Für viele Motorradfahrer gehört das Selbermachen einfach zum Hobby dazu. Waren es ab den 1980er Jahren zunächst die Japaner, die durch vermehrten Einsatz von Elektronik zum Schrauberschreck mutierten, wirken aktuell die mit modernster Canbus-Technologie ausgestatteten BMW-Maschinen besonders abschreckend auf den interessierten Laien. Doch speziell für BMW-Motorräder gibt es ein praktisches Diagnosegerät, das den Blick in die Tiefen der Fahrzeugelektronik erlaubt.
Das handliche Gerät erlaubt eine professionelle Steuergerät-Diagnose. Zudem können zahlreiche Einstellungen direkt am Gerät durchgeführt werden, ohne das System mit einem Laptop verbinden zu müssen. So sind auch unterwegs alle wichtigen Kalibrierungen und Resets möglich. Ist-Werte können ebenso einfach ausgelesen werden wie der Fehlerspeicher.
Ein wenig Einarbeitung mithilfe einer Reparaturanleitung und etwas Grundverständnis für moderne Fahrzeugelektrik vorausgesetzt, kann das Diagnosegerät den Spaß am Selbermachen durchaus fördern.
Die Herausforderung moderner Motorräder
Wer dieser guten alten Zeit nachtrauert, vergisst dabei aber auch, dass uns der technische Fortschritt über die Jahrzehnte immer bessere Motorräder gebracht hat. In dem Maße, in dem es für Hobbyschrauber schwieriger wurde, an den Maschinen selbst Hand anzulegen, wurde die Notwendigkeit, überhaupt Einstellungen oder Wartungsarbeiten durchzuführen geringer.
MotoScan App: Eine kostengünstige Alternative
Die meisten BMW-Fahrer werden es kennen, das modellspezifische Inspektionsintervall ist erreicht und im Tacho erscheint dauerhaft die „Service!“ Anzeige. Wer nach der Garantiezeit selbst am Motorrad schraubt und die Inspektion selbst durchführt stellt sich die Frage, wie er die Meldung wegbekommt bzw. das neue Inspektionsintervall einstellen kann.
Neben teuren Diagnosegeräten wie dem GS911 stößt man bei der Suche im Internet schnell auf die MotoScan App für Android, programmiert von Wladimir Gurskij aus Bünde in Niedersachsen.
Funktionsweise der MotoScan App
Um eine Verbindung zwischen dem Androidgerät mit der MotoScan-App und dem Motorrad herstellen zu können, ist ein Diagnoseadapter, auch Diagnoseinterface genannt, erforderlich. Die beiden Geräte kommunizieren per WLAN oder Bluetooth miteinander und das Interface wandelt die Befehle der App in das Diagnoseprotoll des Fahrzeugs (OBD).
Der Markt ist überfüllt mit diversen, meist sehr günstigen Diagnoseadaptern aus Fernost. Dort den Überblick zu behalten ist gar nicht so einfach. Der spannende Punkt dabei ist, dass viele der preiswerten Adapter sogar grundsätzlich eine Verbindung herstellen können und augenscheinlich funktionieren.
Die vollständige Funktionsfähigkeit wird jedoch nur gewährleistet, wenn die Adapter die ELM327-Befehle vollständig unterstützen. Dies vor einem Kauf zu prüfen ist leider nahezu unmöglich. Innerhalb der MotoScan Diagnose App wurde deswegen eine Extra-Testfunktion eingebaut, die die Funktionsfähigkeit des Adapters prüfen kann.
Hiermit kann sichergestellt werden, dass das Diagnoseinterface nicht nur auf die Befehle antwortet, sondern diese auch korrekt ausführen kann. Laut Hersteller der App sind dabei der UniCarScan UCSI-2000 und die Modelle von OBDLink LX/MX/MX+ am besten geeignet.
In den meisten Fällen kann mit diesen OBD-Diagnoseadaptern (und entsprechender App) auch das Auto diagnostiziert und ausgelesen werden.
Empfohlene Diagnoseadapter
Für unseren Test haben wir uns daher für den OBDLink MX+ entschieden, der mit der MotoScan voll kompatibel ist und alle benötigten Befehle zuverlässig unterstützt.
Angeschlossen wird der Adapter ganz simpel durch Aufstecken auf den Diagnosestecker des Fahrzeugs. Nach Einschalten der Zündung wird der Adapter mit Strom versorgt und die grüne Power-LED beginnt zu leuchten. Nach einem Klick auf den kleine Knopf in der unteren, rechten Ecke wird der Adapter in die Bluetooth-Empfangsmodus versetzt und kann mit dem Smartphone oder Tablet gekoppelt werden.
MotoScan App Versionen im Überblick
Die ausschließlich für Andoid programmierte MotoScan App gibt es in vier verschiedenen Versionen. Die unterschiedlichen Funktionen lassen sich sehr gut anhand des oben eingefügten Vergleiches einsehen.
| Funktion | Lite | Basic | Standard | Professional |
|---|---|---|---|---|
| Fehlercodes lesen | Ja | Ja | Ja | Ja |
| Fehlercodes löschen | Nein | Ja | Ja | Ja |
| Live-Daten anzeigen | Ja | Ja | Ja | Ja |
| Servicefunktionen | Nein | Nein | Ja | Ja |
| Codierung | Nein | Nein | Nein | Ja |
Beim Start der App erfolgt zunächst die Auswahl der Modellreihe, im Anschluss die des spezifischen Fahrzeugmodells. Danach werden alle unterstützten Funktionen zur Diagnose und Bearbeitung angezeigt.
Neben dem Auslesen der Identifikationen der verbauten Komponenten bis hin zu Seriennummer und Herstellungsdatum jedes einzelnen Steuergeräts, lassen sich hierüber die hinterlegten Fehlercodes der Steuergeräte auslesen und, wenn man eine entsprechende Version erworben hat, auch löschen.Weiterhin ist es möglich, sich die Echtzeitdaten im laufenden Betrieb des Motorrads anzuzeigen und bei Abweichung oder unplausiblem Verhalten die entsprechenden Aktuatoren anzusteuern.
Hierzu lassen sich eine Vielzahl an Optionen einblenden (siehe Galerie unten). So lässt sich zum Beispiel der Schaltassistent an modernen BMW-Bikes zurücksetzen und anschließend neu anlernen, wenn dieser nach einiger Zeit nicht mehr so sauber und schnell wie nach der Auslieferung funktionieren sollte.
Selbstverständlich lässt sich auch die eingangs erwähnte Servicefunktion zurücksetzen und das Motorrad kann mit neuem Servicedatum und neuem Zielkilometerstand beschrieben werden.
Weitere Diagnosemöglichkeiten
Neben der App MotoScan, die ausschließlich zu Diagnosezwecken für BMW Motorräder programmiert wurde, gibt es auch noch die offizielle, universelle ODBLink-App für iOS und Android. Über diese App kann der ODBLink Diagnoseadapter mit einer aktuellen Firmware/Softwareversion versorgt werden.
Außerdem lässt sich darüber die Diagnose an fast jedem Fahrzeug mit ODB-Diagnose-Stecker durchführen, sowohl an Motorrädern als auch an Autos. Voraussetzung hierfür ist, dass der Pkw frühestens aus dem Baujahr 2001 (Benziner) bzw. 2004 (Diesel) stammt. Seit diesem Zeitraum sind alle Modelle mit der OBD-2-Schnittstelle ausgestattet.
Auch das Auslesen/Diagnostizieren seines Fahrzeugs ist damit ein Kinderspiel. In Zusammenspiel mit dem OBDLink MX+ steht diese Lösung dem hochpreisigen Vorbild in nichts nach. Wer den Adapter einmal angeschafft hat, kann diesen dann auch problemlos für die Diagnose an seinem PKW benutzen. Hierzu stehen Anwendungen unter Windows, iOS und Android bereit.
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