Cyclocross Reifen im Test: Die beste Wahl für Ihr Rennrad

Jetzt, wo der Winter naht, möchten viele mit ihren Kollegen in die Cross-Saison starten. Als Mountainbiker ist dabei die richtige Reifenwahl besonders wichtig. Für viele stellt sich die Frage, welcher Reifen für den Crosser genügend Vertrauen bietet. Vom Mountainbiken gewohnt, wird ein Reifen mit viel Profil für ausreichend Grip in der Front bevorzugt. Am Hinterrad sollte hingegen ein Reifen sein, der einen Kompromiss aus Traktion und Vortrieb bietet.

Die Qual der Wahl: Reifen von Challenge

Nach einigem Suchen konnten viele ihre Augen nicht mehr von den Challenge-Reifen lassen. Neben dem Skin-Wall-Look gefällt vor allem das aggressive Profil des Challenge Limus 33 Cross Open Faltreifens für das Vorderrad und das klassische Profil des Challenge Grifo 33 Cross Open Faltreifens als Reifen für das Hinterrad. Somit war die Entscheidung schnell getroffen.

Gewicht und Montage

Vor der Montage interessiert natürlich das Gewicht. Der Challenge Limus kommt mit 373 g daher und der Grifo 33 Cross Open Faltreifen bringt 349 g auf die Waage. Die Herstellerangaben lauten 340 g und 365 g. Für viele ist das völlig im Rahmen des Vertretbaren. Nach dem Neuerwerb ging es also an die Montage des Reifens. Einige von euch werden jetzt wissen, was auf einen zukommt. An alle anderen: Man benötigt ein gewisses Maß Fingerspitzengefühl und vor allem eines - Zeit. Die Challenge Reifen lassen sich nämlich nur widerwillig auf die Felge ziehen. Hierbei ist aber zu erwähnen, dass sich der Limus deutlich leichter auf die Felge ziehen ließ als der Grifo.

Nach einigen Geduldsproben und Nerven weniger konnte man sich endlich das Rad mit den neuen Reifen ansehen: Der neue Look war die Mühe wert! Hier muss aber auch noch festgehalten werden, dass sich nur die Erstmontage des Reifens als schwierig erweist. Im Falle eines Plattens ließ sich der Reifen ohne Probleme wieder aufziehen.

Das erste Aufziehen benötigt Zeit und Geduld. Einmal aufgezogen, eine Pracht.

Fahreindruck und Pannensicherheit

Auf die erste Fahrt im Schlamm musste man auch nicht lange warten, denn es regnete bereits. Und die Wahl wurde nicht bereut. Dank des groben Profils des Limus bricht nämlich das Vorderrad nicht so schnell in Kurven aus und vermittelt genau das Vertrauen, das gesucht wurde. Der Grifo am Hinterrad bietet jedoch immer noch genügend Grip, um nasse Wiesen zu erklimmen. Nach jetzt gut zwei Monaten und einer Menge Ausfahrten bei Nässe und bei Trockenheit hat sich die Meinung nicht geändert. Das Gripniveau des Reifens ist immer noch perfekt.

Thema Pannensicherheit: Wer kann schon behaupten, sich noch nie einen Platten beim Crossen gefahren zu haben? Allerdings entstanden die meisten ‚Plattfüße‘ durch Durchschläge. Im Gegensatz zu MTB-Reifen besitzen die Challenge-Reifen keine Karkasse und keinen zusätzlichen Schutz gegen Durchschläge. Daher musste man, um ungewollte Pausen zu vermeiden, anfangen, mit einem höheren Luftdruck zu fahren. Bei einem Luftdruck von 3,5 bar in der Front und 4 bar auf dem Hinterrad konnte man seit längerer Zeit Plattfüße vermeiden.

Schwalbe Cyclocross Reifen 2024: Innovationen und Vielfalt

Der Gravel-Boom kann dem Querfeldeinsport nichts anhaben - im Gegenteil: Zahlreiche Aktive, die im Sommer mit dem Gravelbike unterwegs sind, versuchen sich im Herbst an den kurzen, intensiven Rennen, zumal sie in den Hobbyklassen ihr gewohntes Material weiter nutzen können - nicht mal um die Reifenbreite müssen sie sich kümmern. Das schränkt die Reifenwahl zwar etwas ein, doch natürlich gibt es genug Hersteller, die drei bis vier Cyclocross-Reifen mit unterschiedlichen Profilen zur Verfügung stellen. Typischerweise ist ein Allrounder im Portfolio, ergänzt durch einen Reifen für trockene Böden sowie ein bis zwei Schlammreifen. So ist es beispielsweise bei den Schwalbe Cyclocross Reifen 2024, wobei der Hersteller aus dem Bergischen Land seine Kollektion jüngst ergänzt hat: Mit dem Schwalbe X-One R ist seit dieser Saison ein Modell auf dem Markt, das ein neues Profil mit der bereits auf der Straße und beim Graveln bewährten Souplesse-Karkasse vereint.

Den Schwalbe X-One R (74,90 €) konnte Velomotion als Prototyp bereits in der Cross-Saison 2022/23 fahren. Er hat sich (wie auch die neuen Gravel-Reifen der Marke) von den runden Profilnoppen gelöst, welche die Range von Schwalbe lange geprägt haben. Stattdessen gibt es nun pfeilförmig angeordnete Profilblöcke, die sich mit in Längsrichtung angeordneten Stollen abwechseln. Die Schulterstollen in Längsrichtung bewähren sich am Schräghang oder in Kurven, wo der X-One R viel Kontrolle bietet und nicht durch plötzliches Wegschmieren auffällt. Eine gute Eigenschaft des neuen Reifens ist außerdem, dass er sich schnell freifährt. Die toxische Mischung aus Schlamm und Sand, die manches Profil regelrecht verklebt, kann dem neuen Schwalbe nicht viel anhaben - er schleudert das Gemisch einfach weg. Auf Asphalt-Abschnitten verhält sich der X-One R unauffällig; hier bemerkt man höchstens, dass er bei Kurvenschräglage auch mit einem Druck um 2 bar nicht schwammig wirkt. Mit diesen Eigenschaften ist der X-One R ein Reifen, der sich für die allermeisten Rennen eignet. Denn beim Crossen geht es schließlich auf fast jedem Kurs über sehr unterschiedliche Untergründe.

Ersteres ist bei Schwalbe das Metier des bewährten X-One Allround (ab 44,90 €), der eigentlich einen neuen Namen bekommen müsste. Denn da Schwalbe den griffigeren X-One Bite auslaufen lässt, ist der Allround nun der Reifen fürs Grobe. Mit seinen runden bis ovalen Profilnoppen baut er viel Grip auf, wobei sich das offene Profil nur bei klebrigem Matsch zusetzt. Auf festerem Untergrund rollt er geschmeidig ab, womit er ebenfalls eine gute Wahl für den Renneinsatz ist - zum Beispiel gegen Ende der Saison, wo es über mit Wasser vollgesogene Wege und Schneematsch geht.

Für trockene Strecken am Anfang der Saison oder hart gefrorene Kurse bietet Schwalbe seit Jahren ein Profil an, das es in ähnlicher Form von diversen Anbietern gibt: ein Semislick-Laufstreifen mit flachem Profil, kombiniert mit Schulterstollen für Seitenhalt bzw. Grip bei sehr geringem Luftdruck. Dieser Reifen hieß bisher Schwalbe X-One Speed - und dort, wo er perfekte Bedingungen vorfindet, funktioniert sein Profil super. Er rollt extrem schnell und hat auf lockerem Boden immer noch genug Grip; bei der Kurvenfahrt ist er sehr verlässlich. Sobald es feucht wird, kommt er jedoch an seine Grenzen, sodass das „Möglichkeitsfenster“, diesen Reifen einzusetzen, ziemlich klein ist. Vielleicht ist dies der Grund dafür, dass Schwalbe dieses Profil nun als Schwalbe X-One RS (74,90 €) als reinen Rennreifen mit Souplesse-Karkasse bringt und den X-One Speed dafür aus dem Programm nimmt. Beim Crossen wird man den RS nicht allzu oft einsetzen können, allerdings ist er eine interessante Wahl fürs Allroad-Rennrad bzw.

Alle Modelle sind nur als Tubeless-Variante erhältlich, können natürlich aber auch mit einem Schlauch oder Liner gefahren werden. Die von Schwalbe mit dem Rennreifen Pro One Ende 2019 eingeführte Souplesse-Karkasse hat durchaus einen Einfluss aufs Fahrverhalten. Der spezielle Reifenaufbau führt zu einer dreilagigen Seitenwand, kombiniert mit nur einer Lage unter der Lauffläche. Letzteres reduziert den Rollwiderstand, dank Pannenschutzlage aber nicht die Stichfestigkeit. Auf das Gewicht hat der Souplesse-Aufbau keinen Einfluss - die Schwalbe-Crossreifen wiegen allesamt um die 400 Gramm. Allerdings macht sie die entsprechenden Reifen teuer; X-One R und X-One RS werden daher langfristig auch in günstigeren Varianten mit Standard-Karkasse verfügbar sein.

Cyclocross-Reifen im Test: ROADBIKE-Ergebnisse

ROADBIKE hat sechs Modelle getestet, um den besten Allround-Crossreifen zu finden. Die Reifen wurden im Hinblick auf eine Verwendung im Renneinsatz getestet - alle Pneus entsprechen mit 32 bzw. 33 Millimeter Breite den Anforderungen des UCI-Reglements für Querfeldeinradrennen.

Hier eine Übersicht der getesteten Reifen und ihre Bewertungen:

Reifenmodell Preis Gewicht Bewertung
Challenge Grifo TLR 52,90 Euro 397 g SEHR GUT (74 Punkte)
Continental Mountainking CX 65,90 Euro 303 g GUT (68 Punkte)
Michelin Power Cyclocross Mud 58,95 Euro 385 g GUT (70 Punkte)
Panaracer Regacross 50,95 Euro 350 g GUT (68 Punkte)
Schwalbe X-One Allround TLE 59,90 Euro 385 g ÜBERRAGEND (92 Punkte)
WTB Crosswolf TCS 47,95 Euro 388 g -

Der Schwalbe X-One Allround TLE sticht mit einer überragenden Bewertung hervor, insbesondere aufgrund seiner Agilität, Sicherheit und Top-Traktion auf verschiedenen Untergründen.

Tubeless oder Schlauchreifen: Eine Frage der Präferenz

Moment, sind beim Cyclocross nicht Schlauchreifen das Maß aller Dinge? "Derzeit sind alle Topfahrer damit unterwegs", bestätigt Marcel Meisen. Denn: Ist der Schlauch eingenäht und auf eine passende, spezielle Felge aufgeklebt, können sehr viel niedrigere Luftdrücke gefahren werden, was Kontrolle und Speed im Gelände verbessert. "Die weiche Karkasse [von Schlauchreifen, d. Red.] verhindert dabei, dass der Reifen bei wenig Luft wegknickt", erklärt Meisen. "Im Gegensatz zum Reifen mit Schlauch ist auch das Risiko eines Durchschlags viel geringer."

Die Entwicklung der Tubeless-Technologie verfolgt Meisen aber mit Interesse: "Der Rollwiderstand ist sehr gut. Bei den geringen Luftdrücken, die im Profibereich gefahren werden, ist mit Tubeless die Gefahr von Luftverlust aber noch zu hoch." Hobbyfahrer sind hingegen ohnehin oft mit höherem Luftdruck unterwegs. Für sie sind Tubeless-Reifen "vielleicht sogar die bessere Wahl in Bezug auf Kosten und die Möglichkeit, Reifen auch mal schnell zu tauschen", erklärt Meisen.

Tipps von Profi Marcel Meisen

Crossprofi Marcel Meisen empfiehlt, es nicht zu übertreiben: "Ich selbst nutze drei Profile. Hobby-Crossern empfehle ich einen Allroundreifen mit etwas gröberem Profil. Der rollt zwar etwas schlechter an trockenen Tagen - bei rutschigen Strecken hat man aber keinen Nachteil."

Bei den Crossprofis fällt die Entscheidung für oder gegen einen Reifen am Renntag - beim freien Training auf der Strecke, das zu festgelegten Zeiten zwischen den Wettkämpfen der einzelnen Altersklassen möglich ist. "Die Streckenbesichtigung starte ich normalerweise mit einem Allroundprofil mit 1,4 bis 1,5 bar Luftdruck", erzählt Marcel Meisen. "Nach der ersten Runde werden dann Änderungen vorgenommen, mit Profilen und Luftdruck experimentiert. Es sei denn, man kennt die Strecke, dann kann man natürlich schon direkt den richtigen Reifen probieren. Nach der Streckenbesichtigung sollte die Reifenwahl eigentlich gefallen sein, dann wird nur noch etwas verändert, wenn es plötzlich anfängt zu regnen, die Strecke abtrocknet oder Ähnliches."

Und welche (Schlauch-)Reifen fährt Marcel Meisen selbst? "Auf schnellen, trockenen Strecken den Dugast Typhoon mit Dreiecksprofil, bei rutschigen und matschigen Kursen den groben Dugast Rhino und auf sandigen, harten Untergründen den Dugast Pipisquallo - einen diamantierten Slick mit leichtem Seitenprofil."

Cyclocross-Bikes: Mehr als nur Reifen

Wenn man mit dem Rennrad auch mal über einen Feldweg brettern wollte, war noch vor zehn Jahren ein Cyclocrosser erste Wahl. Weil die Interessensgemeinschaft dafür damals wie heute groß war, hatte fast jeder Radhersteller eines im Programm, viele waren alltagstauglich hergerichtet, mit breiten Übersetzungen, komfortablen Geometrien und Vorbereitungen für Schutzbleche und Gepäckträger. Das waren im Grunde Vorläufer heutiger Gravelbikes, die mit den Wettkampfgeräten der Profis bis auf Namen und Reifen wenig gemein hatten. Insofern ist das Gravelbike als Kategorie schon ein Gewinn, weil es bessere Orientierung im Markt bietet. Das Cyclocross-Rennrad rutschte zurück in seine Wettkampfnische, heute bedienen nur noch wenige Hersteller überhaupt dieses Segment.

Canyon Inflite: Ein Cyclocross-Bike für Profis

Einer davon ist Canyon aus Koblenz, der den sechsmaligen Querfeldein-Weltmeister Mathieu van der Poel als besonders prominenten Crossprofi mit dem Inflite ausstattet. Die Note von 1,8 ist für ein Rad mit der günstigen Komponentengruppe Sram Rival sensationell gut. Schon auf den ersten Metern wird klar, wie sehr sich das Konzept von den beiden anderen unterscheidet. Die Sitzposition ist ausgesprochen sportlich, die Lenkung reagiert spontan auf jede kleinste Bewegung.

Das alles wird Cyclocross-Enthusiasten weniger stören als vielmehr freuen, ebenso wie der markante Knick im Oberrohr, der mehr als nur Wiedererkennungswert hat. Er ist gezielt so geformt, damit sich das Rad gut schultern und tragen lässt, wenn es zu Fuß über Hindernisse wie Treppen oder Barrieren geht. Dass das Crossrad vom Gravelbike so gründlich verdrängt wurde, hat damit auch etwas Gutes: Nie waren Querfeldeinräder so gut auf ihre Disziplin abgestimmt wie heute.

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