In unserer Themen-Reihe dreht sich alles um den Fahrradreifen. Die Wahl der richtigen Reifenbreite ist entscheidend für die Performance und den Komfort deines Fahrrads.
Die richtige Reifenbreite
Die passende Reifenbreite ist pauschal nicht so einfach zu benennen. Je nach Fahrradart gibt es auch unterschiedliche Reifenbreiten. Speziell beim Rennrad oder beim Cyclocross werden Sie den größten Einfluss der Reifenbreite bemerken. Bereits Abweichungen von mehr als 5 mm machen eine Menge aus.
Als Mountainbiker ist Ihnen bewusst, dass bei Ihrem Bike die Bodenhaftung als auch Traktion im Vordergrund stehen. Daher haben MTB-Reifen entsprechend ein stollenähnliches Profil. Der Rollwiderstand wird hier eher nicht so stark im Fokus gehalten.
- Bei einem Cross Country und Marathon Mountainbike empfehlen wir 51 bis 54 mm (entspricht 2,1 bis 2,25 Zoll).
- Bei einem All Mountainbike geht die Empfehlung zu 54 bis 61 mm.
Für Cityfahrräder und Trekkingbikes gibt es von Schwalbe, Continental und Maxxis passende Trekking-Fahrradreifen. Es handelt sich dabei um schmalere Reifen als beim MTB, aber auch breiter als bei einem Rennrad. Hier muss ein Kompromiss von Pannenschutz und Rollwiderstand her. Es wird ein mäßiges Profil für guten Grip auf Schotter- und Waldwegen benötigt, gleichzeitig aber auch nicht zu viel davon, damit einem hohen Rollwiderstand auf Asphalt vorgebeugt wird. Als Referenz gelten in diesen Sparten 37 bis 52 mm.
Die optimale Reifenbreite bei einem E-Bike ist abhängig von der Variante dessen. Im Prinzip können Sie sich an oben genannten Fahrradtypen orientieren. E-Mountainbikes belaufen sich im Bereich von 51 bis 54 mm Reifenbreite und haben ein Stollenprofil.
Warum rollen dicke Reifen besser als schmale?
Die Erklärung liegt im Einfederungsverhalten. Jeder Reifen flacht unter Belastung unten etwas ab. Daraus resultiert eine ebene Aufstandsfläche. Bei gleichem Luftdruck haben der breite und der schmale Reifen eine gleich große Aufstandsfläche. Während sich der breite Reifen eher in die Breite platt drückt, hat der dünne Reifen eine schmalere aber längere Aufstandsfläche.
Das abgeflachte Stück kann man als einen Lastarm interpretieren, welcher der Rollbewegung des Reifens entgegenwirkt. Durch die stärkere Abflachung des schmalen Reifens wird das Rad „unrunder“ und muss sich beim Abrollen stärker verformen. Beim breiten Reifen wirkt sich die Abflachung weniger in Laufrichtung aus. Daher bleibt er „runder“ und rollt leichter.
Bereits bei 2bar rollt ein 60 mm breiter Reifen so leicht wie ein 37 mm bei 4bar. Auf den ersten Blick erscheint es widersinnig, dass ein dicker Reifen besser rollen soll als ein schmaler. Probier’s aber einfach mal aus und experimentiere mit verschiedenen Größen und unterschiedlichen Profilarten.
Noch vor 10 Jahren waren Halb-Slicks der Mega-Trend, heute interessiert das niemanden mehr: Fette Reifen mit wenig Eigengewicht und raffinierter Stollenarchitektur sind die derzeitigen Trendsetter. Kurz um: Heute suchen Mountainbiker den ultimativen Reifen für alles, im Idealfall ein optimaler Mix aus Grip, Speed und Komfort.
Auf der Suche nach dem besten Reifen bitte immer im Hinterkopf behalten, dass der beste Reifen fürs Gelände in erster Linie schön dick und breit und trotzdem möglichst leicht sein sollte.
Vorteile von dicken Reifen
- Er rollt besser
- Deine Fahrtechnik verbessert sich enorm im schwierigen Gelände. Der fette Schlappen steckt viel mehr weg.
- Der Fahrkomfort ist um Welten besser. Ein dicker Reifen mit dem richtigen Luftdruck wirkt wie eine zweite Federgabel.
Entscheidend ist, dass der Luftdruck stimmt. Zuviel Luft im Bike-Reifen und die ganze Theorie ist nichts mehr wert.
Aber: Die Menge Luft raus lassen, damit der Gummi schön geschmeidig und komfortabel rollt, kannst du nur wirklich bei breiten dicken Reifen. Bei schmalen Reifen hättest du zu wenig Schutz für die Felge und folglich an der nächsten Kante ein Problem.
Technische Einschränkungen
Bevor dich aber jetzt die überbordende Euphorie zum RABE treibt, solltest du dir über ein paar technische Einschränkungen im Klaren sein:
- Je „fetter“ der Reifen wird, desto schwerer wird er - was sich wiederum bei der Beschleunigung auswirken kann (Trägheitsmoment).
- Achte darauf, dass du am Hinterrad keinen zu breiten Reifen montierst! An vielen Bikes gibt es wegen den Kettenstreben konstruktiv bedingte Einschränkungen: Hat der Reifen zu wenig Durchlauf, dann wird er beim nächsten kleinen Achter derart am Rahmenrohr anstehen, dass sich nichts mehr bewegt.
Vorne ist der Durchlauf sowieso kein Problem. Die Ideallösung heißt vorne breit und hinten schmäler: Komfort- und Traktionsprobleme werden naturgemäß stärker im Frontbereich wahrgenommen.
Die Industrie hat die letzten Jahre einige super Reifen auf den Markt gebracht, zum Beispiel den allseits bekannten Schwalbe Nobby Nic oder den Fat Albert. Beide gibt es in der Faltversion von 2.25 bis 2.40 breit.
- Tourenbiker, die überwiegend auf Forstwegen unterwegs sind, empfehlen wir den Schwalbe Nobby Nic oder den Schwalbe Racing Ralph. Vorne und hinten in der Breite 2.25 - bei wenig Durchlauf hinten den 2.10er Reifen.
- Für Singletrail-Cracks ist der Schwalbe Fat Albert 2.40 (oder auch 2,25) in puncto Grip nicht zu toppen. Unser Lieblingsgummi. Wer seine Fahrtechnik bis Ultimo steigern möchte, sollte unbedingt die UST Schlauchlos Version probieren. Besser geht’s nicht. Schlauchlos bedingt aber passende Felgen und Laufräder oder ein Umrüstkit.
Der richtige Luftdruck
Last but not least, hier unser Tipp für den richtigen Luftdruck, ganz ohne Druckmesser: Setz’ dich mit deinem Gewicht auf den Bike-Reifen. Voll belastet, sollte der Reifen einen ziemlichen „Bauch“ machen. Tut er das nicht, dann ist er viel zu hart aufgepumpt. Im Gelände mit unterschiedlichen Drücken experimentieren. Aber nicht zuviel Luft rauslassen, sonst wird die Felge an der nächsten Kante nicht mehr ausreichend geschützt.
Der Druck im Bike-Reifen wird, genau wie bei der Federgabel, immer abhängig vom Gewicht der Person eingestellt. Alle anderen Richtwerte oder Theorien kannst du komplett vergessen.
Eine Bitte an alle netten Männer: Pumpt die Reifen eurer Partnerin nicht so voll! Wenn du Federgabel und Reifen exakt auf ihr Gewicht anpasst, dann kann sie sich jetzt schon auf ein völlig neues Fahrgefühl im Gelände freuen.
Wenn der Fahrradreifen von Schwalbe, Continental und Maxxis mit zu viel Luft befüllt ist, kann dieser bei leichten Unebenheiten auf der Straße schnell platzen, da er ständig unter Spannung steht. Noch dazu verliert der Reifen an Bodenhaftung, liegt nicht mehr breit genug auf - somit leidet dann auch der Fahrkomfort noch darunter. Wenn Sie jedoch einen Fahrradreifen ständig mit zu wenig Luft fahren, erzeugt der Reifen vom Fahrrad übermäßig Reibung und die Fahrgeschwindigkeit verringert sich noch dazu.
Ein Rennrad mit Drahtreifen kann optimal mit 7 bis 9 bar gefahren werden. Als kleine Faustformel gilt hier: Nehmen Sie Ihr Körpergewicht um eine Kommastelle nach links und nutzen dies als guten Richtwert. Also: 80 kg Körpergewicht des Radlers - entspricht 8 bar. Beim MTB mit Draht- bzw. Faltreifen ist ein Luftdruck von 2 bis 4 bar sinnvoll. Beim Mountainbiken tendiert man eher zu etwas niedrigem Reifendruck, da Bodenhaftung, Stabilität und Fahrkomfort in diesem Bereich im Mittelpunkt stehen. Geben Sie beim Citybike und beim Trekkingrad mindestens 4 bar Luftdruck. Lieber etwas zu viel Luft im Fahrradreifen, als zu wenig. Der Rollwiderstand wird dabei geringer.
650b Plus Reifen
Streng genommen ist 650b Plus keine neue Laufradgröße, sondern eine neue Reifenbreite. Es werden klassische 27,5“ Reifen genommen und mit breiten Reifen um 3,0“ kombiniert. Auch andere Breiten sind erlaubt, dies variiert je nach Hersteller. Bei Schwalbe beispielsweise sind 2,8“ Breiten gängig, 27,5+ Reifen von Specialized haben überwiegend 3,0“ Breiten. Klassische 27,5“ Reifen haben eine 2,2 Zoll Breite. Das 650b Plus Bike fährt auf normalen 27,5“ Laufrädern, die eine etwas breitere Felgen haben. Der Durchmesser entspricht aber eher 29 Zoll Reifen. Dabei entspricht der Außendurchmesser der Felge dem Innendurchmesser des Reifens.
Vorteile von 650b Plus Reifen:
- Traktion: Der breite Reifen bleibt dank der größeren Auflagefläche am Untergrund kleben und baut sehr viel Gripp auf. Mehr Traktion bedeutet mehr Sicherheit.
- Überrollverhalten: Über Hindernisse, wie Wurzeln und Steine rollen die Plus-Reifen besser als klassische 27,5“ Reifen, denn der Aufprallwinkel ist flacher.
- Rollwiderstand: Durch den breiteren Reifen und der damit verbundenen vergrößerten Auflagefläche verringert sich der Rollwiderstand.
- Niedrigerer Luftdruck: Besonders im Gelände ist dies vorteilhaft, denn so kannst du mehr Grip aufbauen. Dadurch rollen die Reifen leichter, weil sie sich schneller an den Untergrund anpassen und weniger abbremsen.
- Geringere Pannengefahr: In Zusammenhang mit dem niedrigen Luftdruck wird bei 650b+ Reifen auch die Pannengefahr minimiert.
Nachteile von 650b Plus Reifen:
- Träge: Der breitere Reifen muss mehr Masse in Bewegung setzen und wird dadurch träger im Vergleich zu klassischen 650b Reifen.
- Schwammig: Der geringe Luftdruck im Reifen verleiht dem gesamten Bike ein schwimmendes, schwammiges Fahrgefühl.
- Höheres Gewicht: Fakt ist, dass Plus-Reifen definitiv ein höheres Gewicht haben, als klassische Reifen. Mit 25-44% Mehrgewicht musst du rechnen.
- Kompatibilität: 650b Plus-Reifen passen nicht in alle Bikes. Durch die breiten Flanken ist die Kompatibilität mit bestehenden - nicht Plus Fahrrädern - oftmals nicht gegeben. 650b+ Laufräder in 26 Zoll Rahmen werden dann nicht funktionieren. Der Reifen wird nicht unter die Federgabel passen oder an der Kettenstrebe schleifen. Hat dein Bike Boost-Naben, besteht allerdings die Möglichkeit, dass die Plus-Reifen passen könnten. 27,5 Plus Reifen in 29 Zoll Rahmen: Das kann passen, vor allem vom Durchmesser.
Die neue Reifen-Breite ist für den Mountainbike-Sport gemacht. Während er weniger für Asphalt und Straßen geeignet ist, spielt er seine Vorteile besonders im Gelände aus. Mountainbike Hardtails und besonders All Mountain oder Fullys sind bereits jetzt serienmäßig mit Reifen der Größe 27,5 Plus ausgestattet.
Ob die Vorteile der neuen Reifenbreite wirklich im Gelände spürbar sind, muss jeder für sich selbst rausfinden.
Die richtige Reifenbreite für dein Mountainbike
Die Reifenbreite beeinflusst das Fahrverhalten deines MTBs auf vielfältige Weise. Eine schmalere Reifenbreite bietet weniger Rollwiderstand und ermöglicht es dir, schneller auf der Straße zu fahren. Sie eignet sich auch besser für glatte Oberflächen. Wenn du hauptsächlich auf asphaltierten Straßen oder leichtem Gelände unterwegs bist, könnte eine schmalere Reifenbreite, beispielsweise zwischen 1,9 und 2,2 Zoll, die richtige Wahl für dich sein.
Für Offroad-Abenteuer und anspruchsvolleres Gelände empfiehlt es sich, breitere Reifen zu verwenden. Eine größere Reifenbreite sorgt für mehr Traktion und Stabilität auf rauem Untergrund. Durch eine größere Auflagefläche der Reifen kannst du dich besser in Kurven legen und hast eine bessere Kontrolle über dein Bike. Breitere Reifen bieten auch mehr Dämpfung, was dir ein komfortableres Fahrgefühl auf unebenem Terrain verleiht. In diesem Fall könntest du Reifen mit einer Breite zwischen 2,3 und 2,6 Zoll in Betracht ziehen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Wahl der Reifenbreite auch von deiner Felgenbreite abhängt. Die Reifen sollten optimal auf die Felgen passen, um eine sichere und zuverlässige Performance zu gewährleisten.
Reifenprofil
Das Profil sorgt zwar für den größten optischen Unterschied zwischen den einzelnen Reifen, hat aber nur einen geringen Einfluss auf den Rollwiderstand. Zwar rollen Modelle mit engem Stollenabstand auf der Lauffläche auf der Straße spürbar geschmeidiger. Wie leicht oder zäh sich aber ein Reifen beschleunigen lässt, liegt in erster Linie an der Gummimischung und nicht am Profil.
Für eine bessere Verzahnung mit dem Untergrund und schnellere Selbstreinigung kommen am Vorderrad meist offenere Profile mit höheren Stollen zum Einsatz. Da auf dem Hinterrad mehr Gewicht lastet, fallen hier die Stollen für eine bessere Abstützung oft niedriger und großflächiger aus. Da Gummi schwer ist, beeinflussen Art und Größe der Profilierung auch maßgeblich das Reifengewicht.
Tubeless-Reifen
Im Rennsport sind Reifen im Tubeless-Setup nicht mehr wegzudenken. Gewicht, Pannenschutz und Rollwiderstand sprechen allesamt für den Verzicht auf den Schlauch.
Da mittlerweile nahezu alle hochwertigen Reifen tubeless-fähig sind und die meisten Felgenprofile eine Montage begünstigen, braucht man oftmals noch nicht mal einen Kompressor. Eine ausführliche Anleitung zum Umbau finden Sie unter: www.bike-magazin.de, Stichwort Tubeless.
Ohne Schlauch lassen sich pro Reifen etwa zwei Watt einsparen, weil weniger Material beim Abrollen verformt werden muss. Dadurch kann der Reifen auch besser arbeiten und sich dem Untergrund feiner anpassen. Wer Tubeless fährt, kann bei gleichem Durchschlagschutz auch den Reifendruck um etwa 0,2 Bar reduzieren.
Gummimischung
Vor allem bei tiefen Böden sorgt ein offenes Profil mit hohen, stabilen Stollen für essenzielle Verzahnung, Kurvenhalt und Selbstreinigung. Doch selbst das beste Profil bringt nichts, wenn die Gummimischung nicht passt. Der Reifen-Compound entscheidet maßgeblich über den Nass-Grip und die Dämpfung eines Reifens.
Herstellerbezeichnungen wie MaxxGrip (Maxxis) oder Ultra Soft (Schwalbe) auf der Reifenflanke zeigen an, dass es sich hier um das griffigste Gummi handelt. Wenn es beim DH- oder Enduro-Einsatz um Sekunden geht, beeinflusst vor allem die Dämpfung des Compounds das Fahrgefühl. Ist die sogenannte Rückprallelastizität niedrig, sprich: Das Gummi dämpft stark, steigert das die Fahrkontrolle am stärksten. Der Reifen liegt satt.
Reifen-Inserts
Vor allem im Downhill- und Enduro-Racing, aber teilweise auch im Cross-Country-Einsatz schwören manche Fahrer auf Reifen-Inserts. Die Schaumstoffringe können zusätzlich zu einem Tubeless-Setup montiert werden und erhöhen maßgeblich den Durchschlagschutz, da sie die Felgenhörner abdecken, an denen der Reifen bei einem Snakebite durchstanzt wird, und somit Reifen und Felge schonen. Mittlerweile gibt es sogar Varianten, die sich auch mit Schlauch fahren lassen und diesen umschließen, z. B. von Tannus. Je nach Einsatzzweck sind die Reifeneinlagen in unterschiedlichen Ausführungen von 70 bis fast 300 Gramm erhältlich.
Weil die Inserts, die dicht an der Felge anliegen, beim Abrollen kaum verformt werden müssen, verschlechtert sich der Rollwiderstand dabei nicht. Durch den strammen Sitz vieler Einlagen gestaltet sich die Montage aber kniffelig. Dafür halten sie den Reifen auch bei wenig Druck sicher auf der Felge und bieten gute Notlaufeigenschaften.
Das Karkassen-Einmaleins
In Bezug auf den Pannenschutz hat die Reifenkarkasse den größten Einfluss. Eine besonders stabile Karkasse kann beispielsweise Durchschläge noch effektiver verhindern als eine Reifeneinlage. Bei unseren Vergleichsmessungen lag der Durchschlagschutz eines schweren Reifens mit Downhill-Karkasse im Bild unten (3) um ganze 118 Prozent höher als bei dem leichteren Reifen mit Trail-Karkasse. Die Unterschiede sind also gewaltig, schlagen aber aufs Gewicht. So wog der Trail-Reifen bei identischem Profil ganze 360 Gramm weniger. Um nicht unnötig Gewicht mitzuschleppen, sollte die Karkassenkonstruktion also zum Einsatzgebiet passen.
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