Die Wertschätzung und Datierung von Diamant Fahrrädern aus der DDR-Zeit ist ein spannendes Thema für Liebhaber und Sammler. Die zeitliche Einordnung von Fahrrädern ist auf verschiedene Arten möglich, die im Folgenden vorgestellt werden sollen.
Methoden zur Datierung
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Alter eines Diamant-Fahrrads aus DDR-Zeiten zu bestimmen:
- Rahmennummer: Die Rahmennummer ist eine wichtige Quelle zur Bestimmung des Produktionszeitraums. Bei Diamant wurden immer 7-stellige Rahmennummern vergeben. Nach der Sportradproduktion an Mifa im Jahr 1969 wurden die Diamant-dekorierten Sporträder aus Sangerhausen mit maximal 6-stelligen Rahmennummern ausgeliefert.
- Steuerkopfschild: Ein Steuerkopfschild ist ein Emblem, das vorn am Fahrradrahmen, also am sogenannten Steuerkopf angebracht ist.
- Rahmendekor: Wie das Steuerkopfschild veränderte sich auch das Rahmendekor im Laufe der Zeit und kann somit bei der ungefähren zeitlichen Einordnung eines Fahrrades helfen.
- Anbauteile: Außer mit der Rahmennummer lassen sich Fahrräder auch über verschiedene Anbauteile datieren.
- Rahmenmuffen: Diese Möglichkeit soll nicht unerwähnt bleiben, kann jedoch maximal einen Anhaltspunkt auf das Jahrzehnt geben, in dem ein Fahrrad gebaut wurde, da die Rahmenmuffen im Vergleich z.B. zum Steuerkopfschild eher selten überarbeitet wurden.
Steuerkopfschilder nach Zeitraum und Ausführung
Die Steuerkopfschilder von Diamant-Fahrrädern variierten je nach Produktionszeitraum:
| Zeitraum | Art | Spezifische Ortsangabe | Bemerkungen |
|---|---|---|---|
| 1946 bis 1950 | Aluminium-Plakette | Siegmar-Schönau | |
| 1950 bis 1952 | Aluminium-Plakette | Chemnitz-Siegmar | |
| 1952 | Aluminium-Plakette | Chemnitz 30 | Gütezeichen |
| 1952 bis 1953 | Aluminium-Plakette | Chemnitz VVB-IFA | Gütezeichen |
| um 1960 | Chromfolienaufkleber, geprägt | vrmtl. | |
| 1990 bis mind. |
Rahmendekore nach Zeitraum und Beschreibung
Auch die Rahmendekore unterlagen im Laufe der Zeit Veränderungen:
| Zeitraum | Art | Beschreibung |
|---|---|---|
| 194? | ||
| 1960/61 bis 1964 | Abziehbilder | doppeltes Speichenrad; Weltmeisterstreifen; Ortsangabe |
| 1964 bis 1965 | Abziehbild | goldene Weltkugel mit Flagge |
| 1965 | Abziehbild | goldene Weltkugel mit Flagge. Lange Ausführung |
| 1990 bis mind. | ||
| 196x bis mind. | ||
| vrmtl. | ||
| 1988 bis mind. | ||
| 1990 bis mind. | ||
| 194? |
Modell 35 201: Details und Veränderungen
Das Modell 35 201 ist ein typisches Sportrad aus DDR-Produktion. Hier einige Details und Veränderungen im Laufe der Produktionsjahre:
- Rahmenhöhe: 56 cm
- Starrer Hinterbau mit geraden Sitz- und Kettenstreben
- Angelötete Ausfallenden
- Ösen für Bowdenzug der hinteren Felgenbremse und für den Gepäckträger
- Angelötete Luftpumpenhalterung und Dynamohalterung
- Keiltretlager (BSA-Ausführung)
- Felgenbremse vorn
- Schmale Leichtmetallfelgen für Reifen der Breite 1 3/8"
- Schutzbleche aus Leichtmetall, Sportsattel, Sportgepäckträger sowie ein Flachlenker mit Vorbau
- Kein Kettenschutz bei Herrenausführung
Veränderungen im Laufe der Zeit
- Ende 1960: Vereinfachung des oberen Abschlusses der Sitzstreben
- August 1961: Verlegung der Luftpumpenhalterung von der rechten auf die linke Seite
- Ab 1962: Feste Verbindung der Kettenblätter mit der rechten Tretkurbel
- Anfang 1964: Entfall der Steuerkopfschilder, ersetzt durch Schiebebilder
- Ende 1963/Anfang 1964: Entfall der Halterungen des Gepäckträgers am Rahmen, stattdessen Verwendung eines Schwedengepäckträgers
- 1965: Ersetzung des Schwedengepäckträgers durch eine Ausführung, die am Stegrohr zwischen den Kettenstreben befestigt war
- Ab 1966: Verchromte Ausführung des Gepäckträgers anstelle der Rahmenfarbe
Produktionsverlagerung zu Mifa
In der zweiten Hälfte der Sechziger Jahre gab es infolgedessen Bestrebungen, die Produktion von Fahrrädern bei Diamant zu reduzieren bzw. gänzlich aufzugeben. Wurden zwischen 1963 und 1967 jährlich noch Stückzahlen in Höhe von 200.000 bis 220.000 erreicht, so sank dieser Wert im Jahr 1968 auf knapp 160.000. Im Jahr darauf wurde die Produktion der Sportrad-Modelle in das Mifa-Werk nach Sangerhausen verlagert. Seit April 1969 liefen sie dort unter den gleichen Modellbezeichnungen vom Band (Mifa Modell 201). Dies betraf jedoch nur die Sporträder ohne Gangschaltung, die Luxus-Modelle entfielen offenbar spätestens 1968 ersatzlos. Somit verblieben bei Diamant nur noch die Tourensporträder und die Rennräder.
Die seit April 1969 von Mifa produzierten Sporträder wurden zunächst fast ausschließlich mit dem Diamant-Rahmendekor ausgeliefert, sie können jedoch anhand der Rahmennummern zielsicher von den "echten" Diamant Sporträdern unterschieden werden. Während man bei Diamant immer 7-stellige Rahmennummern vergab, so hatten die mit "Diamant" dekorierten Sporträder aus Sangerhausen maximal 6-stellige Rahmennummern.
Lackierung und Dekor
Bis 1964 waren die Rahmen einfarbig lackiert (Metallic-Lackierungen) und besaßen am Unterrohr, am Sattelrohr und an den Gabelscheiden die markanten "Weltmeisterringe". Bei den letzten Exemplaren mit dieser Lackierung fehlen bereits die Steuerkopfschilder. Sie wurden durch einfachere Schiebebilder ersetzt. Danach wechselte man zu einer Zweifarb-Lackierung, wobei der Bereich des Steuerkopfes weiß, der übrige Rahmen hingegen farbig gehalten war (wiederum Metallic-Lackierung). In diesem Zusammenhang änderte man auch das Rahmendekor, das bereits nach kurzer Zeit (Ende 1965) erneut überarbeitet wurde, diesmal jedoch nur geringfügig.
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