E-Bikes haben unsere Straßen im Eiltempo erobert und sind längst Fortbewegungsmittel des Alltags. Der Zweirad-Industrie-Verband „ZIV - Die Fahrradindustrie“ gibt die Anzahl motorisierter oder mit elektrischer Tretunterstützung ausgestatteter Fahrräder in Deutschland zum Ende des Jahres 2023 mit circa elf Millionen an - das ist ein Zuwachs zu 2022 um 1,2 Millionen Stück.
Doch der leistungsstarke Lithium-Ionen-Akku der Fahrräder sorgt nicht nur für Geschwindigkeit, sondern stellt auch eine Gefahr dar. Defekte oder Anwendungsfehler können bei den wiederaufladbaren Batterien zu einem Akkubrand führen. Immer häufiger haben wir Brände, die durch solche Akkus ausgelöst werden.
Nach dem Vorfall in Berlin warnt ein Feuerwehrsprecher nun: "Immer häufiger haben wir Brände, die durch solche Akkus ausgelöst werden." Nutzer sollten die Geräte daher niemals in der Wohnung aufladen, schon gar nicht nachts und ohne Aufsicht. Doch stimmt das wirklich? Wir haben bei einem Batterie-Experten nachgefragt.
Sicherheitsrisiko E-Bike-Akku?
Nein, sagt Alexander Etzold vom Batteriehersteller BMZ. Bei unbeschädigten, professionell hergestellten Akkus gehe das Entzündungsrisiko gegen Null. Entscheidend für die Sicherheit eines E-Bike-Akkus seien die Herkunft und der Umgang mit dem Akku.
Alexander Etzold vom BMZ rät: Beim Akku-Kauf immer auf das CE-Siegel achten. Das kennzeichnet EU-Sicherheitsanforderungen. "Grundsätzlich sind E-Bike Akkus aus professioneller Produktion, entwickelt und geprüft nach entsprechenden Standards sichere Produkte. Abstand nehmen sollten Verbraucher von ausländischer Billigware ohne CE-Prüfsiegel. Bei falscher Handhabung und/oder Beschädigung können auch hochqualitative Produkte ein Brandrisiko bergen."
Die Gefahr für einen Kurzschluss im Akku kann aber unter bestimmten Umständen steigen - auch bei Qualitätsprodukten.
Gefährliche Fälle im Umgang mit E-Bike-Akkus
- Tiefenentladung: Tiefenentladung bedeutet, dass der Akku quasi "leer" ist. Sie entsteht, wenn ein Akku leer gefahren wird und nicht in den nächsten ein bis zwei Wochen wieder aufgeladen wird. Eine Tiefenentladung ist meist das Todesurteil für einen Akku. Wird trotzdem versucht, den leeren Akku "mit Gewalt" wieder zu laden, kann es zu Kurzschlüssen kommen, die im schlimmsten Fall einen Brand auslösen können.
- Beschädigung: Fällt der Akku etwa beim Tragen auf den Boden oder kommt es zu einem Unfall mit dem Rad, können die einzelnen Zellen im Akku beschädigt werden. Die energieerzeugenden Prozesse können dann nicht mehr korrekt ablaufen und die Energie kann unkontrolliert freigesetzt werden. Besonders gefährlich ist dabei der "Thermal Runway": eine Kettenreaktion, bei der eine defekte Akkuzelle die Nachbarzellen erhitzt und es zum unaufhaltsamen Brand der gesamten Batterie kommt. Allerdings betont BMZ-Experte Etzold, dass die Produktsicherheit der Akkus bei Stürzen immer weiter zunimmt und es bereits Zertifikate gibt, bei denen Akkus einen Falltest aus einem Meter Höhe bestehen müssen.
- Falsche Ladegeräte: Am besten nur das Original-Ladezubehör des Herstellers verwenden. Hier ist besonders beim Kauf von gebrauchten E-Bikes oder Akkus zu achten. Von Billigware sollte Abstand gehalten werden.
Was kann ich als E-Bike-Besitzer tun, um das Brandrisiko zu minimieren?
Ein E-Bike-Akku sollte immer mit großer Sorgfalt behandelt werden. Grundsätzlich ist es empfehlenswert, ihn vor Feuchtigkeit und großen Temperaturschwankungen zu schützen und den Ladezustand immer zwischen 20 % und 80 % zu halten. Das erhöht nicht nur die Sicherheit, sondern verlängert gleichzeitig auch die Lebensdauer.
- Nur hochwertige Akkus von seriösen Herstellern kaufen
- Immer das beim Kauf miterworbene Original-Ladegerät nutzen.
- Am besten den Akku nur unter Aufsicht aufladen.
- Auch bei längerer Nichtbenutzung regelmäßig den Akkustand überprüfen. Er sollte sich auch hier immer zwischen 20 % und 80 % befinden.
- Ist der Akku heruntergefallen, oder man mit dem Rad gestürzt, sollte man eine Werkstatt aufsuchen und den Akku überprüfen lassen.
- Sollte der Akku beim Laden wärmer als handwarm werden, sofort vom Strom trennen und ihn nach draußen bringen.
Weitere Tipps für den sicheren Umgang mit E-Bike-Akkus
Wer einige Hinweise beachtet, sollte eigentlich auf der sicheren Seite sein im Umgang und beim Ladevorgang der E-Bike-Akkus.
- Originalteile verwenden: Verwenden Sie das vom Hersteller zugelassene Ladezubehör oder Originalersatzteile, um die Sicherheit und die Funktionstüchtigkeit der Geräte zu gewährleisten.
- Tiefenentladung vermeiden: Deshalb sollten Sie bei längerem Stillstand des E-Bikes unbedingt darauf achten, dass der Ladezustand des Akkus nicht unter 20 Prozent fällt, sondern im Bereich 40 bis 70 Prozent bleibt.
- Nicht unbeaufsichtigt laden: Laden Sie Akkus nicht nachts, am besten nicht in der Wohnung und nur unter Aufsicht. Dennoch sollten Sie in der Nähe sein, wenn Ihr Akku an der Steckdose hängt, insbesondere falls Sie ihn doch in der Wohnung laden. Oder Sie verlegen den Ladevorgang auf den Balkon, in die Garage oder in den Keller und kontrollieren regelmäßig, ob das Aufladen abgeschlossen ist.
- Sichere Ladestationen: Wenn Sie Ihren Akku in Ihrer Garage oder im Keller (und erst recht in der Wohnung) aufladen, sollten Sie bedenken, dass die meisten normalen Steckdosen nicht für die Dauerbelastung des Ladevorgangs ausgelegt sind.
- Vor Hitze und Kälte schützen: Stellen Sie sicher, dass der E-Bike-Akku nicht starker und direkter Sonneneinstrahlung, Hitze oder Heizungswärme ausgesetzt ist. Ebenso kann lang anhaltende Kälte oder Frost den Akku schädigen.
- Richtige Lagerung: Achten Sie darauf, dass sich keine leicht brennbaren Materialien in der Nähe des Akkus befinden und der Untergrund möglichst feuerfest ist, zum Beispiel aus Fliesen, Stein oder Estrich besteht. Wenn Sie ganz sicher sein wollen, legen Sie sich eine feuerfeste Box für Fahrradakkus zu.
- Vorsicht bei beschädigten Akkus: Wenn sich die Batterie aufbläht, beim Laden ungewöhnlich warm wird oder Flüssigkeit austritt, sollten Sie den vermutlich defekten Akku entsorgen und sich einen neuen zulegen. Bei Unsicherheit können Sie im Fachgeschäft fragen.
Was tun im Brandfall?
Bevor es so weit kommt: Ein Blick auf die Funktionstüchtigkeit der Rauchmelder in der Wohnung oder im Haus sollte regelmäßig auf die To-do-Liste gesetzt werden. Ist es tatsächlich doch passiert und Ihr E-Bike-Akku ist in Brand geraten: Versuchen Sie bei einem überschaubaren Feuer die Flammen zu ersticken, zum Beispiel mit einer Löschdecke. Nehmen Sie den Akku vom Stromnetz und legen Sie ihn am besten auf eine nicht brennbare Unterlage im Freien. Bei einem größeren Brand sollten Sie sich und alle anderen Menschen in unmittelbarer Nähe sofort in Sicherheit bringen, die Wohnung bzw. das Haus verlassen und die Feuerwehr verständigen.
Wichtig: Keine eigenen Löschversuche starten und stattdessen den Notruf wählen. Zum einen entstehen sehr hohe Temperaturen, wenn ein Akku brennt. Zum anderen bilden sich auch giftige Gase, wenn Plastik schmilzt.
E-Bike Akku Brand - Wie ist das eigentlich mit der Versicherung?
Seit dem Siegeszug der E-Bikes und Pedelecs kommt es fast zwangsläufig auch immer häufiger zu Sachschäden, die durch die Akkubrände entstehen. Insbesondere Schäden, die durch unsachgemäße Lagerung oder einen ungesicherten Ladevorgang entstehen, können Versicherungen beschäftigen und kostspielig werden.
Eine spezielle Fahrradversicherung schützt bei einem Diebstahl. Bei einem Akkubrand kommt es hingegen auf die Brandursachen an. Für Schäden am Gebäude (Bausubstanz und Mauerwerk, Wände, Böden, Fenster) verfügen Hausbesitzer über eine Wohngebäudeversicherung. Ein Gebäudebrand, der die Bausubstanz in Mitleidenschaft gezogen hat, ist ein Fall für die Gebäudeversicherung.
Besonderheit: Bei S-Pedelecs, also Fahrrädern mit elektrischer Unterstützung, die ein Tempo von bis zu 45 Kilometern pro Stunde erreichen können, sollten die Details von Versicherungen noch einmal geklärt werden.
Checkliste für den sicheren Umgang mit E-Bike-Akkus
| Aspekt | Empfehlung |
|---|---|
| Kauf | Achten Sie auf das CE-Siegel und kaufen Sie nur Akkus von seriösen Herstellern. |
| Ladegerät | Verwenden Sie ausschließlich das Original-Ladegerät des Herstellers. |
| Laden | Laden Sie den Akku unter Aufsicht und auf einer feuerfesten Unterlage. |
| Ladezustand | Halten Sie den Ladezustand zwischen 20% und 80%. |
| Lagerung | Lagern Sie den Akku an einem kühlen, trockenen Ort ohne brennbare Materialien in der Nähe. |
| Beschädigung | Lassen Sie beschädigte Akkus von einem Fachmann überprüfen und gegebenenfalls austauschen. |
| Brandfall | Verständigen Sie die Feuerwehr und unternehmen Sie keine eigenen Löschversuche. |
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