Das Biker-Krimi-Drama „The Bikeriders“ startete am 20. Juni 2024 in den deutschen Kinos. Darin sind Tom Hardy als Gang-Anführer Johnny und Austin Butler als dessen Nummer zwei Benny zu sehen. Sie beide sind Mitglieder der „Vandals“, einer Biker-Gang in den 1960er-Jahren. Der Film selbst wird aus der Sicht von Bennys Frau Kathy (Jodie Comer) erzählt. Diese legt in einem Interview mit Danny (Mike Faist) ihre Sicht auf die Ereignisse dar, die in „The Bikeriders“ gezeigt werden. Denn Danny will ein Buch über die „Vandals“ schreiben.
Die Inspiration hinter "The Bikeriders"
Regisseur und Drehbuchautor Jeff Nichols entwickelte das Drehbuch anhand des gleichnamigen Fotobandes von Lyon. Einige Bilder aus dem Film sind auch direkt dem Buch entlehnt. Lyon, der auch am Set war, bestätigte in einem Interview mit dem Telegraph, wie nah diese Nachstellungen seinen Fotografien sind. Der Autor Danny aus dem Film ist die fiktive Version des echten Danny Lyon, der selbst in den 60ern Teil eines Motorrad-Clubs war. Er war nämlich Mitglied des Chicago Outlaw Motorcycle Club. Mit ihnen unternahm er Fahrten und adaptierte auch deren Lebensstil, sodass er diese Erlebnisse authentisch festhalten konnte.
Der Fotoband „The Bikeriders“ war die erste Veröffentlichung des Fotografen und Dokumentarfilmers. Geboren wurde Danny Lyon in New York, studierte jedoch Geschichte an der University of Chicago. Darüber hinaus war er auch Teil der Bürgerrechtsbewegung, die für eine Gleichberechtigung für Afroamerikaner kämpfte.
Die Entstehung der Motorradclubs
Die ersten Motorradclubs werden in den 1920er- und 1930er-Jahren in den USA gegründet. Meist kommen die Mitglieder aus besserem Hause, tragen Krawatten und Anzüge und pflegen ein Gentleman-Image. Das ändert sich nach dem Zweiten Weltkrieg, als viele Soldaten in ihre Heimat zurückkehren, denen es schwerfällt, sich in ihrem früheren Leben zurecht zu finden. Nach dem Krieg kommen viele Motorräder der Armee auf den Markt. Das macht die Bikes billig und heimkehrende Veteranen suchen nach einem passenden Hobby unter Gleichgesinnten.
1947 findet im kalifornischen Hollister ein Treffen Tausender Motorradfahrer statt, das die American Motorcyclist Association (AMA) organisiert hat. Die Reporter stürzen sich auf die Zwischenfälle und übertreiben in ihren Berichten maßlos. Die Motorradfahrer - vor allem jene, die in Clubs organisiert sind - gelten fortan als gewalttätig. Die AMA betont angeblich in einer Stellungnahme nach den Ausschreitungen, dass 99 Prozent aller Motorradfahrer friedliche und unbescholtene Menschen seien und lediglich ein Prozent für den Aufruhr verantwortlich sei.
Diese Erklärung wird als Geburtsstunde der „Onepercenter“ betrachtet, die sich selbst als gesetzlos („Outlaws“) bezeichnen und auf ihren Kutten ein „1%“-Symbol tragen, das sich direkt auf die Erklärung der AMA bezieht und sie sichtbar von den darin bezeichneten rechtschaffenden Bürgern abgrenzen soll. Eine Steilvorlage für viele Motorradfahrer, die sich selbst jenseits der Gesetze und der bürgerlichen Ordnung sehen und als "Outlaws" (Gesetzlose) definieren. Einer von ihnen: Ralph Barger, genannt "Sonny". Er stammt aus zerrütteten Verhältnissen.
Der Aufstieg der Hells Angels
Mitte der 1950er-Jahre, nach seiner Entlassung aus der Armee, tritt er im kalifornischen Oakland dem Motorradclub "Panthers" bei, doch hält er es dort nicht lange aus. Mit ein paar Freunden gründet er einen eigenen Club, den sie "Hells Angels" nennen - eine Anlehnung an ein Bombergeschwader im Zweiten Weltkrieg, das diesen Spitznamen trug. Er gleicht das äußere Erscheinungsbild an und sorgt mit genauen Vorgaben, wer welche Symbole und Embleme auf der Weste tragen darf, für eine fast schon militärische Uniformität.
Als wichtigstes Hells-Angels-Gesetz gilt die Brüderschaft. Hells Angels haben sich gegenseitig und in allen Situationen zu unterstützen, egal mit welchen legalen oder illegalen Mitteln. Die Vorschriften und Regeln des Clubs gelten den Mitgliedern weit mehr als die bürgerlichen Gesetzbücher. Das führt dazu, dass die Polizei und sonstige Ermittler oft auf eine Mauer des Schweigens treffen, wenn sie im Umfeld der Hells Angels ermitteln.
Im Laufe der 1960er-Jahre werden die Hells Angels zu einer geachteten und gefürchteten Truppe, die schnell die Vorherrschaft unter den kalifornischen Clubs innehat. Immer wieder sind die Mitglieder in kriminelle Machenschaften wie Prostitution und Drogenhandel verwickelt, auch Sonny Barger verbringt mehrere Jahre hinter Gittern. Im Gegenteil: Motorradgangs aus ganz Amerika wollen den Hells Angels beitreten und eigene Ableger bilden, die "Charter". Sämtliche beitrittswilligen Charters werden dabei durch Barger und seine Vertrauten auf Herz und Nieren geprüft.
Altamont und der Abstieg
1969 erreichen die Hells Angels traurige Berühmtheit. Sie arbeiten während eines Konzerts der Rolling Stones im kalifornischen Altamont als Ordner. Im Publikum kommt es zu Unruhen, die durch die aggressive Art von Bargers Leuten zusätzlich angeheizt wird. Ein Mann in der ersten Reihe zieht eine Pistole und wird von einem Hells Angel mit mehreren Messerstichen getötet.
Expansion nach Deutschland
In den 1970er-Jahren entstehen auch außerhalb der USA Motorradclubs nach amerikanischem Vorbild. Das erste deutsche Hells-Angels-Charter wird 1973 in Hamburg gegründet. Im norddeutschen Raum formierte sich Ende der 1960er Jahren unter dem Namen „Bloody Devils“ eine Rocker-Gruppe, die dann am 16. November 1999 durch den Übertritt (patchover) des bis dahin bedeutendsten deutschen Motorradclubs, der „Bones“, massiv in Erscheinung trat. Davor gab es Charter (Untergruppierungen) in Hamburg, Stuttgart, Kiel und Berlin.
Nachdem es in den 1990er-Jahren in Skandinavien zu brutalen Auseinandersetzungen mit mehreren Toten kommt, eskaliert ab Mitte der 2000er-Jahre der "Rockerkrieg" zwischen Hells Angels und Bandidos auch in Deutschland. Die Behörden beschuldigen die Clubs der organisierten Kriminalität, mehrere Ortsverbände beider Seiten werden verboten, der Verfassungsschutz beobachtet die Szene intensiv.
Weitere bedeutende Motorradgangs
Neben den Hells Angels gibt es weitere bekannte Motorradgangs mit weltweiter Bedeutung:
- Bandidos Motorcycle Club (BMC): Sie gelten als die Rivalen der Hells Angels und haben Berichten zufolge weltweit in etwa 22 Ländern rund 5000 Mitglieder. Der Klub wurde 1966 im US-amerikanischen Texas gegründet.
- Outlaws Motorcycle Club (OMC): Der Outlaws Motorcycle Club ist vor allem in den USA groß, aber auch in Deutschland vertreten und soll Berichten zufolge weltweit rund 4500 Mitglieder haben.
- Gremium Motorcycle Club (GMC): Der Gremium MC wurde 1972 in Mannheim gegründet und hat sich seitdem auch nicht wie viele andere einem internationalen Motorradklub wie den Hells Angels oder Bandidos angeschlossen.
Die Rolle der Frau in der Rockerkultur
Von jeher spielt das weibliche Geschlecht in der Männerwelt der Rocker augenscheinlich eine sehr wichtige Rolle, wenn auch zumeist auf eine recht spezielle Weise. Bis heute lassen sich Frauen im Umfeld von Rockern vor allem mit dem Zeigen von viel Haut und in erotischen Posen auf den Titelseiten von Zeitschriften assoziieren, die in Szenekreisen beliebt sind. Bestenfalls werden Frauen in OMCG demzufolge in der Regel als eine Art Begleiterin geduldet, die dem Mann zu Diensten ist, keinesfalls aber als potenziell gleichwertiges Mitglied angesehen.
Ihre Rollen sind beschränkt entweder auf die der festen Partnerin einzelner Mitglieder (meist „Old Ladies“ genannt) oder die eines allgemein verfügbaren „Lustobjekts“. Diese traditionell im subkulturellen Jargon auch als „Mamas“[23] bezeichneten Frauen werden quasi als Clubeigentum betrachtet und müssen aus Sicht der Mitglieder dauerhaft und jederzeit für jedes Mitglied „verfügbar“ sein.
OMCG und organisierte Kriminalität
Die Biker-Welt lässt sich für Außenstehende oft nur schwer abgrenzen vom kriminellen Milieu der „Rocker“ im polizeilich relevanten Sinn, auch wenn diese Abgrenzung sicher wesentlich ist. Mitglieder von OMCG mögen die o.g. Aspekte grundsätzlich teilen, treten jedoch im Gegensatz zur großen Mehrheit der oben charakterisierten Motorradclubs regelmäßig mit Straftaten, vornehmlich Körperverletzungs-, Erpressungs- und Bedrohungsdelikten und nicht selten in unterschiedlichen Erscheinungsformen der organisierten Bandenkriminalität in Erscheinung, so u.a. in den Bereichen der Drogen- und Waffenkriminalität. Charakteristisch für OMCG sind streng hierarchisch geführte Organisationsformen, eine in der Regel hohe Gewaltaffinität und das Fehlen jeglicher Kooperation mit Strafverfolgungsbehörden.
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