BMW Motorrad Sommerhose im Test: Komfort und Sicherheit bei warmem Wetter

Wer sich mit dem Motorrad auf die Reise begibt, sollte nach Möglichkeit Schutzkleidung tragen. Die gibt es von Dutzenden Anbietern. Auch die Bike-Hersteller selbst bieten welche an. BMW zum Beispiel hält für seine Fahrer ein sehr üppiges Bekleidungsprogramm bereit. Das heißt natürlich nicht, dass man diese Sachen, sollte man ein Motorrad einer anderen Marke fahren, nicht tragen darf. Aber, und das ist kein Geheimnis: Wer sich einmal einer Marke verschrieben hat, kommt nur sehr schwer davon los und ist dann auch gerne bereit, ihr Logo auf der Kleidung zu tragen.

Nun, wie dem auch sei, ntv.de hat einmal tief im BMW-Bekleidungskatalog gewühlt und sich ein buntes Portfolio zum Test bestellt, das eigentlich alle Fahrsituationen abdecken sollte: Stadt, Land, Autobahn, Kurz- und Langstrecke. Aber auch dazu bedarf es der richtigen Kleidung. Die soll am Ende nicht nur bei Stürzen schützen, sondern auch gegen Wind und Wetter.

XRide Textil-Leder-Kombi im Detail

Werfen wir zuerst auf die Sachen einen Blick, die man wohl eher bei einem längeren Ausritt anziehen würde: Zusammen mit den beiden Neuerscheinungen der S 1000 XR und der S 900 XR haben die Bayern zum Beispiel eine Textil-Leder-Kombi unter dem Namen XRide an den Start gebracht. Während die Bilder im Katalog ein eher biederes Kleid versprechen, stellt sich die Kombi angezogen ganz anders dar.

Zum einen erfreut sie beim ersten Überstreifen mit einer perfekten Passform (Jacke 50/ Hose 48) und tatsächlich auch mit einem extrem feschen Schnitt. Nun ist die Passform im Stand das eine, beim Sitz auf dem Bike das andere. Im Falle der zweiteiligen XRide-Kombi gibt es aber auch hier nichts auszusetzen. Der Grund dafür sind "Ziehharmonikastretch und Ergonomiefalten". So nennt BMW die dehnbaren Teile oberhalb des Knies, an den Waden und am Ellbogen, eben genau dort, wo die Bewegungsfreiheit gewährleistet sein muss.

Wichtig ist übrigens auch die Passgenauigkeit der Protektoren. Da sind an den Schultern NP3-Protektoren; Ellbogen, Hüfte und Knie sind mit NP2-Protektoren geschützt und der Rücken ist mit einem NP-Pro-lang-Protektor abgesichert. Das Schöne dabei: Keines der Schutzpolster klemmt, drückt oder reibt bei irgendeiner Bewegung. Der Grund dafür ist auch, dass Stellen, die Schutz benötigen, mit einem elastischen Gewebeband umwickelt wurden. Das sorgt zum einen für eine höhere Flexibilität und verbessert zum anderen die Haltekraft der Protektoren, ohne den Tragekomfort zu beeinträchtigen. In Summe führt es aber dazu, dass man die Rüstung zwar am Körper spürt, man sich aber nie eingeengt fühlt. Rein psychologisch stellt sich so ein ungeahntes Sicherheitsgefühl ein.

Und noch etwas begeistert an der XRide-Kombi. Neben den zwei sich überlappenden Frontreißverschlüssen gibt es in der Jacke sieben sehr intelligent angeordnete und gut zugängliche Taschen, die sich sogar mit Handschuhen öffnen und schließen lassen. Vier davon, und die sind auch am wichtigsten, befinden sich an der Front, wobei eine davon Wasserdicht ist. Apropos wasserdicht: Wer die XRide-Kombi für insgesamt 1400 Euro kauft, was zugegeben viel Geld ist, bekommt auch gleich noch eine sogenannte Outset-Jacke und -Hose dazu. Was nichts anderes heißt, als dass es Regenüberzieher für die Kombi gibt. Die sieht übrigens nicht weniger schick aus und erfüllte ihren Zweck im Test tadellos.

Allerdings soll eine Einschränkung nicht unerwähnt bleiben. Die Kombi ist nicht für alle Temperaturen konzipiert. Wer unter 10 Grad ohne zusätzliche lange Unterhosen losdüst, bekommt das ausgezeichnete Belüftungssystem in seiner ganzen Breite zu spüren. Was nichts anderes heißt, als dass es hier bei entsprechenden Temperaturen doch recht frisch werden kann. Ab 20 Grad Außentemperatur bis über 30 Grad ist die XRide-Kombi, die sich natürlich mit einem Reißverschluss verbinden lässt, geradezu genial. Hier spielt sie ihr Können aus, verhindert unnötiges Schwitzen, sorgt aber auch dafür, dass es nicht zu kalt wird. Noch mal kurz zum Verständnis: Die Rede ist hier von einer Fahrt, nicht vom Spaziergang durch die Stadt.

Die passenden Handschuhe: "Two In One Tech" und "Rallye"

In der Stadt trägt man schließlich auch keine Motorradhandschuhe. Die braucht es aber, wenn man unterwegs ist und hier wären aus dem BMW-Portfolio zwei zu empfehlen: die "Two In One Tech" für 190 Euro und die "Rallye" für 90 Euro.

Bei den Erstgenannten handelt es sich um 2-in-1-Handschuh mit 2-Kammer-Technologie. Während die erste Kammer nicht gefüttert ist und dank Känguruleder für ein gutes Griffgefühl am Lenker sorgt, ist die zweite Kammer dank Goretex wasserdicht und atmungsaktiv. Hört sich komisch an? Ist es aber gar nicht. Der Fahrer kann beim Anziehen wählen, in welche Kammer er schlüpfen möchte. Allerdings muss sich der Träger am Anfang darauf einstellen, dass es einen Moment dauert, bis die Handschuhe so eingetragen sind, dass sie die Spannung verlieren, die die Finger immer wieder geradeziehen möchte. Ist die Phase des Eintragens aber überstanden, dann sitzt der "Two In One Tech" wie eine Eins und schützt als Universalhandschuh vor Wind, Wetter und bei Stürzen.

Der "Rallye" ist zwar mit dem Hoheitszeichen der BMW-GS-Modelle versehen, macht sich aber auch außerhalb des Offroadbereichs ganz hervorragend. Er überzeugte im Test durch eine exzellente Passform und ein 1A Griffgefühl und dank Spezialleder und einem atmungsaktiven Materialmix beste Beweglichkeit. Vor allem bei sommerlichen Temperaturen kommt dem Fahrer die Belüftung, die unterhalb des Knöchelschutzes in den Handschuh strömt, zugute. Auch der Klettverschluss zum Arretieren am Handgelenk ist wie bei "Two In One Tech" hoch zu loben. Während er bei anderen Modellen schnell den Halt verliert und sich während der Fahrt öffnet, was bei einem Sturz zu einem echten Sicherheitsrisiko werden kann, sitzt er hier bombenfest. Der "Rallye" ist am Ende als ein Handschuh zu empfehlen, bei dem das Preis-Leistungs-Verhältnis wirklich stimmt.

Der Helm: BMW "7 Carbon"

Bleibt noch der Helm. Hier fiel die Wahl auf den "7 Carbon". Ein Klapphelm, der trotz seiner Vollcarbon-Schale mit 1580 Gramm einiges an Gewicht auf den Kopf bringt. Wer will, kann den als bayrische Universalwaffe angelegten Helm auch mit drei Handgriffen zu einem vollwertigen Jet-Helm machen.

Was am 7 Carbon wirklich gefällt, ist seine Passform, der feste Sitz und das beschlagarme Doppelvisier, das extrem großzügig ausfällt und eine ausgezeichnete Rundumsicht ermöglicht. Das gilt für den Links-rechts-Blick an der Kreuzung ebenso wie für den Schulterblick beim Spurwechsel oder die schnelle Versicherung beim Blick auf das Display. Aber schon beim Öffnen des Visiers fällt auf, dass die Rastenpunkte etwas zu groß sind. Der Belüftungsschieber auf dem Kopf gleitet zwar gut von vorne nach hinten und umgekehrt, nur ist kaum ein Luftzug auf dem Kopf zu spüren. Gleiches gilt für die Kinnbelüftung.

So richtig schlagen die Wirbel - und das ist wörtlich zu nehmen - ab 120 km/h zu. Je schneller, desto heftiger wird der Kopf hin- und hergeschüttelt. Ab 180 km/h wird es unerträglich, zumal die Sozia sich nicht zu Unrecht die Frage stellt, ob mit dem Piloten da vorne noch alles in Ordnung ist oder ob sie sich langsam Sorgen machen muss, weil der Kopf so völlig unkontrolliert rumwackelt. Sorry, liebe BMW-Helmentwickler, aber das geht zu einem Preis von über 600 Euro echt gar nicht. Zumal dem Helm im Katalog eine sehr gute Aerodynamik attestiert wird.

Was der 7 Carbon wirklich gut filtert, sind Wind- und Außengeräusche. Hier macht die bayrische Kopfbedeckung einen sehr guten Job. Auch der Visierwechsel geht im Vergleich zu Konkurrenzprodukten sehr einfach und schnell von der Hand. Und selbstredend ist der 7 Carbon für das hauseigene Kommunikationssystem vorbereitet.

Praxistest Sommeranzüge: Kühle Köpfe bei Hitze

Nach dem extrem heißen Sommer des vergangenen Jahres haben viele Motorradbekleidungs-Anbieter ihre Modellpaletten in dieser Saison um luftige Sommeranzüge erweitert. MOTORRAD testete acht Zweiteiler mit großflächigen Belüftungsöffnungen. In welchem dieser Anzüge bleiben Biker selbst bei großer Hitze wirklich cool?

Dipl.-Ing. Florian Schueler vom Institut für Rechtsmedizin, Fachgebiet Technologische Biomechanik und Unfallforschung an der Universität Heidelberg, erklärt die Vor- und Nachteile von Sommeranzügen in einem Interview:

Unter einer korrekten Schutzkleidung verstehe ich einen Anzug mit maximalem Verletzungsschutz. Und der besteht nach wie vor aus geeignetem Leder mit eingearbeiteten Protektoren. Dies bedeutet jedoch an heißen Tagen, dass je nach Fahrsituation eine physiologische Temperierung des Körpers nicht mehr erfolgen kann. Stattdessen kommt es zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Aufheizung. Starkes Schwitzen beeinträchtigt nicht nur das Wohlbefinden stark, sondern führt auch zu einer zunehmenden Kreislaufbelastung. Darunter leidet die aktive Fahrsicherheit, indem sowohl Konzentration als auch Reaktionszeit und Reaktionsqualität extrem beeinträchtigt werden können.

Sommeranzüge sind insofern eine Alternative, als sie die aktive Fahrsicherheit unterstützen und somit das Unfall- und Sturzrisiko verringern. Was die passive Sicherheit anbelangt, müssen ganz klar Abstriche hingenommen werden, die zunächst mal zu einer Stärkung des Bewusstseins im Sinne einer defensiven Fahrweise führen sollten. Aber auch luftige Sommeranzüge können durch die Ausstattung mit Protektoren und abriebfesten Textil- und Armierungsfasern gegenüber Anprall- und Schürfeinwirkungen einen nennenswerten, je nach Unfallgeschehen auch sehr effizienten Verletzungsschutz bieten.

Die Gefahr von Zugluft und Unterkühlung besteht insbesondere dann, wenn man schon schwitzt, bevor der kühlende Fahrtwind wirkt. Deshalb sollte man unmittelbar nach dem Anziehen der Schutzkleidung mit mehr oder weniger geöffneten Belüftungseinlässen losfahren. Wie bei der Klimaanlage im Auto sollte die Luftkühlung allerdings nicht gleich maximal, sondern »homöopathisch« dosiert werden.

Sommertaugliche Schutzkleidung ist ein Kompromiss, bei dem die Aufgabenteilung im Vordergrund steht. Dies gelingt am besten mit drei oder vier Schichten. Als direkte Körperschicht sollte die Unterwäsche nicht aus feuchtigkeitspeicherndem Material wie Baumwolle bestehen, sondern die Feuchtigkeit weitertransportieren. Darauf folgt die Schuppenschicht mit Protektoren an allen Sturz- oder unfallexponierten Körperstellen, die im Einwirkgeschehen lagestabil an der zu schützenden Körperstelle verbleiben müssen. Die Außenschicht sollte mit einer regulierbaren Belüftung versehen sein und einigermaßen vor Regen schützen.

Testergebnisse der Sommeranzüge im Überblick

Anzug Plus Minus Urteil
BMW AirFlow II Hervorragende Verarbeitung, wirkungsvolle Belüftung Eingeschränkter Tragekomfort, kurzer Schnitt Befriedigend (61 Punkte)
FLM Airvent Gute Verarbeitung, wirkungsvolle Belüftung Kurzer Verbindungs-Reißverschluss, fummelige Verbindung Befriedigend (67 Punkte)
Hein gericke Maxwell Summer II Gute Verarbeitung, legerer Schnitt Schwacher Front-Reißverschluss, schwache Belüftung Befriedigend (64 Punkte)
Held Rouky/Zeffiro Prima Verarbeitung, legerer Schnitt, effektive Belüftung Kein Verbindungs-Reißverschluss Gut (72 Punkte)
Louis Probiker Breeze Gute Verarbeitung, legerer Schnitt, effektive Belüftung Kein Verbindungs-Reißverschluss, erhöhte Flatterneigung Gut (72 Punkte)
Richa Air Vent Sehr gute Verarbeitung, körpernaher Schnitt, effektive Belüftung Kurzer Verbindungs-Reißverschluss Gut (79 Punkte)
Rukka APR 3 Hervorragende Verarbeitung, sehr gute Passform, sehr effektive Belüftung Reißverschlüsse aus Kunststoff, erhöhte Flatterneigung an Oberschenkeln Sehr gut (93 Punkte)
Stadler Traveler/Journey Sehr hochwertige Verarbeitung, gute Passform, wirkungsvolle Belüftung Wenig abriebfeste Kunststoff-Reißverschlüsse Sehr gut (91 Punkte)

Motorrad Cargohosen im Test

Bereits über 100 Jahre ist es her, dass die sogenannte Bluejeans das Licht der Welt erblickte: im Jahre 1920. Annähernd genauso alt ist ihre Verwandte, die Cargohose. Sie kam in den 1930er-Jahren bei der britischen Armee zum Einsatz und konnte dort durch ihre Funktionalität überzeugen. Ihre großen Taschen waren äußerst praktisch im Feld und wurden zu ihrem Markenzeichen. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden die robusten Hosen ihren Weg in die zivile Garderobe und bieten bis heute einen willkommenen Mix aus Funktionalität und Stil. Ausgestattet mit Protektoren an Hüfte und Knie, ergänzt um robuste Kunstfasern im oder unter dem Obermaterial, sind Cargohosen folglich eine gute Wahl für Motorradfahrer.

Die Segura Bora ist komplett wasserdicht, weil sie zwischen Oberstoff und Futter mit einer wasserdichten Membran ausgestattet ist. In hohem Maße wasserdicht sind aber auch andere Hosen im Test, so die Rokker Black Jack Slim, die dazu ein spezielles Material von Schoeller nutzt und beim Nässetest keine Schwächen zeigte. Andere Hosen wie die John Doe Defender Mono oder die Spirit Motors Cargohose 1.0 stehen dem in nicht viel nach, und auch weitere Teilnehmer scheinen bei der Produktion eine wirkungsvolle Imprägnierung erhalten zu haben.

Komfortables Binnenklima auch bei heißen Temperaturen gilt als Stärke von Motorradjeans. Als solche können eigentlich alle Motorrad Cargohosen im Testfeld mit Luftigkeit überzeugen, zum Teil (Segura, Trilobite) besitzen sie sogar Belüftungsöffnungen. Natürlich funktioniert Abkühlung vornehmlich dann, wenn Fahrtwind im Spiel ist. Beim Rasten hingegen ist Schattensuchen angesagt, selbst wenn so mancher Oberstoff extra wärmereflektierend sein soll. Im Vergleich zur Leder- oder Textilkombi hat man trotzdem die luftigere Wahl getroffen, höchstens Mesh-Bekleidung könnte das noch toppen.

Die namensgebenden Taschen der Cargohosen unterscheiden sich nicht nur in Höhe, Breite, Tiefe und Anzahl, sondern auch in der Art ihres Verschlusses. Hier kommen Klett, Druckknöpfe oder Reißverschlüsse zum Einsatz, teilweise auch ein Mix daraus. Ebenso spielt die Positionierung und Orientierung eine Rolle, sodass sie selbst prall gefüllt nicht stören, wenn man auf dem Motorrad Platz nimmt. Ähnliches gilt auch für die Vorder- und Gesäßtaschen. Wo heckseitig häufig die Geldbörse Platz finden soll, ohne beim Sitzen allzu sehr zu stören, werden vorn gerne mal ein Smartphone oder der Schlüsselbund verstaut.

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