Cyclocross Laufräder Felgenbremse Test: Ein umfassender Überblick

Gravel ist längst Mainstream, und so gibt es so ziemlich jedes Produkt der Radbranche nun auch in einer Gravel-Version - Laufräder natürlich auch.

Was macht ein Laufrad Gravel-tauglich?

Die Frage, was ein Laufrad Gravel-tauglich macht, lässt sich leicht beantworten: In erster Linie geht es ums Profil der Felgen. Los geht’s mit der Breite, besser gesagt mit der Maulweite, also dem Abstand der sogenannten Felgenhörner zueinander: Ist dieser in Relation zur Reifenbreite zu gering, wölbt sich der Reifen stark über die Felgenflanke hinaus.

Der breite Reifen sitzt nicht gut auf der schmalen Felge; gerade bei etwas geringerem Luftdruck ist ein schwammiger Fahreindruck die Folge, was in der Kurve unangenehm ist. Bei ruppiger Kurvenfahrt mit Schräglage kann der Reifen nach innen gedrückt werden und sich dabei kurzzeitig von der Felgenflanke lösen.

Rennrad-Laufräder mit superschmaler Maulweite unter 15 mm gibt es praktisch nicht mehr. Bei Alu-Felgen sind heute 17 bis 18 mm das Minimum; aerodynamische Carbon-Laufräder haben teils Maulweiten von 20 mm und mehr. Auch Cyclocross-Pneus mit 33 mm Breite harmonieren gut; für einen richtigen Gravel-Reifen um 40 mm Breite müssen aber andere Felgen her: Hier spielt die Musik zwischen 22 und 25 mm Innenweite.

Letzteres ist nur für Reifen ab 35 mm empfehlenswert, stützt andererseits aber auch eine Zwei-Zoll-Walze problemlos ab; ersteres packt auch noch einen 28er Rennrad-Pneu - Stichwort „Allroad“.

Hookless-Felgen

Einen kleineren Vorteil beim Reifensitz haben die sogenannten Hookless-Felgen, bei denen das nach innen ragende Felgenhorn wegfällt, unter dem sich bei konventionellen Felgen der Reifen verkrallt. Die hakenlose Felge schnürt den Reifen etwas weniger ein und stützt ihn dadurch noch besser ab. Damit kann eine Hookless-Felge auch ruhig etwas schmaler ausfallen, was wiederum den Vorteil hat, dass sie mehr Spielraum bei der Reifenbreite bietet.

Allerdings gelten bei diesem Felgentyp geringere Maximaldrücke - bei 5 bar ist Schluss, sodass Reifen unter 28 mm Breite nicht gefahren werden können. Doch wer will das schon noch?

Tubeless-Kompatibilität

Der zweite wichtige Aspekt betrifft die Tubeless-Kompatibilität. Während gerade Rennradfahrer meist noch mit Schlauch im Reifen unterwegs sind, hat sich im Gelände Tubeless durchgesetzt. Vorteile sind der deutlich größere Pannenschutz, da es den klassischen Durchschlag nicht mehr gibt - dabei wird der Schlauch zwischen Felge und Fahrbahn eingeklemmt und meist gleich zweifach punktiert.

Das geringere Pannenrisiko erlaubt es, mit niedrigerem Luftdruck zu fahren, was wiederum Traktion, Stoß- und Vibrationsdämpfung und damit den Komfort verbessert; außerdem sinkt ohne Schlauch der Rollwiderstand, und etwas Gewicht spart man auch. Radsätze, die nicht Tubeless-kompatibel sind, findet man heute höchstens noch als Erstausstattung an einfachen Kompletträdern.

Gewicht der Laufräder

Solche Laufräder sind meist auch recht schwer, was ein weiterer wunder Punkt ist. Überschätzen muss man den Faktor Gewicht nicht - 50 Gramm an der Felge oder am Reifen machen keinen spürbaren Unterschied aus. Doch mehrere Hundert Gramm wirken sich merklich aufs Handling aus und machen natürlich auch das Rad insgesamt schwerer, was man etwa beim Tragen merkt.

Auch aus Aluminium werden inzwischen sehr leichte, dabei robuste und verlässliche Laufräder fürs Gravelbike angeboten. Wenn es zusätzlich auch noch aerodynamisch sein soll, müssen freilich Carbonfelgen her; die können nämlich auch mit tiefen, breiten Profilen ziemlich leicht ausfallen. Skeptiker mögen einwerfen, dass man mit dem Gravelbike nur selten so schnell fährt, dass die Aerodynamik (der Laufräder) eine Rolle spielt.

Für unterschiedlichste Reifenbreiten geeignet, robust, leicht und aerodynamisch - kann man alles auf einmal bekommen? Die in unserer Bestenliste vorgestellten acht Laufradsätze machen Hoffnung.

Die Bedeutung von Laufrädern im Gravel-Rennen

327 Kilometer in neun Stunden, elf Minuten und 47 Sekunden - dies entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 35 Kilometern in der Stunde. Der Australier Lachlan Morton aus dem Team EF Education-EasyPost fuhr diese Rekordzeit weder mit einem Rennrad noch auf Asphalt, sondern mit einem Gravel-Bike über Schotter, Geröll und durch Matsch.

Neben der Physis der Fahrer ist das „Material“ schon längst ein Sieg-Faktor bei den großen Gravel-Rennen. Schneller Radfahren mit der gleichen Leistung - das ist das, was die meisten Radprofis und Hobbysportler wollen. Mit die beliebtesten „Tuningteile“ sind in diesem Zusammenhang: die Laufräder.

Wir haben zehn verschiedene Laufradsätze im Labor und in der Praxis getestet. Um den Trend zu schnellen, aerodynamischen Hochprofil-Laufrädern abzubilden, haben wir alle Modelle im Windkanal unter realen Fahrbedingungen untersucht.

Wir wollten wissen: Machen hohe Felgen auch Gravel-Bikes klar schneller? Es kann sich aus mehreren Gründen lohnen, ein serienmäßig ausgestattetes Gravel-Bike mit einem neuen Laufradsatz auszurüsten und in den meisten Fällen aufzuwerten.

Felgenbreite und Reifenvolumen

Noch vor einigen Jahren waren an den ersten Gravel-Rädern in der Regel stabile Rennrad-Laufradsätze mit Innenmaulweiten von 19 bis 21 Millimetern verbaut. Damit harmonieren sie besonders gut mit 40 Millimeter breiten profilierten Reifen oder 30er Slicks. Der Grund: Breitere Felgen erhöhen die effektive Breite der auf ihnen montierten Reifen und damit auch das Volumen.

Gravelbikes im Preisbereich von 2500 bis 4000 Euro sind meist mit einem Carbon-Rahmen und einer hochwertigen mechanischen oder sogar elektronischen Schaltung ausgestattet. Serien-Laufräder wiegen oftmals zwischen 1900 bis 2100 Gramm - sie sind damit vergleichsweise schwer.

Aktuelle Modelle weisen oft höhere Felgen im Bereich von 40 bis 45 Millimetern auf. Einige Hersteller wie DT Swiss und Scope haben inzwischen Laufräder mit 50 Millimetern Felgenhöhe und mehr im Portfolio. Als „aerodynamisch“ erachten wir Felgen ab 30 Millimetern Höhe. Die zehn Laufräder in diesem Vergleich weisen Felgenhöhen zwischen 18 und 42 Millimeter auf.

Windkanaltests

Im GST-Windkanal in Immenstaad am Bodensee prüften wir den Luftwiderstand der zehn Gravel-Laufräder, genauer: die benötigte Leistung bei 35 km/h. Bei einer alleinigen Betrachtung der beiden Laufräder macht das Vorderrad rund 80 Prozent des gesamten Luftwiderstands aus, das Hinterrad dagegen nur 20 Prozent, da es sich im Windschatten des Sitzrohres dreht. So ist es für aussagekräftige Ergebnisse ausreichend, nur die Vorderräder im Windkanal zu messen - dies entspricht auch den üblichen Testverfahren.

Alle Messungen wurden mit einer Windgeschwindigkeit von 35 Kilometern pro Stunde durchgeführt. Während der Messungen dreht sich der Prüfstand von plus nach minus 20 Grad - damit fließen auch Seitenwindverhältnisse, wie sie in der Realität vorkommen, in das Gesamtergebnis ein. Straßen-Laufräder werden mit 45 km/h gemessen, die Werte sind somit nicht direkt vergleichbar.

Die Auswertungs-Software von GST berechnet abschließend die jeweils „gewichtete Leistung“ in Abhängigkeit der Anströmwinkel. Das heißt: Jeder einzelne Winkel wird mit der dazugehörigen Leistung in dem Maße prozentual gewichtet, wie er im Fahreinsatz unter realen Bedingungen vorkommt.

Ausgewiesen wird auch die benötigte Leistung bei der Frontalanströmung, also bei null Grad. Die beiden untenstehenden Grafiken zeigen die Ergebnisse aus dem Windkanal, also die Werte für die Vorderräder. Alle Messungen führten wir mit profilierten Continental-Terra-Speed-Gravel-Reifen mit 40 Millimetern Breite durch.

Für unsere zehn Testlaufräder ergaben sich bei 35 km/h gewichtete Leistungen von 15,6 bis 19,4 Watt. Niedrige Werte sind besser, da weniger Leistung benötigt wird, um die gleiche Geschwindigkeit zu halten.

Die niedrigsten und damit besten Werte erzielen die 40 Millimeter hohen Leeze CC40 Allroad Evo Waso. Ihre gewichtete Leistung: 15,6 Watt. Es folgen, knapp dahinter, mit jeweils 16,3 Watt gewichteter Leistung, die Laufradsätze von DT Swiss und Swiss Side - beide sind 42 Millimeter hoch.

Grundsätzlich erzeugen breitere Reifen einen höheren Luftwiderstand, da sie dem Wind eine größere Anströmfläche bieten. Exemplarisch montierten wir deshalb einen 35 Millimeter breiten Terra-Speed-Reifen auf den DT-Swiss-GRC-1400-Laufradsatz.

Je höher die Felgen sind, desto „empfindlicher“ sind sie auch für Seitenwind. Dieser Effekt ist messbar.

Lenkmoment und Seitenwind

Ursprünglich wurde der GST-Windkanal entwickelt, um Flugobjekte und Tragflügel zu messen. Deshalb können nicht nur der Auf- und der Abtrieb untersucht werden, sondern auch das Dreh- und das Lenkmoment bei einer seitlichen Anströmung.

Die GST-Software kann somit auch einen einheitenfreien „Lenkmoment-Beiwert“ für die Vorderräder ausweisen. Je größer dieser Wert ist, desto stärker beeinflusst der Seitenwind das Lenkverhalten. Aufgetragen wurde das Lenkmoment in Abhängigkeit von den Winkeln des Seitenwindes, von minus 20 bis plus 20 Grad.

Die niedrigsten und damit besten Werte erzielten die Modelle von DT Swiss und SwissSide - mit je 42 Millimetern Felgenhöhe sind sie die höchsten Modelle im Test. Sie stehen damit stellvertretend für einen Trend im Gravel-Race-Sektor zu höheren und damit aerodynamisch günstigeren Laufrädern.

DT Swiss präsentierte kürzlich mit dem Modell GRC Dicut einen neu entwickelten Laufradsatz mit 50er Felgenhöhe, der für 40 Millimeter breite Reifen optimiert ist.

Gewicht und Beschleunigung

Auch für Gravel-Bikes gilt: Ab einer Geschwindigkeit von rund 15 Kilometern pro Stunde ist der Luftwiderstand der größte Fahrwiderstand, gefolgt vom Rollwiderstand der Reifen. Beinhaltet eine Tour viele Höhenmeter, so gewinnt auch das Gewicht an Bedeutung.

Weiter nehmen die Laufräder beim Beschleunigen eine Sonderstellung ein, da sie zwei Mal beschleunigt werden müssen: Erstens in die Vorwärtsbewegung des Systems aus Rennrad und Fahrer. Zweitens als Beschleunigung bei der Drehbewegung des Laufrades selbst. Auch gerade deshalb sind Laufräder besonders effektive „Tuningobjekte“.

Das Gewicht aller Testmodelle wurde je einschließlich der aufgezogenen Felgenbänder ermittelt. Das erklärt teilweise die Differenzen zu den Herstellerangaben.

Seitensteifigkeit

Ein weiterer wichtiger Parameter ist die Seitensteifigkeit der Laufräder. Wir belasteten die Felgen im Labor je seitlich mit einem Fünf-Kilogramm-Gewicht - dies entspricht rund 50 Newton. Wir nahmen die Nachgiebigkeit beziehungsweise Elastizität mit einer mechanischen Messuhr auf und verrechneten die Werte zur Seitensteifigkeit. Sie gibt an, welche Kraft nötig ist, um die Felge seitlich einen Millimeter zu bewegen.

Gute Werte liegen zwischen 30 und 35 Newton pro Millimeter, sehr gute darüber. Wir belasteten die Laufräder zur rechten und zur linken Seite und bildeten daraus den Mittelwert. Bei den Hinterrädern ergeben sich in der Regel etwas geringere Werte, da auf der rechten Seite aufgrund des Ritzelpakets die Speichen steiler stehen.

Seitliche Kräfte an den Laufrädern entstehen etwa im Wiegetritt und beim Durchfahren von Spurrillen. Vorderräder mit einer hohen Seitensteifigkeit punkten hier durch ihre Lenkpräzision - und sie „laufen“ den Spurrillen weniger hinterher.

Mit der Anzahl der Speichen und deren Spannung steigt die Seitensteifigkeit. Insbesondere für schwere Fahrer und Bikepacker ist sie von größter Wichtigkeit.

Maximal zulässiges Gewicht

Auch das maximal zugelassene Gewicht ist für schwere Fahrer und Bikepacker ein zentraler Punkt. Das Fahrergewicht ist selbsterklärend, das Systemgewicht beinhaltet Fahrer, Fahrrad, Trinkflaschen und Gepäck. Die Mavic-Allroad-SL-Laufräder liefern mit einem maximal zulässigen Systemgewicht von 135 Kilogramm den höchsten Wert im Test.

Keramik-Lager

Bei Leeze können die Laufräder gegen 400 Euro Aufpreis mit Keramik-Lagern geordert werden, bei den Specialized Roval Terra CLX II sind sie serienmäßig verbaut. Je nach dem Fahrergewicht und der Geschwindigkeit können durch eine reduzierte Lagerreibung rund zwei bis vier Watt „eingespart“ werden.

Testergebnisse im Überblick

Die anderen Testkandidaten mit ihren flachen beziehungsweise mittelhohen Felgen sehen wir aber keinesfalls als Verlierer an. Sie punkten dafür bei anderen wichtigen Parametern, wie etwa beim Gewicht, bei der Robustheit oder dem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Laufrad Felgenhöhe (mm) Gewichtete Leistung bei 35 km/h (Watt) Lenkmoment
Leeze CC40 Allroad Evo Waso 40 15.6 Im grünen Bereich
DT Swiss 42 16.3 Niedrigster Wert im Test
Swiss Side 42 16.3 Niedrigster Wert im Test
Roval Terra CLX II k.A. k.A. Maximalwert von 0.007

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