Diese Seite umfasst die zu DDR-Zeiten produzierten Fahrradmodelle der Marke Diamant. Die zeitliche Einordnung der Modelle basiert zum Großteil auf Original-Katalogen und anderer Literatur, wobei auch in einigen Fällen zunächst nur die Modellnummer geändert wurde und erst später technische Veränderungen folgten. Bei der Identifizierung eines unbekannten Modells sollte zunächst das Baujahr und die Art des Fahrrades (Tourenrad, Sportrad usw.) ermittelt werden.
Ende des 19. Jahrhunderts boomt die Industrie in Chemnitz: Die Fabriken liefern Dampfloks, Textil- oder Rechenmaschinen in die ganze Welt. Der Aufschwung lockt 1884 auch die Brüder Nevoigt nach Chemnitz. In einer kleinen Werkstatt fertigt der damals 25-jährige Friedrich Teile für Textilmaschinen. Nur wenige Jahre später tritt das Fahrrad den Siegeszug in Deutschland an. Auch Friedrich und Wilhelm Nevoigt wollen davon profitieren und machen sich an die Entwicklung eines eigenen Modells. 1895 verlässt das erste Fahrrad unter dem Namen "Diamant" das Werk.
Am 1. Januar 1885 wurden Friedrich Nevoigt und sein Bruder Wilhelm als "Gebrüder Nevoigt Reichenbrand/Chemnitz" in das Handelsregister der Stadt Chemnitz eingetragen. Neben Fahrrädern wurden nun auch Flachstrickmaschinen hergestellt. Wegen steigender Produktion von Fahrrädern wurde 1912 vom Aufsichtsrat beschlossen, das Unternehmen erneut umzufirmieren, die Firma hieß nun "Diamant Werke Gebrüder Nevoigt AG".
Richtig bekannt wird die Marke durch die Radfahrlegende Täve Schur, der im Mai 1955 als erster Deutscher die 8. Internationale Friedensfahrt gewinnt - und zwar auf einem Diamant. Doch schon in den 1920er-Jahren werden große Rennen auf dem Diamant gefahren. So wird Adolf Huschke 1921 deutscher Meister. Später produzierte das Werk für alle DDR-Radsportler Drahtesel. Auch die Bevölkerung bekommt Räder auf höchstem handwerklichen Niveau. In den 1950er-Jahren bauen 500 Mitarbeiter bis zu 25.000 Diamanträder im Monat, beflügelt von den Erfolgen im Sport.
Drei Jahre vor Täve Schurs Erfolg wird am 1. Mai 1952 die SAG Elite-Diamant-Werke in einen volkseigenen Betrieb umgewandelt. Mangelwirtschaft und staatliche Restriktionen überschatten die kommenden Jahre. Die Qualität ist nicht zu halten. Doch damit nicht genug. 1968 entscheidet der stellvertretende Minister für Werkzeug- und Verarbeitungsmaschinen der DDR, dass die Fahrradproduktion bei Diamant im Oktober 1973 eingestellt wird. Die gesamte Sportfahrradproduktion muss an die Mifa-Werke nach Sangerhausen abgegeben werden. Doch schon im Jahr darauf stellt sich heraus: Es werden mehr Diamant-Räder benötigt, als eingeplant waren.
Nach der Wiedervereinigung wird der Volkseigene Betrieb privatisiert. Ein Schweizer Unternehmer kauft den DDR-Betrieb. Ende der 1990er-Jahre verlässt man den Standort, an dem alles begann, und zieht in ein Gewerbegebiet nahe Chemnitz. Die alte Fabrik verfällt zunächst. In dem 120 Meter langen Gebäude werden heute Büro- und Gewerbeflächen vermietet. Diamant produziert seit 1997 im Nachbarort Hartmannsdorf und gilt als ältester Fahrradhersteller Deutschlands. Und die Elektrofahrräder von "Diamant" verkaufen sich so gut, dass das Werk erweitert werden muss. 2003 hat der US-Hersteller "Trek" das Traditionsunternehmen gekauft und modernisiert.
Von 1948 bis 1990 produzierte der VEB Fahrradwerke Elite Diamant über acht Millionen Fahrräder. Seit spätestens 1977 konnten Diamant-Fahrräder auch über den Geschenkdienst Genex erworben werden. Die Fahrräder wurden in diesen Katalogen zwar mit der Modellnummer vorgestellt und beschrieben, der Hersteller wurde jedoch nicht genannt.
Die Sporträder von Diamant
Die Sporträder von Diamant besaßen stets 28"-Laufräder und 56 cm hohe Rahmen. Im Jahre 1954 begann die Produktion der völlig neu entwickelten Fahrräder. Sie besaßen einen sehr leichten Rahmen sowie die fortan für Diamant typische Rundscheidengabel. Es erschienen zunächst die Modelle 108 und 109. 1956 kamen die Luxus-Sporträder hinzu, die bereits ab Werk eine Viergang-Kettenschaltung besaßen.
Von der Vereinheitlichung der Typenbezeichnungen im DDR-Fahrradbau waren auch die Sporträder betroffen. Die bisherigen Modelle 108 und 109 trugen jetzt - in Abhängigkeit der Hinterradbremse - die Nummern 35 201 oder 35 202 (Herrenausführung) bzw. 35 251 oder 35 252 (Damenausführung). Bei den Luxus-Sporträdern geschah dies analog. Nur kurzzeitig wurde das Wandersportrad angeboten.
Im Zusammenhang mit der Vergrößerung der Kapazitäten zur Produktion von Flachstrickmaschinen wurde die Fertigung der Sporträder 1969 an das Mifa-Werk abgegeben. Somit verblieben bei Diamant nur noch die Tourensporträder und die Rennräder. Die in Sangerhausen produzierten Sporträder wurden zunächst überwiegend mit dem Diamant-Rahmendekor ausgeliefert, sie können jedoch anhand der Rahmennummer zielsicher von den “echten“ Diamant Sporträdern unterschieden werden. Während man bei Diamant immer 7-stellige Rahmennummern vergab, so hatten die mit "Diamant" dekorierten Sporträder aus Sangerhausen maximal 6-stellige Rahmennummern.
Die Rennräder von Diamant
Auf der Basis der Diamant Rennräder wurden ab 1988 die Modelle 35 721 und 35 771 angeboten. Diese Fahrräder wurden als Rennsporträder bezeichnet und waren voll straßentauglich. Die Rennsporträder waren mit verschiedenen Rahmenhöhen erhältlich.
Erst neun Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde bei Diamant ein neues Rennrad entwickelt. Bis 1954 wurde das aus den 30er Jahren bekannte Modell 67 in kleiner Stückzahl produziert. 1954 begann die Serienfertigung des Modells 167. Es gab Ausführungen ohne Gangschaltung, mit Viergang-Kettenschaltung oder Achtgang-Kettenschaltung und Rahmen mit 52, 55, 58 und 61 cm Höhe.
Speziell für die Friedensfahrt und ähnliche Radsportveranstaltungen entstanden ab 1955 in sehr geringer Stückzahl die "Friedensfahrtrahmen". Nach der Sortimentsbereinigung im Jahre 1959 wurden die Modellbezeichnungen der Rennräder zweimal kurz hintereinander geändert. So bekamen die drei verschiedenen Varianten des Modells 167 nun eigene Bezeichnungen, die von der bisherigen Modellnummerierung von Diamant grundlegend abwichen, aber zunächst nur geringfügige technische Veränderungen / Verbesserungen mit sich brachten.
Im Zuge der Neuordnung der DDR-Fahrradindustrie wurde RENAK mit der Entwicklung eines 5-fach-Schaltwerks beauftragt. Erstmals 1974 wird das Modell 35 705 K in einem Katalog erwähnt. Dieses für den Nachwuchs konzipierte Rennrad besaß den Rahmen der üblichen Modelle, jedoch mit niedrigeren Rahmenhöhen und einfachen Sportrad-Ausfallenden. Um 1982 wechselte die Bezeichnung zu Modell 35 709. In einer Typenübersicht des Jahres 1988 wird erstmals ein Modell 35 710 erwähnt. Dabei handelt es sich um ein Kinder-Rennrad mit 44 cm Rahmenhöhe. Das früheste bekannte Exemplar dieses Modells stammt aus dem Jahr 1985.
Unabhängig von den Serienmodellen für den Massenmarkt entwickelte man das Diamant "Friedensfahrt-Modell" weiter. Mitte der 80er Jahre entstand dabei das Übergangsmodell Modell 35 711, das bereits in wesentlichen Punkten an westliche Standards angepasst war. Mit dem Modell 35 715 folgte ab 1988 das höchstentwickelte Diamant-Rennrad aus DDR-Produktion, das technisch unverändert auch noch in den ersten Diamant-Katalogen nach der politischen Wende zu finden war.
Diamant Modell 167: Das Friedensfahrtmodell
Wenn wir nur ein Rad nennen wollen, das aus den früheren Diamantzeiten heraussticht, dann ist es das legendäre Diamant Modell 167. Früher Straßenrennrad, heute Kultobjekt und Museumsstück. Seine Geschichte und sein Design inspirieren bis heute viele Fahrradliebhaber und Enthusiasten. Alles startet 1952: In diesem Jahr beginnt bei uns die Entwicklung des Diamant 167. Zwei Jahre später, im Mai, soll das Projekt zum Erfolg geführt werden. Geplant ist, 150 wettkampfbereite Rennräder vom Typ 167 für die Radsportvereine der DDR herzustellen. Diese ambitionierte Mission steht unter einem klaren Ziel. Ab dem 28. August 1954 sollen die Räder an der prestigeträchtigen Friedensfahrt für Erfolge sorgen. Und die Mission gelingt: Die Bühne ist somit frei, um Geschichte zu schreiben.
Auch ein Jahr später läuft für Diamant im Radsport alles wie am Schnürchen. Bei der 8. Internationalen Friedensfahrt holt sich Gustav Adolf “Täve” Schur den Gesamtsieg auf dem Diamant Modell 167.
Die internationale Friedensfahrt 1955
An der achten Friedensfahrt von Prag über Ost-Berlin nach Warschau beteiligten sich 106 Fahrer, die in 18 Nationalmannschaften aufgeteilt waren. Das Rennen erstreckte sich über 2214 Kilometer und war in 13 Etappen unterteilt.
Einführung der Rundscheidengabel
Das Diamant 167 wurde in vier verschiedenen Rahmengrößen produziert. Erstmals entwickelten und verbauten wir eine Rundscheidengabel. Der geringe Durchmesser und die kreisrunde Form der Gabelscheiden auf der gesamten Länge punkteten mit mehr Federungskomfort. Die Straßenverhältnisse waren seinerzeit oft sehr schlecht. Nicht jede Straße war asphaltiert und insbesondere in Ortsdurchfahrten dominierten noch Pflastersteine. Stöße auf solchen Oberflächen konnten damit ausgeglichen werden. Im Ergebnis behielten Diamant-Fahrer mehr Kontrolle über ihre Räder und ermüdeten weniger schnell. Als die Gabel sich bewährte, setzten wir sie später auch an den Diamant-Sporträdern ein. Das waren sportlich definierte Räder mit Ausstattung für den Alltag, also die Vorgänger unseres heutigen Sortiments.
Diamant Modell 167: Ausstattung
- Chrommolybdän-Stahlrohr-Rahmen
- Rahmengrößen: 52, 55, 58 und 61
- Rundscheidengabel
- Keiltretlager mit hohlgebohrter Welle
- 27-Zoll Aluminiumfelgen mit Schlauchreifen
- 3-Arm-Keilgetriebe
- Hinterradnabe mit Leerlaufzahnkranz
- 4- oder 8-Gang-Kettenschaltung
- Felgenbremsen
- Aluminium-Rennlenker mit Prägung «Diamant Modell 167»
- Aluminium-Vorbau
- Aluminium-Sattelstütze
- Aluminium-Luftpumpe
- Gewicht: 11 kg
Im Zeitraum von 1954 bis Ende 1963 verließen total 42.686 Diamant 167 die Werkshallen. Im Jahr 1956 wurde das Modell mit 4-Gangschaltung für 776.50 Mark angeboten. Für das Modell mit 8-Gangschaltung musste man rund 40 Mark mehr investieren.
Heute ein Kultobjekt
Die Erinnerungen an vergangene Triumphe verleihen dem Diamant 167 einen besonderen Glanz. Optisch war das Rad schon damals ein Highlight. Wir glauben, dass dieser Charme auch heute noch ungebrochen ist. Doch nicht nur seine äußere Erscheinung, sondern auch seine bemerkenswerte Langlebigkeit machen das Diamant 167 bis heute einzigartig.
Die Marke Diamant hat es geschafft, ihre Geschichte in die Speichen der Zeit zu weben. Diese legendäre Manufaktur hat nicht nur Generationen von Radfahrern begeistert, sondern auch den Wandel der Fahrradtechnik maßgeblich mitgestaltet. Die frühen Diamant-Fahrräder waren wahre Kunstwerke der Ingenieurskunst. Mit ihrer Stabilität und Zuverlässigkeit wurden sie schnell zum bevorzugten Fortbewegungsmittel vieler Menschen.
Die 1920er und 1930er Jahre waren eine Blütezeit für die Diamant-Fahrradwerke. Die Marke hatte sich etabliert und war bekannt für ihre hochwertigen Fahrräder. In dieser Zeit wurden zahlreiche Modelle eingeführt, die sich durch elegante Designs und technische Raffinessen auszeichneten. Besonders bekannt war das Modell „Pfeil“, ein Rennrad, das für seine Leichtigkeit und Schnelligkeit geschätzt wurde.
Die Fahrräder von Diamant wurden nicht nur im Alltag, sondern auch im Radsport immer beliebter. Viele erfolgreiche Rennfahrer schworen auf die Zuverlässigkeit und die Leistung ihrer Diamant-Räder.
Eine wegweisende Entwicklung in der Geschichte von Diamant war die Einführung des Antriebs durch eine Blockkette, insbesondere der Doppelrollenkette, im Jahr 1898. Dieses Grundprinzip bildet die Basis jeder heutigen Fahrradkette.
In der Zeit der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) etablierte sich die Marke Diamant Fahrradwerke aus Hartmannsdorf, in der Nähe von Chemnitz, als einer der beiden größten Fahrradhersteller des Staates.
Die Räder von Diamant zeichnen sich durch ihre Qualität und Langlebigkeit aus. Rahmen und starre Gabeln werden mit stolzen 40 Jahren Garantie angeboten, was das Vertrauen in die Langlebigkeit der Produkte unterstreicht. Neben modernen Modellen hat sich Diamant Fahrradwerke auch als Spezialist für Nostalgie-Design und Retro-Räder etabliert, die eine Brücke zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart schlagen.
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