Büse Open Road II Motorrad Textiljacke: Ein umfassender Testbericht

Motorradhandschuhe gehören wie Helme, robuste Stiefel oder Schuhe mit Protektoren zur persönlichen Schutzkleidung. Sie zeichnen sich durch abriebfeste Materialien aus Kunstfasern und/oder Leder mit aufgesetzten oder eingearbeiteten Protektoren an besonders gefährdeten Bereichen wie der Handkante oder den Fingerknöcheln aus. Ob sie mit kurzer oder langer Stulpe und mit oder ohne atmungsaktive sowie wasserdichter Membran ausgerüstet sind, ist Geschmackssache und hängt vom individuellen Einsatzzweck ab.

Die Modellvielfalt ist groß und reicht vom leichten und knapp geschnittenen Handschuh für Offroad-Fahrten hin zum dick gepolsterten und wasserdichten Winterhandschuh. Die hier getesteten 9 wasserdichten Tourenhandschuhe müssen ein kleines Kunststück vollbringen, da sie einen relativ weiten Einsatzbereich abzudecken haben. Die Hände sollen weder zu warm noch zu kalt werden - etwas Futter und Membran bedeutet aber zusätzliches Material.

Gleichzeitig soll ein möglichst enger Sitz mit Bewegungsspielraum und guter Fingerfertigkeit für die Bedienung aller Hebel und Schalter am Lenker gegeben sein. Zudem sollte das Navigationsgerät zumindest rudimentär bedienbar sein, ohne die Handschuhe ausziehen zu müssen.

Der Büse Open Road Touring Handschuh im Test

Der Büse Open Road Touring ist beinahe rundum perfekt gelungen. Er wird mit langer Stulpe durch zwei Klettriegel sicher fixiert. Die Passform ist für die Testhände beidseits sehr gut. Trotz Fütterung konnte der Hersteller die Fingerfertigkeit erhalten.

Blinker, Lichtschalter und Hupe lassen sich gut ertasten - die Schaltflächen des Navigationsgerätes zielsicher betätigen. Auch das Smartphone-Display (ohne Schutzfolie) reagiert auf Berührung. Die Beweglichkeit von Fingern und der gesamten Hand ist ausgezeichnet.

Hebel sind gut erreichbar und lassen sich ermüdungsfrei bedienen und unter der Dusche zeigt der „Open Road“ eine Stärke und bleibt dicht.

Alternativen zum Büse Open Road Touring

  • Held Bilbao WP: Der Held Bilbao WP greift nur knapp am Testsieg vorbei. Der Motorradhandschuh Held Bilbao WP passt wie angegossen. Schnitt, Proportionen und Stretch-Einsätze an den Fingern ergeben eine perfekte Passform, die Beweglichkeit am Lenker und während der Fahrt ist uneingeschränkt. Die Fingerfertigkeit ist sehr gut, auch die Bedienung vom Navi sowie dem Smartphone läuft zuverlässig.
  • Richa Nasa 2: Trotz kleiner Unzulänglichkeiten gibt der Richa Nasa 2 ein gutes Gesamtbild ab. Ein Regenguss kann dem günstigen und wasserdichten Richa Nasa 2 nichts anhaben. Und wenn Regen auf dem Visier getrübte Aussichten bringt, hilft der Gummiwischer am linken Zeigefinger.

Bei andauerndem Regen oder starker Gischt in der Luft ist die Sicht durch das Visier schnell dahin. Insbesondere im Dunkeln, wenn sich Lichter zigfach in den Tropfen auf der Kunststoffscheibe brechen, ist die Sicherheit gefährdet.

Die reflexartige Wischbewegung mit der linken Handinnenfläche für bessere - leider oft verschmierter - Sicht lässt sich eleganter und effektiver erledigen: Mit einem kleinen und nicht zu weichen Gummistreifen am linken Zeigefinger des Handschuhs funktioniert die Schnellreinigung mit dem Visierwischer relativ gut.

Wichtige Aspekte bei Motorradhandschuhen

Mindestens ebenso sicherheitsrelevant sind gut greifbare und gut schließende Klettriegel an den Stulpen. Zwei sind besser als einer, wobei kurze Stulpen oft nur Platz für einen Klettverschluss bieten. Auch sollte das Material der Stulpe nicht zu weich und dehnbar sein, sonst können die Handschuhe trotz Verschlussriegel beim Rutschen über den Asphalt abgestreift werden.

Ob die Motorradhandschuhe aus (verstärktem) Textilgewebe oder Leder gefertigt sein sollten, ist Geschmackssache. Beide Materialien haben individuelle Vor- und Nachteile: Gutes und nicht zu dünnes (Ziegen-) Leder bietet im Prinzip den besseren Schutz, weil es bei Rutschern nicht so schnell durchscheuert. Dafür ist die Atmungsaktivität von Textilmaterialien besser.

Standard ist bei geprüften Motorradhandschuhen die Kennung „EN 13594:2015“. Nach dieser Prüfung werden zum Beispiel Verstellsystem, Reißfestigkeit, Nahtstärke, Abriebfestigkeit, Schnittfestigkeit, Fingerfertigkeit und Knöchelprotektoren zertifiziert.

Sicherheit und Komfort

Die Schutz- und Pufferzone beim Motorradfahren ist minimal, insbesondere die Hände sind bei einem Sturz exponiert und verletzungsanfällig. Als Knöchelschutz beispielsweise haben sich ergonomisch geformte Hartschalen gegenüber schlagdämpfendem, aber weichem Material durchgesetzt. Die harten Protektoren sollten allerdings nicht zu schmal auf dem Handrücken ausfallen, weil der Tragekomfort bei geballter Hand ansonsten leiden kann.

Gute Handschuhe sind zudem auf der Innenseite an der Handkante mit aufgesetzten (gepolsterten) Lederstücken oder eingearbeiteten Kunststoffprotektoren ausgerüstet. Damit soll die Hand beim reflexhaften Abstützen möglichst unbeschadet bleiben.

Bereits beim Anziehen hilft eine ausgeformte Lasche - insbesondere bei Modellen mit kurzer Stulpe - den Handschuh überzustreifen ohne dabei abzurutschen. Bei etwas dicker gepolsterten Handschuhen ist es wichtig, dass die Finger im Schnitt deutlich vorgekrümmt sind und man beim Griff um den Lenker nicht gegen einen Widerstand fassen muss.

Wenn der Hersteller auf dem Handrücken, an Fingergelenken und besonders am Daumen Stretcheinsätze verarbeitet hat, kommt das dem Tragekomfort sehr zugute. Gleichzeitig muss der Motorradhandschuh stramm und eng an der Hand anliegen und der Schnitt ausgewogen sein.

Gerade das ist allerdings bei der Vielzahl an anatomischen Variablen ein großes Kunststück, das nicht bei jedem Modell gelingt. Beim Ausziehen leger gefütterter Motorradhandschuhe (und spezieller Membrantechnologie) von der leicht schwitzigen Hand kommt es nicht selten zu dem lästigen Phänomen, dass das Futter mit herausgezogen wird.

Der Handschuh lässt sich dann kaum wieder anziehen, weil auch die Finger der Innenlage nicht mehr da sind, wo sie sein sollten. Wenn der Handschuh entsprechender Größe über die gestreckte Hand gezogen wird, passt er meistens recht ordentlich. Beim Griff um die Lenkerenden kommt es jedoch oft zur Faltenbildung in der Handinnenfläche, wenn das Material dort zu großzügig verarbeitet wurde. Ein indirektes oder unbequemes Griffgefühl ist dann die Folge - sogar Druckstellen können sich bilden. Bei der Anprobe sollte deshalb insbesondere diese Handstellung gecheckt werden.

Nicht nur die Materialmenge, auch die Griffigkeit von Materialkombinationen der Handinnenfläche ist wichtig. Denn der Lenker und insbesondere der Gasgriff müssen immer sicher geführt werden können. Im Test zeigte sich beispielsweise der Spidi Rainwarrior H2Out zumindest im Neuzustand vergleichsweise glatt.

Zum Stichwort Materialmenge muss die Verarbeitung der Fingerkuppen ganz genau angesehen werden. Viele klassische Motorräder verfügen über vergleichsweise wenige, aber oft kleine Schalter und Taster an den Griffarmaturen. Moderne Motorräder sind häufig mit einer Vielzahl von Steuerungselementen zum Drücken, Drehen und Schieben ausgestattet. Wenn sich diese Filigranarbeit nur ungefähr erledigen lässt, weil die Fingerkuppen der Motorradhandschuhe dick und wulstig ausgeführt sind, kann es zu gefährlichen Fehlbedienungen kommen.

Doch nicht nur die sicherheitsrelevante Bedienung leidet unter dick ausgeführten Fingerkuppen. Auch die Schaltflächen auf Displays von Navigationsgeräten sind manchmal für üppige Handschuhe zu klein. Noch kniffliger wird es bei der Bedienung der Routen-App auf dem Smartphone: Die ist selbst mit knapp und eng geschnittenen Fingerkuppen kaum zielsicher zu bewerkstelligen.

Details zum Büse Open Road Touring

Der Handschuh mit relativ langer und weiter Stulpe lässt sich auch über der Jacke tragen. Durch zwei Klettriegel ist er sicher und praktisch unabziehbar an der Hand fixiert. Die Passform ist bis auf einen minimal zu kurz geschnittenen Zeigefinger für die Testhand beidseits sehr gut. Obwohl der Handschuh leicht gefüttert ist, konnte der Hersteller die Fingerfertigkeit durch guten Schnitt erhalten.

Blinker- und Lichtschalter, Hupe oder Fernlichthupe lassen sich ebenso gut ertasten wie die Schaltflächen des Navigationsgerätes. Auch die Smartphone-Oberfläche reagiert auf Berührung - nur bei dem Handy-Testmodell mit Folie zum Kratzschutz passiert nichts. Dank nicht zu steifer Materialien, guter Schnittform und eingebauter Stretch-Einsätze sind die Beweglichkeit der Finger und der gesamten Hand optimal.

Bei zwei Kriterien muss der Motorradhandschuh allerdings passen: Eine stabile Lasche als Anziehhilfe innen an der Stulpe fehlt und auch auf einen Visierwischer am linken Zeigefinger wurde verzichtet. Bei der Ausstattung hat der Hersteller etwas gespart. Eine Gummilippe zum Visierwischen fehlt ebenso wie stabile und griffige Laschen als Anziehhilfe innen an den Bündchen der Stulpen.

Weitere Testberichte und Erfahrungen

Das nicht mehr existierende Fachmagazin »Motorradfahrer« testete ein gleichnamiges Modell in der Ausgabe 6/2015. Der Held Bilbao WP zeichnet sich durch seine exzellente Passform aus. Der sehr gute Schnitt, optimale Proportionen, Stretch-Einsätze an den Fingern und weitere dehnbare Materialien ergeben das Gefühl einer zweiten Haut. Das führt am Lenker und während der Fahrt zu uneingeschränkter Beweglichkeit, auch dank der deutlich vorgekrümmten Finger.

Die Fingerfertigkeit, also das (blinde) Ertasten, Zielen und Treffen von Schaltern, Knöpfen und Drucktasten ist sehr gut. Auch die Bedienung vom Navi sowie dem Smartphone, mit oder ohne Schutzfolie läuft zuverlässig gut. Das war nicht bei jedem Testmodell der Fall.

Bei der Ausstattung punktet der Handschuh ebenfalls. Eine deutlich ausgearbeitete und griffige Lasche innen am Bündchen hilft beim Anziehen. Ein paar Punkte verhageln eine bessere Gesamtnote: So ist das Bündchen lediglich mit einem schmalen Klettriegel versehen. In Kombination mit dem weichen und dehnbaren Material in dem Bereich lässt sich der Handschuh selbst bei eng geschlossenem Riegel mit Kraft von der Hand ziehen.

Die relativ weichen Protektoren lassen beim harten Klopftest auf der Tischfläche den Schlag merklich spüren. Der größte Ausrutscher zeigt sich jedoch bei unserem Duschtest: Der Held Bilbao WP hat eine Undichtigkeit (links am Ringfinger) gezeigt.

Ein Regenguss kann dem Motorradhandschuh Richa Nasa 2 nichts anhaben. Den Duschtest hat er mit Bravour bestanden, was nicht auf alle Testteilnehmer zutrifft: Hier dringt keine Nässe ein. Und wenn der Regen auf dem Visier für getrübte Aussichten sorgt, hilft der Gummiwischer am linken Zeigefinger.

An der Hand lässt sich der Handschuh mit zwei Riegeln absolut sicher und stramm verschließen. Selbst bei stärkerem Zug kann er nicht abgestreift werden. Der breite und harte Knöchelschutz ist vertrauenerweckend, gedoppeltes Material in der Rutschzone der Handinnenfläche soll Durchscheuern verhindern. Die Fingerfertigkeit an Schaltern und Armaturen ist sehr fein, an den Kuppen stört kein überflüssiges Material, der Schnitt ist perfekt.

Der etwas einfach verarbeitete Handschuh mit langer Stulpe ist zwar nur leicht gefüttert und damit eher für warme Tage geeignet. Trotzdem sitzt das Futter sehr leger in seiner Hülle und stört beim Ausziehen mit feuchten Händen. Das recht üppige Material in der Handfläche fällt dünn aus und bildet so keine schmerzhaften Wülste.

Wasserdicht war der Held Stroke in unserem Test nicht: An beiden Daumen glitzerte nach 2:30 Minuten unter der Regendusche deutliche Nebelfeuchte auf der Haut. Ohne diesen Fauxpas hätte sich der Handschuh an die Spitze des Testfeldes gesetzt. Hätte, hätte … Mopedkette. Ansonsten glänzt das Modell mit zahlreichen Pluspunkten: Zwei sehr gut greifbare Riegel an den langen Stulpen sorgen für absolut sichern Halt an der Hand.

Ein breiter Knöchelschutz ist vertrauenerweckend und in der Handfläche kräuselt sich beim Griff um die Lenkerenden nicht zu viel Material. Und das, obwohl der Handschuh recht lose gefüttert ist. Der Tragekomfort ist insgesamt einwandfrei, die Fingerfertigkeit perfekt, hiermit ist alles am Lenker gut und eindeutig zu bedienen. Die Finger sind sehr gut geschnitten und deutlich vorgekrümmt, auch Passform und Beweglichkeit überzeugen. Navigerät und Smartphone ohne Schutzfolie lassen sich einwandfrei steuern, mit Folie will das Handy nicht zuverlässig reagieren.

Der Kampf unter der Dusche ging im Test verloren: Der Spidi Rainwarrior H2Out zeigte sich links am Mittel- und am kleinen Finger undicht und wäre umgehend als Retoure vom Feld gegangen. Auch die Ausstattung mit lediglich einem breiten und dehnbaren Klettriegel an der kurzen Stulpe sorgt nicht für perfekten Schutz. Der harte Knöchelschutz ist sehr schmal und passt von den Abständen her nicht zur Standardhand. Das kann sich bei langen Touren unangenehm bemerkbar machen. Ansonsten gefällt der top verarbeitete Handschuh gut.

Er lässt sich mit einer kleinen Schlaufe mühelos anziehen und passt dann mit perfektem Schnitt und Proportionen einwandfrei. Der Tragekomfort ist insgesamt gut, dank zahlreicher Mesh-Einsätze ist der Handschuh auch für warme Tage bestens geeignet. Ebenso vorbildlich zeigt sich die Fingerfertigkeit bei der Bedienung von Schaltern, Armaturen, dem Navigerät sowie dem Smartphone.

Auch beim Alpinestars Drystar XF gibt es im Dichtigkeitstest einen kleinen Wassereinbruch, hier am linken Zeigefinger, dieses Modell würde zurück zum Shop gehen. Eine fehlende Wischlippe für Regentropfen auf dem Visier fällt da etwas weniger ins Gewicht. Genauso wie die Tatsache, dass sich das Smartphone mit Schutzfolie nicht bedienen ließ.

Die Pluspunkte sind aber deutlich zahlreicher, unterm Strich zeigt der Handschuh ein gutes Ergebnis. Eine Lasche hilft beim Anziehen, der Klettriegel ist gut greifbar und Stretcheinsätze sorgen für sehr gute Beweglichkeit, was bei langen Touren hilft. Der recht harte Knöchelschutz ist breit genug, passt damit zur Handschuhgröße und gibt ein sicheres Gefühl. Auch die Fingerfertigkeit an Schaltern und Knöpfen ist fein und ermöglicht weitgehend zielgenaue Bedienung.

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