Bremsflüssigkeit Harley Davidson: Spezifikationen und wichtige Hinweise

Oberstes Gebot: Bremsflüssigkeiten sind sicherheitsrelevante Bauteile! Die Vorgaben vom jeweiligen Hersteller sind dringend zu beachten und einzuhalten.

Was ist Bremsflüssigkeit und welche Aufgaben hat sie?

Die Bremsflüssigkeit ist ein spezielles Gemisch, das in hydraulischen Bremssystemen verwendet wird. Sie spielt eine wichtige Rolle für die Sicherheit im Straßenverkehr. Wenn das Bremspedal betätigt wird, wird der Druck über die Bremsflüssigkeit zu den Bremszylindern am Bremssattel weitergeleitet. Diese drücken dann die Bremsbeläge gegen die Bremsscheiben oder -trommeln. Dabei muss die Bremsflüssigkeit extremen Bedingungen standhalten.

Wichtige Eigenschaften von Bremsflüssigkeiten

  • Hoher Siedepunkt: Für die Sicherheit bei extremen Einsatzbedingungen, damit die Bremsflüssigkeit nicht vorzeitig zu kochen beginnt und durch Dampfblasenbildung die Bremswirkung nachlässt.
  • Niedriger Siedepunktabfall: Der sogenannte Siedepunktabfall ist durch Wasseraufnahme zur Bremsflüssigkeit so gering wie möglich zu halten, die Kerngröße wird als Nasssiedepunkt bezeichnet.
  • Korrosionsschutz: Die Bremsflüssigkeit soll auch Korrosionsschutz gewährleisten.
  • Schmierung: Bremsflüssigkeit soll zur optimalen Schmierung des gesamten Bremssystems beitragen und somit auch mechanisch belastete Bauteile im Bremssystem vor Verschleiß schützen.
  • Materialverträglichkeit: Sehr wichtig für Bremsflüssigkeiten ist die vollkommene Verträglichkeit mit allen Systemmaterialien, bspw. mit verschiedenen Metallen sowie auch mit allen verbauten Gummi- und Kunststoffwerkstoffen.
  • Lackverträglichkeit: Ein Lackkontakt von Bremsflüssigkeiten ist aufgrund der Lösewirkung gegenüber Lacken zu vermeiden.

Zusammensetzung von Bremsflüssigkeiten

Bremsflüssigkeiten basieren auf Polglykolether, Borsäureester und Polglykole in unterschiedlichen Anteilen. Silikon basierende Bremsflüssigkeiten stellen eine Ausnahme dar. In Bremsflüssigkeit sind zudem notwendige, oberflächen- sowie produktschützende Additive enthalten.

Leistungsklassen und Spezifikationen

Leistungsklassen und Spezifikationen werden im Wesentlichen von folgenden Norminstituten festgelegt:

  • FMVSS = Federal Motor Vehicle Safety Standard, DOT = Department of Transportation (US Amerikanische Standards)
  • ISO 4925 Class X = International Standardization Organization, (Europäische Standards)
  • JS K 2233 Class X = Japanese Industrial Standard (Japanische Standards)

Trockensiedepunkt und Nasssiedepunkt

Wichtige Faktoren aller Bremsflüssigkeiten sind der Trockensiedepunkt (oder auch der Siedepunkt, kurz als SP bezeichnet) und der Nasssiedepunkt (NSP). Dabei wird festgelegt, bei welcher Temperatur eine Dampfblasenbildung zustande kommt. Der Siedepunkt bzw. Trockensiedepunkt (SP), wird bei Bremsflüssigkeiten im absoluten Neuzustand und somit ohne irgendwelche Einträge wie Wasser (oder andere Einflüsse), gemessen. Der Nasssiedepunkt (NSP) wird mit Wassereintrag gemessen. Je nach Bremsflüssigkeitsklasse beträgt der Wasseranteil zur Ermittlung des NSP zwischen 3,2 bis 4,0 Prozent.

Warum und wie häufig müssen Bremsflüssigkeiten gewechselt werden?

Da Bremsflüssigkeit jedoch auch die Eigenschaft besitzt, Wasser aufzunehmen ("hygroskopische Wirkung"), ist die Betriebssicherheit nur auf bestimmte Dauer begrenzt. Ein weiteres Argument dafür, unbedingt die Herstellervorgaben zum Wechsel der Bremsflüssigkeiten einzuhalten.

Bremsflüssigkeiten sind wasseranziehend (hygroskopisch). Das bedeutet, dass sie im Laufe der Zeit Wasser aus der Umgebungsluft aufnehmen. Das kann zu Problemen führen und gefährlich werden. Wenn die Bremsflüssigkeit Wasser enthält und sich erhitzt, kann das Wasser verdampfen und es entstehen kleine Dampfblasen im Bremssystem. Diese Dampfblasen sind komprimierbar. Das bedeutet, dass sie den hydraulischen Druck des Bremspedals nicht mehr effizient weiterleiten können.

Ein weiteres Problem kann durch verunreinigte oder veraltete Bremsflüssigkeit entstehen, die ihre schützenden Eigenschaften verliert. Daher ist es wichtig, Bremsflüssigkeiten regelmäßig zu überprüfen und nach den vorgegebenen Intervallen des Fahrzeugherstellers auszutauschen. Als Faustregel gilt: Alle zwei Jahre sollte die Bremsflüssigkeit gewechselt werden.

Verschiedene Arten von Bremsflüssigkeiten

Bei einem Wechsel ist es außerdem wichtig, die richtige Bremsflüssigkeit zu verwenden.

Bremsflüssigkeit DOT 3

Diese ist aus europäischer Sicht eher den historischen Fahrzeugen vorbehalten. Denn manch europäischer Oldtimer und vor allem Youngtimer sind zu jung und haben bereits die Vorgabe, eine Bremsflüssigkeit DOT 4 zu verwenden. Sie zeichnet sich durch einen niedrigeren Siedepunkt im Vergleich zu höherwertigen Typen wie DOT 4 und DOT 5.1 aus. Das macht sie anfälliger für Dampfblasenbildung bei hoher Belastung. Sie ist für ältere Fahrzeuge ohne moderne Bremsregelsysteme wie ABS oder ESP geeignet. Die Bremsflüssigkeits-Einfüllkappe bei modernen Tesla-Modellen trägt zum Beispiel die Markierung „DOT 3“. Dies ist die Mindestanforderung und bedeutet nicht, dass hier nur DOT 3-Bremsflüssigkeit verwendet werden soll.

Bremsflüssigkeit DOT 4

Diese verfügt generell über einen höheren Trocken- (SP) und Nass-Siedepunkt (NSP) gegenüber DOT 3. DOT 4 Bremsflüssigkeiten sind nur seitens technischer Daten rückkompatibel zu DOT 3. Diese Bremsflüssigkeit ist für den Einsatz in allen Scheiben- und Trommelbremssystemen und je nach System/Herstellervorgaben auch in Kupplungssystemen von Kraftfahrzeugen geeignet, für die eine synthetische Bremsflüssigkeit dieser Spezifikation vorgeschrieben ist. Die Bremsflüssigkeit eignet sich auch für den Einsatz in ABS-Bremssystemen.

Bremsflüssigkeit SL6 DOT 4

Entwickelt für moderne Fahrzeuge mit Bremssystemen wie ABS und ESP. Ihre niedrige Viskosität sorgt für eine schnelle und präzise Reaktion des Bremssystems, besonders bei Kälte.

Bremsflüssigkeit DOT 5

Auf Silikon basierend und ursprünglich für militärische Zwecke, unter anderem aufgrund guter Alterungsstabilität, entwickelt. Im zivilen Bereich wird die DOT 5 teils in Harley-Davidson Motorrädern vorgeschrieben. Diese Bremsflüssigkeit bietet einen eher teigigen Druckpunkt und somit kein solides Ansprechverhalten. Daher ist die DOT 5 für Bremsregelsysteme wie ABS usw. nicht besonders gut geeignet. Eine silikonölbasierte Bremsflüssigkeit (ursprünglich für militärische Zwecke entwickelt), die nicht hygroskopisch ist, also keine Feuchtigkeit aufnimmt. Sie eignet sich besonders für Oldtimer oder klassische Motorräder wie einige Harley-Davidson-Modelle, jedoch nicht für Fahrzeuge, die mit DOT 3, DOT 4 oder DOT 5.1 betrieben werden. Sie sollte keinesfalls mit DOT 3, DOT 4 oder DOT 5.1 Bremsflüssigkeiten gemischt werden.

Bremsflüssigkeit DOT 5.1

Die niedrige Viskosität ist für schnell arbeitende Bremsregelsysteme wie ABS, ESP, DTC usw. Bietet durch ihre niedrige Viskosität schnelle Reaktionszeiten, ideal für moderne Bremsregelsysteme wie ABS und ESP. Sie zeichnet sich durch hohe thermische Stabilität aus und schützt zuverlässig vor Korrosion, was die Langlebigkeit des Bremssystems fördert.

Bremsflüssigkeit DOT 5.1 EV

Speziell für Elektrofahrzeuge entwickelt, bietet diese Bremsflüssigkeit eine hohe thermische Stabilität und ist auf die besonderen Anforderungen der elektrischen Antriebstechnik ausgelegt. Die Bremsflüssigkeit mit niedriger elektrischer Leitfähigkeit verfügt über einen ausgezeichneten Nass- und Trockensiedepunkt, dadurch wird auch nach gewisser Feuchtigkeitsaufnahme bei längerer Nutzungsdauer ein sicheres Bremsen gewährleistet. Sie unterstützt elektrische Bremssysteme und sorgt für maximale Sicherheit.

Bremsflüssigkeit Class 7

Deckt alle Anwendungen ab, die bisher von zwei unterschiedlichen Produkten (DOT4 SL6 und DOT 5.1) erfüllt wurden. Es übertrifft herkömmliche Bremsflüssigkeiten gemäß FMVSS (Federal Motor Vehicle Safety Standards) NR. 116 DOT 3, DOT 4.

Spezielle Bremsflüssigkeiten für Harley-Davidson

Wenn es um ihre Bremsen geht, benötigen Harleys einen ganzen besonderen Saft: Bremsflüssigkeit DOT 5 auf Silikonbasis. Die TRW-Lucas Bremsflüssigkeit DOT 5 rundet das große Spezialsortiment an Bremsbelägen, Bremsscheiben, Kupplungskits, Custom- und Sportlenkern für Harley-Davidson ab. Sie wurde gezielt für Fahrzeuge entwickelt, deren Bremssysteme Bremsflüssigkeit DOT 5 benötigen. Bremsflüssigkeit DOT 5 ist vorgeschrieben für nahezu alle Motorräder von Harley-Davidson und Buell ab etwa Baujahr 1976 bis 2004/2005 mit Original-Bremsanlagen.

Wichtige Hinweise

  • Bei der Wahl der passenden Bremsflüssigkeit sind die Vorschriften des Fahrzeugherstellers zwingend zu beachten!
  • Da Bremsflüssigkeit jedoch auch die Eigenschaft besitzt, Wasser aufzunehmen ("hygroskopische Wirkung"), ist die Betriebssicherheit nur auf bestimmte Dauer begrenzt. Ein weiteres Argument dafür, unbedingt die Herstellervorgaben zum Wechsel der Bremsflüssigkeiten einzuhalten.

Technische Daten im Vergleich

Bremsflüssigkeit Trockensiedepunkt (Minimum) Nasssiedepunkt (Minimum)
DOT 3 205°C 140°C
DOT 4 230°C 155°C
DOT 5 260°C 180°C
DOT 5.1 260°C 180°C

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