Fahrrad Testbericht: Trekkingräder und 20-Zoll-Kinderfahrräder im Fokus

Die Stiftung Warentest hat sich die sportlichen Trekkingräder angesehen. Schon für 900 Euro bekommt man ein Top-Fahrrad.

Trekkingräder sind typische Räder für den Alltag, anders als die gemütlichen Cityräder sind sie sogar für längere Routen geeignet. Ein Rad für alle Zwecke. Trekkingräder sind besonders beliebt bei allen, denen die Cityräder zu sehr nach Senioren aussehen.

Das Vorderrad ist meist gefedert, das Hinterrad nur in Ausnahmefälle. Gebremst wird immer mehr mit kraftvollen Scheibenbremsen. Mit ihren 28ern Reifen laufen diese Räder relativ flott.

Die Sitzposition ist gemäßigt sportlich, der Fahrer sitzt also leicht nach vorn gebeugt. Die Stiftung Warentest empfiehlt hier Kettenschaltungen, wegen ihres besseren Wirkungsgrades.

Wir meinen, diesen Vorteil erzielt die Kettenschaltung nur, wenn sie optimal eingestellt und gepflegt wird. Eine breit abgestufte Nabenschaltung kann eine sinnvolle Alternative sein.

Im Test wurden 20 Trekkingräder von zehn Herstellern geprüft. Einmal die Herrenvariante mit geraden und einmal die Damenversion mit abgesenktem Oberrohr. Die Herren-Modelle von Gudereit und Pegasus wurden aussortiert, weil ihre Rahmen im Belastungstest brachen. Andere Modelle abgewertet, weil sich Haarrisse im Rahmen zeigten.

Beim gemeinsam mit dem ADAC durchgeführten Test wurden die Räder übrigens schwingend und mit Gewicht belastet auf dem Teststand befestigt. Das sind realistische Bedingungen. Diese Brüche und Rissen sind ernstzunehmende Mängel.

In der Praxis würde der Rahmen brechen, meist bei einer starken Belastung. Besonderes Augenmerk wurde auf die Fahrstabilität gelegt. Hier stellte man fest, dass die Konstruktionen mit Damenrahmen beladen mit Gepäck durchweg instabiler fuhren, als die mit Herrenrahmen.

Freuen kann man sich bei der norddeutschen Fahrradmarke Kalkhoff über den Test. Das Modell Endeavour 27 siegte mit Trapez- und Diamantrahmen mit einem Gut und der Note 2,0. Es kostet jeweils 900 Euro. Unter den Damenrädern erhält auch das Pegasus Popereo SL ein Gut (Note 2,1). Es kostet nur 750 Euro. Bei den Herrnrädern schnitt auch das Raleigh Rushour 3.0 Disc mit einem Gut und der Bewertung 2.0 ab. Die Marken Raleigh und Kalkhoff gehören zu Derby Cycle.

Die Endeavour Reihe von Kalkhoff ist auch mit anderen Schaltungen und einem wartungsarmen Gatesriemen erhältlich. Bezahlbar ist davon noch das Endeavour 8 mit einer Shimano-Alfine-Nabe. Die Varianten mit der Rohloff-14-Nabe oder einem Pinion-Getriebe fahren in ganz anderen Preisklassen.

Den Test kann man ergänzen: Gepäck belastet das Rad umso mehr, je höher es angebracht wird. Besonders beliebt sind Körbe, die auf dem Gepäckträger eingerastet werden oder gar am Lenker montiert werden. Beide Varianten verschlechtern das Fahrverhalten signifikant. Sehr viel besser sind Taschen für den Gepäckträger, die möglichst weit nach unten reichen. Sie sollten natürlich beidseitig beladen werden.

Wer auf einen Korb auf dem Sattel nicht verzichten will, sollte sich die Damenmodelle mit Trapezrahmen ansehen. Die Warentester bemängeln im Test, dass die Damenversion des Diamant Elan Deluxe mit 25 Kilogramm Gewicht und Tempo 30 zickig auf Unebenheiten des Bodens reagiert. Da kann man sich fragen, ob diese Kriterien für den normalen Radfahrer nicht etwas zu viel des Guten sind. 25 Kilogramm nimmt man auf die große Fahrradtour mit, im Alltag kommt das nicht zusammen.

Richtig erkannt ist, dass jeder bei entsprechenden Gefälle Tempo 30 und schneller erreichen kann. Zu recht wird im Test bemängelt, dass man das zulässige Gesamtgewicht häufig nicht so leicht erfährt. Leichtgewichte unter 75 Kilogramm müssen sich hier nicht besonders sorgen. Wer aber über 90 oder gar 100 Kilogramm auf die Waage bringt, kann mit Gepäck und Kleidung schnell das Limit seines Rades überschreiten.

Auch nachträglich lässt sich das Fahrverhalten von Rädern durch einen Wechsel der Reifen nachjustieren. Breitere Ballonreifen fahren deutlich komfortabler, ruhiger und rollen auch nicht schwerer ab als ihre schlanken Vettern. Beim Kauf sollte man auf einen verstellbaren Vorbau achten, um das Rad individuell anzupassen.

Die getesteten Trekkingräder sind relativ preisgünstige Allzweckräder für jeden Tag. Selbst wenn sie für Touren geeignet sind, ersetzen sie kein spezielles Reiserad.

20-Zoll-Kinderfahrräder im Test

Die 20 Zoll-Kinderfahrräder von Early Rider, Puky oder woom zählen zu den beliebtesten. Unsere Community und Experten empfehlen aber als Alternative auch Modelle von Cube bzw. Decathlon.

Top 5 der 20-Zoll-Kinderfahrräder

  1. woom EXPLORE 4: Leichtes, sportliches Allround-Kinderfahrrad mit 7-Gang-Schaltung und hydraulischen Scheibenbremsen.
  2. ADAC Testsieger: Vollständig ausgestattet gemäß StVZO, 3-Gang-Schaltung von Shimano, Alu-Rahmen.
  3. Preis-Leistungs-Tipp: Geeignet für Mädchen im Alter von 6 bis 9 Jahren, V-Brake-Bremsen, Reflektoren, Schutzbleche.
  4. Klassiker von Puky: Alu-Kinderfahrrad bzw. Hardtail-Mountainbike mit 7 Gängen.
  5. Premium-Fahrrad: "Belter"-Modell, wartungsarmer Riemenantrieb, 4-fach Nabenschaltung.

Modelle von Cube, Puky sowie auch Decathlon zählen laut Stiftung Warentest und ADAC zu den besten Kinderfahrrädern. Die derzeit beliebtesten Premium-Marken sind hingegen Early Rider und woom. Es gibt aber auch günstigere Alternativen.

Dipl.-Ing. Marcus Degen, Fahrradexperte und Geschäftsführer von velomotion, empfiehlt hier im Dad’s Life Interview: „Ein Kinderfahrrad sollte auf keinen Fall zu klein sein. Zu groß ist dann okay, wenn das Kind schon sehr gut Radfahren kann. Wichtig ist, dass die Füße auf den Boden langen, wenn das Rad steht und dass die Bremsen gut bedient werden können. Marken wie woom oder EARLY RIDER haben sich die Mühe gegeben, auf jedes Detail zu achten. Da sind die Pedale in der richtigen Größe, die Lenkergriffe auf Kinderhände ergonomisch angepasst, die Bremsgriffe für Kinderhände gut erreichbar - diese Dinge waren den anderen Herstellern früher egal.“

Weitere Empfehlungen für 20-Zoll-Kinderfahrräder

  • woom OFF 4: Ultraleichtes 20-Zoll-Mountainbike für Kinder ab sechs Jahren mit Aluminium-Rahmen und Carbongabel.
  • Cube: Dieses Kinderfahrrad überzeugt mit guten Fahreigenschaften, einer 6-Gang-Schaltung und einem sehr guten Licht (inkl. Standlicht hinten und vorne).
  • Allrounder: Dieses Kinderfahrrad kann dank der breiteren Reifen und dem kurzen Hinterbau auch im Gelände verwendet werden.
  • woom 4: Dieses 20″ Premium-Kinderfahrrad überzeugt mit einer leichtgängigen 8-Gang Schaltung (SRAM X4 per Drehgriff), dem hochwertigen Alurahmen und nicht zuletzt durch das geringe Gewicht von lediglich 7,8 kg.

Testergebnisse und Qualität

Unabhängige Verbraucherorganisationen, Testinstitute, Clubs und spezialisierte Fachmagazine testen Produkte in standardisierten Verfahren nach objektiven Kriterien. Wir vergleichen die Ergebnisse von Stiftung Warentest, ÖKO-TEST, ADAC, TÜV, OEKO-TEX sowie weiteren Institutionen und listen die jeweiligen Testsieger in einer kompakten Tabelle, um euch einen optimalen Überblick zu verschaffen.

Die deutsche Stiftung Warentest hat zusammen mit dem ADAC im Mai 2022 Kinderfahrräder in 20 Zoll getestet.

Die Testkriterien bei Stiftung Warentest/ADAC: Fahren (u.a. Fahreigenschaften und Fahrkomfort), Eignung für das Kind (u.a. Ergonomie), Handhabung (u.a. Montage und Gebrauchsanleitung), Sicherheit und Haltbarkeit (u.a. Verarbeitung, Bremsen, Belastbarkeit) sowie Schadstoffe. Beim Test von ÖKOTEST wurden ebenso diverse sicherheitstechnische Aspekte sowie auf Schadstoffe geprüft.

Ergebnis: Nur drei der zwölf Kinderfahrräder wurden beim Test von Stiftung Warentest und ADAC mit „gut“ bewertet. Bei den mit „mangelhaft“ bewerteten Modellen sorgte vor allem die Kategorie „Sicherheit und Haltbarkeit“ für Abwertungen. Auch das beliebte woom 4 wurde mit mangelhaft bewertet; Grund: Riss der Tretkurbel am Pedalgewinde in der Dauerprüfung. An den Testbedingungen gab es im Anschluss allerdings deutlichen Widerspruch seitens des Herstellers: Das Ergebnisse würden den bisherigen Erfahrungen bzw. anderen Tests von akkreditierten Instituten in Deutschland widersprechen. Beim Test von ÖKO-TEST im Jahr 2010 gab es nur ein Modell das mit Note „gut“ empfehlenswert ist.

Testergebnisse im Überblick

Testinstitut Testsieger Kinderfahrräder Link zum Test
Stiftung Warentest / ADAC
  • Skyride 20-3 Alu Light von Puky (Testsieger 05/2022 mit Note 2,2 / „gut“)
  • ACID 200 Street von Cube (2. Platz 05/2022 mit Note 2,3 / „gut“)
  • City Bike 20 Zoll D4 Rock von Decathlon (ex aequo 2. Platz 05/2022 mit Note 2,3 / „gut“)
Testergebnisse für 20 Zoll-Kinderfahrräder von Stiftung Warentest 05/2022 und ADAC
ÖKO-TEST kein Test von 20 Zoll-Kinderfahrrädern (nur 16 und 18 Zoll) Testergebnisse für Kinderfahrräder von ÖKO-TEST 2010

Worauf man bei einem 20-Zoll-Kinderfahrrad achten sollte

Mit dem Schuleintritt, und somit für Kinder ab etwa 6 Jahren, passt für Kinder meist ein Fahrrad mit 20 Zoll, sofern das Kind nicht überdurchschnittlich groß oder klein ist. Neben der Größe ist aber auch das Design ein wichtiger Aspekt beim Kauf: Schließlich wollen Kinder ihr Fahrrad auch voller Stolz den Schulfreunden präsentieren können.

Dennoch sollten Eltern auch die technischen Parameter im Blick haben - schließlich soll ein Fahrrad nicht nur optisch ansprechen, sondern auch sicher sein und verlässlich funktionieren. Nicht zuletzt ist auch das Gewicht ein großes Thema bei Kinderfahrrädern: Möglichst leicht soll es natürlich sein, damit das Kind gut vorankommt. Deshalb haben die Premium-Hersteller in den letzten Jahren auf Leichtbauweise gesetzt - der Unterschied zu günstigen No-Name-Fahrrädern ist hier teils enorm.

Aber: Ein gutes Kinderfahrrad nur am Gewicht aufzuhängen, greift zu kurz. Auch die Rahmengeometrie sowie der Abstand zwischen Pedalen und Boden spielt eine entscheidende Rolle - das Tretlager der Kurbel sollte bei Fahranfängern eher tief sitzen, damit ein sicheres und gutes Fahrgefühl entsteht.

Checkliste für den Kauf eines 20-Zoll-Kinderfahrrads

  • Fahrradgröße: Ein 20 Zoll-Fahrrad ist für Kinder mit einer Schrittlänge von ca. 50 cm bzw. einer Körpergröße ab 120 cm geeignet. Entscheidend sind beim Kauf aber letztendlich die exakten Herstellerangaben zu Alter bzw. Körpergröße.
  • Rahmen: Ein tiefer Rahmen erleichtert das Auf- und Absteigen enorm - ist aber bei größeren Kindern nicht besonders beliebt, weil die Form ein wenig an ein Damenfahrrad erinnert. Deshalb müssen die Eltern entscheiden: Kinder, die bereits sehr sicher unterwegs sind, brauchen nicht mehr zwingend einen tiefen Rahmen.
  • Gewicht: Ein geringes Gewicht ist bei Kinderfahrrädern nicht nur für Anfänger wichtig, auch geübte Radfahrer wollen beim Treten „vom Fleck“ kommen und nicht unnötigen Ballast stemmen. Ein 20-Zoll-Rad sollte wie auch andere Kinderfahrräder 1/3 bis maximal die Hälfte des Körpergewichtes wiegen- je leichter, desto besser!
  • Höheneinstellung: Der Sattel und der Lenker eines Kinderfahrrads sollten genügend Spielraum für die Höheneinstellung bieten.

ADAC Test von Kinderfahrrädern

Ein Kinderfahrrad sollte leicht, sicher zu bedienen und günstig sein. Für Kinder im Grundschulalter spielt das Fahrrad eine wichtige Rolle, mit dem sie endlich selbst zum Sportplatz oder zur Schule fahren können. Gemeinsam mit der Stiftung Warentest hat der ADAC zwölf Kinderfahrräder in den Kategorien Handhabung, Fahren, Eignung für das Kind, Sicherheit und Haltbarkeit sowie Schadstoffe getestet. Das knapp zwölf Kilogramm leichte Kinderfahrrad hielt allen Stresstests stand. Sein tief geschwungener Rahmen erleichtert den Einstieg, die 3-Gang-Nabenschaltung ist ausreichend und lässt sich auch im Stand bedienen.

Negativ fielen beim Testsieger unter anderem rutschige Pedale und der fehlende Schnellspanner am Sattelrohr auf. Die Anschaffungskosten der Testkandidaten lagen zwischen 430 Euro und 575 Euro. Das City Bike 20 Zoll D4 Rock von Decathlon wurde mit 270 Euro als Preisbrecher aufgenommen. Umso erfreulicher, dass damit auch das günstigste Kinderrad im Test das ADAC Urteil "gut" erreichte. Neben seinen guten Fahreigenschaften überzeugte das Decathlon mit dem besten Licht inklusive Standlicht vorn und hinten.

Zu den Verlierern im Vergleich gehören die Räder von Bulls, Raymon und S'cool. Sie verfehlen im Test die von der Norm geforderten Mindestverzögerungswerte auf dem Bremsenprüfstand. Dabei muss mit einer definierten Handkraft am Bremshebel des Vorderrads eine ausreichende Bremswirkung bei unterschiedlichen Beladungszuständen (60 Kilogramm und zul. Ebenfalls "mangelhaft" schneidet das Kinderrad der österreichischen Marke Woom ab. Das Leichtgewicht eignet sich dank seiner Fahreigenschaften eigentlich besonders gut für Kinder. Allerdings traten wiederholt Risse an der Tretkurbel auf, weshalb das Woom im ADAC Urteil abgewertet wurde.

Bei sieben Fahrrädern wurden auch Schadstoffe im Sattel festgestellt. Meistens handelte es sich um den Weichmacher DPHP (kurz für Dipropylheptylphthalat), der Kunststoffen zugesetzt wird, um diese elastisch zu machen. Der Weichmacher DPHP schädigte in Tierversuchen Schilddrüse und Hypophyse. Ein Verbot gibt es bisher nicht, das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt aber, ihn nicht einzusetzen. Im Test wurde der Weichmacher DPHP in den Sätteln von Raymon, S‘cool, Victoria, Bulls, KTM und Woom nachgewiesen.

Im Sattel des Puky Cyke wurden sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (kurz PAK) gefunden. Auch diese sind nicht verboten. Der Grenzwert wird hier knapp unterschritten.

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Kinderfahrrad: Je leichter, desto besser

Im Praxisteil der Tests zeigte sich schnell, dass die Kinder mit den leichteren 20-Zoll-Fahrrädern im Vergleich besser zurechtkamen. Doch viele Modelle sind dagegen 13 bis 15 Kilogramm schwer - und das kann für weniger kräftige Kinder schon zu viel sein. Bei den Fahrten und vor allem beim Aufheben eines Rads zeigt sich schnell, ob sich das Kind mit dem Fahrradgewicht arrangieren kann. Bevor die Fahrräder von einem Kind zum nächsten weitergereicht werden, empfiehlt es sich, wegen einer möglichen Rissbildung einen prüfenden Blick auf die einzelnen Bauteile zu werfen. Eventuell kann der Fachhandel hierbei unterstützen.

Eine richtige Einstellung des Rads sowie eine Probefahrt beim Fachhändler sind von Vorteil. Dabei sollten Bremsgriffe, Position und Erreichbarkeit der Klingel so eingestellt werden, dass sie vom Kind möglichst einfach bedient werden können.

Erste Übungsfahrten mit Kindern sollten bestenfalls auf einem abgesperrten Gelände durchgeführt werden. Ein Fahrradhelm sollte jederzeit getragen werden, auch hier gelten die Eltern als Vorbilder.

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