Anleitung: Bremsscheiben am Fahrrad selbst wechseln

Der Austausch der Bremsscheibe am Fahrrad ist entscheidend für Ihre Sicherheit. Bremsscheiben nutzen sich mit der Zeit ab, vor allem durch intensive Bremsvorgänge und Schmutz. Ratternde Geräusche, eine nachlassende Bremswirkung oder sichtbare Risse sind klare Anzeichen, dass ein Wechsel nötig ist.

Vorbereitung

Eine gute Vorbereitung ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Montage der Bremsscheibe am Fahrrad. Beginnen Sie, indem Sie das Fahrrad aufbocken, sodass das betroffene Rad frei dreht. Entfernen Sie dann das Laufrad, um ungehindert arbeiten zu können.

Für die Montage von Bremsscheiben am Fahrrad brauchen Sie einen Torx-Schlüssel, einen Drehmomentschlüssel und eventuell einen Inbusschlüssel. Zur Reinigung der Scheibe empfiehlt sich Isopropanol oder Bremsenreiniger. Passende Ersatzteile finden Sie im Fachhandel oder aber online. Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Bremsscheibe zu Ihrem Bremssystem - beispielsweise Shimano oder SRAM - und zur Größe Ihrer Laufräder passt. Viele Händler bieten auch Filterfunktionen, um die richtige Scheibe schnell zu finden. Lesen Sie außerdem die Angaben in der Bedienungsanleitung Ihres Fahrrads, um Fehler zu vermeiden.

Die Bremsscheibe selbst ist ein zentraler Bestandteil der Scheibenbremse. Sie wird mit dem Bremssattel und den Bremsbelägen zusammengepresst, um die Bewegung des Laufrads zu verlangsamen. Entsprechend ist es wichtig, dass Sie schon vor der Montage prüfen, ob alle Komponenten in gutem Zustand sind.

Reinigen Sie nun die Kontaktflächen an der Nabe gründlich, um eine perfekte Auflage der Scheibe zu gewährleisten.

Demontage der alten Bremsscheibe

Nach der Vorbereitung ist die Demontage der alten Bremsscheibe am Fahrrad der erste Schritt beim Austausch. Hier kommt es ganz auf das jeweilige System an. Ist Ihre Bremsscheibe mit einem Centerlock-System befestigt, benötigen Sie einen passenden Werkzeugaufsatz und einen Drehmomentschüssel. Bei 6-Loch-Bremsscheiben verwenden Sie einen Torx-Schlüssel, um die Schrauben zu lösen. Arbeiten Sie diagonal, um Spannung zu vermeiden.

Nach dem Entfernen der Schrauben oder der Mutter können Sie die alte Bremsscheibe abnehmen. Fällt das Abnehmen schwer, können Rostlöser, Kriechöl oder Erwärmung - beispielsweise durch einen Fön - helfen, Korrosion zu lösen. Reinigen Sie nun die Aufnahmefläche an der Nabe gründlich, bevor Sie die neue Bremsscheibe montieren.

Tatsächlich kann das Weglassen dieses Schrittes einige Probleme zur Folge haben. Darunter ein unsauberer Sitz durch Schmutz, Korrosion oder alte Rückstände.

Montage der neuen Bremsscheibe

Nachdem die Aufnahmefläche sauber ist, können Sie die neue Bremsscheibe montieren. Dafür sollten Sie zuerst die Bremsscheibe gründlich auf Schäden überprüfen. Achten Sie auf Risse, Verformungen oder starke Kratzer, die die Funktion beeinträchtigen könnten. Jetzt können Sie die Scheibe auf die Nabe setzen.

Bei einer 6-Loch-Bremsscheibe richten Sie die Löcher aus und schrauben die Scheibe mit den passenden Torx-Schrauben an. Bei einer Centerlock-Scheibe setzen Sie die Scheibe auf die Nabe und befestigen sie mit der Mutter. Auch hier sollten Sie die Mutter mit dem richtigen Drehmoment anziehen. Vermeiden Sie es, die Bremsscheibe direkt mit den Fingern zu berühren, da Fett von der Haut die Bremsleistung beeinträchtigen kann.

Einige Hersteller, wie zum Beispiel Shimano, legen ihren Scheiben noch spezielle Schraubensicherungen dazu. Diese verfügen über die Aufschrift „Top“.

Beim Auflegen der neuen Scheibe auf die Nabe ist unbedingt die korrekte Laufrichtung zu berücksichtigen. Diese ist oftmals mit einem Pfeil auf der Scheibe gekennzeichnet.

Anschließend werden die Schrauben soweit eingedreht, bis sich die Bremsscheibe noch ohne erhöhten Kraftaufwand bewegen lässt. Ziehen Sie die Schrauben anschließend über Kreuz leicht fest.

Das abschließende Anziehen der Schrauben erfolgt unbedingt unter Einhaltung der Herstellervorgaben zum optimalen Drehmoment.

Nacharbeiten und Überprüfungen

Nach der Montage der Bremsscheibe setzen Sie die Bremsbeläge in den Bremssattel ein. Achten Sie darauf, dass sie richtig ausgerichtet sind und gleichmäßig in den dafür vorgesehenen Halterungen sitzen. Richten Sie den Sattel so aus, dass er perfekt über den Bremsbelägen und der Bremsscheibe sitzt. Ziehen Sie die Befestigungsschrauben des Bremssattels mit dem richtigen Drehmoment fest und achten Sie darauf, dass der Sattel nicht verrutscht.

Nach der Montage der Bremsscheibe sollten Sie einige Nacharbeiten und Überprüfungen durchführen. Zuerst bringen Sie die Räder wieder an und ziehen die Radmuttern gleichmäßig und mit dem richtigen Drehmoment fest. Achten Sie darauf, dass keine Lecks an den Bremsleitungen auftreten. Anschließend führen Sie eine Funktionsprüfung durch.

Betätigen Sie die Bremsen vor der ersten Fahrt, um sicherzugehen, dass sie gleichmäßig und ohne Vibrationen greifen.

Wichtige Hinweise für die Montage

  • Werkzeug richtig wählen: Stellen Sie sicher, dass Sie das passende Werkzeug, wie einen Torx-Schlüssel und einen Drehmomentschlüssel verwenden.
  • Bremsscheibe richtig reinigen: Reinigen Sie die Bremsscheibe vor der Montage gründlich mit Bremsenreiniger, um Öl oder Fett zu entfernen.
  • Bremssattel richtig anbringen: Achten Sie darauf, dass der Bremssattel korrekt über den Bremsbelägen und der Bremsscheibe sitzt.
  • Funktionstest durchführen: Betätigen Sie die Bremsen vor der ersten Fahrt, um sicherzugehen, dass sie gleichmäßig und ohne Vibrationen greifen.

Bremsscheibensysteme: Centerlock vs. 6-Loch

Grundsätzlich gibt es momentan zwei verschiedene Befestigungsstandards: Centerlock und 6-Loch. Bei letzterem Standard werden - wie es der Name vermuten lässt - die Bremsscheiben mittels sechs Schrauben befestigt. Je nach Hersteller sollten diese mit 4-6 Nm angezogen werden (sowohl Manual für die Nabe als auch der Scheibe beachten). Auf den Schrauben befindet sich eine Schraubensicherung, damit sich die Bremsscheibe nicht lösen kann.

Centerlock kommt hingegen mit einem einzelnen Abschlussring aus, der mit demselben Tool montiert wird, das für die Montage einer Kassette oder Innenlager benötigt wird. Hier werden gut 40-50 Nm Drehmoment benötigt. Durch eine Verzahnung auf der Nabe und auf dem Abschlussring wird verhindert, dass sich die Bremsscheibe lockern kann. Das System ist also, genauso wie bei 6-Loch, absolut sicher und zuverlässig.

Vorteile von Centerlock: Einfachere Montage, da hier nur ein Verschlussring festgezogen werden muss, geht es deutlich schneller und entspannter. Das gilt natürlich nur, wenn man das passende Werkzeug hat. Je nachdem, welche Naben und Scheiben verwendet werden, kann manchmal auch ein leichter Gewichtsvorteil gegenüber 6-Loch-Systemen erreicht werden.

Nachteile von Centerlock: Die reduzierte Auswahl an Komponenten. Der Standard kommt ursprünglich von Shimano und so bieten hauptsächlich die Japaner passende Scheiben an. Auch bei den Naben ist längst nicht jeder Komponentenhersteller auf den Centerlock-Zug aufgesprungen.

Vorteile von 6-Loch: Große Auswahl an Naben und Bremsscheiben. Auch auf Alpenüberquerungen oder anderen längeren Touren sind sie im Grunde überlegen, da man sie mit den meisten Multitools (meistens wird ein T25-Torx benötigt) demontieren kann. Im Notfall findet man eine Schraube für 6-Loch Scheiben auch bedeutend leichter als den Verschlussring eines Centerlock-Systems.

Nachteile von 6-Loch: Montage dauert länger. Durch nicht korrektes Anziehen kann sich die Scheibe verspannen und zu Defekten führen kann. Außerdem hat sich schon der eine oder andere schon eines der sechs Gewinde in der Nabe kaputtgedreht.

Vergleich: 6-Loch vs. Centerlock

Merkmal6-LochCenterlock
AuswahlGroße Auswahl an Naben und BremsscheibenReduzierte Auswahl an Bremsscheiben und Naben
MontageMontage dauert längerEinfache und schnelle Montage
WerkzeugMontage per Multitool (meist Torx-25)Spezielles Werkzeug notwendig
Gewicht-Eventueller Gewichtsvorteil
ErsatzteileErsatzschrauben leicht zu beschaffen-
KompatibilitätMit Adapter auch 6-Loch Bremsscheiben möglichFür verschiedene Achsen werden unterschiedliche Abschlussringe benötigt
BeschädigungsrisikoHöhere Wahrscheinlichkeit, ein Gewinde zu beschädigen-

Bremsscheibendurchmesser

Hinsichtlich der Größe haben sich 140, 160, 180 und 200mm Bremsscheiben durchgesetzt.

  • 140mm: Für Rennräder und Cyclocrosser, bei geringem Fahrergewicht (<80 kg).
  • 160mm: Bei Cross-Country Fahrern zum Einsatz, da sie einen guten Kompromiss aus Bremskraft und Gewicht darstellen.
  • 180mm: Für Trail-Touren bewährt.
  • 200mm: Für kräftigere Fahrer oder Enduro-Fahren. Auch E-Bikes werden häufig mit 200mm Scheiben ausgestattet.

Allgemein gilt also, je abfahrtsorientierter, desto größer die Bremsscheibe.

Spezielle Technologien

Bei Shimano nennt sich das Ergebnis Ice-Tech. Diese Scheiben zeichnen sich durch zweiteilige Bremsscheiben aus. Ein Aluminiumträger im Zentrum, der als Spider fungiert und deutlich bessere Wärmeleitfähigkeit aufweist, nimmt einen Reibring aus Stahl auf. Dadurch sollen die Scheiben deutlich hitzebeständiger und geräuschärmer sein. Zudem beugt die zweiteilige Konstruktion einem ungünstigen Verformen bei hohen Temperaturen vor.

Auch der britische Hersteller Hope setzt auf zweiteilige bzw. sogar dreiteilige Scheiben aus Spider und zwei Reibringen. Die Reibringe sind dabei schwimmend gelagert und weisen einen schmalen Luftschlitz zwischen ihnen auf. Dadurch kann die Luft noch besser zirkulieren, was zu einer extrem guten Kühlperformance führen soll.

SRAM setzt bei seinen Scheiben auf die sogenannte Centerline-Technologie. Der Reibring ist hier durch sehr lange Aussparungen geteilt, die fast ringsherum gehen. Dadurch werden die Scheiben nicht nur leichter, sondern das Reibzentrum bleibt während der Radumdrehung durchgehend konstant. Das beugt nervigen Geräuschen vor, reduziert Vibrationen und sorgt für mehr Performance.

Benötige ich irgendwelche speziellen Adapter?

Es gibt International Standard- (IS), Postmount- (PM) und Flatmount-Bremszangen. Jeder Standard hat dann seine eignen Adapter, um verschiedene Scheibengrößen zu verbauen.

  • Beim IS-Standard ist die Aufnahme ohne Adapter für 140mm Scheiben geeignet.
  • Auch Flatmount-Aufnahmen starten bereits bei 140mm ohne Adapter.
  • Bei Standard PM-Aufnahme (6 Zoll) passen hingegen erst 160mm Bremsscheiben ohne Adapter.
  • Manche Rahmen haben einen standardmäßigen 200mm PM-Aufnahme (8 Zoll).

Mit den passenden Adaptern kann man nun jeden der Standards auf die gewünschte Scheibenbremsengröße hin anpassen.

Was muss ich bei der Montage beachten?

Egal ob 6-Loch- oder Centerlock-Bremsscheibe - es ist extrem wichtig, immer auf die Montagerichtung der Scheibe zu schauen. Die meisten Bremsscheiben haben nämlich eine Laufrichtung, bei der die volle Stabilität gewährleistet werden kann.

Bei 6-Loch-Schrauben sollte man außerdem darauf achten, die einzelnen Schrauben bei der Montage immer über Kreuz festzuziehen. Dadurch beugt man einer Verspannung der Scheibe vor, was sich ansonsten ebenfalls negativ auf deren Stabilität auswirken könnte.

Die oben genannten Drehmomente sollten natürlich immer beachtet werden, was auch für Centerlock-Scheiben gilt. Zudem sollte man an der Bremse immer mit sauberen Fingern arbeiten, da man sonst erst die Bremsscheibe und anschließend die Bremsbeläge unbrauchbar verschmutzen kann. Vor allem Öle und Fette sind hier natürlich problematisch.

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