„Traumhaft schöne Räder seit 1885“ - damit wirbt die Diamant Fahrradwerke GmbH. Die Marke Diamant hat es geschafft, ihre Geschichte in die Speichen der Zeit zu weben.
Die Anfänge in Chemnitz
Die Geschichte der Diamant Fahrradwerke begann 1885 in Chemnitz-Reichenbrand. Am 1.Januar 1885 wurden Friedrich Nevoigt und sein Bruder Wilhelm als "Gebrüder Nevoigt Reichenbrand/Chemnitz" in das Handelsregister der Stadt Chemnitz eingetragen. Dort wurde die Firma von den beiden Brüdern Friedrich und Wilhelm Nevoigt gegründet und stellte anfangs Teile für Strickmaschinen her.
Doch die Brüder waren Visionäre und erkannten früh das Potenzial des Fahrrads, das damals noch in den Kinderschuhen steckte. Ab 1895 bereits verließen Fahrräder in Serie das Werk. Ende 1895 begann man mit der Herstellung von Fahrrädern der Marke Diamant.
Die frühen Diamant-Fahrräder waren wahre Kunstwerke der Ingenieurskunst. Mit ihrer Stabilität und Zuverlässigkeit wurden sie schnell zum bevorzugten Fortbewegungsmittel vieler Menschen. Die 1920er und 1930er Jahre waren eine Blütezeit für die Diamant-Fahrradwerke. Die Marke hatte sich etabliert und war bekannt für ihre hochwertigen Fahrräder.
In dieser Zeit wurden zahlreiche Modelle eingeführt, die sich durch elegante Designs und technische Raffinessen auszeichneten. Besonders bekannt war das Modell „Pfeil“, ein Rennrad, das für seine Leichtigkeit und Schnelligkeit geschätzt wurde. Die Fahrräder von Diamant wurden nicht nur im Alltag, sondern auch im Radsport immer beliebter. Viele erfolgreiche Rennfahrer schworen auf die Zuverlässigkeit und die Leistung ihrer Diamant-Räder.
Expansion und Umstrukturierungen
1906 wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft, die "Gebrüder Nevoigt AG Reichenbrand/Chemnitz" umgewandelt. Neben Fahrrädern wurden nun auch Flachstrickmaschinen hergestellt. Wegen steigender Produktion von Fahrrädern wurde 1912 vom Aufsichtsrat beschlossen, das Unternehmen erneut umzufirmieren, die Firma hieß nun "Diamant Werke Gebrüder Nevoigt AG".
1920 erfolgte der Zusammenschluß mit der Autofabrik "Elite AG" aus Brand-Erbisdorf zur "Elite Diamant AG". 1928 verlor Diamant seine Selbstständigkeit und wurde von Opel (die bereits zu General Motors aus den USA gehörten) in der Aktienmehrheit übernommen. Nach einen Vergleichsverfahren ging 1930 die neue "Elite Diamant AG Siegmar/Sachsen" hervor.
Die dunklen Wolken des Zweiten Weltkriegs warfen ihren Schatten auch auf die Diamant-Fahrradwerke. Während des Krieges wurde die Produktion umgestellt, und das Werk stellte Rüstungsgüter her. Nach dem Krieg lag das Unternehmen, wie so viele andere, in Trümmern. Doch die Nevoigts und ihre Nachfolger gaben nicht auf. Die Nachkriegszeit brachte jedoch auch Herausforderungen mit sich.
Diamant in der DDR-Zeit
Nach Kriegsende wurden die Elite-Diamant-Werke am 21. Januar 1946 unter staatliche Verwaltung gestellt. Am 30. November 1946 ging er in das Eigentum der UdSSR über und wurde Teil der sowjetischen Aktiengesellschaft Awtowelo, aus der er am 30. April 1952 entlassen wurde. Zum 1. Mai 1952 wurden die Diamant-Werke in Volkseigentum überführt.
Die Teilung Deutschlands bedeutete für Diamant, dass das Werk nun in der DDR lag. Zu DDR-Zeiten war Diamant die beliebte unter den nur zwei Fahrradmarken. Doch trotz der politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten schaffte es Diamant, seinen Ruf als Hersteller hochwertiger Fahrräder zu bewahren.
In den 1950er Jahren produzierte man bis zu 300.000 Fahrrädern im Jahr. Schon damals wurden weitere Innovationen eingeführt. So war man einer der Ersten, die Leichtmetall für einzelne Komponenten einsetzten. Große Teile der Fahrradproduktion wurde weltweit exportiert. "Die Verbesserungsvorschläge der Werktätigen, in Aktivistenplänen zusammengefaßt, sind für die vorfristige Erfüllung des 5-Jahrplanes von ausschlaggebender Bedeutung, da sie Rohstoffe, Zeit und Geld einsparen helfen.
Bereits in den 60er Jahren wurde das Handlöten der Rahmen durch Induktions-Lötanlagen abgelöst. Die Automaten löten gleichmäßiger und sauberer als das von Hand möglich ist. Die bessere Qualität der Lötstellen wirkt sich vor allem positiv auf die Stabilität der Rahmen aus. Ein weiteres Beispiel ist der Gabelroboter.
1969 wurde aufgrund des Ausbaus der Strickmaschinenproduktion die Sportradproduktion an den VEB Mifa übergeben. Seit spätestens 1977 konnten Diamant-Fahrräder auch über den Geschenkdienst Genex erworben werden. Die Fahrräder wurden in diesen Katalogen zwar mit der Modellnummer vorgestellt und beschrieben, der Hersteller wurde jedoch nicht genannt.
Von 1948 bis 1990 produzierte der VEB Fahrradwerke Elite Diamant über acht Millionen Fahrräder.
Bekannte Modelle aus DDR-Zeiten:
- Modelle EH und ED (ab 1946 weitergeführt)
- Modelle 101 und 102 (Tourensporträder)
- Modelle 35 102 und 35 154 (ab 1959)
- Modelle 35 157 und 35 160 (ab Ende 1975, Damenausführungen)
Die Zeit nach der Wiedervereinigung
Nach der Wiedervereinigung wurde die Marke vom Schweizer Hersteller Villiger vor dem Untergang gerettet und zog nach Hartmannsdorf um. Am 1.Januar 1992 erfolgte die Privatisierung der Erzeugnislinie Fahrrad. Erst beteiligte sich die Schweizer Villiger-Gruppe an der neuen DIAMANT Fahrradwerke AG, die dann 1997 zu 100% übernommen wurde.
Am 29. November 1997 zog die neue Firma in ein neues Gebäude nach Hartmannsdorf in Chemnitzer Nähe. Pikanterweise wurde das Gebäude für die in Konkurs gegangene Strickmaschinen-Linie des alten Konzerns Elite Diamant errichtet. Um die Jahrtausendwende schrumpft der Fahrradmarkt. Villiger konzentriert sich lieber auf Zigarren und zieht sich 2002 aus dem Geschäft wieder zurück.
Seit dem Jahreswechsel 2002-2003 gehört Diamant zum amerikanischen Familienunternehmen Trek. Trek, ein amerikanisches Unternehmen im Besitz der Familie Burke, kauft Villiger und alle Submarken - einschließlich Diamant. Deutschlands ältester Fahrradhersteller begeistert John Burke. Später stellt Trek fast alle Submarken ein. Diamant bleibt.
Das US-Unternehmen krempelte das ostdeutsche Werk um. "Mittlerweile sind wir ein reiner Produktionsstandort", erklärt Geschäftsführer Michael Mittag. Was er in Hartmannsdorf unter den Namen Trek, Villiger und Diamant baut, entwerfen drei Produktdesigner in den Niederlanden.
Die Marke hat es geschafft, die Eleganz und Qualität vergangener Tage in die heutige Zeit zu übertragen. Heute steht Diamant für mehr als nur Fahrräder. Es steht für eine Philosophie, die das Radfahren als Teil eines bewussten und nachhaltigen Lebensstils sieht.
Diamant heute
Heute ist Diamant die älteste noch bestehende Fahrradfabrik in Deutschland. Hauseigene Marken sind neben 'Diamant' auch 'Arrow' und die Kultmarke 'Kuwahara'. Inzwischen gehört Diamant wieder zu den erfolgreichsten Fahrradproduzenten Deutschlands. Statt die Produktion aus Kostengründen nach Osteuropa zu verlagern, hat Burke sich persönlich dafür eingesetzt, dass Diamant Sachsen treu bleibt.
Von beschaulichen Hartmannsdorf aus werden heute noch neue elegante bis sportliche Diamanträder in ganz Deutschland, nach Österreich und in die Schweiz verschickt. Insgesamt fertigen die 700 Mitarbeiter an diesem Standort täglich 1.500 bis 2.000 Fahrräder für die verschiedenen Marken von TREK. Über die Hälfte der Räder sind heute mit einem Elektromotor ausgestattet.
In den letzten Jahrzehnten hat Diamant kontinuierlich in Forschung und Entwicklung investiert, um Fahrräder zu produzieren, die den modernen Ansprüchen gerecht werden. Elektrische Antriebe, innovative Materialien und ergonomisches Design sind nur einige der Merkmale, die die aktuellen Modelle auszeichnen.
Das legendäre Diamant Modell 167
Wenn wir nur ein Rad nennen wollen, das aus den früheren Diamantzeiten heraussticht, dann ist es das legendäre Diamant Modell 167. Früher Straßenrennrad, heute Kultobjekt und Museumsstück. Das Diamant 167 ist das Friedensfahrtmodell. Seine Geschichte und sein Design inspirieren bis heute viele Fahrradliebhaber und Enthusiasten.
Alles startet 1952: In diesem Jahr beginnt bei uns die Entwicklung des Diamant 167. Zwei Jahre später, im Mai, soll das Projekt zum Erfolg geführt werden. Ab dem 28. August 1954 sollen die Räder an der prestigeträchtigen Friedensfahrt für Erfolge sorgen. (Die Friedensfahrt war eine Rundfahrt durch Polen, Tschechien und DDR und hatte östlich der Mauer genauso viel Renommee wie westlich der Mauer die Tour de France.) Und die Mission gelingt: Die Bühne ist somit frei, um Geschichte zu schreiben.
Auch ein Jahr später läuft für Diamant im Radsport alles wie am Schnürchen. Bei der 8. Internationalen Friedensfahrt holt sich Gustav Adolf “Täve” Schur den Gesamtsieg auf dem Diamant Modell 167.
Ausstattung des Diamant Modell 167:
- Chrommolybdän-Stahlrohr-Rahmen
- Rahmengrößen: 52, 55, 58 und 61
- Rundscheidengabel
- Keiltretlager mit hohlgebohrter Welle
- 27-Zoll Aluminiumfelgen mit Schlauchreifen
- 3-Arm-Keilgetriebe
- Hinterradnabe mit Leerlaufzahnkranz
- 4- oder 8-Gang-Kettenschaltung
- Felgenbremsen
- Aluminium-Rennlenker mit Prägung «Diamant Modell 167»
- Aluminium-Vorbau
- Aluminium-Sattelstütze
- Aluminium-Luftpumpe
- Gewicht: 11 kg
Im Zeitraum von 1954 bis Ende 1963 verließen total 42.686 Diamant 167 die Werkshallen. Heute begegnet man dem Diamant 167 auf den Straßen nur noch selten. Einige wenige haben die Zeiten im Originalzustand überdauert, während viele andere mit modernen Anbauteilen aufgewertet wurden.
| Modell | Bauzeitraum | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Diamant Modell 167 | 1954-1963 | Friedensfahrtmodell, Rundscheidengabel, 4- oder 8-Gang-Kettenschaltung |
| Modelle EH und ED | Ab 1946 | Weiterführung der Produktion aus der Kriegszeit, "Einheitsräder" |
| Modelle 101 und 102 | Unbekannt | Tourensporträder mit geradem Hinterbau und schrägen Ausfallenden |
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