Das Bonanzarad, ein Name, der zum Synonym einer ganzen Gattung von Fahrrädern wurde, kam vor mehr als 60 Jahren auf den Markt und erreichte in kürzester Zeit Kultstatus.
Ursprünge und Entwicklung
Die Popularität der "High-Riser" Fahrräder begann in den 1960er Jahren an der Westküste der USA. Latino-Kids montierten Sitze auf ihre Räder und erregten damit die erste Aufmerksamkeit. Ein Ingenieur des Fahrradherstellers Schwinn erkannte diesen Trend, und so brachte der Hersteller wenig später das erste Bonanzarad mit dem Namen Schwinn Sting-Ray auf den Markt.
Der Fahrrad-Trend erreichte Europa ein Jahrzehnt später, angetrieben durch den Wirtschaftsaufschwung. 1970 bot „Neckermann“ ein neues Rad an: Es war gelb-orange, hatte einen hohen, sogenannten „Bananensattel“ mit „Sissybar“, der Chromstange hinter dem Sitz sowie eine hohe Telegabel mit zwei Lenkstangen und einen Hebel für die Gangschaltung. Auf dem Unterrohr stand „Bonanza“.
Merkmale des Bonanzarads
Es gibt viele Gründe, warum dieser Fahrrad-Typ so beliebt werden konnte. Hier sind einige der Hauptmerkmale:
- Bananensattel: Mit seiner Form erinnerte er an eine Banane und seine Lehne machte den Sattel einzigartig.
- Hirschgeweih-Lenker: Der zweiteilige Lenker zeichnet sich durch seine langgezogene V-Form aus.
- 3-Gang-Nabenschaltung: Sie ist im Fahrradrahmen mittig auf den beiden schmalen Oberrohren angebracht und ähnelt einer Schaltung beim Auto. Frühe Räder waren noch mit einer Centrix-Schaltung ausgestattet, später setzte sich dann die 3-Gang-Nabenschaltung von Sachs mit Leerlauf durch.
- Kleine Laufräder: Die 20 Zoll großen Laufräder verleihen dem Bonanzarad ein kompaktes Erscheinungsbild.
Der unbestreitbare Stolz aller Bonanza-Fahrer aber war die Gangschaltung, die fast so wirkte wie in einigen Opel-Modellen der siebziger Jahre.
Individualisierung und Kultstatus
Neben der Funktionalität als Fahrrad stand auch die Optik im Mittelpunkt. Wer ein Bonanzarad besaß, wollte es präsentieren. So kamen am Kult-Fahrrad auch Fuchsschwänze, Spiegel, verchromte Hupen, Wimpel am Lenker, besondere Lampen, Katzenaugen und andere Reflektoren zum Einsatz. Mancher Besitzer verschönerte sein Bike sogar mit einem Tacho oder Mercedes-Stern. Die Devise lautete, cool zu wirken und aufzufallen.
„Mit Batterie-Hupe, Sturm-Klingel, Zierspiralen aus Plastik und bunten Fähnchen wurde jedes Rad individuell aufgemotzt. Es war eine Art Statussymbol", so Schönemann.
Das Ende einer Ära und das Revival
Schuld am Ende der Ära war das Aufkommen von BMX-Rädern, die in den 1980er Jahren bei jungen Menschen populärer wurden.
Der Kult um das Rad ist jedoch nie ganz erloschen. In der Fahrradszene ist Bonanza als Marke nach wie vor jedem Biker ein Begriff. Es gibt viele Liebhaber, die sich dem Oldtimer verschrieben haben und alte Bonanzaräder aufpolieren. So findest du auf Portalen wie Ebay oder Ebay Kleinanzeigen mit etwas Glück und Geduld bei der Suche gepflegte Bonanzaräder gebraucht zum Kauf.
Christoph Dieckmann schraubte ausschließlich aus NOS-Teilen und mit Original-Bauplänen hunderte Bonanzaräder neu zusammen und verkaufte sie. Ein weiteres Beispiel für diese Liebe ist Jörg Maltzan, der rund 100 Bonanzaräder gesammelt hat und ein gefragter Experte zum Thema ist.
Selbstverständlich gibt es nach wie vor eine Fanszene, es gibt immer wieder mal Revival-Versuche und darüber hinaus sind die oft orangefarbenen Bikes (RAL 2003, "Pastellorange") ein beliebtes Accessoir bei Siebzigerjahre-Parties.
Bonanza-Rad-Weltmeisterschaft
Weil er, geboren 1969, schon als Kind ein paar Jahre auf einem Rad mit Bananensattel herumgefahren war, ließ er sich 1997 als 28-Jähriger schnell von der Idee begeistern, bei der erstmals ausgeschriebenen Bonanza-Rad-Weltmeisterschaft teilzunehmen.
Seine langjährige Erfahrung auf BMX-Rädern war dann ein entscheidender Vorteil, als es darum ging, in den vier Disziplinen Kunstradfahren (eine Drei-Minuten-Kür), Bergrunterfahren (50 Meter von einem Grashügel), Slalom und Langstreckenvergleichskampf (drei Mal 500 Meter rund um den Moerser See) sein Können auf dem Bonanza-Rad zu zeigen.
"Seitdem bin ich amtierender Bonanza-Weltmeister", sagt Schreiter - eine weitere WM hat nämlich nie stattgefunden.
Bonanzarad heute
Bonanza-Fans zahlen heute 450 Euro für das Standardmodell T2 - gemessen an der damaligen Kaufkraft ist das sogar billiger als die 250 bis 300 Mark, die das Gerät in den siebziger Jahren kostete.
Preise für gebrauchte Bonanzaräder:
| Zustand | Preis |
|---|---|
| Gepflegte Modelle | 200 - 650 Euro |
| Modelle mit Reparaturbedarf | unter 200 Euro |
| Einzelmodelle oder Bikes mit besonderer Ausstattung | wesentlich mehr |
Neben gebrauchten Fahrrädern der Marke Bonanza findest du Ersatzteile und Zubehör über das Internet. Suche hier auch nach NewOldStock-Teilen (kurz NOS-Teile genannt). Es handelt sich dabei um unbenutzte originale Bauteile aus den 1970er Jahren, die du über gängige Online-Plattformen erhältst.
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