Die Einführung der Scheibenbremse am Fahrrad war ein Quantensprung in puncto Sicherheit und Fahrspaß, weil man sich nun endlich auf eine stets gleichbleibende und kraftvolle Bremsleistung verlassen konnte.
Warum Scheibenbremsen?
- Es handelt sich um ein geschlossenes System mit aufeinander abgestimmten Komponenten.
- Eine Scheibenbremse sitzt im Zentrum des Laufrades, wo Nässe und Schmutz weniger Einfluss auf die Bremswirkung nehmen können, als außen an der Felge.
Aber es gibt auch Nachteile: Die Hebelverhältnisse in der Laufradmitte sind nicht optimal.
Dadurch muss eine Scheibenbremse sehr stark zubeißen können, um das Rad zum Stillstand zu bringen. Dabei entsteht viel Wärme, die abgeleitet werden muss. Und es gibt verschiedene Arten von Belägen im Handel, die das System beeinflussen. Umso wichtiger ist das richtige Einbremsen, sobald man neue Beläge eingesetzt hat.
Warum Bremsbeläge richtig einbremsen?
Kurz und bündig: Drei gute Gründe für richtiges Einbremsen:
- Maximale Bremswirkung erzielen: Rauhe Oberflächen auf Belag und Scheibe werden beim Einbremsen geglättet. Erst dann liegen beide Reibpartner plan und großflächig aufeinander.
- Bremsbeläge widerstandsfähig machen: Ab Werk besitzt ein Bremsbelag noch nicht die größtmögliche Härte. Er enthält Stoffe, zum Beispiel Bindemittel, die durch Hitze herausgelöst werden müssen, damit sich eine optimale Reibschicht bildet. Diese Hitze muss beim Einbremsen erzeugt werden.
- Geld sparen: Das Einbremsen macht die Beläge lange haltbar. Deshalb sparst du unterm Strich bares Geld.
Basiswissen - Organische vs. Gesinterte Bremsbeläge
Im Handel findet man im Wesentlichen zwei Arten von Bremsbelägen: Organische Beläge, gefertigt aus mehrheitlich organischen Stoffen, und gesinterte Beläge, bestehend aus gepressten Metall- und Keramikteilen. Eher selten sieht man Semi-Metall-Beläge, eine Mischform aus organisch und gesintert.
Generell kann man sagen: Organische Beläge neigen weniger zu Quietschgeräuschen als gesinterte Beläge. Sie haben eine etwas höhere Bremsleistung, verschleißen aber unterm Strich schneller. Die Metall-Kollegen vertragen höhere Temperaturen, erzeugen aber auch mehr Hitze im Bremssystem. Die Beläge selbst sind standfest, aber sie verschleißen die Scheiben schneller als organische Beläge.
Egal für welchen Typ man sich letztlich entscheidet - Das richtige Einbremsen muss sein!
Erst nach 30 Vollbremsungen sind neue Beläge bereit für seriösen Einsatz.
Das Einbrems-Prozedere in der Praxis
Wer neue Beläge richtig einbremst, kann sich immer auf volle Bremskraft verlassen - egal ob Schnee, Regen oder Trockenheit.
Oberflächen glätten
Lasse dazu die Bremsen auf einer Straße mit geringem Gefälle leicht schleifen. Also wirklich nur leicht schleifen lassen, aber das über eine Strecke von mehreren Hundert Metern.
Reibschicht bilden
Dieser Vorgang muss für jede Bremse, also vorne und hinten separat durchgeführt werden - und das je etwa 30 Mal! Bremse dazu das Bike aus einer Geschwindigkeit von etwa 25 km/h heraus beherzt bis fast zum Stillstand ab. Achte darauf, dass das Rad nicht blockiert. Du wirst feststellen, dass die Bremsleistung bei den ersten Versuchen eher schwach ist, aber bald darauf mit jedem weiteren Versuch ansteigt.
Lösungsmittel ausgasen
Dieser Schritt ist vor allem bei organischen Belägen essentiell wichtig. Dazu die Bremse auf einer längeren und/oder steilen Abfahrt einmal richtig heiß bremsen. Auch hierbei wirst du feststellen, dass die Bremsleistung nach einer Weile abnimmt - das so genannte Fading hat eingesetzt. Jetzt aber den Bremsvorgang noch etwas länger fortsetzen. Erst dann kannst du das Einbremsen beenden.
Wann sollten die Bremsbeläge getauscht werden?
Von allen Verschleißteilen an einem Fahrrad ist der rechtzeitige Austausch der Bremsbeläge am wichtigsten. Die Bremsbeläge müssen natürlich regelmäßig überprüft werden. Sind sie nahezu verschlissen, werden sie getauscht.
Wie schnell die Bremsbeläge verschleißen, ist von zahlreichen Faktoren abhängig. Die mit dem Rad zurückgelegte Distanz ist nur einer davon. Ebenfalls von Bedeutung sind das Wetter, Fahrstil, Gewicht des Fahrers und das Material der Beläge. Daher ist es wichtig, regelmäßig zu kontrollieren, ob noch genug Material vorhanden ist.
Es besteht darüber hinaus die Gefahr, dass die Bremsen unberechenbar reagieren und im schlimmsten Fall komplett versagen. Fährst du mit verschlissenen Belägen weiter, wirst du im besten Fall dein Material, sprich Felgen oder Bremsscheiben unnötig stark verschleißen.
Einen generellen Ratschlag, wann die Bremsbeläge rechtzeitig getauscht werden sollten, gibt es nicht. Je nach Art, Material und Güte der Bremsbeläge, eigenem Fahrverhalten und vieler weiterer Faktoren, kann man den Wechsel nicht an der gefahrenen Kilometerleistung festmachen.
Die einfachste Möglichkeit, die "Fahrtüchtigkeit" der Scheibenbremsbeläge zu beurteilen, ist die Begutachtung der Dicke der Beläge. Diese sollte auf keinen Fall 1 mm unterschreiten. Bei 1 mm oder mehr sind Sie noch auf der sicheren Seite.
Können Sie die Belagdicke nicht richtig beurteilen, weil Sie die Bremsbeläge nicht optimal einsehen können, dann sollten Sie sie ausbauen und sich genau anschauen, ob die Dicke der Beläge noch mindestens 1 mm beträgt. Einige Bremsbacken besitzen ebenfalls sogenannte Indikatoren, die Ihnen signalisieren das ein Wechsel ansteht.
So erkennst du den Bremsbelagverschleiß am MTB
Mountainbikes sind mittlerweile immer mit Scheibenbremsen ausgerüstet. Um zu sehen, wie viel von deinen Bremsbelägen noch übrig ist, kannst du von oben in den Bremskörper schauen, eventuell kannst du hierzu eine Taschenlampe zur Hilfe nehmen. Ziehst du nun am Bremshebel, erkennst du am Abstand zwischen Bremsscheibe und Feder, wie dick der Belag noch ist.
Wenn du deine Beläge nicht kontrollierst, kann es sein, dass du sie über ihre Verschleißgrenze hinaus nutzt. Dies macht sich dann durch metallische Geräusche und schließlich einem Abfall der Bremskraft bemerkbar. Hierbei hörst du zuerst die Spreizfeder auf der Scheibe kratzen. Dann wird die gesamte, nun von Bremsbelag freie Trägerplatte auf der Scheibe schleifen. In diesem Moment wirst du nur noch einen Bruchteil der ursprünglichen Bremskraft zur Verfügung haben.
So lange solltest du die Beläge jedoch auf keinen Fall verwenden. Besser du tauschst sie, wenn bei gezogenem Bremshebel noch etwas Platz zwischen Feder und Bremsscheibe zu erkennen ist.
So erkennst du den Bremsbelagverschleiß am Rennrad
Bei einer Felgenbremse werden die Bremsbeläge auf die Seitenflanken der Laufräder gedrückt. Um zu sehen, wann die Beläge einer Felgenbremse verschlissen sind, haben die meisten dieser Bremsbeläge eine Indikatorlinie, die dir anzeigt, wann es an der Zeit ist, die Beläge zu wechseln.
So erkennst du den Bremsbelagverschleiß am City- oder Trekkingrad
Bei Scheibenbremsen gilt, wie auch beim Mountainbike, dass ungefähr 1mm Belag übrig sein sollte, wenn du mit deinem Rad losfährst. Ist es weniger, solltest du den Belag bei der nächsten Gelegenheit tauschen.
Die Eigenschaften von Bremsbelägen sind vom verwendeten Material abhängig
Diese unterscheiden sich insbesondere bei Scheibenbremsen hinsichtlich der Kraftübertragung, Dosierbarkeit, Lebensdauer und Geräuschentwicklung bei Nässe. Bei Felgenbremsen spielt weiterhin die Hitzeentwicklung beim Bremsen eine Rolle.
Bremsbelagverschleiß - Organische Bremsbeläge
Organische Bremsbeläge zeichnen sich durch ihre von Beginn an hohen Bremskräften aus. Sie entwickeln weniger hohe Temperaturen als dies bei Sintermetallbelägen der Fall ist und neigen dazu, auch bei Nässe nicht zum Quietschen. Allerdings verschleißen organische Bremsbeläge schneller als solche aus Sintermetall.
- hohe Bremskraft von Anfang an
- geringe Hitzeentwicklung - jedoch auch weniger Hitzebeständigkeit
- kaum Quietschanfälligkeit
- höherer Verschleiß
Bremsbelagverschleiß - Sintermetallbeläge
Die Stärke von Sintermetallbelägen ist ihre lange Haltbarkeit und ihre Unempfindlichkeit gegenüber hohen Temperaturen. Ihre Bremskraft liegt etwas unter der von organischen Belägen, weiterhin neigen sie dazu, bei Nässe zu quietschen.
- höhere Hitzeentwicklung als organische Beläge
- eigen zum Quietschen
- halten länger als organische Beläge
Bremsbelagverschleiß - Semimetallbeläge
Semi-metallische Bremsbeläge verbinden die Vorteile der beiden zuvor genannten Bremsbelag-Typen. Sie verbinden eine hohe Bremskraft mit einer hohen Lebensdauer und einer sehr guten Resistenz gegenüber hohen Temperaturen. Ihr einziger Nachteil: Sie neigen dazu, laut zu quietschen.
- geringster Verschleiß der drei Beläge
- hohe Bremskraft
- sehr Hitzebeständig
- Quietschen
Bremsbelagverschleiß - Gummibremsbeläge
Gummibremsbeläge sind der Standard bei Felgenbremsen. Im Allgemeinen sind Bremsbeläge aus Gummi recht langlebig und haben eine gute Bremskraftentwicklung. Sie eignen sich gut für die Nutzung in Verbindung mit Alufelgen.
Bremsbelagverschleiß - Korkbremsbeläge
Korkbremsbeläge haben den entscheidenden Vorteil, dass sie weniger Hitze entwickeln als Gummibremsbeläge. Sie sind daher für Carbonfelgen geeignet. Korkbeläge verschleißen in der Regel deutlich schneller als solche aus Gummi.
Wechseln der Bremsbeläge bei Scheibenbremsen
Gut funktionierende Bremsen sind für die Sicherheit beim Mountainbiken das A und O.
Die Bremsanlage ist das sicherheitsrelevanteste Bauteil an Deinem Fahrrad, deshalb solltest Du ihr bei der Wartung besondere Aufmerksamkeit widmen. Die Bremsbeläge müssen natürlich regelmäßig überprüft werden. Sind sie nahezu verschlissen, werden sie getauscht. An sich ist der Belagswechsel simpel, aber es gibt ein paar wichtige Tricks und Kleinigkeiten, die den Vorgang erleichtern und zu beachten sind.
Zum Wechseln Deiner Scheibenbremsen-Beläge brauchst Du zunächst natürlich die richtigen Bremsbeläge. Um den richtigen Bremsbelag für Deine Fahrrad-Scheibenbremse zu finden, solltest Du die Nummer auf dem Bremssattel ablesen. Diese Nummer sollte sich auch auf der Verpackung der Ersatzbeläge wiederfinden. Neben den neuen Ersatzbelägen sollte auch das richtige Werkzeug griffbereit sein.
Werkzeug:- etwas Bremsenreiniger
- ein sauberes Tuch
- einen spitzen, dünnen Gegenstand, um den Führungsstift/-splint zu entfernen
Laufrad ausbauen
Klemme dafür das Bike an einen Montageständer oder hänge es mit dem Sattel auf eine stabile Stange, sodass sich das entsprechende Rad frei drehen und herausnehmen lässt.
Führungsbolzen entfernen und Bremsbeläge herausziehen
Nachdem das Rad demontiert ist, kann der Führungsbolzen entfernt werden. Ist ein einfacher Splint verbaut, kann dieser zum Beispiel mit einem Seitenschneider gerade gebogen und herausgezogen werden. Ist der Führungsbolzen entfernt, kannst Du die Bremsbeläge aus der Bremszange ziehen.
Tipp: Schau Dir kurz die alten Bremsbeläge an. Sind diese plan und nahezu identisch abgefahren, scheint die Bremse in Ordnung zu sein. Sind sie aber deutlich einseitig abgenutzt, deutet das auf einen feststehenden Kolben hin. Auch können die Beläge nicht plan, sondern schief abgenutzt sein. Ist dies der Fall, könnte ein Kolben leicht schief im Bremssattel stehen oder dieser war schief montiert.
Bremskolben herausdrücken
Als nächstes drückst Du die Bremskolben ca. Dazu einfach vorsichtig den Bremshebel betätigen. Fährt nur ein Kolben aus der Zange, kannst Du diesen mit dem Bremskolben-Spreizer festhalten, sodass sich der andere bewegen kann.
Achtung: Achte darauf, dass die Kolben nicht zu weit heraus gedrückt werden. Ansonsten können sie aus der Zange fallen, was zum Auslaufen der Bremsflüssigkeit führt.
Bremskolben reinigen
Sind die Kolben ca. 2mm aus dem Sattel gedrückt, entferne vorhandene Ablagerungen an den Bremskolben mit dem Bremsenreiniger und einem sauberen Tuch.
Saubere Bremskolben mithilfe von Bremsflüssigkeit wieder zurückdrücken
Die sauberen Bremskolben müssen nun wieder in den Bremssattel zurückgedrückt werden. Bevor die Kolben wieder in den Sattel gedrückt werden, empfiehlt es sich, etwas Bremsflüssigkeit auf die Kolben zu tröpfeln. Dies erleichtert das Zurückdrücken und macht die Dichtungen wieder geschmeidig.
Neue Bremsbeläge einsetzen
Nachdem die Kolben nun wieder schön gleiten und vollständig zurückgedrückt sind, kannst Du die neuen Bremsbeläge einsetzen. Dazu einfach die Feder zwischen die beiden Beläge legen und zusammendrücken. So können dann die Beläge in der richtigen Stellung wieder in den Bremssattel geschoben werden.
Führungsbolzen montieren
Sind die Bremsbeläge richtig im Sattel positioniert, kann der Führungsbolzen sauber gemacht und hineingeschraubt werden. Achte darauf, dass Du die kleine Sicherungsklammer wieder aufsteckst. War ein Splint verbaut, einfach einen neuen Splint einsetzen und dessen überstehendes Ende mit einer Zange oder einem Schlitzschraubenzieher aufspreizen.
Bremsscheibe auf Verschleiß prüfen und ggf. austauschen
Bevor Du das Laufrad wieder einsetzen kannst, solltest Du unbedingt auch die Bremsscheibe untersuchen, da auch diese verschleißen kann.
Laufrad einbauen und Bremssattel zentrieren
Ist das Laufrad eingebaut und der Druckpunkt wieder hergepumpt, solltest Du noch überprüfen, ob der Bremssattel richtig zentriert ist.
Läuft dieses geräuschlos und stehen die Bremsbeläge parallel zur Bremsscheibe, musst Du nichts mehr machen. Ist jedoch ein permanentes Schleifen zu hören oder die Bremsbeläge stehen nicht parallel zur Scheibe, muss der Bremssattel zentriert werden. Dazu einfach die beiden Schrauben lösen, mit denen der Bremssattel befestigt ist und den Bremshebel betätigen.
Verwandte Beiträge:
- Bremsbeläge für Shimano BR MT400: Ersatz & Kaufberatung
- E-Bike Shimano Bremsbeläge wechseln: Anleitung & Tipps
- Brembo vs. TRW Bremsbeläge Motorrad: Vergleich & Kaufberatung
- Mountainbike Bremsbeläge Test: Die besten Modelle im Vergleich
- Ultimativer BBF Fahrrad Test: City Bikes, Trekkingräder, E-Bikes & Kinderräder im großen Vergleich!
- Ultimatives Zubehör für Harley-Davidson Sport Glide: So individualisierst du deine Maschine und steigerst die Performance!
Kommentar schreiben