Deutsche Moped Marken: Eine Übersicht

Das erste Moped vermittelt ein besonderes Gefühl von Freiheit. Umso wichtiger ist es, sich beim Kauf ausreichend zu informieren, damit alle Wünsche erfüllt werden können.

Piaggio, Hercules, Honda oder Yamaha sind bekannte Namen, aber es gibt noch viele andere Hersteller von Zweirädern. Bei den Motorrädern haben die Japaner die Nase vorn, gefolgt von italienischen und deutschen Fabrikaten. Die einen sind besonders sportlich, die anderen eher solide und für Langstrecken gedacht.

Von Simson bis Kreidler, Zündapp und Co. - hier finden Sie alles Wissenswerte: alle Typen, alle Marken, alle Daten. Dabei beschränkt sich Zweirad-Experte Frank Rönicke keineswegs auf die glorreiche Nachkriegszeit, denn auch wenn es seit den 70ern nur noch einen großen deutschen Motorradhersteller gibt, ist die Vielfalt der Zweiräder, die aus deutschen Werkshallen fuhren und fahren, ausgesprochen groß.

Bekannte deutsche Mopedmarken

Adler

Bestens verarbeitet, klein, handlich und schnell: Adler MB 250 Sprinter von 1958. Die Frankfurter erlebten eine kurze, aber ruhmreiche Motorradgeschichte. Das erste motorisierte Zweirad mit De Dion-Motor verlässt das Frankfurter Werk 1901, drei Jahre später folgen eigene Konstruktionen. Eine Fahrt von Stuttgart nach Kiel meistern die Adler 1904 mit Bravour, doch in der Rezession 1907 ist schon wieder Schluss mit der Motorradproduktion. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt man von Neuem mit der Motorradproduktion. 1958 übernimmt Grundig die Adler-Werke.

  • 1886 Gründung der Adler Fahrradwerke als Heinrich Kleyer GmbH
  • 1901 Motorradbau
  • 1903 eigene Motoren
  • 1907 Motorradbau eingestellt
  • 1949 Wiederaufnahme der Motorradproduktion: M 100 mit 98, 123, und 147 cm³
  • 1956 Produktion der Sportmodelle Sixdays und Moto-Cross
  • 1957 Verkaufsgemeinschaft mit Hercules und Triumph, Grundig übernimmt Adler 1958.

DKW

DKW RT 250 von 1952: in den Wirtschaftswunderjahren ein Motorrad für Aufsteiger. Zweitaktmotoren - und sonst nichts. In den 30er-Jahren stand DKW mit einer vielfältigen, preisgünstigen Modellpalette an der Weltspitze der Motorradhersteller. Nach dem Krieg trieb der DKW-Stamm in viele Richtungen aus; in Zschopau entstand 1952 das Motorradwerk Zschopau (MZ), im Westen begann die Produktion 1949 in Ingolstadt. Außerdem wurde die 1939 konstruierte RT 125 in vielen Ländern zum meistkopierten Motorrad der Welt.

  • 1904 von Jørgen Skafte Rasmussen und Carl Ernst gegründet
  • 1919 erste Hilfsmotoren für Fahrräder
  • 1921 „Reichsfahrtmodell“ mit 145er- und 173er-Motoren
  • 1933 Einführung der „Schnürle-Umkehrspülung“
  • 1939 1 000 000 DKW-Motoren
  • 1953 werden in Ingolstadt DKW mit 123, 173, 192, 244 und 346 cm³ gebaut
  • 1954 348er-Dreizylinder-Rennmaschine „Singende Säge“
  • 1958 DKW kommt zur Zweirad Union.

Hercules

1978: In Moped-Cliquen ist die K 50 Ultra II LC Objekt der Begierde. Nürnberg war die Wiege der deutschen Motorradindustrie. Hercules war von Anfang an dabei. Viele Jahre lang produziert man auf diese Weise hervorragende Motorräder - in den 70er-Jahren vor allem 50er. Doch Mitte der 90er-Jahre enden die Spuren des glorreichen Nürnberger Motorradherstellers, der seit 1956 kreuz und quer durch die Industrielandschaft verkauft worden war.

  • 1887 Carl Marschütz gründet in Nürnberg die Nürnberger Velozipedfabrik Hercules
  • 1904 bis 1907 Motorradproduktion
  • 1928 Wiederaufnahme der Kradproduktion
  • 1938 Hercules wird zwangsweise „arisiert“
  • 1942 weitgehende Zerstörung der Werke
  • 1949 erneut Herstellung von Krädern
  • 1956 Übernahme durch Grundig
  • 1958 Fichtel & Sachs übernimmt Hercules
  • 1965 Eingliederung in die Zweirad Union.

Horex

Regina, zu Deutsch: „Königin“: mit Genen von der SB 35 aus den 30ern. Vergangene Horex-Modelle genießen Kultstatus. In der Realität der 50er-Jahre galten die 350er-Regina und die 400er Imperator (später 450er) als schnelle, edle Motorräder. Ab den 60ern bis in die 2000er werden die Rechte an der Marke herumgereicht wie ein Wanderpokal. 2009 kaufte sie Clemens Neese, der die Marke mit einer ambitionierten Sechszylindermaschine wiederbelebt hat und profitabel machen möchte.

  • 1923 Gründung der Horex-Fahrzeugbau AG
  • 1936-1938 Entwicklung SB 35
  • 1950 Produktion Regina
  • 1956 Ende der Motorradfertigung
  • 1960 übernimmt Daimler-Benz Horex, Schließung des Bad Homburger Werks
  • 2010 Neugründung Horex GmbH
  • 2012/2013 Produktion einer Horex mit VR6-Motor im Augsburger Werk.

Kreidler

Auf dem Höhepunkt: Florett RS von 1978, bestens erhalten und leicht modifiziert. Im Rennsport vorneweg, dann von den Japanern überrollt. Die Expedition glückt, nach 14 Monaten auf großer Fahrt ist die Weltumrundung 1955 vollbracht. Die Pleite Kreidlers 1982 kam daher überraschend. 2008 inszeniert sich Kreidler auf der Intermot mit neun neuen Modellen; gebaut werden die 50er und 125er in China. Die historischen Wurzeln von Kreidler sind freilich längst Geschichte.

  • 1903 Gründung Metallwerk Anton Kreidler in Stuttgart
  • 1957 49-cm³-Florett
  • 1959 jedes dritte zugelassene Moped in der BRD ist eine Florett
  • 1977 Produktion der 1 000 000. Kreidler
  • 1971-1982 sieben WM Titel
  • 1982 Konkurs
  • 1995 Rechte bei Prophete GmbH
  • 2007 Gründung der Kreidler Europe Motor GmbH.

Maico

Stürmisch: die Taifun mit Parallel-Zweizylinder, Zweitakter mit 348 bis 398 cm³. Legendäre Erfolge im Geländesport, aber die Verkaufszahlen blieben überschaubar. Die Motorräder wissen auch ohne Galionsfigur zu gefallen. Zu den prominenten Liebhabern gehört der Geländesportfahrer und spätere Motorradausstatter Heino Büse, der seine Maicos als die schönsten Maschinen seines Fuhrparks bezeichnet. Maico verdankt seinen Ruf hauptsächlich den Offroad-Siegen aus den Siebzigern. Nach dem zweiten Konkurs 1983 folgt eine Odyssee an Besitzerwechseln.

  • 1926 Gründung Maisch und Compagnons in Poltringen
  • 1933 Kradproduktion
  • 1958 fast Konkurs
  • 1971 Geländemeister bis 250 cm³, 350 cm³ und 500 cm³
  • 1972 und 1973 Gesamtsieg der amerikanischen Crossserie Trans-AMA
  • 1983 Konkurs, Gründung der Gebrüder Maisch Zweiradhandel- und Produktions GmbH
  • 1987 Merkle übernimmt Maico, Verkauf an Familie Demmer
  • 1999 Konkurs, Zweirad Koestler produziert Maico-Kleinserie.

NSU

Superbike anno dazumal, als „Standard“, „Spezial“ oder „Supermax“ erhältlich. Mitte der Fünfziger floriert das Werk in Neckarsulm. Doch dann geht es bergab. Der Halter des „ewigen Rekords“ fängt klein an: 1993 fährt Helmut Dähne auf Honda RC 30 die legendäre Runde auf der Nordschleife. Mit 126 km/h war sie die schnellste Serien-250er in jenen Jahren, in denen NSU der größte Motorradhersteller der Welt war. Vor einem halben Jahrhundert verließen die letzten NSU das Neckarsulmer Werk. Heute rollen dort Audis vom Band, die Rechte an NSU ruhen bei Audi in der Schublade.

  • 1873 Gründung Mechanische Werkstätte zur Herstellung von Strickmaschinen
  • 1880 Umzug nach Neckarsulm
  • 1901 Kradproduktion
  • 1932 Deutsche Industriewerke AG und NSU
  • 1938 NSU-Zweiräder unter D-Rad-Logo
  • 1956 Wilhelm Herz auf NSU schneller als 300 km/h
  • 1960 NSU Motorenwerke AG
  • 1964 Ende der Zweiradfertigung
  • 1969 Audi NSU Auto Union AG
  • 1985 „NSU GmbH - die Traditionsgesellschaft der Audi AG“.

Victoria

Victoria Bergmeister: 350er-V2 mit längsliegender Kurbelwelle, 21 PS und Kardanantrieb. Ein Vertreter der Nürnberger Motorradkultur, der für kreative Konstruktionen und ungewöhnliche Technik stand. Victoria kam früh vom Fahrradbau zur Motorradproduktion. Ab 1904 scheint es zu einer nennenswerten Serienproduktion gekommen zu sein. Unter dem heutigen Besitzer hat Victoria zu den Anfängen zurückgefunden - die Firma produziert Fahrräder.

  • 1886 Gründung der Firma Frankenburger und Ottenstein Nürnberg
  • 1899 Victoria Werke AG
  • 1901 erste motorisierte Zweiräder
  • 1920 Produktion der KR I mit 7 PS starkem Boxermotor von BMW
  • 1958 fusionieren Victoria, Express und die DKW-Zweiradsparte zur Zweirad -Union AG; sie wird 1966 von Hercules übernommen
  • 1995 gehören die Victoria-Markenrechte der Hermann Hartje KG.

Zündapp

Von 1950 bis 1957 gebaut: die KS 601, auch und besser bekannt als „Der Grüne Elefant“. Sie wollten nur Motorräder bauen. Robust und zuverlässig ist das „Bauernmotorrad“, 1927 von Zündapp entwickelt. Im Gegensatz zur Konkurrenz sind Motorräder das Kerngeschäft während der gesamten Unternehmensgeschichte. Diese endet 1984. Eine chinesische Firma kauft und verschifft die Produktionsanlagen nach China und produziert Zündapp-Motorräder für den heimischen Markt.

  • 1917 Gründung der Zünder- und Apparatebaugesellschaft in Nürnberg
  • 1921 Beginn der Motorradproduktion
  • 1950 KS 601
  • 1954 Produktion der 500 000.

Weitere erwähnenswerte Marken

  • Aprilia: Italienischer Motorrad- und Motorrollerhersteller.
  • Cimatti: Gegründet vom Radrennfahrer Marco Cimatti.
  • Express-Werke: Bauten Motorräder mit Motoren von Fichtel & Sachs und Ilo.
  • Garelli: Produzierte schlitzgesteuerte Motoren.
  • Gilera: Tochterfirma des Piaggio-Konzerns.
  • Halleiner Motorenwerke Hinterberger, Schreitl & Co. (HMW).
  • Honda: Weltweite Motorradproduktion.
  • Jawa: Tschechischer Motorrad- und Automobilhersteller.
  • Keeway: Markenname für Qianjiang-Fahrzeuge.
  • Malaguti: Italienischer Hersteller von Motorrädern, Motorrollern und Mofas.
  • M.B.K. Industrie: Französischer Hersteller, Tochterunternehmen von Yamaha.
  • Mota: Markenbezeichnung für motorisierte Zweiräder der MOTA Maschinenbau GmbH.
  • Mobylette: Markennamen für Mofas und Mopeds des französischen Zweiradhersteller Motobécane.
  • Moto Guzzi: Italienischer Hersteller von Motorrädern.
  • Peugeot: Stellte ab 1886 Fahrräder her und war ab 1901 an der frühen Entwicklung von Motorrädern in Deutschland beteiligt.
  • Piaggio: Italienischer Fahrzeughersteller.
  • Rieju: Marktführer in Spanien.
  • Sachs: Automobilzulieferer, später Tochterunternehmen von ZF Friedrichshafen.
  • Simson: Bekannt durch die in der DDR hergestellten Zweiräder.
  • Solex: Patent auf ein Fahrrad mit Hilfsmotor.
  • Triumph Werke Nürnberg AG: Deutscher Motorrad- und Büromaschinenhersteller.
  • Yamaha Hatsudōki K.K.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0