Cube Reaction TM One: Ein Trailhardtail im Test

Cube schießt mit seinem neuen Trailhardtail den Vogel ab, denn für 1100 € liefern die Bayern ein Trailhardtail, dem auf den ersten Blick nichts fehlt.

Trailhardtails: Eine Frage der Perspektive

Trailhardtails legen eine Gratwanderung zwischen Vergötterung und Verachtung hin. Die einen lieben sie aufgrund ihrer simplen Technik und dem ungefilterten Fahrgefühl. Die anderen hassen sie, weil sie keinen Komfort bieten und im rauen Gelände einem Fully ganz klar unterlegen sind. Cube stellt mit seinem neuen Reaction TM One vor allem ein Argument für Trailhardtails ins Rampenlicht: den Preis. Und das ist wohl für die allermeisten das ausschlaggebende Kaufkriterium.

Verdammt sexy für 1100 €

Die Optik von Cubes Trail-Hardtail stimmt. Viele, vor allem junge Biker, träumen von einem Fully zum Trails shredden. Denn das Cube Stereo One 22 Fully gibt es zwar ab 1999 €, also etwas weniger als den doppelten Preis. Man kann die Marktübersicht abkürzen. Unter 2000 € wird es verdammt schwer, ein Fully mit gleichem Einsatzbereich und ähnlicher eleganter Optik zu finden. Viele träumen von Fullys wie dem Stereo One22. Aber vollgefederte Bikes kosten mindestens doppelt so viel.

Qualität und Verarbeitung

Trotz Kampfpreis lässt sich Cube bei der Qualität und Optik des Rahmens nichts nachsagen. Hier hat sich in der Alu-Verarbeitung in den letzten Jahren wirklich nochmal einiges getan. Cube weiß es, die neuesten Entwicklungen beim Schweißen von Alu-Rahmen perfekt umzusetzen.

Das geschraubte BSA-Tretlager und die Zugverlegung durch das Unterrohr bzw. Details wie die stabil abgestützte Direkt-Mount-Bremsaufnahme am Hinterrad, die ab Werk für eine 180er-Scheibe vorbereitet ist, oder das Gusset im Sitzrohrbereich zeigen, dass man bei Cube die Bedürfnisse der Zielgruppe endlich ernst nimmt. Der Rahmen macht einen deutlich stabileren Eindruck als der alte Reaction TM Rahmen.

Gewicht und Reifen

Mit 15,5 Kilo ohne Pedale ist das Bike für ein Hardtail schwer. Zwar wiegen andere Trailhardtails in dieser Preisklasse ähnlich viel, aber Fullys wie das Canyon Spectral CF schaffen es mit Dämpfer und mehr Federweg auf das gleiche Gewicht. Normalerweise spart ein Hardtail gegenüber einem Fully ca. 1,5 Kilo Gewicht, weil der Dämpfer und die Gelenke bei einem starren Rahmen wegfallen.

Die Schwalbe-Reifen haben massiv Grip und mit ihrer doppelten Karkasse auch den Pannenschutz, den man sich für ein Trailhardtail vorstellt. Aber sie drücken mit über 1300 Gramm pro Reifen auch ordentlich auf die Waage. Hinzu kommt, dass man die Reifen mit ihrem Drahtkern auch nur mit Schlauch und nicht Tubeless fahren kann. Das ist richtig üppig und das macht das Bike beim Antreten oder im Uphill auch spürbar behäbig.

Das Gute an der Sache ist aber auch, dass man hier im Nachgang relativ leicht tunen kann. Denn wenn man den ersten Satz Reifen mal runtergefahren hat, lassen sich mit einem Budget von 80 - 100 € schnell mal ein Kilo Gewicht sparen, ohne dass man an Grip oder Pannenschutz eingebüßt.

Schaltung und Bremsen

Hochwertige Mountainbikes sind in der Regel mit Shimano Schaltungen oberhalb des Deore Niveaus (Deore, SLX, XT oder XTR) oder eben Sram Schaltungen ausgestattet. Die verbaute Cues Schaltungen sortieren sich vom Qualitätsniveau unterhalb der Deore Gruppe ein. Shimano versucht dabei mit nur zehn Ritzeln an der Kassette einen niedrigeren Preispunkt zu realisieren. Dennoch soll die Gruppe den Geländespaß abkönnen.

Das liegt vor allem daran, dass die Schaltung pro Gangwechsel auch größere Sprünge machen muss. Denn mit nur zehn Ritzeln fallen die Gangsprünge größer aus als bei einer Schaltung mit 12 Ritzeln. Und das, obwohl die Gangspreizung mit der Kassette mit 11 -48 Zähnen sogar deutlich kleiner ausfällt.

Im Großen und Ganzen funktioniert die Schaltung zuverlässig und auf einem Niveau, das für den Mountainbike-Einsatz ok ist. Bei Schaltperformance und Bandbreite muss man sich aber bewusst sein, dass teure Optionen mehr drauf haben.

Bei den Bremsen lässt Cube nichts anbrennen. Der 4-Kolben-Magura-Bremssattel am Vorderrad ist in Kombination mit der 203 mm großen Scheibe einer der stärksten Stopper, die man sich vorstellen kann. Die Anlage im Heck ist etwas schwächer, aber immer noch absolut ausreichend. Cube investiert hier an der richtigen Stelle.

Federgabel

Die SR Suntour Federgabel hat nicht den Ruf einer Rock Shox oder Fox Gabel, funktioniert aber auf dem selben Niveau wie die günstigen Gabeln der Marktführer im Highend Segment. Wichtig ist vor allem, dass die Gabel mit einer Luftfeder, und nicht mit einer Stahlfeder arbeitet. So manche Gabel in diesem Preissegment macht das nämlich noch. Die Luftfeder hat den Vorteil, dass ich mit einer einfachen Gabelpumpe die Federhärte an mein Körpergewicht oder meine Vorlieben auf dem Trail anpassen kann. Außerdem ist sie deutlich leichter als die Stahlfedergabel.

Die Zugstufe ist einstellbar und sogar die Druckstufe, also die Einfedergeschwindigkeit, lässt sich mit 7 Klicks leicht feintunen. Wobei der letzte Klick hier oben am rechten Gabelholm im Lockout endet und die ersten 2-3 Klicks kaum eine Wirkung haben.

Vor allem bei großen schnellen Schlägen bauen hochwertigere Gabeln die Energie besser ab. Da erreicht man mit dieser sowie den meisten anderen Gabeln in dieser Preisklasse schneller den Zustand, dass sie durchschlagen. Und bei ganz schnellen Schlagabfolgen halten diese hochwertigeren Gabeln den Kontakt zum Boden etwas besser.

Geometrie

Bei der Geometrie geht Cube endlich den richtigen Weg. Mit dem neuen Rahmen ist Cube im Trailhardtail Game angekommen. Mit dem 65 Grad Lenkwinkel trifft man den Nagel auf den Kopf. Lass krachen!

Eine Sache muss man bei der Geometrie betonen. Mit den Größen XS und S hat man selbst als kleiner, vielleicht noch nicht ausgewachsener Mensch, zwei Rahmengrößen zur Auswahl. Das ist absolut sinnvoll. Das Gewicht ist ein Thema bei dem Bike und mit den kleinen Laufrädern wird es einfach noch einmal circa ein halbes Kilo leichter. So lässt es sich, auch für leichte Fahrer, besser handhaben.

Ab der Größe M hat das Reaction TM 29er-Laufräder. Das Bike ist nicht super quirlig, sondern schlägt sich tendenziell eher auf die laufruhige Seite. Es wäre übertrieben, wenn man sagen würde heftige Trails wie der Little Champery in Finale Ligure wären ein Zuckerschlecken für das Bike. Das Zusammenspiel aus den soliden Reifen, der gelungenen Geo und den Bremsen schafft es selbst dann, wenn es richtig knifflig wird, ein sicheres Fahrgefühl aufzubauen.

Alternativen

Für 400 € mehr liefert Cube das Reaction TM Pro. Das Bike hat denselben Rahmen, ist aber besser ausgestattet und wiegt über 1 Kilo weniger.

Achtung: Die Reaction Bikes ohne den Modellzusatz TM haben zum Verwechseln ähnliche Modellnamen, mit nur 100 mm Federweg aber eine ganz andere Ausrichtung.

Fazit

Das Reaction TM schwimmt gegen den Trend. Cube liefert für 1100 € genügend Mountainbike, um den Sport in seiner vollen Bandbreite, von leichten Hometrails bis zu den Killer Trails von Finale auszuüben. Unterm Strich ist es aber ein Paradebeispiel dafür, wie einst hochpreisige Technologien mittlerweile in bezahlbaren Preisregionen angekommen sind.

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