Die Bremsen sind ein sicherheitsrelevantes Bauteil und sollten entsprechend nur von einer qualifizierten Fachwerkstatt gewechselt werden. Doch mit dem richtigen Einbau ist es meist noch nicht getan, denn neue Bremssysteme müssen auch eingefahren werden, um Schäden zu vermeiden und jederzeit die optimale Verzögerung zu erzielen.
Was versteht man unter Einfahren oder Einbremsen?
Unter Einbremsen oder Einfahren der Bremse versteht man die Durchführung einiger schonender Bremsvorgänge, bei der es zu einer schrittweisen Erwärmung der Materialien ohne Wärmeschock kommt. Ziel der Maßnahme ist es, dass sich die Oberflächen der Bremsscheiben und Bremsbeläge aneinander anpassen können.
Warum ist das Einfahren der Bremsen wichtig?
Die Bremsscheibe und die Bremsbeläge sind Reibepartner, wobei der Bremsbelag in seiner ganzen Fläche auf der Bremsscheibe aufliegen sollte. Kommt es hingegen ohne Einbremsen zu punktuellen Belastungen, kann sich die Oberfläche der Bremsscheibe so verändern, dass sich der Reibkoeffizient durch die Hitzebelastung leicht verändert. Bremsenrubbeln wäre die Folge. Auch Riefen können sich bilden.
Wird die Bremse nicht eingefahren, kann es unter Umständen zu ungleichmäßigen Abnutzungen auf den Reibflächen kommen, was sich durch ein Quietschen oder unruhiges Bremsen (Bremsrubbeln) bemerkbar macht. Im schlimmsten Fall können die dabei auftretenden thermischen Belastungen dermaßen ansteigen, dass sich die neue Bremsscheibe unumkehrbar verzieht oder sogar an Nuten und Schlitzen reißt.
Ebenso kann es vorkommen, dass ein neuer Bremsbelag durch zu hohe Thermik verglast (aus dem Reibstoff treten Gase und Harze aus, die in Kombination mit der Hitze zum Verglasen führen. Die Folge: kein Reibwert, keine richtige Bremskraft).
Die thermische Belastung kann schließlich sogar dazu führen, dass sich die Bremsscheibe verzieht und im schlimmsten Fall sogar an etwaigen Nuten oder Schlitzen reißt. In diesen Fällen kann eine Bremsanlage nicht mehr zuverlässig ihre volle Bremskraft entfalten und auch die Lebensdauer der Komponenten kann dadurch stark verkürzt werden.
Wie fährt man neue Bremsen ein?
Wenn man sich die Zeit für eine gesonderte Einbremsphase nimmt, kann man das Einbremsen innerhalb kürzester Zeit erledigen. Durch ein moderates Einfahren bzw. Vermeiden Sie nach dem Wechsel der Bremsanlage aus Bremsscheiben und Bremsbelägen Extrem-, Schock- und Gewaltbremsungen während der ersten 300 km Fahrstrecke.
Profis raten dazu, circa 20 bis 30 Bremsungen aus einer mittleren Geschwindigkeit von 100 km/h auf ungefähr 50 km/h vorzunehmen. Dieses Anbremsen sollte am besten sanft und moderat erfolgen: Die Bremsdauer sollte hier nur zwischen 2 bis 3 Sekunden liegen. Nach der Hälfte der Bremsungen reduzieren Sie die Geschwindigkeit dann auf 25 km/h.Zwischen den Bremsvorgängen sollten zwei bis drei Minuten Abkühlzeit liegen. Das Abkühlen erfolgt durch den Fahrtwind.
In der Einfahrphase sollten ca. 30 Bremsungen aus mittlerer Geschwindigkeit (etwa 100 km/h) bei mäßiger Verzögerung und einer Bremsdauer von maximal 3 Sekunden auf etwa 50 km/h durchgeführt werden. Nach der Hälfte der Bremsungen reduzieren Sie die Geschwindigkeit dann auf 25 km/h. Achten Sie darauf, die notwendige Abkühlzeit der Bremsscheibe zwischen den Bremszyklen einzuhalten.
Wichtige Hinweise zum Einfahren
- Vermeiden Sie nach dem Wechsel der Bremsanlage aus Bremsscheiben und Bremsbelägen Extrem-, Schock- und Gewaltbremsungen während der ersten 300 km Fahrstrecke.
- Während der ersten 300 Kilometer nach einem Bremsscheibenwechsel rät man von Gewalt‑, Extrem- oder Schockbremsungen ab, um eine Überbeanspruchung der Bremsen zu verhindern.
- Unsere Einbremshinweise dienen lediglich der Orientierung. Teilweise finden Sie im Handbuch Ihres Herstellers andere Einfahrzyklen. Falls vorhanden, halten Sie sich daran und Sie werden lange Spaß mit Ihrer Bremse haben.
- Unsere Einbremshinweise dienen lediglich der Orientierung. Teilweise finden Sie im Handbuch Ihres Herstellers andere Einfahrzyklen. Falls vorhanden, halten Sie sich daran und Sie werden lange Spaß mit Ihrer Bremse haben.
Gibt der Hersteller andere Tipps oder gar Zyklen vor, haltet Euch bitte an diese, damit einem langen und sicheren Bremsen nichts im Wege steht und Eure Bremsen lange halten. Die von uns genannten Hinweise zum Einfahren einer neuen Bremseneinheit können lediglich als Orientierungshinweis dienen.
Während der ersten 300 Kilometer nach einem Bremsscheibenwechsel rät man von Gewalt‑, Extrem- oder Schockbremsungen ab, um eine Überbeanspruchung der Bremsen zu verhindern.
Wichtig: In einer Notsituation sollte man selbstverständlich sofort und ohne Rücksicht auf die neuen Bremsscheiben und ‑beläge bremsen.
Sicherheitsrelevantes beim Einfahren
Um in der Einbremsphase keine anderen Verkehrsteilnehmer zu gefährden oder gar zu nötigen, solltet Ihr einen Straßenabschnitt und Zeitpunkt wählen, wo ein ungefährlicher Ablauf unter Einhaltung der Straßenverkehrsordnung (StVO) möglich ist.
Wie lange nach dem Wechsel sollte man die Bremsscheiben und ‑beläge schonen?
Während der ersten 300 Kilometer nach einem Bremsscheibenwechsel rät man von Gewalt‑, Extrem- oder Schockbremsungen ab, um eine Überbeanspruchung der Bremsen zu verhindern.
Vermeiden Sie nach dem Wechsel der Bremsanlage aus Bremsscheiben und Bremsbelägen Extrem-, Schock- und Gewaltbremsungen während der ersten 300 km Fahrstrecke.
Zusätzliche Hinweise
Der Schraubertipp zeigt, was es alles zu beachten gibt. Das Wichtigste zuerst Bremsklötze immer paar- und radweise wechseln! Ein Satz Bremsklötze besteht in der Regel aus zwei Stück pro Scheibe. Nur in wenigen Fällen sind kleine Einzelbeläge verbaut, also pro Bremskolben ein Bremsklotz - das können bis zu sechs Stück pro Bremssattel sein.
Niemals unterschiedlich dicke oder unterschiedlich alte Bremsklötze sowie von verschiedenen Herstellern in einem Bremssattel verwenden! Das gilt auch bei Doppelscheibenbremsen im Vorderrad: Links und rechts werden nur gleiche Belag-Typen mit gleicher Laufleistung eingesetzt.
Wenn auf den Rückseiten der alten Bremsklötze gelochte Scheiben oder Bleche aus Stahl oder Teflon montiert waren, müssen diese in sauberem Zustand an den neuen Bremsklötzen in gleicher Position wieder angebracht werden. Sie halten einen Teil der beim Bremsen entstehenden Hitze von den Bremskolben und damit auch von der Bremsflüssigkeit fern.
Tipp: Wenn Sie keine Original-Bremsbeläge verwenden wollen, fragen Sie zuerst Ihren Markenhändler. Der ist über den aktuellen Stand an Nachrüstbelägen gut informiert. Auch Tests in Motorrad können bei der Wahl helfen. Gebrauchte Bremsbeläge, die stark verschmutzt sind, schon lange nicht mehr zum Einsatz kamen oder aus einer Unfallmaschine stammen, sollten getauscht werden!
Obwohl zum Wechseln der Beläge die Bremssättel meist nicht abgebaut werden müssen, ist es empfehlenswert, da das Innere des Bremssattels oft eine gründliche Reinigung nötig hat.
Tipps zur Reinigung
- Bremssattel und Bremsscheiben NICHT mit Öl oder Ölspray reinigen, sondern speziellen Bremsenreiniger verwenden!
- Bremsenreiniger ist aggressiv und gesundheitsschädlich: Bei Benutzung darauf achten, dass die Werkstatträume gut gelüftet werden. Nicht rauchen! Nicht auf die Haut oder in die Augen sprühen! Einatmen der Dämpfe vermeiden!
- Bei Einsatz von Bremsenreiniger alle Teile im Umkreis der einzusprühenden Bremssättel mit Lappen großflächig abdecken.
- Bremsenreiniger sparsam und gezielt einsetzen, Sprühkopf direkt auf die zu reinigende Stelle richten und nur kurz betätigen.
- Teile nach Einsprühen mit Bremsenreiniger sofort durchputzen. Dazu nicht fusselnde Lappen und eine kleine Bürste verwenden.
- Bremssattel nicht mit harter Pressluft ausblasen! Wenn überhaupt: Druckluft beim Bremssattel nur sehr sparsam und ganz gezielt einsetzen Bremsstaub ist gesundheitsschädlich!
Bremsklötze ausbauen
- Motorrad sicher aufbocken.
- Achtung: Bremshebel bei abgebautem Bremssattel und/oder ausgebauten Klötzen nicht betätigen! Sonst fahren die Bremskolben ungehindert aus und müssen mühsam wieder in den Bremssattel gedrückt werden. Sie können sogar ganz aus ihren Bohrungen herausrutschen.
- Tipp: Wenn die alten Bremsklötze aus dem Bremssattel herausgenommen sind und die Bremskolben noch in ihrer herausgefahrenen Position stehen, den Bremssattel sorgfältig reinigen. Erst danach die Kolben in ihre Bohrungen drücken, um Platz zu schaffen für die neuen Bremsklötze.
Die Bremsklötze werden durch einen "Haltestift" in korrekter Position im Bremssattel gehalten. Dieser Haltestift ist gesteckt oder geschraubt und hat immer eine Sicherung gegen selbständiges Rausdrehen oder Herausfallen. Diese muss vor dem Ausbau des Haltestifts entfernt werden.
Am besten beim Kauf neuer Bremsklötze auch neue Sicherungssplinte oder Sicherungsscheiben kaufen, da die alten oft nicht mehr die volle Spannkraft besitzen - die Schraube dagegen ist weiter verwendbar. Wenn der Haltestift nur gesteckt ist, mit einem Splintdurchschlag vorsichtig ausschlagen. Durchschlag sicher auf der Mitte des Haltestifts ansetzen und mit kurzen, leichten Hammerschlägen austreiben. Der Haltestift rutscht Stück für Stück heraus.
Ist der Haltestift eingeschraubt, diesen ausdrehen. Bremsklötze aus der Bremszange herausziehen.
Bremsklötze einbauen
Achtung: Keine scharfkantigen Gegenstände wie Schraubendreher in die Bremssättel einführen, die Kolbengleitflächen können dadurch zerkratzt werden! Um Platz für die neuen (dicken) Beläge zu schaffen, die alten Bremsklötze wieder in den Schacht schieben, mit Handkraft dagegendrücken und damit die Bremskolben zurück in ihre Bohrungen drücken. Das Ganze muss mit Handkraft gehen, keine Zange oder Ähnliches zu Hilfe nehmen!
Beim Zurückdrücken steigt der Flüssigkeitsstand im Bremsflüssigkeitsbehälter: Deswegen Pegelstand im Auge behalten! Steigt er bis zur Oberkante, mit einer kleinen Spritze etwas Flüssigkeit absaugen. Achtung: Bremsflüssigkeit ist aggressiv und gesundheitsschädlich. Deshalb von Haut und Körper, aber auch von Lack und Kunststoff fernhalten! Mit Handschuhen arbeiten. Danebengegangene Tropfen mit reichlich Wasser wegspülen.
- Spezielles Bremsenfett auf die Rückseite der Trägerplatten sowie den Kanten, an denen sie im Bremssattel anliegen, geben.
- Kontrollieren, ob die Bremsbelagfeder innen im Bremssattel richtig sitzt: Sie muss satt sitzen - falls ein Pfeil eingeritzt ist, muss dieser in Raddrehrichtung zeigen.
- Bremsklötze in den Bremssattel einschieben. Manchmal gleiten die Bremsklötze auf einer oder beiden Seiten in einer Nut oder Führung. Unbedingt darauf achten, dass die Bremsklötze korrekt in diese Führung eingesetzt werden.
- Bremsbelag-Haltestift durch die äußere Bohrung im Bremssattel einführen (wenn die Bremsbelagfeder außen auf die Bremsklötze eingesetzt wird: Pfeil muss in Fahrtrichtung zeigen). Weiter durch die Bohrungen in den Bremsklötzen, der Bremsbelagfeder und in die andere Seite des Bremssattels durchschieben.
- Beim Gewindestift: Diesen einschrauben. Kontermadenschraube einschrauben und gegen den Kopf des Haltestifts kontern. Oder Sicherungssplint(e) einstecken. Oder Sicherungsscheibe in die Nut einklicken.
- Durch Pumpen am Bremshebel Druck im System aufbauen, bis die neuen Bremsbeläge an der Scheibe anliegen.
- Bremsflüssigkeitsstand kontrollieren und gegebenenfalls nachfüllen (Spezifikation im Betriebshandbuch nachlesen). Erst bei deutlich fühlbarem Druckpunkt ist die Bremse betriebsbereit!
Bremsbeläge einfahren
Neuen Bremsbelägen darf man keinesfalls schon bei der ersten Bremsung ihre maximale Leistung abfordern, sondern sie müssen sorgsam und mit Gefühl eingefahren werden. Die Einfahrzeit sollte 100 bis 150 Kilometer betragen.
- Während dieser Zeit: Bremse nicht längere Zeit „schleifend“ betätigen, sondern kurz und knackig bremsen.
- Bremse nicht "gegen den Motor" einfahren, das schadet den neuen Bremsbelägen: Ihre Oberfläche wird heiß und verglast.
- Nach jeder Verzögerung der Bremse wieder genügend Zeit zum Abkühlen geben.
- Längere Bremsungen sollten in der Einfahrzeit vermieden werden, sind aber im Verkehr manchmal erforderlich: Nach einer "längeren, heftigen Bremsung" nicht mit gezogener Bremse anhalten, sondern mit dem Anhalten wieder freigeben.
- Nach einiger Zeit packt die Bremse immer fester zu, das Bremsgefühl ist schön transparent.
FAQ: Bremsen richtig einbremsen
Wie lange müssen neue Bremsen eingefahren werden?
Für das Einfahren neuer Bremsen gibt es keine zeitliche Vorgabe. Die Zeit, die Sie benötigen, ergibt sich aus dem beschriebenen Prozedere auf der Landstraße und der Schnellstraße. Das sollte alles in allem nicht länger als zwei Stunden dauern.
Wie viele Kilometer muss man Bremsen einfahren?
Das hängt ein wenig vom Hersteller ab, nach etwa 300 Kilometern jedoch sind alle Modelle eingefahren.
Warum neue Bremsen einfahren?
Wenn Bremsen nicht eingefahren bzw. eingebremst werden, können sie überhitzen, wenn sie das erste Mal richtig gefordert sind. Das führt oft zu Verschleißerscheinungen - und dazu, dass die Bremsbeläge und Bremsscheiben beim nächsten Mal deutlich früher ausgetauscht werden müssen.
Empfohlene Kilometer für das Einfahren verschiedener Bremsenhersteller:
| Hersteller | Empfohlene Kilometer |
|---|---|
| ATE | 270 km |
| Ridex | 270 km |
| Ferodo | 250 km |
| Bosch | 260 km |
| Valeo | 290 km |
| Brembo | 310 km |
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