Fahrrad Dämpfer Funktion: Das A und O für Mountainbiker

Dank Federgabel und Dämpfer meistern Mountainbiker:innen auch die schwierigsten technischen Trails. So steigen Fahrsicherheit, ‑komfort und auch die Effizienz, in dem die Kraft auch am Boden ankommt. Doch nur ein richtig eingestelltes Fahrwerk entfaltet das volle Potenzial des Rades.

Federung und Dämpfung: Ein Zusammenspiel

Man unterscheidet Federungs- und Dämpfungsfunktion. Die Federung hält das Rad bzw. die gefederten Räder am Boden. Nur dort kann ein Rad Seitenführungs‑, Antriebs- und Bremsmomente übertragen. Moderne Federelemente setzen für die Feder oft auf Luft, seltener auf Stahl oder Titan. Die Dämpfung übernimmt Öl. Jeder Ein- wie Ausfedervorgang wird gedämpft, sprich kontrolliert. Ausfedern ohne Dämpfung, z. B. bei einer einfachen Kugelschreiberfeder, würde das Rad nach dem Überfahren eines Hindernisses unkontrolliert springen lassen.

Die richtige Einstellung finden

Zum Ausprobieren und Verbessern einer Ausgangseinstellung empfiehlt es sich, auf einem wohlbekannten Trail eine Probefahrt zu machen. Dieser sollte technisch nicht überfordern, denn je mehr Konzentration für die Fahrsituation aufgebracht werden muss, desto weniger bleibt übrig, um die Funktion der Federung zu bewerten. Wenn es dann ans Einstellen geht gilt: „Eins nach dem Anderen heißt dabei die goldene Regel“, wie Philipp Martin vom Mountainbike-Hersteller Orbea rät. „Ändert man mehrere Einstellungen gleichzeitig, kann man die Veränderung sonst keinem Parameter eindeutig zuordnen.“ Zudem sollte man sich langsam an das gewünschte Ergebnis herantasten, etwa indem man eine Einstellung nur schrittweise verändert und dann ggf. in die Gegenrichtung feinjustiert.

1. Federhärte und Negativfederweg einstellen

Zunächst wird die Federhärte auf das Fahrgewicht (inkl. Ausrüstung wie Helm, Knieschoner oder Rucksack) angepasst. Bei Stahl- und Titanfedern hilft nur die richtige Feder. Austausch oder Umbau sollte in diesem Fall der Fachhändler übernehmen. Wesentlich verbreiteter sind Luftfederelemente. Hier kann in einem weiten Bereich die Federhärte über den Luftdruck eingestellt werden. Dafür benötigt man eine spezielle Dämpferpumpe, betont Carsten Wollenhaupt vom Federungsspezialist Rock Shox angehört: „Typische Standpumpen arbeiten in einem geringeren Druckbereich. Ihre Manometer sind außerdem zu ungenau und ihr Kammervolumen zu groß.“

Der richtige Luftdruck wird über den Negativfederweg eingestellt. Negativfederweg (engl. „sag“): Der Federweg, der allein durch das Fahrer:innen-Gewicht. Als Faustregel sollte man zwischen 20 und 30 Prozent wählen. Je mehr Federweg insgesamt zur Verfügung steht und je mehr Komfort gewünscht wird, desto größer der Sag. Einige Hersteller geben auf ihren Federelementen Luftdruckempfehlungen gestaffelt nach Fahrgewicht an. Das erleichtert es, einen guten Ausgangswert zu finden. Ist dies nicht der Fall, hilft der Blick in die Bedienungsanleitung. Dort sind Minimal- und Maximalwerte für den Luftdruck angegeben, an denen man sich grob orientieren kann.

Ist ein Ausgangswert für den Luftdruck eingestellt, schiebt man die O‑Ringe auf den Gleitflächen zurück und nimmt die Grundposition auf dem Rad ein (mit leicht gebeugten Armen und Beinen zentral über dem Tretlager stehend). Dann steigt man vorsichtig ab, ohne zu wippen. Der O‑Ring hat sich beim Einfedern so weit verschoben, wie der Federweg genutzt wurde. Jetzt misst man, wie viele Zentimeter Federweg in der Grundposition genutzt wurden und setzt das ins Verhältnis zum maximal zur Verfügung stehenden Federweg (bzw. Dämpferhub beim Hinterbau-Federbein). Aufgedruckte Skalen erleichtern etwa bei Rock Shox das Bemessen des Negativfederwegs.

2. Zugstufendämpfung einstellen

Stimmt der Negativfederweg, stellt man im zweiten Schritt die Zugstufendämpfung ein. Dazu dreht man das Einstellrad für Rebound/Zugstufe Klick für Klick in die gewünschte Richtung. Die Bedienungsanleitung verrät, wo sich das Einstellrad findet. Die Dämpfung wird von der offenen, sprich ungedämpften Position aus gemessen und eingestellt. Das Einstellrad ist mit „+“ und „-“ beschriftet, wobei „+“ mehr Dämpfung, also eine langsamere Ausfedergeschwindigkeit meint. Rock Shox ergänzt diese Angabe um zwei eindeutige Piktogramme. Der Hase steht für schnelles Ausfedern/weniger Dämpfung, die Schildkröte für langsames Ausfedern/mehr Dämpfung.

Zunächst sollte man die Dämpfung ganz öffnen, indem man das Einstellrad vollständig zu „-“/Hase dreht. Dann federt man die Gabel ein, indem man sich neben den Lenker stellt und sie durch Drücken mit dem gesamten Oberkörper so weit wie möglich komprimiert. Dabei am besten die Bremse ziehen, damit das Rad nicht wegrollt. Dann lässt man ruckartig den Lenker los und beugt sich zurück. Die Gabel federt schlagartig und ungedämpft aus, wobei das Vorderrad in der Regel den Bodenkontakt verliert. Das verhindert man nun, indem man die Dämpfung so weit erhöht (Dreh in Richtung „+“/Schildkröte), bis das Vorderrad gerade eben nicht mehr abhebt. So ist eine taugliche Basiseinstellung erreicht.

Eine eventuell Vorhandene Hinterbaufederung sollte ungefähr gleich schnell ausfedern wie die Federgabel, um ein unharmonisches Fahrvehalten zu vermeiden.

3. Druckstufe einstellen

Besonders hochwertige Federelemente erlaufen die externe Einstellung der Druckstufe. Damit lässt sich anpassen, wie sensibel das Federelement einfedert, ohne den Luftdruck zu verändern. Eine Veränderung in Richtung +/mehr Dämpfung bewirkt einen höheren Widerstand. Aktive Fahrer:innen, die z. B. viel im Wiegetritt fahren können von dieser Einstellung profitieren. Aber Achtung: Nicht übertreiben! Schließlich ist die Federung zum Federn da.

4. Aufschreiben der Basiseinstellung

Hat man nun seine Basiseinstellung gefunden, ist es ratsam, diese als Ausgangspunkt für weitere Experimente und zur Sicherheit gegen unbeabsichtigte Veränderungen zu notieren und aufzubewahren (etwa gemeinsam mit der Bedienungsanleitung).

Glossar

Du möchtest tiefer in das Thema Fahrwerk am Mountainbike vordringen? Federung und Dämpfung sagen Dir was, aber wofür sind noch mal Lowspeed-Compression und Offset-Buchsen gut? Dieses Glossar hilft Dir, kurz noch mal nachzuschlagen, bevor Du etwas falsch machst oder wenn Du bei der Produktauswahl unsicher bist. Du kannst es natürlich auch am Stück durcharbeiten, um die komplexen Zusammenhänge der Federung und ihrer diversen Tuning-Möglichkeiten zu durchsteigen. Dann empfehlen wir Dir aber, einen Kaffee zu holen.

Begriff Beschreibung
Ausgleichsbehälter (Piggyback) Ein kleiner Zusatzzylinder, der als Reservoir für das beim Einfedern verdrängte Dämpfungsöl agiert.
Beschichtungen, Reibung/Gleitflächen Die Oberfläche der Gleitflächen wird sorgfältig veredelt und gehärtet, um die Reibung zu reduzieren und die Sensibilität der Federung zu erhöhen.
Buchsen (Gleitlager) Ermöglichen die Rotation des Dämpfers und führen die Standrohre der Gabel.
Brücke Der Bogen, der die Tauchrohre des Castings miteinander verbindet und der Steifigkeit dient.
Casting (Tauchrohreinheit, Lower Legs) Der untere Teil der Gabel, also die außenliegenden Tauchrohre inklusive Brücke.
Dämpfer (Federbein) Das Federbein am Hinterbau eines vollgefederten Rads mit federnder und dämpfender Funktion.
Dämpferauge Das Teil des Rahmens, an dem der Dämpfer montiert wird.
Dämpferhub Der Weg zwischen komplett eingefahrenen und komplett ausgefahrenem Dämpfer.
Dämpferpumpe (Gabelpumpe) Zum Aufpumpen von Luftfederelementen auf die richtige Federhärte.
Dämpfung Eine Funktion, die sich in jedem Federelement findet und bestimmt, wann ein Federelement wie schnell ein- oder ausfedert.
Dichtungen und Abstreifringe Schützen das Federelement vor dem Eindringen von Dreck und Wasser und das Schmieröl vor dem Auslaufen.
Doppelbrückengabel Federgabeln mit sehr viel Federweg mit zwei Brücken für mehr Stabilität.
Druckstufe (Compression) Regelt, wie ein Federelement einfedert.
Durchschlag (Bottom-out) Wenn die Federhärte und/oder die Progression eines Federelements zu gering ist und die Gabel oder der Dämpfer bis zum Anschlag durchrauscht.
Einbaulänge (Dämpfer) Gibt an, wie lang ein Dämpfer im ausgefederten Zustand von Dämpferauge zu Dämpferauge misst.
Einbaurichtung (Dämpfer) Die Richtung, in der der Dämpfer eingebaut wird.
Elastomere und Blattfedern Stoßdämpfende Elemente aus Kunststoff oder Gabeln mit Carbon-Blattfedern.
Federgabel Die Vorderradfederung, die am Fahrrad am häufigsten verbaut wird.
Federung „Entkoppelt“ Dich und Dein Rad von den Bodenunebenheiten und sorgt so für Bodenhaftung und Komfort.
Federhärte (Federkonstante, Federrate) Der wichtigste Parameter der Federung, der bestimmt, wie weit eine Gabel oder ein Dämpfer einfedert, wenn eine bestimmte Kraft wirkt.
Federkennlinie Stellt grafisch dar, wie weit beispielsweise das Hinterrad durch Einwirkung einer bestimmten Kraft einfedert.
Federmedium Das Medium, das für die Federung verwendet wird (Luft, Stahlfeder).
Federweg Der maximale Weg, den das Rad beim Einfedern zurücklegen kann.
Federwegsabsenkung Technologien, die eine kletterfreundlichere Geometrie ermöglichen sollten.
Gabelkrone Das Bauteil, das den Gabelschaft mit den zwei Holmen (Standrohren) verbindet.
Gabel-Offset (Nachlauf) Wird durch einen Versatz in der Krone und an der Achsaufnahme realisiert.
Gabelschaft Verbindet Deine Gabel mit dem Rahmen Deines Bikes und Deinem Cockpit.

Dieses Glossar soll Ihnen helfen, die komplexen Zusammenhänge der Federung und ihrer diversen Tuning-Möglichkeiten zu durchsteigen.

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