Der Sattel ist der wichtigste Kontaktpunkt zwischen Fahrer und Bike, und mit dem Brooks Cambium C13 haben die Briten einen Klassiker geschaffen, den man überall zu sehen bekommt. Wer für sein Rennrad einen Sattel in klassischer Optik sucht, für den könnte das Modell Cambium C13 von Brooks eine Option sein. Vom alten Retro-Stahl-Racer bis hin zum modernsten Carbon-Geschoss - alle Bikes profitieren vom Komfort, Style und der Performance.
Brooks Cambium C13: Ein Klassiker im Test
Aktuell gibt es von dieser Serie 16 verschiedene Varianten mit und ohne Aussparung, unterschiedlichen Gestellen und Satteldecken aus diversen Materialien. Unser Testmodell hat eine ebene, geschlossene Satteldecke aus wetterfestem Naturkautschuk und ist in 131, 145 und 158 Millimeter Breite erhältlich. Das Gestell mit hochovalem Querschnitt besteht aus Carbon.
Design und Komfort
Bereits beim Auspacken lernt man den Charme und Style kennen, den Brooks verkörpert. Direkt fällt die neue All-Weather-Beschichtung ins Auge, die nicht wie zuvor matt und sehr rau, sondern tiefschwarz und leicht glänzend ist, und sich deutlich glatter anfühlt. Dadurch, dass der Brooks-Sattel zu den Seiten stark abfällt, fühlt er sich selbst in der breitesten Variante sehr schmal an und erzeugt einen deutlichen Druckpunkt im Dammbereich. Sitzknochen mit bis zu 13 Zentimetern Abstand werden darauf gerade noch ausreichend unterstützt. Das Druckgefühl verstärkt sich entsprechend bei sehr gestreckter Sitzposition.
Insofern bietet der klassische Sattel den besten Fahrkomfort für schmal gebaute Radfahrer, die in relativ aufrechter Haltung auf ihrem Rennrad unterwegs sind. Oft wurde die scharfe Kante an der Seite bemängelt, die in der Vergangenheit Bibshorts zum Frühstück verspeiste - sie ist jetzt verschwunden und auch die winterlichen Ausfahrten konnten bestätigen: Das Problem gehört der Vergangenheit an! Da freuen sich das Gesäß und der Geldbeutel!
Die All Weather-Variante
Bei der neuen All Weather-Variante des C13 ist die Naturkautschuk-Satteldecke mit einem Nylon-Cover bezogen, das vor den Einflüssen der Elemente schützen soll. Der bewährte Komfort der flexiblen Naturkautschuk-Satteldecke bleibt und der C13 All Weather ist als Standard- oder Carved-Variante mit Cutout erhältlich. Um den perfekten Fit zu bieten, kommt der C13 in drei Breiten: 131 mm, 145 mm und 158 mm.
Es sei angemerkt, dass die neue Beschichtung der Satteldecke außerdem dazu beiträgt, dass der C13 weniger ausbleicht. Über die Zeit wird auch die All Weather-Variante ihre Patina erhalten, aber sie wird deutlich weniger unter der Sommersonne leiden. Zurück vom letzten Gravel-Ride ist die Bike-Wäsche eine wahre Freude, denn der Dreck lässt sich jetzt spielerisch vom Sattel entfernen. Und leidet der Grip auf dem Sattel durch die neue Beschichtung? Die Antwort ist ein klares Nein.
Technische Details und Gewicht
Die ovalen Carbon-Rails sind auch identisch mit dem Vorgänger und bringen das Gewicht des Sattels auf stolze 280 g in der 145-mm-Variante. Mit 285 Gramm ist er etwa doppelt so schwer wie aktuelle Konkurrenzmodelle bei Rennrad-Sätteln zu Preisen um 200 Euro, jedoch nicht schwerer als die Klassiker vergangener Zeiten.
Weitere Rennradsattel im Vergleich
Beim Thema Rennradsattel verblüfft die Vielfalt, die sich dem komfortinteressierten Käufer bietet. Zwar gibt es nach wie vor ultraleichte »Folterbänke«, wie man sie von früher kennt. In den letzten dreißig Jahren, seitdem der Mountainbike-Boom der Neunzigerjahre für einen ordentlichen Innovationsschub auch bei den Sätteln sorgte, hat sich jedoch viel getan. Der Markt ist größer geworden, die Hersteller haben diversifiziert.
Die Qual der Wahl
So richtig viel kann man an einem Sattel ja streng genommen nicht testen, könnte man meinen - es ist ja nicht viel dran. Genauso könnte man aber auch sagen, es gäbe keine eklatanten Unterschiede bei Sofasesseln - zudem ist der Sattel neben Lenkergriffen und Pedalen das entscheidende Verbindungsteil zwischen Fahrer und Fahrrad und trägt damit nicht unwesentlich zum Gelingen einer Tour bei. Wie so oft bei Fahrradausrüstung ist mehr ausgeben immer möglich - es gibt auch ultraleichte Carbonsättel für mehr als 400 Euro, die dann sogar die 100-Gramm-Grenze locker knacken.
Bei Sätteln für Rennräder gibt es einige Faktoren zu beachten - wir haben uns auf Form, Breite, Gestänge und Polsterung konzentriert. Und doch werden die Sattelentwickler nicht müde, auch hier zu experimentieren. Das Ergebnis ist eine Vielfalt an Sattelformen. Wir schrieben bereits über die Form - die Sattelbreite ist unmittelbar damit verbunden. Bereits vor einem Vierteljahrhundert machten sich Hersteller wie SQlab und Specialized daran, ihre Sättel in verschiedenen Breiten anzubieten. Der Grund ist einleuchtend: Nicht jedes Gesäß ist schließlich gleich.
Sattelbreite und Sitzknochenabstand
SQlab entwarf einen speziellen Hocker, mit dessen Hilfe der Abstand der Sitzknochen bestimmt werden kann. Hokuspokus, dachten viele am Anfang - doch die Breitenauswahl entsprechend den Sitzknochen macht speziell bei Radfahrern, die buchstäblich viel im Sattel sitzen, durchaus Sinn. Denn der Komfortunterschied in Sachen Sitzposition zu einem Standardsattel ist, zumindest bei richtiger Auswahl, frappierend.
Materialien und Polsterung
Sattelgestänge ist nicht gleich Sattelgestänge! Wie bei anderen gewichtskritischen Fahrradteilen auch bestehen die dünnen Stangen, mit denen Fahrradsättel auf der Sattelstütze befestigt werden, aus den unterschiedlichsten Materialien. Allen Materialien ist gemein, dass sie relativ verwindungssteif sind und die Schläge, die auf den Sattel einwirken, abfedern bzw. Polster ist nicht gleich Polster: Das gilt nicht nur beim Sofa. War vor 20 bis 30 Jahren, wie bei Laufschuhen auch, ein Gel-Einsatz der große Hit, ist es heute statt Gel eher eine ausgeklügelte Schaumstoffpolsterung aka »Memory Foam«. Weniger empfehlenswert sind Sättel, die komplett aus einem Material aufgeschäumt wurden.
Beispiele anderer getesteter Sättel
Die Italiener können einfach Sattel - bei der Anzahl an Stunden, die die Radfahrernation auf Fahrrädern aller Art verbringt, kein Wunder. Dass Fizik besonders bei innovativem Design die Nase recht weit vorn hat, gilt nach wie vor und auch für den Vento Antares R5. Zusammen mit der Wingflex-Technologie, bei der sich die »Ecken« des Sattels der Fahrbewegung anpassen, gehört der Vento Antares R5 darüber hinaus zu den komfortabelsten Rennradsätteln im Test. Beim Gestänge gibt Fizik lediglich »Alloy« an, was so viel wie Legierung heißt. Nicht zuletzt ist der Vento Antares R5 ein sehr breit einsetzbares Sattelmodell. Egal, ob Gelegenheitsrennradler oder ambitionierter Halbprofi, mit dem Sattel unterwegs zu sein, macht einfach Spaß.
Pro, ein Tochterunternehmen von Shimano, bringt mit dem Stealth Curved Team einen kompromisslos auf Rennrad-Performance frisierten Sattel auf den Markt. Mit mageren 164 Gramm richtet sich der Sattel also an Rennradfahrer, die das Gewicht ihres Rads auf ein Minimum drücken wollen. Trotzdem ist die EVA-Polsterung komfortabel genug, um auch auf langen Ausritten Spaß zu haben und dabei nicht zu weich. Ein schwammiges Gefühl, wie wir es bei vielen günstigeren Satteln verspürt haben, kommt jedenfalls nicht auf - und auch keine dadurch verursachten unangenehmen Druckstellen. Die große Aussparung sorgt für spürbare Entlastung - kein Hokuspokus eben.
SQlab ist schon seit Jahrzehnten ein Begriff für ergonomische Fahrradausrüstung - speziell mit komfortablen Griffen und Sätteln hat sich das Unternehmen aus Taufkirchen bei München einen Namen gemacht. Im Test erledigt der 612 Ergowave erstaunlich unauffällig seinen Dienst. Genau so soll es sein - hier drückt und zwickt nichts, hier bilden sich keine unangenehmen Knicke oder Scheuerzonen, das Gewicht verteilt sich optimal. Auffällig ist die S-Form des Sattels. Das Heck liegt deutlich höher als die Front, dazwischen liegt eine »Mulde« von SQlab liebevoll »Dip« getauft.
Ergon setzt beim SR Allroad Core Comp auf Technik aus dem Hause BASF. Richtig gelesen, der Chemieriese aus Mannheim hat seine Fühler schon lange auch Richtung Outdoor-Markt ausgestreckt. Bei einem flüchtigen Blick unterscheidet sich der Ergon SR Allroad Core Comp wenig von Modellen wie dem SQlab oder Terry. Bei genauerer Betrachtung fällt zudem die Zwischenschicht zwischen Obermaterial und Unterbau auf. Hier kommt das bereits erwähnte »Infinergy«-Material zum Einsatz, das beispielsweise auch bei Adidas-Laufschuhen verwendet wird.
Der Decathlon Fahrradsattel Unisex Light 145 mm bietet ein Rundum-Sorglos-Paket für sportlich orientierte Einsteigerinnen und Einsteiger. Der relativ straff abgestimmte Sattel richtet sich an Rennradfahrer und Mountainbiker gleichermaßen. Zum Rennradfahren eignet er sich deutlich besser, mit wenig mehr als 250 Gramm ist der Decathlon für einen Sattel dieser Preisklasse auch (noch) angenehm leicht. Was das Design und den Sitzkomfort angeht, steht der Decathlon teureren Sätteln nur unwesentlich nach.
Nur 170 Gramm bringt der Natural Fit Nuance Road auf die Waage - ein toller Wert angesichts dessen, was der Sattel bietet. Wir setzen den Sattel auf Strecken bis 130 Kilometern ein. Natural Fit stattet den Sattel mit seiner Flex-Motion-Split-Sattelschale aus, die unangenehme Reibung an der Innenseite der Oberschenkel vermeiden soll - das können wir unterschreiben. Uns hat der hohe Komfort verblüfft, das Sitzfleisch beschwert sich auch bei langen Touren nicht wegen zu hoher Belastung.
»Fördert Männergesundheit« lesen wir im Produkttext von Ergon über den SR Pro Carbon Men - das lässt sich auf vielerlei Weise interpretieren. Wir überlegen nicht lange und starten auf eine längere Ausfahrt - und sind sofort angetan. Das etwas hochgezogene Heck stützt den Lendenwirbelbereich auf angenehm unauffällige Weise, das, was Ergon mit »Männergesundheit« meint, fühlt sich ebenfalls gut an. Gelungen ist auch das Carbongestänge, trotz der insgesamt recht straffen Abstimmung macht die Druckverteilung einen hervorragenden Eindruck, was an Ergons Ortho-Cell-Einsätzen liegen dürfte. Wie viele andere Sättel wird auch der SR Pro Carbon in zwei Breiten angeboten, im Test hatten wir die (breitere) Variante M/L.
Im Test setzen wir den in drei verschiedenen Breiten erhältlichen Sattel von Bontrager auf einigen MTB- und Rennradtouren bis etwa 80 Kilometer Länge ein und erfreuen uns seines homogenen Sitzkomforts. Hier ist nichts zu weich, aber auch nichts zu hart. Sofort können wir uns vorstellen, den Sattel auch auf der Langstrecke weit jenseits von 100 Kilometern einzusetzen. Wie sein »Bruder« Vento Antares R5, der im Test eine Empfehlung bekommen hat, stellt der Tempo Aliante R5 ein gelungenes und vor allem bezahlbares Stück Satteltechnik des italienischen Rennrad-Ausstatters Fizik dar. Im Gegensatz zum Vento richtet sich der Tempo eher an die Ausdauer-Fraktion.
Der Terry Fly Arteria Men war der erste Sattel, den wir unter die Lupe nahmen. Der 79,90 Euro (UVP) teure Sattel, der mit einem robusten Chrom-Molybdän-Gestänge angeboten wird, durfte uns gleich mal bei einer höhenmeterreichen Alpenüberquerung mit einem Brompton-Klapprad begleiten. Kurz gesagt, wir waren auf Anhieb begeistert - und wollten den Sattel gar nicht mehr wechseln. Terry ist schon ein paar Jahre auf dem Markt und hat an seinen Produkten gefeilt. Im Falle des Fly Arteria Men ist ein sehr komfortabler, ausgewogen gedämpfter und nicht zu schwammiger Sattel herausgekommen, der eine breite Käuferschicht anspricht.
Der Pro Stealth Sport AF ist sozusagen der kleine Bruder des ebenfalls getesteten und prämierten Stealth Curved Team. Statt des Carbongestänges beim großen Bruder kommt hier Stahl zum Einsatz, die Polsterung besteht aus Polyurethan (beim Stealth Curved Team ist es hochwertigeres EVA).
Radsport-Vollausstatter Rose bringt mit dem Race R1 ein Budget-Modell auf den Markt, der die Konkurrenz rein preislich ordentlich unter Druck setzt. Gleich der erste Blick auf die Produktdetails im Netz offenbart, dass Rose den Sattel nicht speziell für Rennradfahrer, sondern in erster Linie für den Einsatz auf dem MTB konstruiert hat. Für den reinen Rennradeinsatz ist der Sattel unserer Meinung nach nur bedingt, und wenn, dann nur für Einsteiger geeignet. Die Druckverteilung ist für längere Strecken nicht ganz optimal. Zwar gibt es den Sattel in zwei verschiedenen Breiten, auf unseren beiden 75 bzw. 50 Kilometer langen Teststrecken hätten wir uns jedoch eine etwas bessere Entlastung der Sitzknochen und eine ausgewogenere Dämpfung gewünscht.
Der Wittkop Medicus Twin 7.0 hat uns überrascht. Um dem Wittkop ein wenig auf die Sattelstreben zu klopfen, montieren wir ihn aufs Rennrad und testen ihn auf dem Rollentrainer - kurz nachdem wir mit dem Fizik Vento Argo R5 einen deutlich teureren Sattel testeten. Gleich mehrere Tage lassen wir den Wittkop anschließend auf dem Trekkingrad und nehmen Fahrten bis 30 Kilometer unter die Reifen. In diesem Distanzbereich fühlt sich der günstige Sattel wohl - für längere Distanzen würden wir hingegen zu einem technisch ausgereifteren Modell wie dem Terry raten.
Im Testfeld liegt der Specialized Phenom Expert mit seiner UVP von 150 Euro im obersten Preissegment. Für diese Investition bekommt man ein sehr sauber und ordentlich verarbeitetes Produkt - man merkt, dass Specialized mit den Jahren eine umfangreiche Expertise im Bereich ergonomischer Fahrradsättel aufgebaut hat. Der Phenom Expert hat eine carbonverstärkte Schale mit leicht flexiblen Kanten, ein Gestell aus Titan und bietet durch die PU-Schaumstoffpolsterung einen für unseren Geschmack guten Kompromiss zwischen Komfort und Kontrolle. Auch bei der Oberfläche gelingt Specialized der Spagat zwischen reibungsarm und nicht zu rutschig, sehr gut. Clever gelöst: Zwei in dem hinteren Bereich der Sattelschale eingearbeitete Gewinde ermöglichen das direkte Anschrauben von SWAT-Zubehör (z. B. die Bandit-Schlauchhalterung und Reserve-Rack-Flaschenhalterung).
Brooks hat mit dem C13 eine moderne Legende geschaffen. Wahrer Pioniergeist hört aber nie damit auf, Gutes noch besser zu machen. Die neue All Weather-Variante des C13 Cambium eliminiert Schwächen des Klassikers und bringt mit dem Wetterschutz ein tolles neues Feature.
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