Chinesische Motorräder mit Beiwagen: Eine umfassende Übersicht

Chinesische Motorräder mit Beiwagen haben eine lange und interessante Geschichte, die von militärischen Ursprüngen bis zu modernen Innovationen reicht. Diese Fahrzeuge sind nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern auch Zeugen einer bewegten Vergangenheit und Symbole für Robustheit und Anpassungsfähigkeit.

Historische Modelle: Chang Jiang 750

Die Chang Jiang 750 ist ein chinesischer Nachbau der legendären BMW R 71 von 1938. Diese Motorräder mit Beiwagen wurden von 1957 bis 1961 für die chinesische Volksbefreiungsarmee als direkte Nachbauten der BMW R71 gebaut. In der chinesischen Volksarmee wurde sie als Gelände- und Militärpolizeivariante genutzt. Viele dieser Maschinen wurden nach ihrer Dienstzeit bei der Militärpolizei außer Dienst gestellt und restauriert. Eine Chang Jiang 750 zu mieten bedeutet, ein Stück Mobilitätsgeschichte wiederzubeleben.

Die Technik der Chang Jiang 750 ähnelte den Maschinen von alten russischen Motorradherstellern wie Dnjepr und Ural, was die Verwendung von Baugruppen und Teilen vereinfachte. Später arbeitete der chinesische Motorradhersteller auch mit deutschen Importeuren zusammen, um seine Motorräder in Deutschland zu etablieren. Dieser Versuch scheiterte jedoch an europäischen Normen in Sachen Bremsen und Abgasverbrennung.

Letztendlich handelt es sich bei diesem Fahrzeug um ein Relikt aus dem Kalten Krieg, als der Kommunismus noch im geteilten Deutschland präsent war und Russland mit China gemeinsame Sache machte. Wer einen solchen Oldtimer mieten möchte, sollte sich darüber bewusst sein, dass hier alles mechanisch funktioniert. Die robuste Technik lässt sich von Hand reparieren und arbeitet auch bei Wind und Wetter ohne Probleme.

Die Chang Jiang 750 hat vorne wie hinten Trommelbremsen und ist mit einem Leergewicht von 380 Kilogramm nicht viel schwerer als heutige Gespanne. Der Zweizylinder-Viertaktmotor mit 748 Kubikzentimetern leistet 28 PS ohne Turbolader oder Kompressor. Das Fahren einer Chang Jiang 750 ist ein tolles Erlebnis, das sich von einer gemütlichen Fahrt im behüteten Oldtimer unterscheidet.

Moderne Innovationen: Changjiang V 750 Deffender Enduro Sidecar

Die Changjiang V 750 Deffender ist ein Enduro-Gespann, das optisch an eine Moto Guzzi V85 TT erinnert. Dieses Modell, made in China von Changjiang, soll angeblich relativ preisgünstig nach Europa kommen. Erstmals tauchte das neue Gespann Mitte September 2023 im Rahmen chinesischer Motorradmessen auf. Die seltsame Schreibweise - Deffender mit 2 f - könnte bewusst zur Abgrenzung von anderen Kraftfahrzeugen gewählt worden sein.

Traditionell fertigt Changjiang robuste Motorrad-Gespanne, ursprünglich für das chinesische Militär. Noch bis vor wenigen Jahren stellte Changjiang diese Boxer-Gespanne als Neufahrzeuge her. Inzwischen wurde die Produktion umgestellt, seitdem kommt als Antrieb ein moderner, wassergekühlter Reihenzweizylinder-Motor von CFMoto zum Einsatz, bisher ein 650er, künftig ein 700er.

Technische Details der V 750 Deffender

Ab 2024 führte Changjiang eine neue Gespann-Baureihe ein, diesmal mit einem V-Twin-Motor. Es handelt sich um einen Zweizylinder mit 90 Grad Zylinderwinkel, längs zur Fahrtrichtung liegender Kurbelwelle und quer in den kühlenden Fahrtwind ausgestreckten Zylindern. Der luftgekühlte V-Twin mit 750 Kubik erreicht bei 10:1 Verdichtung rund 52 PS (38 kW) bei 6.300/min sowie maximal 60 Nm Drehmoment bei 4.900/min. Fi Tech war an der Entwicklung und Abstimmung des 750ers beteiligt.

Das Fahrwerk umfasst ein einstellbares KYB-Fahrwerk plus Luftfederung am Seitenwagen. Alle 3 Enduro-Räder sind mit Scheibenbremsen von Brembo-Ableger J.Juan bestückt und werden separat von einem ABS überwacht. Vollgetankt und fahrbereit soll die V 750 Deffender 409 Kilogramm wiegen. Die Ausstattung umfasst Dreikanal-ABS, Schlupfregelung, Tempomat, 7-Zoll-Farbmonitor mit Bluetooth-Connectivity, Anschlüsse für USB und 12 Volt sowie eine Dashcam.

In China kam das Gespann im Mai 2024 in den Handel, ab 68.888 Yuan (circa 8.900 Euro). Eine besser ausgestattete Ausführung kostet 77.777 Yuan (circa 10.000 Euro). Dem Vernehmen nach soll das V 750 Deffender in Europa voraussichtlich zwischen 18.000 und 19.000 Euro kosten.

Changjiang Siberian Express 750 Sidecar

Mit einem 69 PS starken Reihenzweizylinder-Motor von CFMoto und umfangreicher Ausstattung kommt das Changjiang Siberian Express 750 auch nach Deutschland - für Motorrad-Gespann-Verhältnisse relativ preisgünstig.

Für seine neue Gespann-Generation greift Changjiang auf moderne, wassergekühlte Reihenzweizylinder-Motoren vom chinesischen Hersteller CFMoto zurück. Die neueste Version des Twins, für das Changjiang Siberian Express 750, hat 693 Kubik und ebenfalls doppelte obenliegende Nockenwellen (dohc) sowie insgesamt 8 Ventile. Mit Benzineinspritzung von Bosch kommen laut Changjiang bis zu 69 PS (51 kW) bei 8.500/min zustande. Das maximale Drehmoment: 68 Nm bei 6.500/min.

Technische Daten des Siberian Express 750

Das Fahrwerk des Changjiang Siberian Express 750 ist adäquat zum Antrieb. Vorn mit gespanntypischer Schwingenkonstruktion samt 2 Federbeinen, hinten mit Stahlrohr-Schwinge und ebenfalls 2 Federbeinen (5-stufig vorspannbar). Ein weiteres einstellbares Federbein von Kayaba (KYB) ist am Seitenwagen positioniert - und noch 2 kleine Federbeine jeweils direkt unter den beiden Sätteln. Die 3 Reifen mit rustikal-grobem Profil haben alle das gleiche Format: 4.00-19 und sind schlauchlos. Das Changjiang Siberian Express 750 lässt sich mit insgesamt 3 Scheiben einbremsen. Bei 365 Kilogramm Gesamtgewicht, mit vollem 20-Liter-Benzintank, dürfte es ohnehin nicht leicht sein, übers Radblockade-Limit hinaus zu bremsen.

Von den fehlenden Assistenzsystemen abgesehen ist das Changjiang Siberian Express 750 modern und umfangreich ausgestattet. Unter anderem mit mehreren LED-Leuchten rundum, Digital-Anzeigen im Hauptscheinwerfergehäuse, Sport-Modus, Eco-Modus, 2 USB-Steckdosen und 12-Volt-Anschluss im Seitenwagen, Voltmeter für die Batterie sowie mit Griffheizung.

Europa-Importeur DIP in Frankreich hat das neue Changjiang Siberian Express 750 bereits im Sortiment und auch in Deutschland einige Partner-Händler. Der Preis liegt bei 17.490 Euro.

Weitere Modelle und Entwicklungen

Die französische Retro-Marke Mash hat angekündigt, mit der B-Side 500 schon bald ein Gespann mit 500er Zweizylinder auf den Markt zu bringen. Als Antrieb dient ein Zweizylinder mit 494 Kubikzentimetern Hubraum, der 54 PS in der Spitze leistet. Gegenwärtig bietet CHANGJIANG zwei Modelle, Pekin Express und Dynasty, mit einem modernen, vom CF Moto-Werk entwickelten 650-ccm-Motor an.

Technische Daten im Überblick

Um die verschiedenen Modelle besser vergleichen zu können, hier eine Übersicht der technischen Daten:

Modell Motor Leistung Gewicht Besonderheiten
Chang Jiang 750 748 cm³ Zweizylinder-Viertakt 28 PS 380 kg Nachbau der BMW R 71
Changjiang V 750 Deffender 750 cm³ V-Twin 52 PS 409 kg KYB-Fahrwerk, ABS, Luftfederung
Changjiang Siberian Express 750 693 cm³ Reihenzweizylinder (CFMoto) 69 PS 365 kg LED-Leuchten, USB, Griffheizung
Mash B-Side 500 494 cm³ Zweizylinder 54 PS N/A Retro-Look

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