Das Bonanzarad war (und ist) Kult. Damals, in den 70ern, wollten alle eines haben. Egal, ob wir selbst zu den glücklichen Bonanzarad-Besitzern zählen oder nur von dem Kultobjekt träumen: Das Wort „Bonanzarad“ ruft nicht nur nostalgische Erinnerungen, sondern auch ein ganz spezielles Gefühl von Freiheit, Besitzerstolz und guter Laune hervor.
Genau wie Abba-Songs, Prilblumen, Dolomiti-Eis und Flokati steht das Fahrrad mit dem ausgefallenen Design für das Lebensgefühl der bunten 1970er Jahre. Mit Geweihlenker, Fuchsschwanz und Sturmklingel versprach ein Bonanzarad die große Freiheit.
Die Ursprünge des Bonanzarads
Der Trend startete Mitte der Sechzigerjahre in Kalifornien, wo Latino-Kids Motorradteile an ihre Bikes schraubten. Der Trend begann in Kalifornien, wo Latino-Kids Motorradteile an ihre Bikes schraubten und die Firma Schwinn die sogenannten Highriser auf den Markt brachte.
Ein Ingenieur des Fahrradherstellers Schwinn entdeckte diesen Trend. Wenig später brachte der Hersteller mit dem Schwinn Sting-Ray das erste Bonanzarad auf den Markt. Es folgten weitere Hersteller und Modelle.
Große Marken wie Schwinn und Murray griffen den Hochbau-Typ früh auf und entwickelten eigene Modelle.
Der Siegeszug in Deutschland
1968 tauchte die erste deutsche Version im Neckermann-Katalog auf, produziert von Kynast. 1970 tauchte im Neckermann-Katalog das erste deutsche Bonanzarad auf - der Siegeszug des Kult-Bikes begann auch in Deutschlad.
Der Durchbruch des Bonanzarads in Deutschland geht zurück auf die Macht der Versandhäuser, die mit ihren Katalogen damals praktisch jeden deutschen Haushalt erreichten. Das galt vor allem für Neckermann.
Dort nahm man 1968 ein solches Gefährt im Cowboy-typischen Look als Motocross-Fahrrad ins Programm auf. Ab 1970 firmierte es als Bonanzarad, der Name wurde zum Gattungsbegriff.
Deutscher Radrennfahrer Rudi Altig wirbt 1970 für neues Bonanza-Rad.
Mit E.T. Damit eroberte erstmals kein Techniktrend die Fahrradindustrie, sondern eine reine Modeerscheinung. Denn mit ihren Fahreigenschaften konnten Bonanzaräder nie überzeugen, sondern ihre Offroad-Optik täuschte nur Motocross-Fähigkeiten vor.
Design und Besonderheiten
Es gibt viele Gründe, warum dieser Fahrrad-Typ so beliebt werden konnte. Mit seiner Form erinnerte er an eine Banane und seine Lehne machte den Sattel einzigartig. Das zweite auffällige Merkmal des Fahrrads ist der zweiteilige Hirschgeweih-Lenker. Er zeichnet sich durch seine langgezogene V-Form aus.
Das Bonanzarad besitzt eine 3-Gang-Nabenschaltung, die im Fahrradrahmen mittig auf den beiden schmalen Oberrohren angebracht ist. Sie ähnelt einer Schaltung beim Auto.
Im Kontrast zum langen Sattel und dem übergroßen Lenker stehen die kleinen Laufräder. Sie sind 20 Zoll groß und verleihen dem Bonanzarad ein kompaktes Erscheinungsbild. Das verwundert nicht, denn zur Zielgruppe gehörten zuerst Kinder.
Mehr als nur ein Fahrrad
Wer ein Bonanzarad besaß, wollte nicht nur auf dem Bananensattel und mit Chopper-Lenker von einem Ort zum anderen Fahren. Neben der Funktionalität als Fahrrad stand auch die Optik im Mittelpunkt. Es ging darum, sein Bonanzarad zu präsentieren.
So kamen am Kult-Fahrrad auch Fuchsschwänze, Spiegel, verchromte Hupen, Wimpel am Lenker, besondere Lampen, Katzenaugen und andere Reflektoren zum Einsatz. Mancher Besitzer verschönerte sein Bike sogar mit einen Tacho oder Mercedes-Stern.
Die Devise lautete, cool zu wirken und aufzufallen.
„Mit Batterie-Hupe, Sturm-Klingel, Zierspiralen aus Plastik und bunten Fähnchen wurde jedes Rad individuell aufgemotzt. Es war eine Art Statussymbol", so Schönemann.
Allerdings nur für Jungen, Mädchen blieben außen vor, was unter heutigen Endvierzigerinnen zu Traumata geführt haben soll.
Im Gegensatz zu den Versprechen der Werbung hielt sich die Geländetauglichkeit des Rades jedoch in Grenzen. „Von Röhlinghausen aus fuhren wir zum Motodrom auf dem Gelände der ehemaligen Kokerei Alma in Ückendorf. Dort jagten wir mit unseren Bonanza-Rädern über die Buckelpiste. Täglich gab es Stürze und Schäden", erzählt Frank Korte.
Das Ende einer Ära und die Wiederentdeckung
Ende der Siebzigerjahre verschwand das Bonanzarad von der Bildfläche. Damals startete ein neuer Trend, der 1982 besonders durch den Film E.T. befeuert wurde und bis heute anhält: BMX.
Du möchtest jetzt ein Bonanzarad kaufen? Dann musst du stark sein, denn der Oldtimer wird heute nicht mehr hergestellt. Schuld daran ist das Aufkommen von BMX-Rädern, die in den 1980er Jahren bei jungen Menschen populärer wurden.
Der Kult um das Rad ist jedoch nie ganz erloschen. In der Fahrradszene ist Bonanza als Marke nach wie vor jedem Biker ein Begriff. Es gibt viele Liebhaber, die sich dem Oldtimer verschrieben haben und alte Bonanzaräder aufpolieren.
Bonanzarad-Experten und Sammler
Christoph Dieckmann, ein Fahrradmonteur aus Köln und in der Szene bekannt als Crazy D., hat auf diese Weise im September 2019 nach zwei Jahrzehnten ein verrücktes Projekt beendet. Er schraubte ausschließlich aus NOS-Teilen und mit Original-Bauplänen hunderte Bonanzaräder neu zusammen und verkaufte sie.
Ein weiteres Beispiel für diese Liebe ist Jörg Maltzan, der rund 100 Bonanzaräder gesammelt hat und ein gefragter Experte zum Thema ist. „Ich bekam mein Bonanza-Fahrrad 1970 zur Kommunion. Das Chopper-Feeling begeisterte ihn und wenn er die Shamrockstraße rauf und runter radelte, fühlte er sich wie Dennis Hopper auf der legendären Route 66. „Easy Rider" eben.
Preise und Verfügbarkeit
So findest du auf Portalen wie Ebay oder Ebay Kleinanzeigen mit etwas Glück und Geduld bei der Suche gepflegte Bonanzaräder gebraucht zum Kauf. Abhängig vom Zustand und Standort des Fahrrads musst du mit Preisen zwischen 200 Euro und 650 Euro rechnen.
Einzelmodelle oder Bikes mit besonderer Ausstattung und Optik kosten wesentlich mehr. Günstig sind dagegen Modelle mit einem erhöhten Reparaturbedarf, die für unter 200 Euro erhältlich sind.
Es schadet auch nicht, den Fahrradhändler deines Vertrauens auf Bonanzaräder anzusprechen.
Ersatzteile und Zubehör
Neben gebrauchten Fahrrädern der Marke Bonanza findest du Ersatzteile und Zubehör über das Internet. Suche hier auch nach NewOldStock-Teilen (kurz NOS-Teile genannt). Es handelt sich dabei um unbenutzte originale Bauteile aus den 1970er Jahren, die du über gängige Online-Plattformen erhältst.
Die Bonanzarad-Weltmeisterschaft
Weil er, geboren 1969, schon als Kind ein paar Jahre auf einem Rad mit Bananensattel herumgefahren war, ließ er sich 1997 als 28-Jähriger schnell von der Idee begeistern, bei der erstmals ausgeschriebenen Bonanza-Rad-Weltmeisterschaft teilzunehmen.
Seine langjährige Erfahrung auf BMX-Rädern war dann ein entscheidender Vorteil, als es darum ging, in den vier Disziplinen Kunstradfahren (eine Drei-Minuten-Kür), Bergrunterfahren (50 Meter von einem Grashügel), Slalom und Langstreckenvergleichskampf (drei Mal 500 Meter rund um den Moerser See) sein Können auf dem Bonanza-Rad zu zeigen.
"Seitdem bin ich amtierender Bonanza-Weltmeister", sagt Schreiter - eine weitere WM hat nämlich nie stattgefunden.
Bonanzarad: Mehr als ein Retro-Bike
Das Bonanzarad besitzt Kultstatus. Wer in den 1970er Jahren aufgewachsen ist, besaß eins dieser Räder oder wollte damit fahren. Wir haben uns mit dem kultigen Zweirad genauer beschäftigt.
Tabelle: Charakteristische Merkmale des Bonanzarads
| Merkmal | Beschreibung |
|---|---|
| Sattel | Langer Bananensattel mit hoher Rückenlehne (Sissybar) |
| Lenker | Geweihlenker in V-Form |
| Schaltung | 3-Gang-Nabenschaltung (oft als "Pornoschaltung" bezeichnet) |
| Räder | Kleine 20-Zoll-Laufräder |
| Zubehör | Fuchsschwänze, Spiegel, Hupen, Wimpel, Reflektoren |
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