Fahrradlenker bzw. Lenkerbügel gibt es im Handel und auch im Fahrradlenker-Shop in verschiedenen Breiten (z.B. 570, 590, 610, 630, 650 mm). Doch warum gibt es verschiedene Breiten bei den Lenkern? Welche Breite ist für Sie und Ihr Bike die richtige? Die richtige Lenkerbreite ist für ein entspanntes und schmerzfreies Fahrradfahren sehr wichtig. Denn nur wenn die Breite des Fahrradlenkers optimal zu Ihnen passt, ermüden Sie nicht vorzeitig.
Die Bedeutung der Lenkerbreite
Je breiter der Lenkerbügel, desto größer der Griffwinkel. Um entspannt zu fahren, sollten die Arme und Hände möglichst gerade, aber leicht eingebeugt auf dem Lenker liegen. Das bedeutet, dass der ideale Bike-Lenker (Trekking, MTB, Citybike) so breit sein sollte, wie Ihre Schulterbreite. Hier können zur Schulterbreite 1-2 Handbreiten dazu addiert werden.
Vorteile breiterer Lenker
- Mehr Kontrolle und größere Hebelwirkung beim Lenken.
- Mehr Druck, mehr Kontrolle und präzisere Lenkbewegungen sind die Folge.
- Bessere Stabilität, besonders im anspruchsvollen Gelände.
Nachteile zu breiter Lenker
- Sie müssen zu weit nach außen fassen.
- Erhöhter Kraftverlust.
- Schmerzen in den Schultern, Nacken und Armen.
- Die Arme, Hände und Handgelenke müssen unnötig viel Muskelkraft aufwenden, um die Stabilität und Haltung zu erhalten.
Nachteile zu schmaler Lenker
- Es gilt das gleiche, wenn Sie einen zu schmalen Lenkerbügel wählen.
- Sie engen den Brustbereich ein.
- Verhindern, dass man komplett frei durchatmen kann.
- Die Bike-Kontrolle leidet im technischen Gelände.
Wie man die richtige Lenkerbreite findet
Orientieren Sie sich, wie bereits erwähnt, an Ihrer Schulterbreite. Messen Sie diese mit einem Maßband oder Zollstock und wählen dann einen Fahrradlenker mit der richtigen Breite. Es kommt aber immer auf das Wohlbefinden an.
Verschiedene Lenkerformen und ihre Eigenschaften
Es gibt eine Vielzahl von Lenkerformen. Manche davon haben einprägsame Namen wie Bullhornlenker, Rennlenker oder Schwalbenschwanzlenker. Doch wie kann man, zum Beispiel, zwei optisch relativ ähnliche, leicht nach hinten gebogene Lenker klassifizieren und voneinander unterscheiden? Lenker bestimmen die Position der Hände. Diese Position kann nach diversen Kriterien genauer beschrieben werden. Man klassifiziert Lenker nach ihrer Breite, ihrer Biegung nach hinten (Kröpfung oder Backsweep genannt), in der Biegung nach oben bzw. unten (Upsweep bzw. Downsweep) und danach, ob sie insgesamt höher bauen (Riser) oder nicht (Flatbar).
Lenker: Steif oder mit Flex?
Zudem unterscheidet sich die Lenkerklemmung, das Material des Lenkers und natürlich sein Preis. Rennradler und Mountainbiker fahren zwar mehr und mehr mit Carbonlenkern, aber (noch) sind Trekking- und Tourenräder fast immer mit Alulenkern ausgestattet. Preisgünstige Alulenker haben größere Rohrstärken und sind schwerer, während teurere Alulenker aus dünnerem, zwei- oder dreifach konifiziertem Rohr bestehen, manchmal sogar wärmebehandelt. Solche Lenker sind leicht, aber trotzdem ausreichend steif und sicher.
Breite und Einsatzbereich
Schon bei der Breite gibt es deutliche Unterschiede. Bullhorn- und Rennlenker sind in der Regel nur zirka 38 bis 44 Zentimeter breit (Mitte-Mitte) und sind vor allem für die Straße gedacht. Viele Pendler und Kurierfahrer fahren am liebsten mit relativ schmalen, geraden oder gebogenen Lenkern die etwa 50 bis 58 Zentimeter breit sind, so kommen sie gut an Autos vorbei. Typische Trekkingräder haben häufig Lenker, die über 58 cm breit sind, damit man auch auf holprigen Wegen sicher unterwegs ist. Wegen der besseren Kontrolle werden auch Mountainbikes mit immer breiteren Lenkern ausgestattet; sie sind oft über 70, manchmal sogar bis zu 80 cm breit.
Kröpfung oder Rise?
Die ersten, geraden Mountainbike-Lenker waren eine ergonomische Katastrophe. Heute haben fast alle Lenker zumindest eine leichte Kröpfung von 5 oder 6 Grad nach hinten, je nach Einsatzgebiet oft deutlich mehr. Während sportliche Fahrer tendenziell relativ gerade Lenker bevorzugen, mögen entspannt fahrende Radler eher einen Lenker mit mehr Biegung. Dabei ist zu bedenken, dass die Lenkung im zweiten Fall nervöser wird, weil die Hände in etwa auf einer horizontalen Achse mit dem Steuersatz liegen. Bei einem "Flatbar" ändert sich nichts an der Höhe. Rennlenker erlauben dem Fahrer, bei Bedarf eine etwas anstrengende, aber aerodynamisch günstige Haltung einzunehmen.
Weitere Anpassungsmöglichkeiten
Manche Lenker sind ein paar Grad nach oben bzw. nach unten gebogen. Eine Biegung nach oben bringt die Ellbogen weiter raus, eine Biegung nach unten ist eher entspannt. Je mehr Kröpfung ein Lenker hat, umso mehr ändert sich der Griffwinkel, wenn man den Lenker nach oben oder nach unten kippt.
Die Rolle von Backsweep, Upsweep und Rise
Auch wenn der Lenker kein direkter Kontaktpunkt zwischen Fahrer:in und Fahrrad ist, hat er eine essenzielle Bedeutung für die Fahrdynamik im Gelände. Der richtige Lenker am Mountainbike ermöglicht Dir, das Bike sicher und kontrolliert zu bewegen. Er kann vorbeugend bei tauben Händen wirken und sogar dabei helfen, kleine Fahrtechnikdefizite zu korrigieren. Doch welcher Lenker eignet sich für wen am besten und was bedeuten Begriffe wie Backsweep, Upsweep und Rise für Dein Fahrerlebnis?
Backsweep
Spannender ist der Backsweep. Wieder ein Winkel, diesmal die Biegung des Lenkers nach hinten. Ergonomisch gesehen eröffnet der Backsweep eine breite Spielwiese. Ein Lenker mit einem geringen Backsweep zwischen 5° und 8° erleichtert eine dynamisch angewinkelte Ellenbogenposition direkt aus dem Fahrtechniklehrbuch und sorgt so für viel Kontrolle über das Vorderrad und viel Bewegungsfreiheit beim Wegschlucken von Wellen oder Drops. Gleichzeitig erhöht eine solche Lenkerform die Belastung auf die Handgelenke.
Rise
Wie die Lenkerbreite wird auch der Rise, bzw. die Steigung eines Lenkers meist in Millimetern angegeben, nur sehr selten in Zoll. Der Begriff bezeichnet den Höhenunterschied zwischen Lenkermitte und Griffbereich. Lenker ohne Rise werden auch Flatbar genannt, solche mit Steigung eben Riser-Lenker oder Riser-Bar. Der gebräuchlichste Rise liegt zwischen 10 mm und 30 mm, bei mehr spricht man von High-Risern. Viele Hersteller bieten beliebte Modelle in einer ganzen Reihe verschiedener Rise-Optionen an. Wie viel Rise es genau sein darf, ist Geschmackssache und hängt vom Bike und vom Anwendungsbereich ab. Mit dem Lenker-Rise kannst Du relativ einfach Deine gewünschte Cockpit-Höhe an Stack-Höhe, Steuerrohrlänge und Gabel-Einbauhöhe Deines Bikes anpassen.
Upsweep
Eng zusammen mit dem Rise hängt der Upsweep. Dieser Begriff bezeichnet die Biegung des Lenkers nach oben, gemessen in Grad zwischen der Mittelachse des Lenkers und dem Griffbereich. Beim Upsweep ähneln die meisten Lenker einander. Zu viel Upsweep kippt das Handgelenk stark nach innen. Werte zwischen drei und acht Grad sind üblich. Weil der Upsweep stark mit Lenkerbreite und Rise zusammenhängt, geben manche Hersteller ihn nicht separat an.
Materialien von MTB-Lenkern
Wie beim Rahmenmaterial dominieren auch beim Lenker die Werkstoffe Carbon und Aluminium die MTB-Welt.
Carbon-Lenker
Gleiche Maße wie Breite, Rise und Lenkerklemmung vorausgesetzt, ist ein Carbon-Lenker leichter oder kann noch steifer gebaut werden. Er kann aber auch mit mehr Eigendämpfung entwickelt werden, um Vibrationen zu filtern, was zu weniger Ermüdung führt. Carbon ist allerdings auch teurer als Aluminium. Da das Material empfindlich auf eingedrückte oder geknickte Fasern reagiert, ist ein Drehmomentschlüssel hier Pflicht. Außerdem ist Carbon-Montagepaste sehr nützlich, um die benötigten Klemmkräfte zu reduzieren.
Aluminium-Lenker
Mit Aluminium lassen sich bei vertretbarem Gewicht sehr steife Lenker bauen, die zudem bei Stürzen oder intensiver Belastung unempfindlicher sind. Wer etwa dauerhaft mit Lenkertaschen unterwegs ist, unter dessen Fixierungsbändern gern mal Dreck am Lenker reibt, ist mit Alu definitiv besser beraten. Zudem ist Aluminium nahezu beliebig oft recycelbar und damit trotz der relativ hohen Energiekosten bei der Herstellung ein recht umweltfreundlicher Werkstoff. Nicht zuletzt sind Aluminium-Lenker günstiger.
Stahl- oder Titan-Lenker
Lenker aus Stahl kommen wegen des relativ hohen Gewichts trotz ihrer hervorragenden Steifigkeits- und Komfortwerte eher im unteren Preissegment sowie im Tourenbereich zum Einsatz. Lenker aus Titan wie die Modelle von Thomson sind wie beim Rahmenbau ein heiß geliebter Exot: leicht, wunderschön, langlebig, begehrenswert und teuer.
Vorbauklemmungen und Durchmesser beim MTB-Lenker
Mountainbike-Lenker gibt es üblicherweise in drei Klemmdurchmessern: 25,4 Millimeter, 31,8 Millimeter und 35 Millimeter. Der Trend zu immer breiteren Lenkern hat historisch zu einer Vergrößerung des Klemmmaßes geführt. Denn der größere Hebel bedeutet auch mehr Stress für das Material. Deswegen gibt es Lenker mit 25,4 Millimeter Vorbauklemmung meist nicht deutlich über 700 mm Breite hinaus. Ob 31,8 oder 35 Millimeter ist dagegen für die meisten Mountainbiker eher Geschmackssache. Wer das Maximum an Steifigkeit und Kontrolle sucht, ohne das Gewicht in die Höhe zu treiben, greift zum größeren Durchmesser. Etwas mehr Flex und Komfort bietet oft „die goldene Mitte“ mit 31,8 Millimetern.
Beim Lenkerdurchmesser an den Griffen ist aber alles ganz einfach. Er beträgt immer 22,2 Millimeter. So kannst Du Griffe mit oder ohne Klemmung, leichte XC-Griffe, klebrige Downhill-, stylishe BMX- oder ergonomische Griffe fahren - ganz, wie Du möchtest.
Die Bedeutung der Ergonomie
Der Begriff geht auf das Altgriechische zurück und ist zusammengesetzt aus „ergon“ für Arbeit und „nomos“ für Regel/Gesetz. Wissenschaftlich betrachtet möchte die Ergonomie eine Situation schaffen, in der ein Mensch besonders effizient arbeiten kann. Dazu gehört, dass der Mensch weder geschädigt wird noch frühzeitig ermüdet. Die gewonnenen Erkenntnisse führen zum Beispiel zu verbesserten Werkzeugen oder Schreibtischstühlen. Auch beim Biken leistet der Mensch etwas; er verrichtet Arbeit, erbringt eine Leistung. Das heißt: Ein optimal angepasstes Rad sorgt für mehr Leistung, spätere Ermüdung und somit einfach mehr Spaß beim Biken.
Wenn das Rad nicht zu einem passt, ist ein Neukauf unausweichlich. Ein zu großer oder zu kleiner Rahmen lässt sich schwer kompensieren. Doch auch, wenn das Bike sich gut anfühlt, kann ich nur empfehlen, sich die drei wichtigen Kontaktpunkte genau anzusehen. Diese sind: Cockpit (Griffe, Lenker, Vorbau), der Sitzbereich (Sattel und Sattelstütze) und der Antrieb (Pedale und Kurbel).
Das Cockpit
In den letzten Jahren war der Trend ganz klar: Der Lenker sollte möglichst breit sein und die Front tief. Das ist nicht uneingeschränkt sinnvoll. Als Faustregel gilt: Der Lenker sollte so tief stehen, dass immer genug Druck auf dem Vorderrad gewährleistet ist, zum Beispiel beim Klettern. Er sollte aber noch so hoch sein, dass in steileren Abfahrten nicht sofort Überschlagsgefühle aufkommen. Es ist theoretisch jede Kombination aus Lenker und Vorbau möglich.
Bewährt haben sich eher schmalere Lenker um die 680 Millimeter mit Vorbauten zwischen 70 und 100 Millimetern für Einsätze im Marathon und CrossCountry. Hier geht es um jede Sekunde bergauf, da darf die Front auch gern etwas tiefer stehen. Für Trailrider und Enduristi empfehle ich Lenker zwischen 760 und 780 Millimetern mit Vorbauten von 50 Millimetern oder kürzer. Ich rate von der Paarung „kurzer Vorbau und schmaler Lenker“ bzw. „langer Vorbau und breiter Lenker“ ab. Ersteres macht die Lenkung sehr nervös, zweites sehr träge.
Anpassung des Lenkers an den Fahrer
Was leider oft zu kurz kommt, nicht nur beim Internetkauf, ist die Anpassung des Rades an den Fahrer. Liegen gesundheitliche Einschränkungen vor? Ist das Verhältnis von Körperlänge zu Schrittlänge untypisch? Passt die Einstellbarkeit der Hebelweite der Bremse zur Größe der Hand? Jeder Mensch ist anders. Trotzdem bekommen verschiedene Körper mit gleicher Größe meist dasselbe Rad, wenn sie die gleichen Anforderungen benennen.
Empfehlungen zur Lenkerbreite
Die Breite des Lenkers habe ich ja schon angeschnitten. Wer noch eins der Modelle deutlich unter 70 Zentimetern an seinem Schätzchen fährt, sollte dringend etwas Breiteres probieren. Das spürbare Plus an Kontrolle ist diese Investition sicher Wert. So verläuft die Abfahrt entspannter und man kann bei verschiedenen Fahrmanövern oder im Wiegetritt leichter Druck aufbauen; das spart Kräfte. Natürlich gilt hier aber nicht, dass breiter immer besser ist.
Neben der Breite und Höhe der Lenkstange will der Winkel, mit dem die Lenkerenden sich von ihrer Mitte nach hinten biegen, beachtet werden. Etabliert ist ein Winkel um die acht Grad. Es gibt ausgefallene Modelle mit bis zu 16 Grad Backsweep.
Die Bedeutung des Backsweep
Wir haben im Selbstversuch eine besonders bequeme Haltung der Hand erfahren, fühlten uns aber in unserer Fahrweise im ruppigen Gelände etwas eingeschränkt. Wer sich hier unsicher ist, sollte Folgendes beachten: Ausgangsbasis sollte ein Backsweep um die acht Grad sein. Mehr als zehn sind gewöhnungsbedürftig, weniger als sechs Grad sind einfach unangenehm. Je breiter der Lenker, umso stärker der Backsweep.
Der Upsweep
Die zweite Biegung des Lenkers nennt sich Upsweep bzw. Tip. Das ist der Winkel nach oben. Er liegt meist bei ca. fünf Grad. Das bringt die Ellenbogen etwas mehr nach außen und gibt eine sportlichere, reaktionsfreudigere Armhaltung vor, die Fahrt wird stabiler.
Die Rolle der Griffe
Es ist übrigens nicht immer das steifste Produkt, welches die größte Freude bereitet. Eine häufige Problemzone sind schmerzende Hände. Wenn der richtige Lenker bereits montiert ist und nicht zu viel Druck auf den Armen lastet, sollte man sich die Griffe genauer ansehen. Hier sind es vier Kriterien, die über Freud und Leid entscheiden: Breite, Dicke, Material, und Formgebung.
Breite und Dicke der Griffe
Breite und Dicke sind schnell bestimmt: Der Griff sollte so breit sein, dass die Hand keinesfalls auf dessen Rand oder den Klemmringen aufliegt. Zwei bis drei Zentimeter freie Grifffläche ermöglichen einen Wechsel der Handposition. Der Durchmesser sollte ebenfalls zur Hand passen. Ein zu dicker Griff macht es unmöglich, die Hand weit genug zu schließen und es droht schlimmstenfalls der Kontrollverlust. Ein zu dünner Griff zwingt die Hand ebenfalls in eine unnatürliche Haltung, so dass das Halten des Lenkers sehr viel Kraft erfordert.
Material der Griffe
Es kommen viele unterschiedliche Materialien zum Einsatz. Obwohl die Gummis sich auf den ersten Blick sehr ähneln, haben sie doch unterschiedliche Eigenschaften. Die ehemals beliebten Moosgummigriffe sind schwammig und geben kaum Aufschluss darüber, was gerade passiert. Zu harter Gummi dämpft dagegen nicht und die Hände schmerzen schnell. Ich empfehle, immer nur einen Griff zu tauschen und einen der „gewohnten“ am Rad zu belassen, so wird auf der Ausfahrt sehr schnell klar, was eine Verbesserung bringt.
Formgebung der Griffe
Das gilt auch für die Form. Inzwischen bieten zahlreiche Hersteller Griffe an, die eine gesunde Handhaltung unterstützen. Es gibt sie für praktisch jeden Einsatzbereich.
Einstellung von Brems- und Schalthebeln
Wenn das alles passt, ist eine korrekte Einstellung von Brems- und Schalthebeln unabdingbar. Dazu sollten alle Bedienelemente bei der normalen Handposition am Lenker ohne Umgreifen erreichbar sein. Die Hand sollte am Handgelenk möglichst wenig nach oben oder unten abknicken. Die Bremshebel sollten bequem erreichbar sein, aber bei völliger Blockade noch zwei Zentimeter zum Lenker haben. Lieber die Bremshebel weiter außen greifen als zu weit innen, das erhöht die Bremspower.
Weitere Aspekte der Fahrradergonomie
Wenn man nicht gerade Downhiller ist, verbringt man die meiste Zeit im Sattel sitzend. Man kann sich hier nicht auf den Rat des Trainingspartners verlassen: Der hat wahrscheinlich einen anderen Hintern und ein anderes Sitzpolster, ganz zu schweigen vom anderen Rad.
Bestimmung des Sitzknochenabstands
Als Ausgangsbasis kann man den Sitzknochenabstand bestimmen. Das lässt sich einfach mit einem Stück Wellpappe bewerkstelligen. Diese auf einen Stuhl oder Hocker mit harter Sitzfläche legen und sich im besten Fall nackt oder in Unterwäsche darauf setzen. Jetzt die Füße auf die Zehenspitzen stellen. Die Sitzknochen hinterlassen einen Abdruck auf der Pappe. Der Wert von Mitte bis Mitte gemessen liegt irgendwo zwischen sechs und 17 Zentimetern.
Auswahl des Sattels
Generell gilt: Je stärker man nach vorne geneigt sitzt, umso weniger muss man dazu zählen; je aufrechter man sitzt, umso mehr. Wer also sehr sportlich gestreckt sitzt, kann einfach mit einem Sattel in der Breite seiner Sitzknochen fahren. Wer sehr aufrecht sitzt, kann schon mal fünf Zentimeter oben drauf rechnen. Der Sattel sollte im Idealfall waagerecht ausgerichtet sein; dazu einfach eine Wasserwaage auf der Sitzfläche platzieren.
Eine Neigung nach hinten ist nicht zielführend; eine Neigung der Sattelspitze kann helfen, wenn Druckschmerz im Schambereich auftritt. Das ist oft bei starker Überhöhung vom Sattel zum Lenker der Fall oder bei Frauen, bei denen das Schambein oft tiefer liegt. Gute Händler bieten die Möglichkeit, hochwertige Sättel auszuprobieren.
Einstellung der Sitzhöhe
Die Sitzhöhe sollte so gewählt werden, dass die Beine beim Pedalieren nie vollständig durchgestreckt werden. Um das zu erreichen, kann man (ohne das Becken zu kippen) mit den Fersen und durchgestrecktem Bein pedalieren. Das sollte ungefähr deiner Innenbeinlänge x 0,885 entsprechen. Ich möchte nicht verschweigen, dass diese Ausrichtung aus dem Straßensport stammt. Für das Fahren im Gelände kann es, je nach persönlicher Vorliebe, angenehmer sein, den Sattel wenige Zentimeter niedriger zu fahren, um besser auf das Streckenprofil reagieren zu können.
Fahrer, die tendenziell niedrigere Trittfrequenzen mit viel Kraft treten, sitzen eher höher; Fahrer, die hohe Trittfrequenzen treten, etwas niedriger. Außer in der Höhe ist der Sattel auch nach vorne und hinten verstellbar. Um hier die Position passend einzustellen, bindet man einen Gegenstand an eine Schnur, um ein Pendel zu simulieren und bittet jemanden um Hilfe.
Man setzt sich in „Normalposition“ aufs Rad und positioniert die Kurbel waagerecht. Von der Mitte des vorne stehenden Knies sollte das Lot jetzt durch die Pedalachse fallen. Wenn nötig, einfach den Sattel etwas nach vorne oder hinten verschieben.
Die Pedale und Kurbelarme
Die Schnittstelle Nummer drei ist die, an der die Kraft eingeleitet wird. Wir haben diese bereits touchiert, als wir die Sattelstellung danach ausgerichtet haben. Die Länge der Kurbelarme bestimmt den Radius, den der Fuß beim Treten zurücklegen muss.
So ist für größere Personen mit längeren Beinen eine lange Kurbel richtig und für kleinere Menschen mit kürzeren Beinen eine kurze. Die Längen variieren zwischen 160 und 180 Millimetern (mit Ausnahmen). Hier ist es schwer, eine Länge einer bestimmten Körpergröße zuzuordnen, da die Länge der Kurbel ja auch die Bodenfreiheit bestimmt.
Kürzere Kurbel, mehr Bodenfreiheit, längere Kurbel, mehr Kraft auf der Kette und umgekehrt. Als Faustregel empfehle ich: Innenbeinlänge (in Zentimetern) multipliziert mit 2,12 ergibt die Kurbellänge (in Millimetern). Das Ergebnis entspricht meist nicht einer der verfügbaren Kurbellängen.
Der Q-Faktor
Der Q-Faktor ergibt sich aus dem Abstand von der Außenseite der ersten Kurbel bis zur Rahmenmitte addiert mit dem Abstand von der Außenseite der zweiten Kurbel bis zur Rahmenmitte. Man geht in der Regel davon aus, dass der Q-Faktor nicht übermäßig hoch sein sollte. Das passt zu den meisten Menschen, denn die Füße stehen normalerweise so weit auseinander wie das Becken breit ist.
Normalerweise liegt der Q-Faktor zwischen 155 und 175 Millimetern. Einfluss auf den richtigen Tritt haben auch die Pedale und die Schuhe. Die Pedale der verschiedenen Hersteller positionieren die Füße unterschiedlich und können einen hohen Q-Faktor gegebenenfalls sogar noch negativ verstärken. Manche Firmen bieten ihre Pedale mit verschiedenen Achslängen an. Auch die Einstellung der Pedalplatten am Radschuh sollte fachmännisch durchgeführt werden.
Zusammenfassung
Letztendlich muss jeder selber ausprobieren, mit welcher Form er am besten zurechtkommt. Planen Sie genügend Zeit ein: Mit ein paar Rädern, einem verstellbaren Vorbau und einem geduldigen Fachhändler sollte sich eine gute Lösung finden lassen.
Tabelle: Empfehlungen für Lenkerbreite nach Einsatzbereich
| Einsatzbereich | Empfohlene Lenkerbreite (mm) |
|---|---|
| Cross-Country/Marathon | 700-740 |
| Trail/Enduro | 740-780 |
| Downhill/Freeride | 780 und breiter (bis 820) |