Die DDR war Bikerland! Dank des günstigen Preises und der kurzen Wartezeiten fuhr fast jeder Moped, Motorrad oder Motorroller. Um überhaupt motorisiert zu sein, griffen viele DDR-Bürger darum auf ein Motorrad zurück. Für den Transport größerer Gegenstände wurden die Motorräder dann auch häufig mit einem Anhänger ausgestattet.
Die Vielfalt der DDR-Zweiradproduktion
Bevor in der DDR ab Mitte der 50er Jahre aus wirtschaftspolitischen Gründen die Viertaktmodelle den Zweitaktern weichen mussten, hatte sich dort zuvor eine Vielfalt an Motorrädern entwickelt. Unter diesen reiften die Viertakter der beiden Firmen EMW - ehemals BMW - und AWO - ehemals Simson - zu Klassikern, die auch im Ausland nachgefragt wurden. Beide Firmen hatten bereits vor dem Krieg Motorräder gefertigt und begannen nach 1945, nunmehr in sowjetischem Besitz und im sowjetischen Auftrag, mit der Konstruktion von Viertakt-Mittelklassemodellen, die schon zu DDR-Zeiten Kult-Status erreichten.
Viertakt-Motorräder aus DDR-Produktion
1928 hatte BMW die Eisenacher Motorenwerke übernommen und dort auch Motorräder gebaut. Nach dem Krieg wurde eines davon, die R35, als EMW bis 1955 dort weitergebaut. Die AWO 425, das zweite Viertaktmotorrad aus DDR-Produktion, lief dagegen schon seit 1950 im thüringischen Suhl vom Band, die Produktion endete 1960.Danach wurde per Beschluss des Staatsrates die Fertigung von Viertakt-Motorrädern auf dem Gebiet der ehemaligen DDR eingestellt.
Bekannte Motorradmarken der DDR
Die bekanntesten Motorradmarken aus DDR-Herstellung waren Simson, MZ und IWL.
Kleinkrafträder von Simson
Die Firma Simson aus Suhl (Thüringen) stellte ab 1964 nur noch Kleinkrafträder, also Mopeds und Mofas, her. Von Simson stammt das bekannteste Modell, der Kleinroller Schwalbe. Weitere Simson-Krafträder trugen ebenfalls Vogelnamen: Star, Spatz, Sperber oder Habicht. 1975 kam die ebenfalls sehr populäre S50 auf den Markt.
Die Simson Vogelserie
- Schwalbe
- Star
- Spatz
- Sperber
- Habicht
- S50
Motorräder von MZ: Motorradbau Zschopau
Ab 1962 durften Motorräder nur noch von der Firma MZ hergestellt werden, dem Motorradbau Zschopau. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden in Zschopau bei DKW so viele Motorräder gebaut wie sonst nirgends auf der Welt. Nachdem die gesamte Produktionsstätte als Reparationsleistung in die Sowjetunion abtransportiert worden war, stand der Motorradbau zunächst still. 1950 wurde die Produktion mit dem Vorkriegsmodell von 1939, RT 125, wieder aufgenommen und bis 1962 fortgeführt. Ab 1956 erhielten alle neuen Modelle den Namen "MZ", so auch die Baureihen ETS und TS. Weite Verbreitung fand dann ab 1985 die MZ ETZ. Mit MZ-Maschinen gelangen den DDR-Rennsportlern in den 1960er Jahren mehrere Siege in den Sechstagefahrten, einem internationalen Motorradrennen.
MZ Modelle im Überblick
Hier ist eine Tabelle mit einigen der bekanntesten MZ-Modelle:
| Modell | Bauzeit | Besonderheiten |
|---|---|---|
| RT 125 | 1950-1962 | Vorkriegsmodell von 1939 |
| ETS | Ab 1956 | Neue Baureihe |
| TS | Ab 1956 | Neue Baureihe |
| ETZ | Ab 1985 | Weite Verbreitung |
Motorroller von IWL: Pitty, Wiesel und Troll
Das Industriewerk Ludwigsfelde (IWL) in Brandenburg entstand auf einem Grundstück der Daimler Benz Werke, die hier vor und während des Zweiten Weltkrieges Flugzeugmotoren gebaut hatten. 1952 wurden die IWL aufgebaut, 1955 lief der erste Motorroller vom Band. Bis 1962 wurden hier dann die Motorroller Pitty, Wiesel, Berlin und Troll gebaut. Danach wurde die Produktion auf Nutzfahrzeuge umgestellt.
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