Bunny Hop Hardtail Anleitung: So gelingt der perfekte Sprung

Airtime ist vermutlich das beste Gefühl, das man ergattern kann - in vielen Fun-Sportarten, doch besonders im Mountainbiken. Über einen Jump zu schanzen, in die Luft zu fliegen, das Gefühl der Schwerelosigkeit zu erleben, um danach wieder kontrolliert zu landen - das erzeugt Glücksgefühle.

Knackpunkt: Um einen Sprung kontrolliert hinzukriegen, brauchst du Skills, Übung und Risiko-Toleranz. Als wäre das nicht schon schwer genug, erfordern hohe Sprünge noch mehr Erfahrung. Denn: Es springen zwar viele Mountainbiker, doch richtig springen (mit viel Airtime) schaffen die wenigsten.

Warum ist das so?

Wir fragten Fahrtechnik-Experten Stefan Herrmann. Hier sind seine Einsichten und Tipps, um deine Sprungtechnik zu verbessern:

Die Bedeutung der Wiederholungszahl

Die Wiederholungszahl ist der Schlüssel zum Erfolg. Je höher, desto besser. Um gut Springen zu können, musst du verdammt viel springen - so einfach! Das andere Erfolgsrezept: eine langsame Steigerung. Das ist ein Prozess, der Jahre dauern kann und im Prinzip nie endet.

Die Rolle des Materials

Das Bike spielt eine Rolle. Ich bin in der letzten Zeit mit meinem Bigbike Canyon Sender gefahren und sprang damit oft zu kurz und verlor Schwung. Bigbikes sind schlichtweg träger und erfordern viel mehr Körpereinsatz auf flacheren Jumpstrecken wie z. B. die “99 Jumps” in Schladming. Dann wechselte ich auf das agilere Torque, ein Enduro-/Freeride-Bike, und schaffte es in die Landung.

Nahm der Speed und die Sprungweite allerdings zu wie z. B. auf der Vink-Line in Chatel, musste ich mit dem Enduro viel vorsichtiger sein. Denn das Bike ist kürzer. Deswegen hast du in der Luft weniger Bewegungsspielraum und bist schneller im Grenzbereich. Material ist neben dem Könnensstand also auch ein großes Thema.

Selbstvertrauen ist entscheidend

Es geht nicht ohne. Ich predige schon seit 25 Jahren: Bewegungsbild vor Bewegungsausführung. Sprich: Du musst den Sprung “sehen”, ihn dir zutrauen, erst dann bist du locker und entspannt genug, um ihn auch wirklich zu springen. Du musst dich wohl fühlen - das ist die Voraussetzung, um aktiv abzuspringen. Und der Absprung ist das A und O für Flugphase und Landung.

Es geht also immer darum: locker bleiben, locker bleiben, locker bleiben. Sonst verkrampfst du und die Airtime wird zum Deadsailor.

Wann passiert der Deadsailor?

Immer dann wenn sich die Leute überfordern, den Sprung erzwingen, sich unwohl fühlen und es dennoch wagen. Wer sich zu viel Druck macht oder zu unachtsam ist, kriegt unweigerlich Probleme.

Das Motto beim motorischen Lernen lautet: erst etwas ändern, wenn man einen Automatismus erreicht hat. Das heißt: ruhiger Atem, Ruhepuls, Kopf entspannt, Muskeln entspannt. Erst dann kann ich mich an einen größeren Sprung ran wagen. Nicht zuvor! Das wäre leichtsinnig.

Der Einfluss von Erfahrung

Beim ersten Run kannte man die Situation nicht und war deswegen zögerlich aus Vorsicht, vielleicht sogar etwas verkrampft aus Angst. Deswegen gelang der aktive Absprung nicht, denn für ihn brauchst du Selbstvertrauen. Mit weiteren Runs stellte sich das Selbstvertrauen ein und siehe da: schon schaffte man es in die Landung.

Tipps zum Springen lernen

Geduld. Die Leute wollen zu viel. Sei ehrlich zu dir, deine Selbsteinschätzung muss stimmen. Erst dann kommt Selbstvertrauen. Das bemerke ich immer wieder in meinen Fahrtechnik-Kursen. Doch das geht nicht. Aber sie sind natürlich getrieben von den Medien, Insta, FREERIDE usw. Der gesellschaftliche Leistungsdruck überträgt sich auch in den Freizeitsport. Jeder will wie Jaxson Riddle durch die Luft stylen, selbst wenn man nur 2-3 Mal im Jahr im Bikepark fährt.

Um Springen zu lernen, eignen sich besonders Bikeparks wie zum Beispiel in Oberammergau oder Leogang.

Was ist gute Übungsjumps für Einsteiger?

Tablesprünge, die du gut einsehen kannst. Wie die Table-Line im Bikepark Geisskopf. Das sind ideale Lern-Sprünge. Mein Tipp: Rolle die Line erst mal durch ohne abzuspringen. Damit glühst du Körper und Geist vor. So trainieren BMXer. Ist dir ein Sprung gut gelungen, nimm dir die Zeit, um kurz die Augen zu schließen und die Bewegung noch einmal durchzugehen. Das festigt das Bewegungsmuster.

Das Geheimnis der Airtime

Sich Zeit lassen. Sich langsam, Schritt für Schritt steigern. Im Zweifel Nein sagen. Ich bin da sehr konsequent. Wenn ich einen Sprung nicht “sehe”, den ich auch schon öfter gesprungen bin, lass ich es sein. Ich spüre in mich hinein. Es gibt Tage, da klappt alles. Und es gibt die Tage, da klappt nix. Auch dafür sollte man sensibilisieren, denn ein Sturz wirft dich im Lernprozess zurück - selbst wenn du dich dabei nicht verletzt hast. Doch dein Selbstvertrauen kriegt immer einen Knacks ab, sprich: Dein Airtime-Vertrauen ist verunsichert.

Bunny Hop Anleitung Schritt für Schritt

Nachdem Du die Basics in Sachen MTB-Fahrtechnik beherrschst und einen Trail mit viel Flow fahren kannst, ist es nun Zeit, sich weitere Techniken wie zum Beispiel einen Bunny Hop oder einen Wheelie anzueignen. Ziel ist es, noch mehr Spaß auf dem Mountainbike zu haben! Das schönste nämlich - neben einem Trail mit vielen Kurven und Anliegern - sind Trails mit viel „Airtime“.

Der Bunny Hop ist ein echter Klassiker und stammt aus der MTB-Gründerzeit. Eigentlich sollte ihn jeder Mountainbiker beherrschen.

  1. Anrollen: Auf das Hindernis in Grundposition (siehe Mountainbike-Fahrtechnik Teil I) mit nötiger Geschwindigkeit anrollen.
  2. Schwerpunkt senken: Vor dem zu überspringenden Hindernis den Schwerpunkt durch Beugen der Ellenbogen und Knie nach unten bringen.
  3. Absprung einleiten: Durch kraftvolles Abdrücken der Beine auf den Pedalen und Aufrichten des Oberkörpers wird der Absprung eingeleitet. Achtung: Bei einem Fully federt zunächst das Fahrwerk etwas ein!
  4. Schwerpunkt nach hinten: Zu Beginn des Absprungs den Schwerpunkt etwas nach hinten verlagern - so hebt zunächst das Vorderrad ab.
  5. Hüfte vor: Ist das Vorderrad in der Luft, die Hüfte Richtung Lenker schieben und die Arme nach vorne drücken - so wird das Hinterrad angehoben.
  6. Knie abwinkeln: Durch gleichzeitiges Anwinkeln der Knie gewinnt das Hinterrad an Höhe. Dies kann jedoch an die Höhe des Hindernisses selbst angepasst werden. Je höher das Hindernis, umso stärker sollten die Arme nach vorne gedrückt und die Knie angewinkelt werden.
  7. Beine strecken: Am Scheitelpunkt die Beine wieder strecken, um die Ladung später abfedern zu können.
  8. Grundposition: Kurz vor der Landung wieder zurück in die Grundposition.
  9. Aufprall abfangen: Die Energie des Aufpralls durch Anwinkeln der Knie und Ellenbogen absorbieren.
  10. Landung: Die Landung selbst sollte gleichzeitig mit Vorder- und Hinterrad erfolgen.

Für den Bunny Hop ist entsprechende Körperspannung sowie das richtige Timing wichtig.

Weitere Sprungtechniken

Der Drop

Der Drop ist die einfachste Form eines Sprunges. Auf die Absprungkante mit ausreichender Geschwindigkeit zurollen.

Die Kante des Drops sollte nicht der höchste Punkt sein - deshalb erst kurz vor dem Absprung zum einleitenden Bunny Hop ansetzen. Die Landung sollte auf beiden Rädern gleichzeitig erfolgen.

Achtung! Taste Dich langsam an Drops heran. Fange mit kleinen Höhen an und steigere Euch Stück für Stück. Ideal sind Bordsteinkanten oder kurze Treppen, um das richtige Timing zu üben. Bei höheren Drops sollte die Landung unbedingt schräg am Berg erfolgen.

Sprung über einen Double oder einen Table

Noch mehr „Airtime“ als ein Drop verspricht ein Sprung über einen Double oder einen Table. In Grundposition mit nötiger Geschwindigkeit anrollen - diese darf weder zu langsam noch zu schnell sein, um die Landung optimal zu treffen.

Kurz vor der Absprungkante wie beim Bunny Hop aktiv abspringen.

Nach dem Absprung den Schwerpunkt Richtung Grundposition bringen.

Ist der Drop höher, sollte die Landung nicht im Flachen liegen.

Tipp: Gerade der Sprung über einen Double erfordert etwas Überwindung, da Absprung und Landung durch ein sogenanntes Gap getrennt sind. Fang am besten auf kleinen Tables an. Hier gibt es kein furchteinflößendes Gap und eine zu kurze Landung hat keine weiteren Folgen.

Weitere Manöver

Hinterrad versetzen

Sehr enge Kurven kann man mit dem Mountainbike am besten fahren, in dem man das Hinterrad versetzt.

  1. Kurve möglichst weit innen anfahren.
  2. Durch entsprechendes Einschlagen des Lenkers das Vorderrad in Position bringen.
  3. Zeigt das Vorderrad in Fahrtrichtung, vorsichtig die Vorderradbremse ziehen.
  4. Gleichzeitig - ähnlich wie beim Bunny Hop - die Füße kraftvoll in die Pedale stoßen, um das Hinterrad zum Steigen zu bringen.

Wichtig: Die Bremse sollte nur zur Unterstützung dienen. Der eigentliche Impuls, um das Hinterrad in die Luft zu bringen, kommt aus den Beinen.

Durch Körperspannung und durch Drehen des Körpers in die entsprechende Richtung wird die Drehung des Bikes auf dem Vorderrad eingeleitet.

Kurz bevor das Hinterrad parallel zum Vorderrad steht, Bremse lösen.

Der Wheelie

Der Wheelie beeindruckt nicht nur, sondern kann auch nützlich sein - um zum Beispiel Bodenwellen schnell auf dem Hinterrad abzusurfen oder die Balance zu trainieren.

  1. In Schrittgeschwindigkeit anrollen.
  2. Der Gang sollte weder zu hoch noch zu niedrig eingestellt sein.
  3. Um das Vorderrad zum Steigen zu bringen, den Oberkörper zuerst nach vorne verlagern.
  4. Durch gleichzeitiges Antreten und Verlagerung des Oberkörpers nach hinten steigt das Vorderrad.
  5. Das Vorderrad nun so weit nach oben bringen, dass der Schwerpunkt direkt über dem Hinterrad liegt.

Während des Vorgangs ist der Rücken gerade; ein Finger liegt auf der Hinterradbremse.

Die Höhe des Vorderrads halten. Sinkt es ab, entweder etwas kräftiger antreten oder den Schwerpunkt weiter nach hinten verlagern. Steigt es zu weit, kann durch sanftes Ziehen der Bremse das Vorderrad wieder abgesenkt werden.

Seitliche Balance halten!

Noch ein Tipp zum Schluss: Gerade die letzten zwei Techniken erfordern viel Gefühl und vor allem Übung. Man kann es also nicht oft genug sagen: Nur Übung macht den Meister!

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