Die Frage, ob ein betrunkener Beifahrer rechtliche Konsequenzen nach sich zieht, ist besonders relevant für diejenigen, die auf einer Feier nichts getrunken haben, um Freunde und Verwandte sicher nach Hause zu fahren.
Grundsätzlich ist es in Deutschland nicht strafbar, als Beifahrer betrunken zu sein. Auch der Fahrer hat in der Regel keine Sanktionen zu fürchten, wenn ein Alkoholisierter auf dem Beifahrersitz Platz genommen hat. Allerdings gibt es Ausnahmen und Sonderfälle, die beachtet werden müssen.
Allgemeine Regelungen für Beifahrer
Müssen Beifahrer grundsätzlich nüchtern sein? Nein, da Sie selbst nicht fahren, ist es für Beifahrer nicht verboten, Alkohol zu trinken. Es kann aber sinnvoll sein, diese auf die Rückbank zu verfrachten.
Gibt es auch Beifahrer, die nüchtern bleiben müssen? Ja, zumindest in gewisser Weise. Fahranfänger, die sich für das Begleitete Fahren entschieden haben, müssen Acht auf ihre Begleitperson geben: Weist diese einen Blutalkoholwert von 0,5 oder mehr Promille auf, darf sie den Führerscheinneuling nicht mehr begleiten.
Die Rolle des Fahrers
Der Fahrer trägt die Verantwortung dafür, dass ihn während der Fahrt keine vermeidbare Störung vom Fahren ablenkt. Der Fahrer ist verpflichtet, dafür zu sorgen, dass er nicht durch Mitfahrende behindert oder gestört wird.
Wenn Sie als mit betrunkenen Fahrgästen fahren, kann das eine besondere Anstrengung für die Konzentration sein. Im besten Fall schlafen die Betrunkenen schnell ein und ermöglichen so eine ruhige und entspannte Fahrt. Generell verbietet kein Gesetz, dass ein Betrunkener als Beifahrer von Ihnen gefahren wird. Sie müssen nur sicherstellen, dass sich daraus nicht spontane Probleme ergeben können. So kann ein betrunkener Beifahrer auf die Rückbank gesetzt werden.
Besonderheiten beim Motorrad
Für Motorradfahrer und ihre Beifahrer gelten im Prinzip die gleichen Spielregeln wie für Autofahrer. Das heißt: Beifahrer dürfen grundsätzlich alkoholisiert sein, wenn sie den Fahrer nicht behindern oder aktiv ins Fahren eingreifen.
Beim Motorrad muss der Fahrer jedoch darauf achten, dass Mitfahrer keine Gefahr für sich und andere darstellen. Können sich Betrunkene nicht mehr selbstständig festhalten oder besteht die Gefahr, dass sie durch ihre Verhalten, das Fahrzeug außer Kontrolle bringen, sollten Fahrer sie nicht mehr mitfahren lassen.
Promillegrenzen auf dem Motorrad
Für Verstöße gegen die Promillegrenze auf dem Motorrad werden Fahrer ebenso zur Verantwortung gezogen wie Autofahrer. Die Regeln der Straßenverkehrsordnung (StVO) sowie des Straßenverkehrsgesetzes (StVG) gelten für alle Verkehrsteilnehmer. Motorradfahrer bilden hier keine Ausnahme.
An welche Promillegrenze müssen sich Motorradfahrer halten? Die Promillegrenze liegt in Deutschland bei 0,5 Promille. Sie gilt sowohl für Auto- als auch für Motorradfahrer.
Für Fahranfänger und Fahrer unter 21 besteht mit der Null-Promillegrenze ein absolutes Alkoholverbot. Bei- oder Mitfahrer auf einem Motorrad müssen keine Alkoholgrenze beachten.
Konsequenzen bei Missachtung der Promillegrenze
Welche Folgen kommen auf Motorradfahrer zu, die sich nicht an die Promillegrenze halten? Motorradfahrer, die sich nicht an die vorgeschriebene Alkoholgrenze halten, müssen mit Sanktionen aus dem Bußgeldkatalog rechnen.
In der Probezeit und unter 21 kann ein Verstoß gegen die Promillegrenze auf dem Motorrad einen Fahrer 250 Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg einbringen. Für Anfänger kommen noch die Verlängerung der Probezeit um zwei weitere Jahre sowie die Teilnahme an einem Aufbauseminar hinzu.
Für Fahrer außerhalb der Probezeit und über 21 drohen Bußgelder zwischen 500 und 1500 Euro wenn die Werte zwischen 0,5 und 1,09 Promille liegen. Abhängig ist die Höhe davon, ob es der erste Verstoß ist oder es sich um einen Wiederholungstäter handelt.
Die Missachtung der Promillegrenze mit dem Motorrad wird, wie beschrieben, ab 1,1 Promille, als Straftat gewertet. In einem solchen Fall ist mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe zu rechnen.
Haftung und Mitverschulden
Wer zu einem betrunkenen Fahrer ins Auto steigt und weiß, dass dieser alkoholisiert ist, haftet, wenn das Auto in eine Polizeikontrolle gerät oder ein Unfall entsteht.
Bei Alkohol am Steuer trägt der Beifahrer eventuell eine Mitschuld, auch wenn er nüchtern ist. Es kann sogar sein, dass ihm ein höheres Mitverschulden angelastet wird als dem betrunkenen Fahrer selbst.
Die Kfz-Haftpflichtversicherung kann sich weigern, die Regulierung zu übernehmen, wenn ein Fahrer grob fahrlässig gehandelt hat. Ist der Motorradfahrer selbst alkoholisiert, muss er verständlicherweise mit Konsequenzen rechnen.
Unfall und Schuldfrage
Bei einem Unfall kann die Lage ganz anders aussehen. Denn ein betrunkener Beifahrer kann ein vermeidbares Risiko darstellen. Dann muss im Einzelfall über die Schuldfrage entschieden werden. Im einfachsten Fall handelt es sich bei dem Unfall um die Konsequenz einer unvermeidbaren Verkehrssituation. Kommen beide Versicherung zu diesem Schluss, werden die Schäden in der Regel ersetzt.
Ist der Fahrer nüchtern und der Beifahrer betrunken, trägt der Fahrer bei einem Unfall die Alleinschuld.
Sorgfaltspflichten des Beifahrers
Es gehört zu den Sorgfaltspflichten des Beifahrers, sich zu erkundigen, ob der Fahrer fahrtüchtig ist. Bemerkt der Beifahrer Fahrauffälligkeiten erst während der Fahrt, sollte er versuchen, die Weiterfahrt zu stoppen.
Wenn der Mitfahrer Unsicherheiten im Fahrverhalten erst während der Fahrt bemerkt, sollte er eine Weiterfahrt unterbinden. Tut er es nicht und kommt es zu einem Unfall, bei dem der Beifahrer verletzt wird, kann sich nach den Umständen sein Anspruch auf Personenschaden, beispielsweise das Schmerzensgeld, reduzieren.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Auch wenn es keine direkte Promillegrenze für den Sozius auf dem Motorrad gibt, so trägt der Fahrer die Verantwortung für die Sicherheit aller Beteiligten. Ein betrunkener Beifahrer kann diese Sicherheit gefährden und somit rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Kommentar schreiben