Die Biker-Box-Kawasaki, Schrauber wie Fahrzeug dem Autor gänzlich unbekannt, sorgte für große Neugier und eine gehörige Portion Skepsis. Diese verfliegt aber bereits in der ersten, gemütlichen Runde, denn die ZX verströmt ihr schnell machendes Vertrauen sofort mit dem Aufsitzen.
Ein Blick in Sepps Biografie erklärt, woher die Hingabe und Erfahrung des Bayern kommt: Eigentlich schon immer vom grünen Kawa-Virus infiziert, betrieb er bereits von 1995 bis 1998 ein eigenes Supersport-Team in der Deutschen Meisterschaft natürlich mit Kawa.
2003 heuerte er beim WM-Team von Harald Eckl an und war dort für die Motoren von Supersport-WM-Pilot Fabian Foret zuständig. 2004 erfolgte der Wechsel in den MotoGP, wo er von 2004 bis 2006 Shinya Nakano als Mechaniker betreute. Seit Anfang des Jahres ist er wieder in seinem eigenen Laden in Feichten am Werkeln und baute extra für den PS-Tuner-GP diese exquisite Bombe auf.
Mit 204 PS an der Kurbelwelle wird die Zehner nur von Kainzingers GSX-R überflügelt. Wirklich beeindruckend wird die Kawa, wenn die Zahlen in Relation gebracht werden: 188 PS am Hinterrad beflügeln 179 Kilogramm. Ein Leistungsgewicht von 0,95 Kilo/PS ist Feuer pur, selbst wenn da noch ein Pilot mit eingerechnet werden muss.
Entfacht wird es von einem stramm überarbeiteten Motor, der hauptsächlich im Zylinderkopf- und Ansaugtraktbereich optimiert wurde. Eine Kit-Einlassnockenwelle sowie überarbeitete Einlasskanäle lassen mehr Frischgas in die Brennräume strömen, wo die Mischung auf 14,2:1 verdichtet wird. Ihr Luftanteil wurde davor in der vergrößerten Airbox gereinigt, mittels selbst angefertigter Ansaugtrichter durch die originalen Drosselklappenkörper gezogen und dort von der programmierbaren Kit-ECU mit der richtigen Menge Sprit zu einem optimalen Gemisch aufbereitet.
Die standesgemäße Abgasentsorgung erfolgt über eine Akrapovic-Komplettanlage. Zahlreiche kleinere Überarbeitungen machen die kleine Bikerbox Ninja zur Rennsemmel erster Güte.
Sehr wichtig bei dem ungeheuren Antrieb ist das Gefühl fürs Hinterrad. Glasklar und transparent rapportiert es an das Popometer, liefert Grip und Feedback auf allerhöchstem Niveau. Auch harte Bremspassagen wie eben vor der Sachskurve meistert es sehr gut.
Allerdings gelingt es der überarbeiteten Seriengabel nicht ganz so direkt und berechenbar wie der Hinterhand, über Grip oder Nicht-Grip zu berichten. Die Front agiert zwar auf hohem Niveau, erreicht aber die meisterlich unverfälschte Art des Hecks nicht ganz.
Ebenso fällt auf, dass nach mehreren scharfen Runden die Dämpfung insgesamt nachlässt, die feingetunten Serienteile an ihr Limit geraten. Dieses Nachlassen ändert aber nichts an der tollen Balance der Kawa, die zwar nicht fahrradmäßig, aber immer noch sehr handlich, vor allem aber sehr direkt und stabil abbiegt und um die Kurve düst. Auf 16,5-Zoll-Magnesiumrädern natürlich, die, woher auch sonst, von JB Power Magtan und direkt aus dem MotoGP stammen.
Geschmackssache ist die Vorderradbremse. Auch hier fehlt das brachiale Zupacken einer Triumph 675 oder Ducati 1098. Die Brembo-Radialpumpe liefert einen weniger aggressiven Biss bei etwas mehr Hebelweg, ist dafür aber sämig zu dosieren und ermöglicht konstante, standfeste Verzögerung.
Insgesamt ist die ZX-RR ein sehr gelungenes Motorrad und für den Autor eines der Highlights des PS-Tuner-GP 2007.
Messung:Von dem Knick bei 10000/min merkt man wirklich nix.
Technische Daten:- GEWICHT: 179 kg
- vorn/hinten: 52,6/47,4%
- PREIS (Umbau): 13400 Euro
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