Biker Gangs USA: Eine historische Übersicht

Rockerklubs üben auf manche eine Faszination aus, doch oft sind sie vor allem eines: kriminell. Lederkutten und schnelle Motorräder: Es sind leider nicht die einzigen Kennzeichen vieler Rockerklubs, die regelmäßig auch durch kriminelle Machenschaften auffallen.

Die größten Rockerklubs der Welt und ihre Machenschaften

Von Körperverletzung über Drogendelikte bis hin zu Mord, immer wieder werden Taten von Mitgliedern vor Gericht verhandelt, immer wieder werden etwa in Deutschland auch Ortsgruppen der Klubs verboten oder lösen sich selbst auf, um dem Gesetz zuvorzukommen, und gründen sich später neu. Doch welche Outlaw Motorcycle Gangs (OMCG) - so die offizielle Bezeichnung für polizeilich relevante Rockergruppen - gibt es überhaupt auf der Welt und welches sind die größten und bekanntesten? Ein Überblick:

Der Hells Angels Motorcycle Club (HAMC)

Die Hells Angels waren der erste Rockerklub und sind bis heute der bekannteste und größte. Gegründet wurde der Klub 1948 und ist Medienberichten zufolge mittlerweile in 32 Ländern vertreten, auch in Deutschland. International wird der Klub immer wieder mit Straftaten in Verbindung gebracht, aktuell gibt es etwa in Madrid einen Prozess gegen Frank Hanebuth, langjähriger Chef der inzwischen aufgelösten Hells Angels in Hannover, und weitere Angeklagte, denen die Bildung einer kriminellen Vereinigung, Geldwäsche, Bedrohung und illegaler Waffenbesitz vorgeworfen wird.

Während in Deutschland immer wieder einzelne Charter, so nennen sich die Ortsgruppen, verboten werden - zuletzt etwa 2022 eine in Berlin - oder unter polizeilicher Beobachtung stehen, wurden die Hells Angels in den Niederlanden 2019 sogar komplett verboten. Der Klub verstoße gegen die öffentliche Ordnung und sei eine Gefahr für die Gesellschaft, urteilte damals ein Zivilgericht in Utrecht. Weltweit sollen die Hells Angels rund 6000 Mitglieder haben, doch die Zahlen fluktuieren stark, wegen der regelmäßigen Auflösungen und Neugründungen von Chartern. Laut „Bundeslagebild Organisierte Kriminalität“ 2021 gab es in Deutschland in dem Jahr 19 „Organisierte Kriminalität“-Gruppierungen der Hells Angels, mehr als von allen anderen Rockergruppen.

Zu erkennen sind die „Angels“ an ihren Kutten oder Jacken, oft aus Leder, mit dem Totenkopf mit Helm und Flügeln darauf sowie dem Schriftzug „Hells Angels“.

Der Bandidos Motorcycle Club (BMC)

Sie gelten als die Rivalen der Hells Angels: Die Bandidos sind ähnlich bekannt und haben Berichten zufolge weltweit in etwa 22 Ländern rund 5000 Mitglieder. Laut Bundesinnenministerium wurde der Bandidos MC 1966 im US-amerikanischen Texas gegründet und ist in Deutschland seit 1999 vertreten. Der Gründer des Klubs, Donald Eugene Chambers, benannte den Klub nach mexikanischen Banditen, die nach ihren eigenen Regeln lebten.

So erklärt sich auch das Logo der Rocker, das einen mexikanischen Banditen mit Machete in der einen und Revolver in der anderen Hand zeigt. Wie bei den Hells Angels, mit denen es immer wieder zum „Rockerkrieg“ kommt, wurden schon einige Ortsgruppen der Bandidos in Deutschland verboten. So kam es etwa 2021 im Ruhrgebiet zu einem Verbot, nachdem es unter anderem Schießereien auf offener Straße gegeben hatte. Mitgliedern wurden versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und Verstöße gegen das Waffengesetz vorgeworfen.

Im selben Jahr verbot der damalige Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) die vor allem im Westen Deutschlands aktive Rockergruppe Bandidos MC Federation West Central.

Der Outlaws Motorcycle Club (OMC)

Der Outlaws Motorcycle Club ist vor allem in den USA groß, aber auch in Deutschland vertreten. Er soll Berichten zufolge weltweit rund 4500 Mitglieder haben. Zu erkennen sind die Outlaws an dem Totenkopfsymbol. Gegründet wurde der Motorradklub schon 1935, damals unter dem Namen „Mc Cook Outlaws Motorcycle Club“, löste sich zwischendurch aber wieder auf und kam erst später wieder zusammen.

Der Name ist Programm: „Outlaws“ sind solche, die sich nicht an das Gesetz halten, und das trifft auch auf Mitglieder der Rockergruppe zu, die immer wieder im Zusammenhang mit kriminellen Machenschaften stehen, auch wenn sie das wie viele andere Rockergruppen abstreiten. Wie die Bandidos sind auch die Outlaws Rivalen der Hells Angels. Dabei kommt es immer wieder zu brutalen Zusammenstößen. 2010 etwa wurden zwei Hells-Angels-Mitglieder in Kaiserslautern zu langen Haftstrafen verurteilt, weil sie ein Outlaws-Mitglied ermordet hatten.

Der Gremium Motorcycle Club (GMC)

Made in Germany: Der Gremium MC wurde 1972 in Mannheim gegründet und hat sich seitdem auch nicht wie viele andere einem internationalen Motorradklub wie den Hells Angels oder Bandidos angeschlossen. Rund 1900 Mitglieder hat der Klub Berichten zufolge weltweit und zählt europaweit zu den größten. Zu erkennen sind die Mitglieder an den Kutten mit einer Faust darauf, die eine Wolkendecke durchbricht, sowie dem Schriftzug mit dem Namen des Klubs.

Auch der Gremium MC fällt immer wieder mit kriminellen Machenschaften auf. Bereits 1988 wurde der Motorradklub vom baden-württembergischen Innenministerium als kriminelle Vereinigung verboten, doch 1992 wurde das Verbot wieder aufgehoben. Im „Bundeslagebild Organisierte Kriminalität“ 2021 folgt der Gremium MC bei der Anzahl der „Organisierte Kriminalität“-Gruppierungen auf die Hells Angels, wird dort aber nur mit einer Gruppierung aufgeführt (zum Vergleich: bei den Hells Angels sind es 19).

Der Mongols Motorcycle Club (MMC)

1969 im kalifornischen Montebello gegründet, sind die Mongols immer noch am stärksten in ihrem Heimat-US-Bundesstaat vertreten, aber auch in anderen US-Staaten sowie weiteren Ländern. In Deutschland gründeten 2010 kurzzeitig Mitglieder des Miri-Clans einen Ableger der Mongols in Bremen, weil aber niemand von ihnen ein Motorrad hatte, nahm das ein schnelles Ende. Ein frisch gegründetes Chapter in Berlin wurde 2011 nach dem Fund einer Bombe von der Polizei aufgelöst. Es gibt aber auch ein paar Chapter in anderen deutschen Städten, die ebenfalls wegen krimineller Machenschaften aufgefallen sind.

In den USA gelten die Mongols als besonders gewalttätig. Wie die Bandidos etwa stehen sie in einer Rivalität zu den Hells Angels, 2002 zum Beispiel kam es zu Auseinandersetzungen der beiden Gruppen in Nevada mit drei Toten. Die Mongols erkennt man an ihrem Logo, auf dem ein mongolischer Krieger zu sehen ist, der eine Sonnenbrille trägt.

Der Sons Of Silence Motorcycle Club (SOSMC oder SOS)

1966 in Colorado gegründet sollen die Sons of Silence zu einem der fünf größten Motorradklubs der USA gehören. Ihr erstes Chapter außerhalb der USA gründeten sie tatsächlich in Deutschland, im Jahr 1998 in München. Es folgten weitere deutsche Chapter. Weltweit sollen die Sons of Silence jedoch „nur“ 400 Mitglieder haben, heißt es in Berichten. Ihr Logo zeigt einen Weißkopfseeadler vor einem großen A.

Auch den Sons of Silence werden zahlreiche kriminelle Taten vorgeworfen, darunter etwa Drogenhandel, Erpressung, Prostitution, Geldwäsche und Waffenhandel.

Der Pagan’s Motorcycle Club (PMC)

Die Pagan’s wurden 1959 in Prince George’s Country im US-Bundesstaat Maryland gegründet und haben Berichten zufolge in den USA rund 900 Mitglieder, in anderen Ländern hat der Klub keine Ortsgruppen. Den Pagan’s wird aber nachgesagt, Verbindungen zur italienischen Mafia zu haben sowie zu der US-Neonazi-Gruppe Aryan Brotherhood. Ihr Logo ziert ein Teufel mit Schwert in Flammen.

US-Medien zufolge wurden gerade erst vor wenigen Tagen zwei Männer verhaftet, die Anführer eines Pagan’s-Chapters sein sollen und denen vorgeworfen wird, in Verbindung mit Schlägereien zu stehen. Im Februar dieses Jahres wurde außerdem gerade ein Mitglied des Pagan’s MC zu mehr als 27 Jahren Gefängnis verurteilt wegen bewaffneten Methamphetaminhandels, wie die Justizbehörde mitteilte.

Der Vagos Motorcycle Club (VMC)

Gegründet wurde der Vagos MC, manchmal auch Green Nation genannt, im Jahr 1965 in Kalifornien. Das Logo der Gang ist Loki, ein Gott aus der nordischen Mythologie, auf einem Motorrad. Die Rockergruppe soll immer wieder Polizei und Behörden angegriffen haben, indem unter anderem Autobomben unter Polizeifahrzeugen platziert wurden. Berichten zufolge hat der Vagos MC weltweit rund 4000 Mitglieder.

Rock Machine

Dieser kanadische Rockerklub wurde 1986 in Québec gegründet. In den 90ern soll die Gruppierung sich mehrere Jahre lang erbittert mit den Hells Angels um die Vorherrschaft des Drogenmarktes von Montreal gestritten haben, auch andere Rockergruppen waren involviert - rund 160 Menschen sollen in dem Zusammenhang gestorben sein. Seit 2000 wurden Rock Machine bei den Bandidos eingegliedert, wurden 2007 aber wieder unabhängig. Das Logo der Rockergruppe: ein Adlerkopf mit rotem Auge.

In Deutschland kam es ebenfalls zu kriminellen Machenschaften: Bei einer Schießerei in der Türsteherszene in Neu-Ulm starb 2012 eine Person, eine weitere wurde schwer verletzt. Die Medien und Behörden bezichtigen die Mitglieder häufig der Kriminalität.

Die Anfänge der Motorradclubs

Die ersten Motorradclubs werden in den 1920er- und 1930er-Jahren in den USA gegründet. Meist kommen die Mitglieder aus besserem Hause, tragen Krawatten und Anzüge und pflegen ein Gentleman-Image. Das ändert sich nach dem Zweiten Weltkrieg, als viele Soldaten in ihre Heimat zurückkehren, denen es schwerfällt, sich in ihrem früheren Leben zurecht zu finden. 1947 findet im kalifornischen Hollister ein Treffen Tausender Motorradfahrer statt, das die American Motorcyclist Association (AMA) organisiert hat. Die Reporter stürzen sich auf die Zwischenfälle und übertreiben in ihren Berichten maßlos. Die Motorradfahrer - vor allem jene, die in Clubs organisiert sind - gelten fortan als gewalttätig. Die AMA betont angeblich in einer Stellungnahme nach den Ausschreitungen, dass 99 Prozent aller Motorradfahrer friedliche und unbescholtene Menschen seien und lediglich ein Prozent für den Aufruhr verantwortlich sei. Eine Steilvorlage für viele Motorradfahrer, die sich selbst jenseits der Gesetze und der bürgerlichen Ordnung sehen und als "Outlaws" (Gesetzlose) definieren.

Sonny Barger und die Hells Angels

Einer von ihnen: Ralph Barger, genannt "Sonny". Er stammt aus zerrütteten Verhältnissen. Mitte der 1950er-Jahre, nach seiner Entlassung aus der Armee, tritt er im kalifornischen Oakland dem Motorradclub "Panthers" bei, doch hält er es dort nicht lange aus. Mit ein paar Freunden gründet er einen eigenen Club, den sie "Hells Angels" nennen - eine Anlehnung an ein Bombergeschwader im Zweiten Weltkrieg, das diesen Spitznamen trug. Er gleicht das äußere Erscheinungsbild an und sorgt mit genauen Vorgaben, wer welche Symbole und Embleme auf der Weste tragen darf, für eine fast schon militärische Uniformität. Als wichtigstes Hells-Angels-Gesetz gilt die Brüderschaft.

Hells Angels haben sich gegenseitig und in allen Situationen zu unterstützen, egal mit welchen legalen oder illegalen Mitteln. Die Vorschriften und Regeln des Clubs gelten den Mitgliedern weit mehr als die bürgerlichen Gesetzbücher. Das führt dazu, dass die Polizei und sonstige Ermittler oft auf eine Mauer des Schweigens treffen, wenn sie im Umfeld der Hells Angels ermitteln. Im Laufe der 1960er-Jahre werden die Hells Angels zu einer geachteten und gefürchteten Truppe, die schnell die Vorherrschaft unter den kalifornischen Clubs innehat. Immer wieder sind die Mitglieder in kriminelle Machenschaften wie Prostitution und Drogenhandel verwickelt, auch Sonny Barger verbringt mehrere Jahre hinter Gittern. Im Gegenteil: Motorradgangs aus ganz Amerika wollen den Hells Angels beitreten und eigene Ableger bilden, die "Charter". Sämtliche beitrittswilligen Charters werden dabei durch Barger und seine Vertrauten auf Herz und Nieren geprüft. Wer ein Hells Angel werden will, gilt in der Clubhierarchie als "Prospect" (englisch für Anwärter).

Altamont Free Concert 1969

1969 erreichen die Hells Angels traurige Berühmtheit. Sie arbeiten während eines Konzerts der Rolling Stones im kalifornischen Altamont als Ordner. Im Publikum kommt es zu Unruhen, die durch die aggressive Art von Bargers Leuten zusätzlich angeheizt wird. Ein Mann in der ersten Reihe zieht eine Pistole und wird von einem Hells Angel mit mehreren Messerstichen getötet.

Expansion nach Deutschland

In den 1970er-Jahren entstehen auch außerhalb der USA Motorradclubs nach amerikanischem Vorbild. Das erste deutsche Hells-Angels-Charter wird 1973 in Hamburg gegründet. Nachdem es in den 1990er-Jahren in Skandinavien zu brutalen Auseinandersetzungen mit mehreren Toten kommt, eskaliert ab Mitte der 2000er-Jahre der "Rockerkrieg" zwischen Hells Angels und Bandidos auch in Deutschland. Die Behörden beschuldigen die Clubs der organisierten Kriminalität, mehrere Ortsverbände beider Seiten werden verboten, der Verfassungsschutz beobachtet die Szene intensiv.

Die Rolle der Frau in der Rockerszene

Von jeher spielt das weibliche Geschlecht in der Männerwelt der Rocker augenscheinlich eine sehr wichtige Rolle, wenn auch zumeist auf eine recht spezielle Weise. Auf den weltbekannten Bildern des Anfang 2020 verstorbenen Life-Magazinfotografen Bill Ray etwa, der mit seiner Kunst zweifellos zur Romantisierung der Szene beigetragen hat, sitzen die Frauen hinter ihren „starken Männern“ auf schweren Maschinen, meist Wind in den Haaren und ein breites Lächeln auf dem Gesicht. Sie scharen sich um die Männer mit den Lederkutten, bewundern die Motorräder und räkeln sich darauf mitunter lasziv in der Sonne. Bis heute lassen sich Frauen im Umfeld von Rockern vor allem mit dem Zeigen von viel Haut und in erotischen Posen auf den Titelseiten von Zeitschriften assoziieren, die in Szenekreisen beliebt sind.

In der Realität werden Frauen in OMCG in der Regel als eine Art Begleiterin geduldet, die dem Mann zu Diensten ist, keinesfalls aber als potenziell gleichwertiges Mitglied angesehen. Ihre Rollen sind beschränkt entweder auf die der festen Partnerin einzelner Mitglieder (meist „Old Ladies“ genannt) oder die eines allgemein verfügbaren „Lustobjekts“.

Die Rockerszene ist tief in der Geschichte und Kultur der USA verwurzelt, und ihre Entwicklung spiegelt gesellschaftliche Veränderungen und Konflikte wider. Von den ersten Motorradclubs, die ein Gentleman-Image pflegten, bis zu den Outlaw Motorcycle Gangs von heute, die für ihre kriminellen Aktivitäten bekannt sind, haben Rockergruppen einen bedeutenden Einfluss auf die amerikanische Gesellschaft gehabt.

Überblick über die größten Rockerclubs

Name des Clubs Gründungsjahr Gründungsort Mitglieder weltweit (ca.) Symbol
Hells Angels Motorcycle Club (HAMC) 1948 Kalifornien, USA 6.000 Totenkopf mit Helm und Flügeln
Bandidos Motorcycle Club (BMC) 1966 Texas, USA 5.000 Mexikanischer Bandit mit Machete und Revolver
Outlaws Motorcycle Club (OMC) 1935 Illinois, USA 4.500 Totenkopf mit gekreuzten Kolben
Gremium Motorcycle Club (GMC) 1972 Mannheim, Deutschland 1.900 Faust, die durch Wolken bricht
Mongols Motorcycle Club (MMC) 1969 Kalifornien, USA 1.500 Mongolischer Krieger mit Sonnenbrille

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