Christian Schmitz: Ein Leben für die Weserbergland-Kurven und den Motorsport

Christian Schmitz aus Stahle leitet den Internet-Auftritt www.weserbergland-kurven.de - ein Portal für Motorradfahrer, die die Region erfahren möchten. Mit den Worten: "Die schönsten Touren und Strecken für den nächsten Motorrad-Trip ins Weserbergland, aktuell und detailliert "von Bikern für Biker"", beschreibt er sein Projekt.

Mittlerweile zählt er mehr als 63.500 Seiten-Zugriffe auf das Strecken-Portal, in das der leidenschaftliche Biker schon bis zu 300 Stunden seiner Freizeit investiert hat. Das Portal umfasst Videos, Kartenmaterial, Hotels, Bikertreffs, Tipps, Tourvorschläge und Strecken, zu denen es sogar ein Rollsplit-Radar gibt. Das wird stets aktualisiert und weist auf temporäre Gefahrenstrecken mit Splitt hin.

"Jeden Monat kommen etwa drei neue Strecken dazu. In diesem Sommer arbeite ich noch eine weitere Tour aus", kündigt er an. Der 34-Jährige sagt schmunzelnd: "Das Hobby positiv nutzen". Zudem können interessierte Gruppen Schmitz auch als Motorrad-Tourguide durchs Weserbergland buchen: "Im vergangenen Jahr habe ich schon fünf Gruppen geführt, richte mich nach deren Wünschen. Ob sie etwas besichtigen, Mittagessen oder nur fahren wollen. Ich hole sie am Hotel ab, dann gibt’s ein Briefing." Und dann folgen 300 bis 350 schöne und entspannende Kilometer auf dem Motorrad.

Schmitz selbst schätzt es, mal rechts und links der Strecke zu gucken, auch mal Halt zu machen. Seit seinem 16. Lebensjahr sitzt Christian Schmitz auf zwei Rädern mit Motor, fährt derzeit eine KTM mit 98 Pferdestärken. Und schätzt das Weserbergland als eine Region für Motorradfahrer.

Wenn Motorradfahrer aus anderen Regionen seine Heimat an der Weser besuchten, waren sie begeistert von der Vielfalt. "Einfach einmalig", beschreibt der Vater von zwei kleinen Töchtern die Strecken, bei denen bis zu 500 Meter Höhenunterschied überwunden werden. Berge und Täler, dazu die landschaftliche Schönheit entlang der Weser oder im Solling.

Das Weserbergland sei gemeinsam mit dem Harz das größte Motorradfahrer-Gebiet in Norddeutschland, sagt er. "Doch der Harz ist mittlerweile stark abgegriffen." Viele Klicks interessierter Biker bekommt er aus dem Norden. "Und viele von hier. Höxter habe zwar seine Biker-Region, der Solling-Vogler auch. Doch: "Ich wollte das komplette Weserbergland von Hann. Münden bis Porta, vom Solling bis Lemgo und Extertal für Motorradfahrer publik machen."

Zusammen mit Benjamin Seitz, der für die IT-Betreuung der Weserbergland-Kurven verantwortlich ist, machte sich der studierte Betriebswirt ans Werk, nutzte seine Kontakte in Motorradfahrer-Kreisen, baute neue auf. "Das Strecken-Portal ist Tag und Nacht gewachsen." Während die Seite im Winter vor sich hin dümpelte, geht’s seit April mit der Anzahl der Nutzer steil bergauf.

Nun stehen 35 Strecken für Motorradfahrer zum Abruf bereit, unterteilt in Nord, Mitte und Süd, zu denen er regional typische Namen fand. Dazu gibt’s die Streckenführung, Infos zum Straßenzustand, den Kurvenfaktor und den Anspruch. Zudem hat Schmitz per Video aus Biker-Sicht die Strecken gefilmt und mit einer Karte versehen.

Außerdem im Portal: Informationen zu Bikertreffs, Sehenswürdigkeiten, Links und Infos zu Service-Werkstätten oder Tankstellen, Biker-freundlichen Hotels und Pensionen: "Garantiert getestet", sagt er. Schmitz hat auch fertige Touren auf Grundlage einiger Strecken ausgearbeitet: Eine Tagestour über mehr als 180 Kilometer, eine Halbtagestour bis 180 und Feierabend-Runden zwischen 50 bis 100 Kilometer. Zum Runterladen aufs Navi.

Das Ziel: "Die Hauptseite für Motorradfahrer im Weserbergland werden." Deshalb knüpfte Schmitz Kontakte zum Dachverband Weserbergland, mit dem ein gemeinsames Konzept für Motorradfahrer ausgearbeitet werden soll.

15.000 Kilometer fährt der Stahler jedes Jahr auf zwei Rädern, schätzt besonders den Zusammenhalt der Motorradfahrer - "sie sind unkompliziert und auf einer Wellenlänge". Und die Zeit, die er auf seiner KTM für sich hat, um den Kopf frei zu bekommen und die Freiheit zu genießen.

"Durch das Fahren bin ich auch in vielen Internetforen unterwegs." Wenn Motorradfahrer aus anderen Regionen seine Heimat an der Weser besuchten, waren sie begeistert von der Vielfalt.

Christian Schmitz und der Motorsport

Christian infizierte sich bereits früh mit dem Road Racing Virus und wie so oft kam der Überträger aus der eigenen Familie. Schon sein Vater Marcus war motorradverrückt, nahm seinen Sprössling im Alter von 6 Jahren mit zum Fischereihafen-Rennen in Bremerhaven und besiegelte damit die Zukunft des Juniors. Nach 10 Jahren als Zaungast wechselte Schmiddel 2012 dann von der Tribüne in die Startaufstellung und den Sattel einer 125er Aprilia.

Drei Jahre Zweitakt-Rennen und einige Podiumsplatzierungen später fiel dann nach seinem ersten Start in Frohburg 2014 die Entscheidung, die Zweitakt-Aprilia gegen eine R6 zu tauschen und zu den großen Jungs in die IRRC zu wechseln. Nachdem der Einundzwanzigjährige IRRC-Neuling gleich am zweiten Wochenende mit einem neunten Platz auf sich aufmerksam machte, war es zur Saisonmitte mangelnde Aufmerksamkeit, die ihm zum Verhängnis wurde.

Im tschechischen Hořice überschätzte sich Gaststarter Michal Vecko schon in der Besichtigungsrunde so sehr, dass er beim Auflaufen auf das Fahrerfeld stürzte und Christian dabei mit ins Verderben riss. Resultat: 4 gebrochenen Wirbel, Schien- und Wadenbein zertrümmert, Fußgelenk gebrochen und das vorzeitige Saisonende. Viel schwerwiegender waren die Folgen fürs Material und die erste Bestandsaufnahme an der R6 war ernüchternd. Gabel krumm, Rahmen krumm, Schwinge krumm. Von den Anbauteilen ganz zu schweigen.

Konnte sich Schmiddel den Low-Budget-Rennsport mit der Zweieinhalber noch irgendwie vom Munde absparen, waren die kapitalen Schäden an der Yam zu viel für das schmale Gehalt eines Werkzeugmechanikers im ersten Jahr nach der Lehre. Zwar hatte sich Christian aufgrund der guten Ersatzteilversorgung bewusst für die R6 und gegen seine eigentliche Präferenz, Triumphs 675er Daytona, entschieden, bei einem so großen Schaden half aber auch die Flut günstiger Yamaha-Teile nicht mehr.

In diesem Fall waren es mit Thilo Günther und Didier Grams eher zwei Lichtgestalten der deutschen Road Racing Szene, die bei einem interessierten Sponsor ein gutes Wort einlegten und so Eric Bergholz und den noch invaliden Christian Schmitz zusammenführten. Dank eisernem Willen, intensiver Physiotherapie und neuem Sponsor waren Mann und Maschine bis zum Saisonstart Anfang Mai im holländischen Hengelo tatsächlich wieder einigermaßen fit, das erste Rennwochenende verlief dann aber dennoch alles andere als geschmeidig.

Der beim Unfall zertrümmerte linke Fuß war zwar inzwischen soweit abgeschwollen, dass er wieder einigermaßen in den Stiefel passte, Schmiddel kämpfte aber dennoch mit den Folgen des Crashs aus dem Vorjahr. Es war aber nicht, wie vor dem Wochenende noch befürchtet, das Sprunggelenk, das Sorgen bereitete, sondern der rechte Unterarm, der anschwoll und mit Arm-Pump auf die Belastung und das fehlende Training reagierte.

Doch es kam noch dicker. Die Reparatur verlief dann zwar noch ruhig, als Christian im zweiten Rennen und in den Punkten liegend dann mit überhitzendem Motor aufgeben musste, kochte neben der R6 auch der Pilot in der Boxengasse über. Personenschäden war glücklicherweise keine zu beklagen, Handschuhe und Boxentafel kamen aber nicht so glimpflich davon.

Für Schmiddel bedeutet das, jeden Tag nach der Arbeit noch 3-4 Stunden in die Werkstatt, Fehlersuche, Mopped für das kommenden Rennwochenende vorbereiten, Feinschliff. Um die Kosten für das Drumherum so niedrig wie möglich zu halten, sind Boxentafel, Boxenwagen sowie diverse Halterungen und Kleinteile fürs Motorrad Eigenanfertigungen. Auch der VW-Bus wurde in der heimischen Garage zum Renntransporter ausgebaut.

Dass trotz der Mühe und tagelangen Vorbereitung manchmal alles danebengeht, musste Schmiddel dann erneut schmerzhaft am zweiten Rennwochenende im holländischen Oss erfahren. Im Vorjahr konnte er hier eines der besten Saisonergebnisse einfahren, für 2016 waren die Aussichten aber schon vor der Anreise nicht besonders rosig. Ein Defekt am Renntransporter schlug ein riesiges Loch ins Kontor und um überhaupt starten zu können, musste die Ersatzauspuffanlage den Besitzer wechseln.

Noch in der Auslaufrunde quittierte das Zwischengasmodul an Schmiddels R6 den Dienst, schickte im Ableben einen letzten Gasstoß ans Hinterrad und Christian per Highsider zu Boden. Gabel verzogen, Krümmer kaputt, wieder null Punkte.

Die dritte Station im Kalender führt den IRRC Tross seit 2010 auf die ehemalige Grand Prix Strecke im belgischen Chimay. Um Schlimmeres zu verhindern, gab es dann leihweise die Handschuhe Autors. One Man Show - zu einigen Rennen reiste Christian ganz allein.

Das wohl spektakulärste Rennen der Saison findet jedes Jahr im August im tschechischen Hořice statt. Die Veranstaltung trägt den vielsagenden Namen Czech TT und tatsächlich erinnert der Kurs am ehesten an den legendären Snaefell Mountain Course auf der Isle of Man. Die Strecke ist mit 5,15 Kilometern zwar erheblich kürzer und es fehlen die extrem schnellen Passagen, dafür stehen die Fans wie bei der TT in den Vorgärten und die Fahrer pfeilen direkt durch den Ort, vorbei an Briefkästen, Hausecken und Laternenmasten.

Darüber hinaus sind die Tschechen absolut Road-Racing-verrückt, was die Atmosphäre hier zu einer ganz besonderen macht. Kein Wunder also, dass sich Christian hier besonders wohlfühlt. Das liegt aber nicht nur am Freibier. Der anspruchsvolle Kurs ließ schon zu Zweittakt-Zeiten sein Herz höherschlagen und zählt seither zu seinen Lieblingsstrecken. Besonders erstaunlich: weder sein schwerer Unfall an gleicher Stelle im Vorjahr, noch ein Ausrutscher im zweiten Quali konnten ihn bei seiner Rückkehr beeindrucken.

Nur wenige Tage nach der Rückkehr aus Hořice hieß es dann schon wieder Sachenpacken, da Ende August bereits das nächste Event anstand. 2016 startete die IRRC das erste Mal im finnischen Imatra, was für die meisten Teams durch die fahrtechnisch ungünstig gelegene Ostsee einen enormen logistischen Aufwand bedeutete.

Spätestens hier wäre für Christian und vermutlich auch einen Großteil der anderen IRRC Fahrer finanziell Schluss gewesen. Zusätzliche Kosten von etwa 2000 Euro für die Fähre wollten gestemmt werden, vom enormen Zeitaufwand von fast zwei Wochen ganz zu schweigen. Aber die Altvorderen der Stadt Imatra, in der bis in die 1980er noch Grand Prix Rennen ausgetragen wurden, hatten keine Kosten und Mühen gespart und nicht nur ein perfekt organisiertes Event inklusive TV-Übertragung aus dem Boden gestampft.

Wie die meisten Fahrer träumt zwar auch Christian von einem Start bei der legendären Tourist Trophy und arbeitet mit jeder Runde und jedem Rennen auf den Sprung auf die Insel hin, das, was hier geboten wurde, war aber schon Road Racing Atmosphäre vom Feinsten. Die ließ auch Christian nicht kalt. All die Schmerzen und Entbehrungen der letzten 12 Monate, der geopferte Jahresurlaub und die unzähligen Stunden in Garage wurden auf einmal belohnt.

Das letzte IRRC-Rennen des Jahres findet zwar seit jeher in der sächsischen Provinz statt, die Organisatoren des Frohburger Dreieck Rennens konnten aber bei den Themen Internationalität und Prominenz schon immer noch eine Schippe drauflegen. Hier gingen schon fast alle Mitglieder der legendären Dunlop-Familie an den Start und die hier regelmäßig startenden Gäste von der Insel sorgen für internationalen Flair.

Für 2016 hatten sich mit Michael Rutter, Gary Johnson und Danny Webb erneut drei Topstars der Road Racing Szene für das Superbike-Rennen angekündigt. Umringt von Fans und Seite an Seite mit den Stars begann das Wochenende beim Fahrerempfang auf dem Frohburger Marktplatz für unser PS-Fahrer Christian so auch mit einem Highlight.

Am Trainingssamstag holte ihn ein Highsider dann aber sprichwörtlich wieder auf den Boden und es hieß wieder Schrauben, statt Autogramme schreiben. Nach einer Saison mit vielen Höhen und Tiefen sollte das Saisonfinale noch mal ein Höhepunkt werden, die stark lädierte R6 und Probleme mit der Elektronik deuteten aber das Gegenteil an.

Wie so oft in der IRRC kam die Hilfe dann aus dem Nachbarzelt und IRRC-Fahrer Stefan „Puude“ Wauter half mit Laptop und einem neuen Mapping für die R6 aus. Im ersten Rennen reichte es aufgrund eines rutschenden Vorderrades zwar trotzdem nur für Platz 17, mit neuen Reifen und ordentlich Wut im Bauch schaffte es Christian dann aber in Lauf zwei nicht nur problemlos, in die Top Ten zu fahren, sondern verpasste den siebten Platz nur um die Nichtigkeit von zwei Zehntelsekunden.

Auch für Schmiddel geht es 2017 in der IRRC weiter, es ist aber auch das erste Rennen auf der Insel in Planung.

Finanzierung im Motorsport

Die Nenngebühr für die IRRC ist mit 1000 Euro für zwölf Rennen zwar günstig und das Preisgeldsystem sehr fair - es gibt Prämien bis zum zehnten Platz bei den Rennen und sogar bis zum 20. im Gesamtklassement - will man aber konkurrenzfähig unterwegs sein, sollte man trotzdem mindestens einen knapp fünfstelligen Betrag für die Saison einrechnen, eigenes Motorrad und komplette Ausrüstung (Schutzkleidung, Werkzeug/Boxenequipment) vorausgesetzt.

Ein Gaststart BeNe Cup kostet ungefähr so viel wie ein Satz Reifen (1x Vorne und 2x Hinten pro Event), die Transpondermiete (pro Event) und Sprit für das Motorrad.

Als Motorrad fährt Christian eine Yamaha R6.

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