Diese Seite umfasst die zu DDR-Zeiten produzierten Fahrradmodelle der Marke Diamant. Die zeitliche Einordnung der Modelle basiert zum Großteil auf Original-Katalogen und anderer Literatur, wobei auch in einigen Fällen zunächst nur die Modellnummer geändert wurde und erst später technische Veränderungen folgten. Bei der Identifizierung eines unbekannten Modells sollte zunächst das Baujahr und die Art des Fahrrades (Tourenrad, Sportrad usw.) ermittelt werden.
Tourenräder
Die Diamant Tourenräder besaßen stets eine Laufradgröße von 28“ und 56 cm hohe Rahmen. Ab dem Jahre 1946 wurde die Produktion der Modelle EH und ED weitergeführt. Diese "Einheitsräder" wurden bereits während des Krieges entwickelt. Ein Katalog des Jahres 1950 zeigt bereits eine etwas umfangreichere Modellpalette: Neu hinzugekommen war eine Damenausführung mit "Schwanenhalsrahmen", die es sowohl mit Glockentretlager als auch mit Keiltretlager gab.
Zusätzlich gab es nun auch die Herrenausführung wahlweise mit dem Keiltretlager. Den Tourenrädern mit Keiltretlager war offenbar keine lange Existenz beschieden, denn schon 1955 sind sie nicht mehr im Sortiment zu finden. Die verbliebenen Modelle EH, ED und 106 wurden im Wesentlichen unverändert noch bis etwa 1960 gefertigt. Eine Sonderstellung nahmen die Tourenräder in "englischer Ausführung" ein.
Eine Weiterentwicklung der herkömmlichen Tourenräder von Diamant stellten die Modelle 101 und 102 dar. Auch diese wurden sowohl in Damen- als auch Herrenausführung ausschließlich mit 56 cm hohem Rahmen produziert. Die Unterschiede zum Tourenrad lagen hauptsächlich im hinteren Rahmendreieck. Die Tourensporträder besaßen einen geraden Hinterbau sowie schräge Ausfallenden.
Ab 1957 wurden die Tourensporträder mit 26"-Laufrädern ausgestattet. Gegenüber den klassischen Tourenrädern waren die 26"-Tourensporträder spürbar leichter und wendiger. 1959 wechselte im Rahmen der Sortimentsbereinigung wiederum die Typenbezeichnung: Nun gab es die Modelle 35 102 und 35 154. 1964 kamen noch die besser ausgestatteten Modelle 35 105 und 35 156 hinzu.
Ab Ende 1975 wurden die Damenausführungen mit einer neuen Rahmenform angeboten. Die bisherigen Modelle 35 154 und 35 156 wurden durch die neuen Modelle 35 157 und 35 160 ersetzt. Seit 1980 gab es die Modelle 35 109 bzw. 35 164 mit einer Dreigang-Kettenschaltung von Favorit sowie hinterer Felgenbremse. Die sehr einfach ausgestatteten Modelle wurden in der zweiten Hälfte der 80er Jahre offenbar kaum noch produziert. In einer Modellübersicht des Jahres 1988 fehlen sie bereits.
Hinzu kamen in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre noch Modelle mit 28"-Laufrädern. Unklar ist, ob diese regulär in der DDR angeboten wurden, oder dem Export vorbehalten waren. Diamant Modell 35 162 - Sportliches Damen-Tourenrad 28" (ca. 1986 - mind. Diamant Modell 35 104 - Sportliches Herren-Tourenrad 28" (ca. 1986 - mind. Diamant Modell ?
Sporträder
Die Sporträder von Diamant besaßen stets 28"-Laufräder und 56 cm hohe Rahmen. Im Jahre 1954 begann die Produktion der völlig neu entwickelten Fahrräder. Sie besaßen einen sehr leichten Rahmen sowie die fortan für Diamant typische Rundscheidengabel. Es erschienen zunächst die Modelle 108 und 109. 1956 kamen die Luxus-Sporträder hinzu, die bereits ab Werk eine Viergang-Kettenschaltung besaßen.
Von der Vereinheitlichung der Typenbezeichnungen im DDR-Fahrradbau waren auch die Sporträder betroffen. Die bisherigen Modelle 108 und 109 trugen jetzt - in Abhängigkeit der Hinterradbremse - die Nummern 35 201 oder 35 202 (Herrenausführung) bzw. 35 251 oder 35 252 (Damenausführung). Bei den Luxus-Sporträdern geschah dies analog. Nur kurzzeitig wurde das Wandersportrad angeboten. Im Zusammenhang mit der Vergrößerung der Kapazitäten zur Produktion von Flachstrickmaschinen wurde die Fertigung der Sporträder 1969 an das Mifa-Werk abgegeben.
Somit verblieben bei Diamant nur noch die Tourensporträder und die Rennräder. Die in Sangerhausen produzierten Sporträder wurden zunächst überwiegend mit dem Diamant-Rahmendekor ausgeliefert, sie können jedoch anhand der Rahmennummer zielsicher von den “echten“ Diamant Sporträdern unterschieden werden. Während man bei Diamant immer 7-stellige Rahmennummern vergab, so hatten die mit "Diamant" dekorierten Sporträder aus Sangerhausen maximal 6-stellige Rahmennummern.
Modell 35 201
Der 56 cm hohe Rahmen verfügt über einen starr ausgeführten Hinterbau mit geraden Sitz- und Kettenstreben. Wie bei Sporträdern üblich besitzt auch dieses Fahrrad angelötete Ausfallenden. Der Rahmen der frühen Exemplare hat zusätzliche Ösen für den Bowdenzug der hinteren Felgenbremse und für den Gepäckträger, ferner eine angelötete Luftpumpenhalterung und Dynamohalterung.
Das Modell 35 201 besitzt ein Keiltretlager (BSA-Ausführung), eine Felgenbremse vorn sowie schmale Leichtmetallfelgen für Reifen der Breite 1 3/8". Schutzbleche aus Leichtmetall, Sportsattel, Sportgepäckträger sowie ein Flachlenker mit Vorbau sind weitere Ausstattungsmerkmale. Anders als die Damenausführung verfügen die Herrensporträder in der hier beschriebenen Variante über keinen Kettenschutz.
Rennräder
Auf der Basis der Diamant Rennräder wurden ab 1988 die Modelle 35 721 und 35 771 angeboten. Diese Fahrräder wurden als Rennsporträder bezeichnet und waren voll straßentauglich. Die Rennsporträder waren mit verschiedenen Rahmenhöhen erhältlich.
Erst neun Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde bei Diamant ein neues Rennrad entwickelt. Bis 1954 wurde das aus den 30er Jahren bekannte Modell 67 in kleiner Stückzahl produziert. 1954 begann die Serienfertigung des Modells 167. Es gab Ausführungen ohne Gangschaltung, mit Viergang-Kettenschaltung oder Achtgang-Kettenschaltung und Rahmen mit 52, 55, 58 und 61 cm Höhe.
Speziell für die Friedensfahrt und ähnliche Radsportveranstaltungen entstanden ab 1955 in sehr geringer Stückzahl die "Friedensfahrtrahmen". Nach der Sortimentsbereinigung im Jahre 1959 wurden die Modellbezeichnungen der Rennräder zweimal kurz hintereinander geändert. So bekamen die drei verschiedenen Varianten des Modells 167 nun eigene Bezeichnungen, die von der bisherigen Modellnummerierung von Diamant grundlegend abwichen, aber zunächst nur geringfügige technische Veränderungen / Verbesserungen mit sich brachten.
Im Zuge der Neuordnung der DDR-Fahrradindustrie wurde RENAK mit der Entwicklung eines 5-fach-Schaltwerks beauftragt. Erstmals 1974 wird das Modell 35 705 K in einem Katalog erwähnt. Dieses für den Nachwuchs konzipierte Rennrad besaß den Rahmen der üblichen Modelle, jedoch mit niedrigeren Rahmenhöhen und einfachen Sportrad-Ausfallenden.
Um 1982 wechselte die Bezeichnung zu Modell 35 709. In einer Typenübersicht des Jahres 1988 wird erstmals ein Modell 35 710 erwähnt. Dabei handelt es sich um ein Kinder-Rennrad mit 44 cm Rahmenhöhe. Das früheste bekannte Exemplar dieses Modells stammt aus dem Jahr 1985.
Unabhängig von den Serienmodellen für den Massenmarkt entwickelte man das Diamant "Friedensfahrt-Modell" weiter. Mitte der 80er Jahre entstand dabei das Übergangsmodell Modell 35 711, das bereits in wesentlichen Punkten an westliche Standards angepasst war. Mit dem Modell 35 715 folgte ab 1988 das höchstentwickelte Diamant-Rennrad aus DDR-Produktion, das technisch unverändert auch noch in den ersten Diamant-Katalogen nach der politischen Wende zu finden war.
Diamant Modell 167: Das Friedensfahrtmodell
Alles startet 1952: In diesem Jahr beginnt bei uns die Entwicklung des Diamant 167. Zwei Jahre später, im Mai, soll das Projekt zum Erfolg geführt werden. Geplant ist, 150 wettkampfbereite Rennräder vom Typ 167 für die Radsportvereine der DDR herzustellen. Diese ambitionierte Mission steht unter einem klaren Ziel. Ab dem 28. August 1954 sollen die Räder an der prestigeträchtigen Friedensfahrt für Erfolge sorgen. Und die Mission gelingt: Die Bühne ist somit frei, um Geschichte zu schreiben.
Auch ein Jahr später läuft für Diamant im Radsport alles wie am Schnürchen. Bei der 8. Internationalen Friedensfahrt holt sich Gustav Adolf “Täve” Schur den Gesamtsieg auf dem Diamant Modell 167.
Internationale Friedensfahrt 1955
An der achten Friedensfahrt von Prag über Ost-Berlin nach Warschau beteiligten sich 106 Fahrer, die in 18 Nationalmannschaften aufgeteilt waren. Das Rennen erstreckte sich über 2214 Kilometer und war in 13 Etappen unterteilt.
Einführung der Rundscheidengabel
Das Diamant 167 wurde in vier verschiedenen Rahmengrößen produziert. Erstmals entwickelten und verbauten wir eine Rundscheidengabel. Der geringe Durchmesser und die kreisrunde Form der Gabelscheiden auf der gesamten Länge punkteten mit mehr Federungskomfort. Die Straßenverhältnisse waren seinerzeit oft sehr schlecht. Nicht jede Straße war asphaltiert und insbesondere in Ortsdurchfahrten dominierten noch Pflastersteine. Stöße auf solchen Oberflächen konnten damit ausgeglichen werden.
Im Ergebnis behielten Diamant-Fahrer mehr Kontrolle über ihre Räder und ermüdeten weniger schnell. Als die Gabel sich bewährte, setzten wir sie später auch an den Diamant-Sporträdern ein. Das waren sportlich definierte Räder mit Ausstattung für den Alltag, also die Vorgänger unseres heutigen Sortiments.
Ausstattung des Diamant Modell 167
- Chrommolybdän-Stahlrohr-Rahmen
- Rahmengrößen: 52, 55, 58 und 61
- Rundscheidengabel
- Keiltretlager mit hohlgebohrter Welle
- 27-Zoll Aluminiumfelgen mit Schlauchreifen
- 3-Arm-Keilgetriebe
- Hinterradnabe mit Leerlaufzahnkranz
- 4- oder 8-Gang-Kettenschaltung
- Felgenbremsen
- Aluminium-Rennlenker mit Prägung «Diamant Modell 167»
- Aluminium-Vorbau
- Aluminium-Sattelstütze
- Aluminium-Luftpumpe
- Gewicht: 11 kg
Im Zeitraum von 1954 bis Ende 1963 verließen total 42.686 Diamant 167 die Werkshallen. Im Jahr 1956 wurde das Modell mit 4-Gangschaltung für 776.50 Mark angeboten. Für das Modell mit 8-Gangschaltung musste man rund 40 Mark mehr investieren.
Heute begegnet man dem Diamant 167 auf den Straßen nur noch selten. Einige wenige haben die Zeiten im Originalzustand überdauert, während viele andere mit modernen Anbauteilen aufgewertet wurden. Wie viele Diamant 167 heute noch vorhanden sind, lässt sich nur schwer bestimmen. Es ist gut möglich, dass in manchen Kellern oder Scheunen noch wahre Schätze schlummern.
Die Erinnerungen an vergangene Triumphe verleihen dem Diamant 167 einen besonderen Glanz. Optisch war das Rad schon damals ein Highlight. Wir glauben, dass dieser Charme auch heute noch ungebrochen ist. Doch nicht nur seine äußere Erscheinung, sondern auch seine bemerkenswerte Langlebigkeit machen das Diamant 167 bis heute einzigartig. Wenn du selbst eins findest und fahren darfst: Genieße es!
Restaurierung eines Diamant-Rennrads
Mit dem Trend zu Vintage- und Retro-Bikes steigt auch die Zahl der Restauratoren historischer Fahrräder. Dazu gehört auch Fahrrad-Enthusiast Jürgen Nöll, der es sich zur Aufgabe machte, ein altes Diamant-Rennrad zu restaurieren und nun dessen stolzer Besitzer ist.
Ganz egal, wie das Anhängsel aussieht. Im Diamant-Blog berichtet er mit viel Bildmaterial von seiner Rennradrestauration und gibt praktische Werkstatt-Tipps.
Interview mit Jürgen Nöll
Das erste Fahrrad meines Vaters war ein Diamant Halbrenner, Modell 100 von 1928. Rund 50 Jahre später fand ich die Reste des Rades auf dem Speicher und machte mich sofort an die Restaurierung.
Der grüne Halbrenner meines Vaters mit Felgen aus Holz war die größte Herausforderung. Wichtig bei der Beschaffung eines Restaurierungsobjektes ist die Vollständigkeit aller Originalteile. Im Gegensatz zu früher sind heute Räder gesucht, die noch eine erhaltenswerte Patina besitzen.
Am liebsten bin ich heute mit dem Diamantrad von 1961 unterwegs. Da passt einfach alles, von der Sitzposition über die Beinlänge bis hin zur Lenkgeometrie. Mit ihm habe ich schon große Strecken zurückgelegt, habe es sogar zwei Winter lang als Trainingsrad benutzt.
Viele Jahre habe ich auf einen Dienstwagen verzichtet um zumindest von April bis November mit dem Rad zum Büro zu fahren. Jetzt im Ruhestand ist mein bevorzugtes Terrain mit dem Rennrad befestigte Wege und wenig befahrene Straßen.
Bestandsaufnahme für die Restaurierung
Unbedingt ein Liebhaberstück, aber keines für Ungeduldige - das fast vergessene Rad aus dem Jahre 1961 wartet auf eine Restauration.
Ein filigraner Diamant-Stahlrahmen mit ebenso filigraner Gabel - viel zu schade zum Ausschlachten. So erbärmlich es auch mit den rostigen Fahrradteilen, seinem verblassten, mit unzähligen Schrammen übersäten Lack, dem verformten Sattelleder, den unterschiedlichen Felgen und Reifen aussah - der Fahrrad-Liebhaber brachte es nicht übers Herz, den Diamanten auszuschlachten. Also gab es nur eine Alternative: Die Restauration.
Mögliche Probleme und Lösungen
- Altes Schaltwerk, Kette und beide Zahnkränze des Kettenrads verrostet
- Unzählige Schrammen in der Lackierung
- Abgefahrene und unterschiedliche Felgen und Reifen
- Bakelit -Lenkergriffe zerbrochen
- Feder-Ledersattel spröde
- Typenschild, Licht, Gepäckträger und Schutzbleche fehlen
- Diamant-Schriftzüge soll unbedingt erhalten bleiben
Werkzeugempfehlung und Hilfsmittel für die Fahrrad-Restaurierung
Neben dem Inhalt eines Profi-Werkzeugkastens (für knapp 150 Euro erhältlich) wird folgendes benötigt:
- Alu- oder Kupferhammer
- Gummihammer
- Speichenschlüssel
- Kettenöffner
ggf. Mit Rostlöser oder Sprühöl WD40 aus dem Baumarkt lassen sich eingerostete Schrauben, Sattelstützen, Lenkerrohre einfacher lösen. Für die zahlreichen Kugellager verwendet der Fahrrad-Experte Lagerfett.
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