Warum haben nicht mehr Motorräder Zahnriemen? Welche Nachteile haben diese gegenüber Ketten? Naja, Kardan, Rollenkette und Zahnriemen, alle drei für den Sekundärantrieb verwendeten Techniken haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile.
Vergleich der Antriebsarten
Kardanantrieb: Der Kardan benötigt den geringsten Wartungsaufwand, ist aber teuer, schwer und hat einen schlechten Wirkungsgrad. Vor allem bei den üblicherweise quer eingebauten Motoren, denn dabei sind zwei Winkelgetriebe erforderlich. Wartungsarm und langlebig, aber schwer und teuer. Ein Kardan ist die erste Wahl bei Tourern.
Kettenantrieb: Die Rollenkette hat den besten Wirkungsgrad und baut sehr schmal, ist aber sehr Wartungsaufwändig. Der im Motorradbau am häufigsten verwendete Sekundärantrieb ist die Kette. Ein Kettenantrieb ist nicht nur einfach aufgebaut, sondern vor allem kostengünstig zu produzieren. Sofern die Kette richtig gespannt und geschmiert ist, hat er nur einen geringen Leistungsverlust. Niedriges Gewicht, ein relativ einfacher Wechsel des Kettensatzes sowie die Möglichkeit, die Übersetzung mithilfe von größeren/kleineren Kettenrädern zu ändern, sind weitere Vorteile der Kette. Der größte Nachteil ist ihre aufwendigere Pflege (Schmieren, Reinigen und Spannen) sowie die begrenzte Lebensdauer.
Zahnriemenantrieb: Der Riemenantrieb ist wartungsarm, allerdings benötigt der Riemen einen großen Knickwinkel und braucht daher auf beiden Seiten ziemlich große Scheibendurchmesser. Außerdem muss der Riemen und damit auch die Scheiben im Vergleich zur Kette ziemlich breit sein. Die breiten und großen Scheiben sind an der Achse und Schaltbox-Gehäuse nur schwer unterzubringen und ziemlich teuer. Der Riemen muss zudem relativ stark vorgespannt werden, das behindert einerseits die Hinterradfederung und andererseits erhöht es die Lagerbelastung.
Technische Aspekte des Zahnriemenantriebs
Statt Knickwinkel sagt man auch Mindestdurchmesser der kleinen Scheibe. Daraus resultiert über das Übersetzungsverhältnis ein recht großer Durchmesser der großen Riemenscheibe hinten (deshalb sind hinten im Verhältnis zum Kettenrad immer so große Scheiben dran). Dieses bedeutet große Bauräume, die aus optischen Gründen nicht immer gewünscht sind.
Weiterhin gibt es in der Regel zwischen dem Schwingenlager und dem Wellenlager für Kette/Zahnriemen eine kleine Distanz, weil diese nicht auf identischer Achse liegen. Das bedeutet dann, daß beim Einfedern der Achsabstand (der Abstand der Mittelpunkte der Riemenscheiben) nicht konstant bleibt, sondern sich vergrößert. Bei der Kette ist das einfach, weil diese keine Vorspannung (wie der Riemen) benötigt. Sie wird einfach etwas lose gelassen (Durchhang der Kette).
Beim Zahnriemen geht dies wegen der Vorspannung leider nicht. Er wird beim Ein- und Ausfedern immer ein wenig gedehnt. Dies geht nur in kleiner Größenordnung und daraus folgt, daß der Federweg eingeschränkt ist. Darum sind die Federwege der Zahnriemen getriebenen Motorräder auch kleiner als bei einem Kettenantrieb (oder Kardan). Also bei z.B. Harley.
Der Zahnriemen verschleißt durch den Schmutz und die kleinen Steinchen, die beim Fahren zwischen den Riemen und das Riemenrad geraten. (Darum ist der Riemeneinlauf meist durch Schutzbleche abgedeckt; z.B. F800ST/GT). Wenn genügend Zähne am Riemen ausgerissen/ausgebrochen sind, brechen die Zugstränge des Riemens mit entsprechendem Riemenriß insgesamt. Weiterhin reißen über die Biegearbeit (der Riemen wird immer hin- und hergebogen) über die Umläufe und Kilometer, was äußerlich nicht sichtbar ist, die umlaufenden Fastern im Inneren des Zahnriemens.
Also auch der Riemenantrieb ist trotz der zweifellos vorhandenen Vorteile technisch nicht einfach zu beherrschen.
Tabelle: Vergleich der Antriebsarten
| Antriebsart | Vorteile | Nachteile | Wartung |
|---|---|---|---|
| Kardan | Wartungsarm, langlebig | Teuer, schwer, schlechter Wirkungsgrad | Gering, Ölwechsel |
| Kette | Bester Wirkungsgrad, schmal, kostengünstig | Wartungsaufwändig, begrenzte Lebensdauer | Hoch, Schmieren, Reinigen, Spannen |
| Zahnriemen | Wartungsarm, leiser, geringere Lastwechselreaktionen | Breiter, benötigt mehr Platz, höherer Leistungsverlust, altert | Gering, Kontrolle der Spannung |
Wartung und Reparatur
Kette: Die Kette eines modernen Motorrads muss regelmäßig (alle 300-500 km!) nachgeschmiert sowie gegebenenfalls gereinigt werden. Dank moderner O-Ring-Ketten ist allerdings nur eine Schmierung von außen nötig. Mangelnde Schmierung führt zu hohem Verschleiß, Leistungsverlust sowie stärkeren Lastwechselreaktionen. Eine gut geschmierte Kette kann bis zu 40.000 km halten, ungepflegte Exemplare sind oft schon nach weniger als 10.000 km am Ende ihrer Lebensdauer.
Zahnriemen: Sein größter Vorteil ist der geringere Wartungsaufwand. Er muss nicht geschmiert werden, ist leiser, hat aufgrund der Elastizität des Riemens geringere Lastwechselreaktionen und eine Lebensdauer von ca. 40.000 km. Allerdings ist er breiter, benötigt daher mehr Platz und hat einen etwas höheren Leistungsverlust als ein Kettenantrieb. Da er aus mit Nylon oder Kevlar verstärktem Gummi besteht, altert er und kann spröde werden und reißen.
Läuft der Riemenantrieb mit quietschenden Geräuschen, ist das Hinterrad oft nicht richtig justiert. Grundsätzlich sollte der Riemen aber nicht geschmiert werden, da sich sonst Schmutzpartikel sammeln, die schmirgelnd wirken. Wie bei einer Kette muss die Spannung natürlich kontrolliert werden. Ein Nachspannen ist in der Regel aber viel seltener erforderlich, oft erst nach 8.000 km.
Ein Austausch des Zahnriemens ist nach ca. 40.000 Kilometern vorgesehen und erfordert einen Ausbau der Schwinge. Je nach Modell werden neben dem Riemen auch die Riemenscheiben sowie die Ruckdämpfer gewechselt.
Kardan: Die Wartung eines Kardanantriebs beschränkt sich normalerweise auf einen Ölwechsel, der nach Herstellerangaben (Spezifikation des Öls, Vorgehensweise etc.) durchgeführt wird. Schwieriger wird das z. B. bei einigen BMW-Boxern, da der Aufwand erheblich größer ist. Die eigentliche Kardanwelle sowie das Kreuzgelenk laufen fast immer trocken und werden werksseitig meist mit MoS2-Fett geschmiert.
Weitere Aspekte
Ein Zahnriemenantrieb reagiert sehr empfindlich auf Steine und Co und neigt dann dazu zu reißen.
Moderne Zahnriemenantriebe sind gewöhnlichen Kettenantrieben in vielen Punkten überlegen. Auf dem ersten Blick besitzt der Zahnriemenantrieb für Motorräder sogar nur Vorteile: Leiser als die Kette ist der Zahnriemen beinahe wartungsfrei und besitzt obendrein in etwa die doppelte Lebensdauer. Zudem ist der Wirkungsgrad hoch, was insbesondere gegenüber dem Kardanantrieb als Vorzug zu nennen ist.
Der Zahnriemen ist leiser als ein Kettenantrieb.
Die Kette ist als Sekundärantrieb bei Motorrädern nach wie vor weit verbreitet. Dabei gibt es mittlerweile wartungsarme und "saubere" Alternativen wie den Kardan- oder den Zahnriemenantrieb.
Vor allem für großvolumige Maschinen wie die Yamaha XJR 1200 und 1300 sowie die große Suzuki Bandit lassen sich für einen Preis von rund 1000 Euro entsprechende Umrüstsätze erstehen. Neben dem Zahnriemen und den Riemenscheiben wird auch ein entsprechender Schutz und Anbausatz mitgeliefert. Zudem gehört ein TÜV-Teile Gutachten zum Lieferumfang, denn der Zahnriemen muss eingetragen werden.
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