Hauptthema gemacht haben. Der Markt ist regelrecht explodiert.
Heißwachs oder Tropfwachs? Die Gretchenfrage
Im Wesentlichen gibt es dabei zwei Produktlinien: Heißwachse und Tropfwachse. Erstere müssen aufgeschmolzen und Ketten vor dem Gang ins heiße Bad demontiert werden - was die Prozedur aufwendig macht. Tropfwachse werden hingegen aus der Flasche aufgetragen - analog zu Öl. Laut Herstellern sollen die Heißwachse aber besser sein. Da Tropfwachse einfacher anzuwenden sind, scheint sich der Markt aber mehr in diese Richtung zu bewegen.
Kettenwachs - schmutzabweisend, aber korrosionsanfällig
Selbst nach einer Fahrt durch dicksten Schmodder, ist die gewachste Kette immer noch erstaunlich sauber. Und das wiederum ist die Grundlage für eine deutlich längere Haltbarkeit von Ketten, Ritzeln und Kettenblättern (mehrfache Lebensdauer ist drin!). Da die Verschleißpakete moderner Räder in die Hunderte gehen können - Kassettenpreise reichen bis 500 Euro - ist die Haltbarkeit ein immens wichtiger Faktor in den laufenden Betriebskosten.
Bio-Kettenöle im Test
Ein Tropfen Erdöl kann 600 bis 1000 Liter Wasser verunreinigen. Biker sollten daher umdenken und umweltfreundliche Schmierstoffe für die Fahrradkette verwenden. Wenn Biker durch den Wald fräsen, läuft ihre Kette zwar meist geschmeidiger und leiser, aber viel zu selten auf einem Schmierfilm aus biologischem Öl. Das Angebot an Öko-Fahrradkettenölen wächst zwar, doch nur langsam. Wir haben 14 als “Bio” ausgelobte Schmierstoffe getestet.
Was ist BIO?
Der Begriff Bio ist nicht geschützt. Nur, weil ein Produkt als umweltfreundlich angepriesen wird, ist es noch lange nicht unbedenklich.
- Das sagt die Norm - OECD 301 (A-F): Ein Schmierstoff ist für die Umwelt weniger gefährlich, wenn er sich bei Kontamination des Erdreichs in kurzer Zeit biologisch abbaut.
- Die unterschiedlichen Basisöle: Bei den Grundölen unterscheidet man Mineralöle, synthetische Öle und Pflanzenöle.
Die Ergebnisse des großen Kettenöl-Tests
Antidot Kettenöl
Labor: Vorbildliche Schmierfähigkeit und passabler Korrosionsschutz, angenehme Viskosität, aber geringe Kriechfähigkeit.
Praxis: Fein dosierbar durch sämige Konsistenz. Die handliche, feste Flasche drückt sich etwas schwer. Kappe mit Kindersicherung. Keine Nachfülloption und relativ teuer.
Atlantic Bio-Kettenöl
Labor: Mäßiger Verschleißschutz und geringer Korrosionsschutz, bei geringen Kräften solide und anhaltende Schmierleistung.
Praxis: Handliche Flasche mit feiner Tülle, leicht zu drücken und sauber punktuell aufbringbar. Etwas klebrig. Inzwischen mit recycelter Verpackung erhältlich.
Danico Biotech Ketten Kaiser
Labor: Schmierstoff auf Basis von Sonnenblumenöl. Bei Reibung und Verschleiß im Mittelfeld, überzeugend bei Korrosionsschutz. Hohe Viskosität mit mäßigem Kriechverhalten.
Praxis: Sehr fein aufzutragen und dabei nicht zu klebrig. Verpackung mit geringem Recycle-Anteil, beim Händler nachfüllbar.
Dr. Wack F100 Bio Kettenöl
Labor: Durchgehend solider Reibwert und sehr guter Verschleißschutz. Schützt noch gut vor Korrosion, kriecht aber nur mäßig.
Praxis: Mit eine der besten Tropfflaschen im Vergleich, zudem zum großen Teil aus Recycling-Material. Dank mittlerer Viskosität auch ohne Tropfen leicht und sauber aufzutragen.
Dynamic Bio Allround Lube
Labor: Bei Schmierfähigkeit nur im hinteren Bereich, auch der Verschleiß ist eher hoch. Dafür schützt das Öl zuverlässig vor Korrosion. Kriecht trotz geringer Viskosität nur mäßig.
Praxis: Tropft schon beim Kippen leicht aus der Flasche, aufgrund der dünnflüssigen Konsistenz weniger sauber dosierbar.
Weitere Aspekte der Kettenpflege
Die Fahrradkette ist das Herzstück bei der Kraftübertragung am Fahrrad. Ist die Kette nicht gepflegt, wirkt sich dies auf die Zahnräder und den Fahrkomfort aus. Die Fahrradkette sollte regelmäßig gereinigt und geölt werden. Bei der eigenen Fahrradinspektion oder auch vor längeren Fahrradtouren ist die Pflege der Kette ein Pflichtprogramm.
Vor dem Einölen die Fahrradkette reinigen
Vor dem erneuten Einölen sollte die Fahrradkette gereinigt werden. Dazu kann ein normaler Lappen genutzt werden, mit diesem wird die Fahrradkette abgeputzt. Eine Methode für eine einfache Reinigung ist: Das Fahrrad auf den Kopf stellen und den Lappen an einer Stelle der Kette halten. Jetzt wird mit der Pedale eine Tretbewegung ausgeführt. Die Kette gleitet nun durch den Lappen und reinigt sich.
Verschiedene Funktionen des Kettenöls
Ist die Kette von Schmutz und altem, verklebten Fett befreit, muss die Fahrradkette wieder mit Öl beschmiert werden. Das Fahrradöl hat dabei folgende Funktionen:
- Es verringert die Reibung zwischen der Kette und den Zahnrädern und zwischen den Kettengliedern
- Es schützt die Fahrradkette vor Korrosion
- Eine Geräuschminderung ist ebenfalls möglich
Neues Fahrrad Kettenöl auftragen
Das neue Kettenfett kann entweder ebenfalls mit einem Lappen oder mit einer Sprühflasche aufgetragen werden. Es wird dabei oftmals wesentlich weniger Fett benötigt, als man denkt. Steht das Fahrrad noch auf dem Kopf oder ist es im Fahrrad Montageständer eingespannt, kann die Fahrradpedale wieder gedreht werden. Diesmal bitte langsam kurbeln, denn durch zu hohe Drehzahlen fliegt das frisch aufgetragene Öl sonst direkt wieder von der Kette. Dreht sich die Kette, kann das Öl im Bereich der Zahnräder auf die Kette gegeben werden.
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