Ein korrekt abgestimmtes MTB-Fahrwerk ist essenziell, um sicher und schnell auf den Trails unterwegs zu sein. Wir zeigen dir, wie du Federgabel und Dämpfer richtig einstellen kannst, um in weniger als fünf Minuten das passende Grund-Setup zu finden.
Überblick über Federgabel und Dämpfer
Bevor wir ins Detail gehen, hier ein Überblick über die wichtigsten Teile und Einstellmöglichkeiten von Federgabel und Dämpfer am Mountainbike:
- Luftdruck: Bestimmt die Federhärte und muss an das Gewicht des Fahrers angepasst werden.
- Zugstufe: Reguliert die Ausfedergeschwindigkeit des Federelements.
- Druckstufe: Reguliert die Einfedergeschwindigkeit des Federelements.
Es ist ratsam, Federgabel und Dämpfer gleichzeitig einzustellen, da das Fahrwerk bei vollgefederten Mountainbikes harmonieren muss. Wir zeigen das Fahrwerks-Setup beispielhaft an einer Rockshox SID-Federgabel und einem Rockshox Deluxe-Dämpfer. Die Arbeitsschritte sind für alle Rockshox-Federelemente und auch Federgabeln von Fox & Co. die gleichen.
Schritt 1: Sag (Negativfederweg) einstellen
Sag ist der Federweg, der einer Federgabel oder einem Dämpfer zum Ausfedern zur Verfügung steht. Der Negativfederweg sorgt dafür, dass ein Laufrad in ein Schlagloch absacken kann, um permanent Bodenkontakt zu halten. Nur so kann optimale Fahrsicherheit gewährleistet werden.
- Luftdruck einstellen: Eine gute Startposition für den richtigen Luftdruck findet sich in der Bedienungsanleitung des Herstellers. Hier nach der passenden Kilogramm-Angabe suchen, vollständige Ausrüstung mit einbeziehen. Druckstufendämpfung oder Plattform (Lockout) immer ganz öffnen.
- Grundposition einnehmen: Aufs Rad steigen, in kompletter Montur (mit Helm, Rucksack usw.), Sattel mit Teleskopstütze komplett absenken, Grundposition einnehmen (stehend, Kurbeln waagerecht). Eine zweite Person kann helfen, das Rad zu halten; allein lehnt man sich an eine Wand oder ein Geländer. Jetzt ein paar Mal wippen, um die Federelemente eintauchen zu lassen. Wer viel im Sitzen auf dem Trail fährt, kann probieren, ob ein Setup im Sitzen für seinen Einsatzbereich bessere Ergebnisse bringt.
- Gummiring verschieben: Möglichst stillstehen und den Gummiring am Standrohr so weit wie möglich nach unten schieben.
- Absteigen: Vorsichtig, ohne Wippen, vom Rad steigen und darauf achten, dass sich der Gummiring nicht mehr verschiebt. Gabel und Dämpfer-Lockout vor dem Absteigen schließen.
- Sag ablesen: Jetzt zeigt der Abstand zwischen Tauchrohrdichtung und Gummiring den Negativfederweg (Sag) an. 20 bis 30 Prozent des Gesamtfederweges werden als ideal betrachtet. Eine aufs Standrohr aufgedruckte Sag-Skala verrät die Prozentzahl; ist keine Skala vorhanden, einfach ein Lineal nehmen und nachrechnen. In der Grundposition kommt man am schnellsten zu seinem persönlichen Setup.
Tipp: Je mehr Federweg das Bike hat, mit desto mehr Sag / Negativfederweg sollte man fahren. In ganz seltenen Fällen können es auch einmal mehr als 30 Prozent Sag sein.
Schritt 2: Zugstufe (Rebound) und Druckstufe (Compression) einstellen
Zugstufe einstellen
Die Zugstufe kontrolliert die Geschwindigkeit, mit der die Gabel ausfedert. Zu schnelles Ausfedern lässt das Rad unkontrolliert springen, federt die Gabel zu langsam aus, steht beim nächsten Impact nicht der gesamte Federweg zur Verfügung. Der Rebound-Knopf an der Gabel ist meistens rot.
- Zugstufe öffnen: Bevor man die Zugstufe einstellt, sollte diese ganz geöffnet werden.
- Gabel einfedern lassen: Den Lenker kräftig und schnell nach unten drücken, um die Gabel einfedern zu lassen. Beim Ausfedern den Lenker loslassen; das Vorderrad sollte jetzt nicht den Kontakt zum Boden verlieren.
- Feinjustierung: Hebt das Vorderrad vom Boden ab, die Ausfedergeschwindigkeit verlangsamen, d.h. Zugstufe Klick für Klick reindrehen.
Druckstufe einstellen
Nun die Druckstufe einstellen. Diese dämpft/bremst das Einfedern der Gabel bei Schlägen ab.
- Fahrergewicht berücksichtigen: Die Einstellung der Druckstufe richtet sich bei den meisten Federgabeln nach dem Fahrergewicht. Leitlinie: je schwerer der Fahrer, desto mehr Druckstufendämpfung wird empfohlen.
- Settings wählen: Bei Gabeln mit nur drei Settings (zum Beispiel Open, Medium, Firm) empfehlen wir stets das offene oder mittlere Setting.
- Feinjustierung: Für Federgabeln zum Beispiel mit Fit4 Kartusche wie bei der FOX 36 empfehlen wir den "3-Position Lever" in der offenen Stellung zu fahren und den "Open Mode Adjuster" (kleines Stellrad) anhand der FOX Empfehlungen einzustellen. Hier empfiehlt FOX zum Start 18 Klicks (gegen den Uhrzeigersinn von der komplett geschlossenen Stellung aus gezählt). Je offener, (gegen UZS) desto leichter bewegt sich die Gabel durch den Federweg. Je geschlossener (Klicks im UZS), desto mehr Widerstand bietet sie beim Einfedern und hilft zusätzlich gegen Durchschläge.
Tipp: Hier gibt es detaillierte Anleitungen zu den FOX 36er/38er Federgabeln und den DT SWISS Federgabeln. Die Ausfedergeschwindigkeit kontrolliert man ganz einfach: Federgabel möglichst tief einfedern und beim Ausfedern Lenker loslassen.
Schritt 3: Sag (Negativfederweg) am Federbein einstellen
Auch beim Federbein ist die richtige Einstellung des Sag essentiell. Die Einstellung funktioniert fast so wie an der Gabel.
- Luftdruck einstellen: Zuerst den vom Hersteller angegebenen Luftdruck einstellen. Wer die Bedienungsanleitung verlegt hat, findet (auch ältere) Manuals leicht im Internet. Auch beim Federbein gilt Druckstufendämpfung oder Plattform (Lockout) immer ganz öffnen.
- Grundposition einnehmen: Aufs Rad steigen, Sattel mit Teleskopstütze komplett absenken, die Grundposition einnehmen, wippen, um den Dämpfer zu komprimieren. Auch hier unser Tipp: Wer überwiegend im Sitzen auf dem Trail fährt, kann probieren, ob er das Setup im Sitzen vornimmt und damit für seinen Einsatzbereich bessere Ergebnisse erzielt. Dann ist der Hinterbau gegebenenfalls nicht zu weich eingestellt für den Fall, dass das Körpergewicht überwiegend nach hinten verlagert ist.
- Sag ablesen: Still stehen bleiben, Gummiring an den Dämpfer schieben, vorsichtig vom Rad steigen. Der Abstand zwischen Gummierung und Dämpferdichtung zeigt den Sag an. Jetzt kann der Sag an den Einsatzbereich und den persönlichen Geschmack abgestimmt werden. Die SAG Einstellung am Dämpfer funktioniert genauso wie an der Gabel.
Schritt 4: Zugstufe (Rebound) am Federbein einstellen
Auch am Federbein ist der Rebound-Knopf meistens rot. Zum ersten Einstellen sucht man sich am einfachsten eine Bordsteinkante.
- Testfahrt: Die Bordsteinkante langsam herunterrollen, der Dämpfer sollte dabei ungefähr 1,5-mal wippen. Das bedeutet, er sollte einmal komplett einfedern, etwas nachwippen und sich dann stabilisieren.
- Feinjustierung: Wippt der Hinterbau länger nach, ist die Ausfedergeschwindigkeit zu hoch, ein schwer zu kontrollierendes, hüpfendes Hinterrad wären die Folge. Also: die Zugstufe etwas reindrehen, damit sich der Rebound verlangsamt.
Auch einige Dämpfer besitzen umfangreiche Möglichkeiten an Feinjustierungen der Compression. Hier gilt: möglichst mit offener Einstellung beginnen und dann schrittweise die Anpassungen vornehmen. Je nach Modell bieten die Dämpfer eine Vielzahl an Einstellungsmöglichkeiten.
Zusätzliche Tipps für die Feinabstimmung
Viele Suspension-Elemente bieten darüber hinaus noch eine Menge weiterer Einstellungsmöglichkeiten, um das Fahrwerk auf den eigenen Fahrstil einstellen zu können. Wichtig aber ist das passende Grundsetup, das man Fahrt für Fahrt auf seine persönlichen Vorlieben und Einsatzbereich anpassen kann.
Drei Tipps für die nächsten Schritte:
- Auf dem Trail eine Dämpferpumpe mitnehmen, am besten immer die gleiche verwenden.
- Eine vertraute Strecke mehrfach fahren und Fahrwerk leicht nachjustieren. Zwischendurch immer wieder kontrollieren.
- Die Einstellungen - auch das Grundsetup - notieren.
Merke: Luftdruck, Zug- und Druckstufe: Wer einmal verstanden hat, welche Rädchen diese drei Parameter an einem modernen Mountainbike-Fahrwerk beeinflussen, kommt spielerisch und mit wenigen Werkzeugen zur perfekten Grundeinstellung seines Bikes.
Empfohlene SAG-Werte nach Einsatzbereich
Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über empfohlene SAG-Werte in Abhängigkeit vom Einsatzbereich:
| Einsatzbereich | SAG-Wert |
|---|---|
| Cross Country Marathon Fully | ca. 20% |
| All Mountain | ca. 25% |
| Enduro | ca. 30% |
| Downhill | ca. 30-40% |
Hinweis: Diese Werte dienen als Ausgangspunkt und können je nach persönlichem Fahrstil und Vorlieben angepasst werden.
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