Neureichenau Motorradtouren: Das Paradies für Biker im Bayerischen Wald

Es gibt viele Gründe, mit dem Motorrad den Bayerischen Wald zu erkunden. Herrliche kurvenreiche Straßen mit vielen Aussichtspunkten, professioneller Motorradservice und eine ideale Lage für einen Abstecher nach Tschechien oder Österreich sind einige davon. Der Bayerische Wald entwickelt sich immer mehr zum Treffpunkt von Genusstourern und Kurvensüchtigen. Der Ruf als Seniorenregion ist längst überholt.

Attraktive Städte und Genussorte

Es sind nicht zuletzt die besuchenswerten Städte, die sich attraktiv in den Motorradspaß einbinden lassen. Wir haben uns vier davon einmal genussvoll angeschaut und sie in starke Touren eingebunden. Zwischen Passau und Bad Kötzting warten dabei, von allerkleinst bis sportlich, Motorradstraßen in allen Kategorien. Diese Runde stellt, parallel zur A3, die große Bandbreite einer Tour im Bayerischen Wald vor.

Etwa auf der Hälfte der Runde liegt Schönberg, wo in der örtlichen Buchhandlung Bayerwald-Krimiautor Alexander Frimberger seine Werke gerne signiert. Unser Städtetipp heißt Deggendorf, das vor allem durch seine herrlichen Donaustrände, die zu den schönsten des berühmten Flusses gehören, begeistert. Im Kulturviertel erzählen zahlreiche Museen von der spannenden Stadtgeschichte ebenso, wie von altem und neuem Handwerk. Deggendorf gehört zu den 100 bayerischen Genussorten und hat sich auf den Knödel in seiner unglaublich vielfältigen Art und Form spezialisiert.

Grenzenloser Fahrspaß: Tschechien und der Böhmerwald

Diese Runde passiert zunächst den Bikertreff am Arbersee und führt dann, über den Grenzübergang Bayerisch Eisenstein, nach Tschechien. Dort wird die eindrucksvolle Kurvenwelt des Böhmerwaldes präsentiert. Aber auch fürs Auge wird so manches geboten. Dabei weiß nicht zuletzt Susice/Schüttenhofen mit seinem schönen Stadtkern und den beeindruckenden Gebäuden zu gefallen. Der Grenzübergang Philippsreut führt dann wieder nach Deutschland.

Der Citytipp lautet Zwiesel, die weithin bekannte Glasstadt. Begeistern können neben den verschiedenen Museen über die Geschichte des Glases oder den Schauwerkstätten berühmter Glasmanufakturen, wie Zwiesel Kristallglas oder Kristallmanufaktur Theresienthal (natürlich mit günstigem Werksverkauf) - auch die wiederentdeckten Unterirdischen Gänge Zwiesels, die einst zum Schutz vor marodierenden Banden und Plünderungen tief in den Untergrund der Stadt gegraben wurden und heute nach ausgiebigen Restaurierungen im Rahmen von spannenden Führungen größtenteils wieder begehbar sind.

Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Zwiesel eine größere Brauerei- und Wirtshausdichte, als viele Metropolen Deutschlands: 12 Brauereien und 28 Wirtshäuser kamen hier auf gerade einmal 4.000 Einwohner. Paradiesische Zustände wahrlich!

Bier- und Wohlfühlhotel Gut Riedelsbach

Der Name ist Programm, wenn das Bike beim „Bier- und Wohlfühlhotel Gut Riedelsbach“ in der Nähe von Neureichenau gestoppt wird. Das was die engagierte Familie Sitter hier geschaffen hat ist aller Ehren wert. Die gelebte Wirtshauskultur rund ums hausgebraute, exzellente Bier und Einrichtungen wie der Braugarten und das Brauerei-Kultur-Museum wissen zu begeistern.

Ein umfangreiches Wellnessangebot auf über 2.000 m2, das zur Hälfte auch textilfrei genutzt werden kann, setzt Maßstäbe. Mit der Zigarrenstube, der einladenden Lounge und Sitter’s Rittertafel wurde der Genussfaktor des Hauses noch einmal gesteigert. Bikerwirt und Biersommelier Bernhard zeigt auf seiner Triumph Rocket gerne einmal, wo man sich in dieser Region mit dem Motorrad am wohlsten fühlt und hat immer gute Spezial-Tipps parat. Natürlich nutzen die Motorrad-Gäste auch gerne die hauseigene Tourenkarte und die dazu gehörenden Navi-Downloads.

Diese kernige Runde durch die Mitte des Bayerischen Waldes lockt mit sattem Windungspotential und zeigt die Faszination des schier unendlichen Netzes aus Kleinststraßen, nicht selten ohne Mittelstreifen. Auch die Donau darf ein bisschen mitspielen und ihren Teil zum Tourenspaß beitragen.

Neureichenau: Das Tor zum Nationalpark

Neureichenau ist eine sehenswerte Perle des „Dreiländerecks“ Bayerischer Wald - Tschechien - Österreich und nennt sich gerne auch das Tor zum Nationalpark Bayerischer Wald, also dessen streng geschützter Kernregion. Zahlreiche urige Bars und Bistros laden bereits am Morgen zum ersten oder zweiten Frühstück, Cafés und Konditoreien zur Einkehr am Nachmittag, eine Pralinenwerkstatt lockt mit köstlichen Kalorienbomben auf die Hand oder fürs Reisegepäck und Steinhäuser, Pizzerien, China-Restaurants sowie der „Inder um die Ecke“ laden gerne denjenigen ein, der es eher deftig und würzig mag.

Die Dreiländer-Tour

Diese Dreiländerrunde krönt den Besuch der Region. Tschechien trumpft mit seinen Ein- und Ausblicken um den Lipno (Moldaustausee) auf, im Mühlviertel werden Schräglagenträume wahr und Deutschland lädt zum Besuch der Drei-Flüsse-Metropole Passau ein.

Passau: Die Drei-Flüsse-Stadt

Passau ist die berühmteste Perle im idyllischen Drei-Flüsse-Eck ganz im Südosten Bayerns, sie besitzt eine mehr als zweitausendjährige Vergangenheit und dennoch ein ewig junges Gesicht. Schon die Kelten siedelten hier, natürlich auch die Römer. Und obwohl Donau, Inn und Ilz vor allem zur Schneeschmelze die historische Altstadt von Passau regelmäßig hüfthoch unter Wasser setzen, und große Brände im Mittelalter weite Teile in Schutt und Asche legten, wuchs die Stadt im Laufe der Jahrhunderte unaufhörlich weiter. Ihre Bürger galten als wohlhabend und auch zum Schutz vor Überfällen und marodierende Banden wurden zwei Festungen aus dem frühen Mittelalter - Oberhaus und Niederhaus - wehrhaft ausgebaut. Ob gut bürgerlich, traditionell bayerisch oder international - Passaus Küche bedient garantiert alle Geschmacksrichtungen.

Ganz besonders authentisch natürlich, wenn der Wirt sein eigenes Bier braut - wie zum Beispiel im legendären Weissbräu Andorf, der kleinsten Privatbrauerei Deutschlands. Berühmt sind Passaus Restaurants und Gasthöfe auch durch ihre herrlichen Kastanien-Biergärten, ihre mittelalterlichen Gewölbe oder den unverbauten Donaublick.

Das Motorrad steht hier sicher und selbstverständlich ist auch genügend Platz für Motorradanhänger vorhanden.

Österreich: Ein Einkehrschwung der Extraklasse

„Böhmerwald“ heißen die südöstlichen Ausläufer des Bayerischen Waldes auch heute noch - vor allem im tschechischen, aber auch österreichischen Grenzgebiet. Und jenes sehenswerte Flecken Österreich, das direkt an diesen Kurvenkönig angrenzt, wollen wir uns auf dieser Motorradtour einmal genauer anschauen. Natürlich inklusive Einkehrschwung - den der ist in ganz Österreich immer besonders lecker.

Waldkirchen: Eine junge Stadt mit Geschichte

Sie ist eine der jüngsten Städte des Bayerischen Waldes, wurde sie doch erst 1972 zur Stadt erhoben. All jene Stadtbrände sollen auf den Fluch einer Zigeunerin zurückgehen, den diese vor vielen Hundert Jahren über die Stadt gelegt hat, als ihr die Bürger Waldkirchens die Fahrt mit der Postkutsche verwehrten.

Der sehr beliebte Urlaubsort liegt malerisch direkt am Fuß des 1.330 m hohen Dreisesselberges. Dessen Name soll von drei Sesseln herrühren, die auf den Berg geschafft werden mussten, als sich dereinst die Könige von Bayern, Böhmen und Österreich dort versammelten, um über die Grenzen ihrer Herrschaftsbereiche zu verhandeln. Der Ort selbst entstand im 17. Jahrhundert aus einer „wandernden“ Glashütte und entwickelte sich alsbald zu einer beliebten Siedlungsregion. Auch der bekannte Böhmerwalddichter Adalbert Stifter war in Neureichenau oft und gerne zu Besuch.

Rohrbach im Mühlviertel

Im Herzen des Oberen Mühlviertels gelegen wurde Rohrbach bereits um 1200 an der Kreuzung wichtiger mittelalterlicher Handelswege gegründet und diente damals als willkommene Rast an der Grenze zum Böhmerwald. Dies brachte den Rohrbacher Bürgern bereits damals ansehnlichen Wohlstand ein, sowie um 1320 sogar die Verleihung der wichtigen Marktrechte.

Nein - sein Name stammt nicht von einer dort existierenden exorbitanten Vielzahl an Mühlen. Die Flüsse „Steinerne Mühl“ sowie „Große“ und „Kleine Mühl“ sollen vielmehr der oberösterreichischen Region ihren Namen gegeben haben. Deshalb sucht man Mühlen dort wohl auch heute meistens vergeblich.

Die mühsame Flachsweberei bescherte dem Mühlviertel einstmals einen gewissen Wohlstand, heutzutage ist es vor allem der „sanfte Tourismus“, der die Menschen ernährt.

Das Innviertel: Bayern in Österreich

Ganz im Nordwesten Oberösterreichs gelegen wurde das Innviertel ursprünglich einmal „Innbaiern“ genannt. Nicht zuletzt aufgrund seiner langen Zugehörigkeit zu Bayern und den daraus bis heute resultierenden vielen typischen Merkmalen. Das Innviertel gehörte seit dem 6. Jahrhundert zum Mattiggau im bairischen Stammesherzogtum. Erst nach dem Wiener Kongress 1814 wurde es zusammen mit dem Salzburger Land endgültig Österreich zugesprochen.

Bikerherzen höher schlagen lassen

Auf kurvenreichen Straßen zu aussichtsreichen Höhen cruisen, den Duft des Bayerischen Waldes genießen, in zünftigen Biergärten einkehren und bei Gastgebern übernachten, die spezielle Bikerangebote bereit halten, das lässt im Nationalpark-FerienLand „Bikerherzen“ höher schlagen. Ein Eldorado für Tourenliebhaber! Erlebnisreiche Bikertouren durch das Dreiländereck Bayern, Böhmen und Österreich, entlang der Glasstraße, durch das romantische Ilztal und den Nationalpark Bayerischer Wald.

Auf der Dreiländer-Tour entdecken Sie die schönsten Ecken von Bayer- und Böhmerwald und Oberösterreich. Die oberösterreichische Landeshauptstadt Linz ist das Ziel dieser ca. 200 km langen Route. Die Tour führt über Passau, Achleiten, Engelhartszell bis Linz. Den ganzen Bayerischen Wald können Motorradfahrer auf dieser Tour erkunden. Sie fahren über Innernzell, Kirchberg i. Wald, Rusel, Deggendorf, Mariaposching, Bogen, St.

Die Donau-Wald Tour

Auf ca. 200 km führt die Donau-Wald Tour in die „neue Welt“ und nach Passau. Sie kann von allen beliebigen Orten im Nationalpark-FerienLand durchgeführt werden. Ein Routenbeispiel ab Thurmansbang: über Saldenburg, Solla nach Innernzell, Schönberg, Grafenau, Spiegelau, weiter über die Nationalparkbasisstraße vorbei an Altschönau nach Mauth, weiter zum Wallfahrtsort Kreuzberg, Stadt Freyung, zum Grenzort Philippsreut, ins Dreiländereck Haidmühle und Neureichenau, weiter in den Landkreis Passau über die Orte Breitenberg, Wegscheid, Obernzell in die Dreiflüssestadt Passau.

Beim Ohetaler Verlag können Sie die Touren als Roadbook mit genauen Routenanweisungen im praktischen Tankrucksackformat bestellen. Das Roadbook kostet 5,- Euro.

Grenzenloses Fahren dank Schengen

Bei Reisen in die Tschechische Republik und nach Österreich gibt es durch das Schengener Abkommen keine Grenzkontrollen mehr. Den Fahrtwind spüren, die Landschaft genießen und in zertifizierten motorradfreundlichen Gasthöfen und Hotels einkehren und übernachten.

Anhand eines umfangreichen Kriterienkataloges werden Betriebe durch eine objektive Kommission von ADAC in Bayern und Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband geprüft und mit einem offiziellen Qualitätssiegel ausgezeichnet. Vom ADAC und Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Bayern e.V. (BHG) empfohlene Betriebe verfügen u.a.

Das Elefantentreffen in Loh

Tolle Leute! Tolle Stimmung! Mehr als 4000 Motorradfahrer und 2000 Tagesbesucher! Das Elefantentreffen ist das weltweit älteste und größte Wintertreffen für Motorradfahrer, das jedes Jahr am letzten Januarwochenende in Loh bei Solla/Thurmansbang stattfindet. Auch nach mehr als 50 Jahren bleibt es ein unvergleichliches Erlebnis nicht nur für alle Motorradfahrer, sondern auch für die Tagesbesucher. Für die ganz besondere Atmosphäre sorgen die Teilnehmer aus allen Teilen Europas und auch darüber hinaus.

Im „Hexenkessel“ von Loh gibt es keine Unterschiede, egal welche Nation, welcher Beruf, welches Alter oder welches Motorrad. Es versteht sich von selbst, dass das Elefantentreffen kein Festzelt mit Live-Musik oder andere Animationen braucht. Mindestens einmal im Leben muss jeder echte Motorradfahrer beim Original-Elefantentreffen des BVDM gewesen sein. Die meisten, die einmal die unvergleichliche Atmosphäre erlebt haben, kommen gerne wieder. Jedes Jahr werden mehr als 5000 Besucher aus ganz Europa erwartet. Natürlich gibt es Pokale für den schönsten Eigenbau, die weiteste Anfahrt oder den ältesten Teilnehmer.

Technische Hilfe im Bayerischen Wald

Wenn Sie auf Ihrer Motorradtour durch den Bayerischen Wald technische Hilfe benötigen, finden Sie hier die Spezialisten für Motorradzubehör, Reparatur und evtl.

Die beste Motorradstrecke durch den Bayerischen Wald

Die beste Motorradstrecke durch den Bayerischen Wald schlängelt sich an der tschechischen Grenze entlang nach Passau. Der Bayerische Wald ist mit seiner unschlagbaren Kombination aus Kurvenstrecken, Landschaft, Gastronomie und Erlebniswert das wohl reizvollste Motorrad-Großrevier Deutschlands. Entsprechend kursieren auch zahllose mehr oder minder gute Tourenvorschläge. Damit stellt sich die Frage: Was ist die beste Motorradstrecke durch den Bayerischen Wald?

Ausgangspunkt der Streckenplanung war die alte Bayerische Ostmarkstraße. Bei unseren Familienausflügen in den 50er Jahren war sie noch wirklicher Far East mit unbefestigten Schotterstrecken. Späterhin wurde aber die Sequenz der Bundesstraßen 15 - 22 - 82 von Hof über Cham nach Passau überbaut. Also recherchierte ich gründlich bei meinen Gewährsleuten in Niederbayern und der Oberpfalz. Nicht zuletzt: Die Tour sollte ein gemeinsames Vater-Sohn-Erlebnis werden. Geräte der Wahl waren dabei meine Yamaha FJR 1300 und bei meinem Sohn seine Ducati Multistrada 1200 S. Beide Maschinen erhielten vor Fahrtantritt einen frischen Satz Metzeler Roadtec 01.

Reichenbach i. V. - Bad Brambach - Franzensbad - Eger - Waldsassen - Mähring - Bärnau - Flossenbürg - Waidhaus - Schönsee - Tiefenbach - Waldmünchen - Furth i. W. - Lam - Lohberg - Arber - Neuschönau - Mauth - Philippsreuth - Waidmühle - Dreisesselberg - Neureichenau - Wegscheid - Rohrbach/O. Ö. - Obermühl/O. Ö. - Engelhartszell/O. Ö - Kasten/O. Ö. - Obernzell - Passau.

Fahrerische Höhepunkte sind dabei die Straßen durch den Lamer Winkel, den Nationalpark Bayerischer Wald und auf den Dreisesselberg sowie die Schlußstrecke an der Donau entlang bis Passau. Die Streckenlänge der vier Tagesetappen haben wir vernünftig begrenzt, um auf den überaus kurvenreichen Streckenabschnitten die nötige Konzentration nicht zu verlieren.

Reichenbach als Basislager

Um die beste Motorradstrecke durch den Bayerischen Wald genießen zu können, müssen wir erst einmal die Eintönigkeit Mitteldeutschlands hinter uns bringen. Die Reise ging durch die Mark - also gibt es davon nichts Interessantes zu erzählen. - Heinrich von Kleist an Wilhelmine von Zenge, 30. In Reichenbach schlagen wir unser Basislager auf. Eine schlichte Pension, hinter der wir unsere Maschinen sicher abstellen können. Die gastronomische Szene des Ortes ist leider stark ausgedünnt, so daß wir mit einem kargen Diner vor einer Take-Out-Pizzeria Vorlieb nehmen müssen. Nicht schlecht zwar.

Reichenbach i. V. - Franzensbad - Eger - Waldsassen. Charmant an unserer Strecke durch das Vogtland ist, daß sie uns zwischen Erzgebirge und Fichtelgebirge durch das herrlich romantische Tal der Weißen Elster direkt zum Bayerischen Wald führt. Zunächst besuchen wir die Göltzschtalbrücke bei Netzschkau. Ein technisches Denkmal ersten Ranges, mit 98 Bögen die größte Ziegelsteinbrücke der Welt. Diesen majestätischen Anblick sollte man sich keinesfalls entgehen lassen.

Waldsassen und Bärnau

Waldsassen - Mähring - Bärnau. Am Startpunkt unserer Bayerwaldstrecke begrüßen uns schon von Weitem die Türme der Stiftsbasilika Waldsassen, einer der eindrucksvollsten bayerischen Barockkirchen. Für einen Besuch des Dientzenhofer-Baus reicht die Zeit noch. Einen Gang durch die herrliche Stiftsbibliothek müssen wir aber auf spätere Zeiten verschieben. Als dräuende Regenwolken aufziehen, sehen wir zu, daß wir eilig südwärts vorankommen. Aber schon im Egerer Stadtwald bei Neualbenreuth holt uns bösartiger Regen ein. Im Knopfmacherstädtchen Bärnau haben wir dann endgültig genug und suchen Zuflucht in einem schmucken Gasthof am Marktplatz. Dort erwärmen wir uns gleichermaßen am starken Kaffee wie am Mitgefühl der anderen Gäste. Nicht ungern folgen wir deren Rat, lieber gleich hier zu bleiben und das vorhergesagte bessere Wetter am nächsten Tag abzuwarten.

Entlang der tschechischen Grenze

Bärnau - Flossenbürg - Waidhaus - Schönsee - Tiefenbach - Waldmünchen - Furth i. W. - Lam - Bodenmais - Zwiesel. Der Rat der Einheimischen war Gold wert. Optimale Bedingungen für die wohl attraktivste Etappe unserer Tour: sommerliche Morgensonne, null Verkehr, Wechselkurven auf und ab ohne Ende. Bayerwald pur, wie man ihn anderwärts kaum noch so findet. Immer nah entlang der tschechischen Grenze folgen wir der Glasstraße. In den Tälern reiht sich an rauschenden Bächen Mühle an Mühle, Glasschleiferei an Glasschleiferei. Unsere schmale Straße windet sich gen Süden. Das Testastretta-Aggregat meines Sohnes schöpft aus dem Vollen. Mit ihren nicht enden wollenden Kurvenstrecken ist diese Gegend ist wahres Ducati-Land. Trotzdem nehmen wir immer wieder das Gas heraus, um von den Bergkämmen aus das wunderbare Landschaftspanorama des Bayerischen Waldes zu genießen.

Wie ein Riegel schiebt sich uns der Hohe Bogen (1.079 m) in den Weg. Vor der Wallfahrtskirche von Neukirchen beim Hl. Blut legen wir Mittagsrast unter einer uralten Linde ein. Der Granitstein daneben lädt uns zur Fortsetzung unserer Motorrad-Wallfahrt nach Santiago de Compostela ein. An der Wallfahrtskirche von Neunkirchen b. Hl. Waren wir bislang schon so gut wie allein unterwegs, wird es im Lamer Winkel noch einsamer um uns. Etwas belebter wird es erst, als wir zum Großen Arber (1.456 m) hochfahren, am Arbersee entlang und dann hinunter nach Bodenmais. Nach dieser stundenlangen Kurverei haben wir uns wahrlich einen auflockernden Spaziergang durch unseren heutigen Zielort Zwiesel verdient.

Daß man in Zwiesel ein besonderes Bier braut, wird uns an der örtlichen Dampfbierbrauerei klar. Schön, daß mit solchen Erzeugnissen die immer eintöniger werdende Landschaft der Industriebiere aufgelockert wird.

Dampfbierbrauerei in Zwiesel: Der Braumeister machte hier eine Anleihe bei Cicero, De amicitia, Kap. Die Entdeckung des Tages ist zweifellos der Kirchenwirt in der Ortsmitte mit seinem schattigen Biergarten. Danach ist wahrhaft ein Verdauungsspaziergang angesagt. Wir machen uns auf zum Weisswurstäquator, der hier am 49. Breitengrad verläuft. Der Weisswurstäquator auf dem 49.

Durch den Nationalpark Bayerischer Wald

Zwiesel - Spiegelau - Neuschönau - Mauth - Philippsreuth - Haidmühle - Dreisesselberg - Jandelsbrunn - Hauzenberg. Unsere Tagesetappe verläuft zum großen Teil durch den Nationalpark Bayerischer Wald: Tiefe Wälder, hohe Tannen, naturbelassenes Altholz im Waldesinneren. Wir aber folgen in flottem Tempo einer gewundenen Teerstraße, die bis weit in die 60er Jahre hinein noch eine rauhe Schotterpiste war. 16° zeigt das Thermometer auf meinem Display an. Als wir hinter Philippsreut endgültig nach Süden einbiegen, grüßt uns von weitem der Dreisesselberg. Hinter Haidmühle biegen wir links ein und genießen die zügig befahrbaren Biegungen der Bergstraße.

Hauzenberg und Stift Schlägl

Hauzenberg - Stift Schlägl - Rohrbach - Obermühl (Fähre) - Kasten (Fähre) - Obernzell - Passau. Das Kloster, das 2018 sein 800jähriges Bestehen feierte, betreibt Landwirtschaft nach ökologischen Grundsätzen. Am rechten Donauufer folgt dann ein traumhafter Streckenabschnitt, wie geschaffen für Romantiker*innen. Die Strecke verliert auch nichts an ihrem Reiz, als wir später auf die A 130, die Nibelungenstraße, zurückkehren müssen. Unter einer uralten Linde werden wir von einer aufmerksamen Bedienung mit Kaffee und hausgemachtem Apfelstrudel versorgt.

Die letzten Kilometer nach Passau hinein könnten ein wehmütiger Abschied von einer tollen Motorradstrecke sein - wenn, ja wenn da nicht noch tausend Kilometer durch die Fränkische Schweiz, den Thüringer Wald und den Harz folgen würden.

Die Runde durch den südlichen Bayerischen Wald

Sie ist rund 200 Kilometer lang, diese vielfältige Runde durch den südlichen Bayerischen Wald. Ab Passau rollt sie erst gemächlich ein Stück an der Donau entlang, um anschließend auf kurvenreichen Landsträßchen sportlich in Richtung tschechische Grenze und Nationalpark abzubiegen. Aber vor dem Start zur Tour ist zuerst einmal ein Bummel zu Fuß angesagt. Und zwar durch die auf einer felsigen Landzunge zwischen Donau und Inn liegende Altstadt Passaus. Ein absolutes Muss.

Passaus Häuser wurden nach einem verheerenden Brand im 17. Jahrhundert im so genannten Inn-Salzach-Stil wieder aufgebaut, der ihnen einen gewissen südländischen Charakter verleiht. Kein Wunder, wurden doch dafür extra die besten Baumeister aus Italien hergeholt. Passau ist eine der ältesten Städte nördlich der Alpen, da hier bereits die Römer und Kelten siedelten. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Stadt zum bedeutenden Warenumschlagsplatz und Ausgangspunkt der Donau-Personenschifffahrt.

Entspanntes Cruisen entlang der Donau

Die ersten Kilometer der Tour führen am linken Ufer der Donau entlang. Ausschilderung Obernzell. Wir legen die Maschine in sanfte Bögen und freuen uns über diesen entspannten Auftakt. In Obernzell links ab auf die B 388 nach Wegscheid. Weiterhin entspanntes Kurvenschwingen, rechter Hand fliegt der Ranna-Erholungssee vorüber. Die Route verläuft nun stetig bergauf, bergab. Motorradfahren in Reinkultur.

Von rechts grüßen die Gipfel des Plöckensteins und des Hochsteins. Hinter Frauenberg zweigt nach rechts die Stichstraße hinauf zum Dreisesselberg ab. Nach einer kurvenreichen Fahrt erwarten uns oben ein Parkplatz und eine tolle Aussicht Weiter geht es durch Haidmühle, Bischofsreut und Philippsreut. Die Bergstraße zirkelt in ständig variierenden Radien durch dunkle tiefe Nadelwälder. Bayerischer Wald wie aus dem Bilderbuch.

Pflichtstopp in Neuschönau

Wir kreuzen die von Passau nach Tschechien führende B 12 und rollen am Skizentrum Mitterfirmiansreut vorbei nach Mauth hinein. Der nächste Pflichtstopp findet in Neuschönau statt. Dort befindet sich im Hans-Eisenmann-Haus das Info-Zentrum des Nationalparks Bayerischer Wald. Tonbildschauen und Filme über den Park und seine Natur sowie Ausstellungen zum Thema „Ökosystem Wald“ vermitteln anschaulich Bedeutung und Philosophie des Nationalparks. Ein Tipp am Rande: Von Neuschönau zweigt ein interessanter Abstecher hinauf zum Lusen-Parkplatz ab.

Fahrerisches Highlight: Spiegelau nach Zwiesel

Die nun folgende Etappe über Spiegelau nach Zwiesel ist das fahrerische Highlight dieser Tour. Zwar wartet sie mit wenig Höhenunterschied auf, dafür versorgt sie uns mit Kurven wie am Fließband. Gute Übersicht, gepflegter Belag - alles passt. Als Hauptort des Bayerischen Waldes ist Zwiesel vor allem durch seine hervorragenden Glasbläser bekannt. Diese stellten schon vor mehreren hundert Jahren Gläser für das bayerische Königshaus her. Anschließend geht es weiter in die reizvolle Kreisstadt Regen, wo uns die B 85 Richtung Passau aufnimmt. In Rinchach gibt es wieder etwas zu sehen: Das ruhige Feriendorf wird von seiner wunderschönen Barockkirche überragt. Das Bauwerk stammt aus dem 18.

Ein Abstecher nach Schönberg hinein, einen Cappucchino auf dem italienisch anmutenden Marktplatz, dann weiter auf der B 85, die auf dieser Etappe auch „Bayerische Ostmarkstraße“ heißt. Diese Ferienstraße führt touristisch gesehen ein Mauerblümchendasein und ist entsprechend wenig befahren. Gut für uns, weniger gut für den Tourismus der Region. Vorbei an Thurmansbang, wo jeden Winter im Ortsteil Solla-Loh das berühmte Elefantentreffen stattfindet, gelangen wir nach Titting. Lange Zeit galt der „Wald“ als entlegen und rückständig. Damals lebten die meisten Bewohner von einer kargen Landschaft, der Arbeit in Steinbrüchen oder vom Holzmachen. Glücklicherweise kam im Mittelalter die Herstellung von Glas auf. Das dazu benötigte Quarz wird noch heute in einem Gesteinszug gefunden, der zwischen dem Vorderen und dem Hinteren Wald verläuft. Die meisten Glashütten können besichtigt werden.

Passau - Obernzell - Wegscheid - Breitenberg - Neureichenau - Haidmühle - Bischofsreut - Philippsreut - Mauth - Neuschönau - Spiegelau - Zwiesel - Schönberg - Thurmannsbang - Titting - Passau (ca.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0