Dnepr Motorrad mit Beiwagen: Eine historische Betrachtung

Es wirkt alles noch recht unspektakulär, als David Wieprich mit seinem goldfarbenen Mercedes W123 um die Ecke biegt. Doch heute sollen „nur“ 3 Räder unser Fokus sein. Der Weg führt zu einer Plane, worunter sich ein noch viel älterer Zeitzeuge befindet. Zum Vorschein kommt ein Motorrad. Ein Beiwagen-Gespann, um genau zu sein.

Die KMZ K750 von 1959 präsentiert sich in einem auf den ersten Blick nahezu perfekten Zustand. Wir stehen hier nicht vor einem „normalen“ Straßen-Motorrad, sondern vor der damalig explizit angepassten Militärvariante. Noch bevor wir uns alles richtig anschauen können, gerät ihr Besitzer schon ins Schwärmen.

„Ich wollte ja niemals Motorrad fahren, hatte nicht mal einen Führerschein. Das war damals nichts für mich.“ Soweit der Stand vor gut 2 ½ Jahren. Doch das Schicksal hatte andere Pläne. Auf der Suche nach einem passenden Gefährt für seine Freundin begegnete David unerwartet dem „Molotov“, wie das Gespann im Osten früher gern genannt wurde. Die unweigerliche Folge: Gesehen, verliebt, gekauft.

Mittlerweile sind unzählige Arbeitsstunden in die Aufbereitung der Maschine geflossen. Eine neue Lackierung, Aufbereitung von Polstern und Abdeckungen, diverse Zierelemente, alles wurde Stück für Stück aufbereitet, überholt, repariert und wieder an Ort und Stelle gebracht. Auch das gesamte Fahrgestell hat eine Auffrischung erhalten. Wenn schon so ein Projekt, dann aber auch richtig. Gut, wenn man dann zu so einem besonderen Fahrzeug auch noch originale Werkshandbücher, technische Daten und sogar das originale Bordwerkzeug hat. Hier trifft Fachwissen auf einen weiteren wichtigen Punkt im Bereich Oldtimer. Matching Numbers.

Auch das Herzstück der K750, der ca. 26 PS starke 2-Zylinder Motor mit 746 ccm hat volle Aufmerksamkeit erhalten. Anders als bei den meisten bekannten Motorradmotoren liegen die Zylinder hier horizontal im Winkel von 180 Grad. Ungewöhnlich, im Fahrstil etwas gewöhnungsbedürftig, aber nicht weniger effizient. Die Zylinderbohrungen von 78mm haben mittlerweile durch Verschleiß Kolben im 1. Übermaß bekommen, so sind viele weitere Jahre Zuverlässigkeit und Leistung gesichert.

Einzige Änderung zum ursprünglichen Motor: Die Flachschiebervergaser. Diese wurden von der „Straßenvariante“ M72 übernommen, um etwas direktere Ansprache am Gas zu bekommen. „Das ist vor allem im Stadtverkehr wichtiger, als man denkt“.

Insgesamt ist das Gespann aber zu ca. 95 % im Originalzustand, was ein enorm hoher Satz ist, wenn man bedenkt, unter welchen Voraussetzungen diese Maschinen früher im Einsatz gewesen sind. Bis heute gibt es diverse Nachbauten, welche sich für Laien kaum unterscheiden werden, doch hier trifft die Leidenschaft zum Detail erneut. Kenner werden mit wenigen Blicken auf den Motor sofort sehen, dass es sich hierbei zweifelsohne um ein altes Militärmodell handelt.

Am Rahmen des Motorrads ist ein Typenschild angebracht, welches eindeutige Werte angibt: Modell, Rahmennummer, Motornummer, Baujahr und ccm Angabe. Alle Daten passen zueinander, das Gefährt steht also genau so vor uns, wie es damals zusammengebaut worden ist. Ebenfalls sehr beeindruckend: Die 5-stellige Motornummer. Mittlerweile sind 9-stellige Motornummern bekannt, was auf die wahnsinnig große Produktionsauflage blicken lässt, und gleichzeitig aussagt, wie wertvoll dieses „alte Schätzchen“ inzwischen ist. Nach vorsichtiger Schätzung eines Experten liegt dieser im Übrigen aktuell bei ungefähr 15.000 €.

Es ist immer wieder wundervoll zu sehen, wie sich Menschen mit derartiger Leidenschaft um den Erhalt solcher Schmuckstücke kümmern, wieviel Energie, Verständnis, Zeit, und am Ende natürlich auch Geld in solch ein Hobby fließen.

Historie der Fernost-Gespanne

URAL-Gespanne

Die Geschichte der Ural (Gespanne): Aufgrund der Entwicklungen im Zweiten Weltkrieg erkannte Russland schnell, dass der Krieg nicht vor den Toren des Landes stoppen würde. Stalin befahl daraufhin dem Militär sich in allen Bereichen auf den Krieg mit Deutschland vorzubereiten. Dies umfasste auch die Bodenstreitkräfte die den einrückenden deutschen Panzerverbänden und Bodentruppen entgegentreten sollten.

Man wusste das die Wehrmacht tausende von BMW-Gespannen besaß. Sie waren bekannt für ihre Robustheit, Zuverlässigkeit, Wendigkeit und Pflegeleichtigkeit. Jede dieser Maschinen war ausgerüstet mit einem Schützen und dessen Maschinengewehr, dem Fahrer und Munitionsvorräten. Aus diesen Gründen waren sie bei den russischen Bodentruppen gefürchtet.

Es war um 1939, als fünf deutsche BMW R71- Gespanne in einer geheimen Aktion, durch schwedische Vermittler gekauft und nach Moskau transportiert wurden. Dort wurden sie zerlegt und bis ins kleinste Detail kopiert. Man übernahm den Rahmen in fast jeder Einzelheit. Die Motoren und Getriebe sollten aus eigener Produktion kommen. 1941 wurden hunderte russischer Gespanne in Moskau produziert. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es für das produzierte Vehikel noch keinen Namen.

Da die deutsche Wehrmacht immer näher kam, entschied man sich das Motorradwerk in Moskau komplett zu demontieren und es im Osten Russlands, genauer gesagt in der Stadt Irbit im Ural Gebirge, wieder aufzubauen. Während des Krieges wurden noch fast 10.000 Maschinen gebaut die alle ihren Dienst bei der Roten Armee verrichteten. Da das Werk nun im Ural Gebirge lag, gab man dem dort gebauten Fahrzeug den selben Namen: Ural !

Die Entstehung und die Popularität der Ural- Motorräder ist eigentlich dem 2. Weltkrieg zu verdanken. Man baute hier bis 1953 fast nur für den inländischen Bedarf, hauptsächlich für Behörden und das Militär. Mit dem ständig wachsenden Bekanntheitsgrad, entschied man sich ab 1953 Ural- Motorräder zu exportieren. Ab 1960 wurde die gesamte Produktion auf zivile Maschinen umgestellt.

1998 begann man das Unternehmen zu privatisieren. Seitdem wurde viel für das Image getan, wie z.B. bessere Fertigungsqualitäten, neue Modelle etc. Bis zum heutigen Tag wurden in Irbit weit mehr als 3 Millionen Maschinen produziert!

Im Gegensatz zu den DNEPR Gespannen, wird das URAL-Gespann heute noch gebaut. Das URAL-Gespann zählt nach wie vor zu den Kult-Gespannen und erfreut sich großer Beliebtheit. Die Qualität ist zwischenzeitlich gut.

DNEPR-Gespanne

Die Geschichte der Dnepr (Gespanne): Die Dnepr (KMS*)- Motorräder werden bzw. wurden in Kiew gebaut, einer Stadt in der Ukraine. Die Geschichte der Kiewer Motorradwerke begann bereits 1946 mit der Produktion eines Kleinkraftrades, mit schweren Motorrädern jedoch erst gegen Mitte der 50er Jahre.

1956 baute man in Kiew das Modell K-750, welches auf der sehr erfolgreichen M-72 basierte. Nicht verwunderlich, denn die Teile für dieses Motorrad kamen zu einem großen Teil aus dem Irbiter Motorradwerk. Ab 1967 nannte man die KMS- Werke dann in "Dnepr" um, benannt nach dem durch die Ukraine verlaufendem Fluß. Als Nachfolger der K-750 folgte das Modell K-650 welches wiederum später durch die MT-9 abgelöst wurde. Mitte der Sechziger Jahre stellte man die Motorenproduktion dann gänzlich auf kopfgesteuerte Motoren um.

Dnepr spezialisierte sich - nachdem die Ural-Werke nur noch für den zivilen Markt produzierten - auf militärische Ausführungen, wie z.B. die MT-16. Zwischenzeitlich mauserte man sich zur "Kreml-Marke" und stellte auf Wunsch der Regierung Eskorte- Motorräder, z.B. für Staatsbesuche her.

Bis 1989 zählte man bei Dnepr ca. 2 Millionen produzierte Maschinen! Die gesamte Umstrukturierung der ehemaligen UdSSR im Jahre 1991 ging auch am Dnepr-Werk nicht spurlos vorbei. Man musste sich fortan bemühen um wirtschaftlich am Ball zu bleiben. Das Ergebnis waren diverse neue Modell- Konzepte die die verschiedensten Käuferschichten ansprechen sollten. Man spezialisierte sich z.B. auch auf den Umbau von Zivil-Maschinen auf Behörden- Versionen für Feuerwehr und Polizei.

Knapp 9.000 Menschen arbeiteten hier daran Dnepr weiter voran zu bringen, allerdings mit wenig Erfolg. Qualitativ hielt keine werksneue "Dnepr" den hohen westlichen Ansprüchen stand, so das der Ruf hierzulande stark darunter litt. Seit 2001 produziert das Dnepr-Werk keine Neu-Maschinen mehr, dennoch ist es nicht geschlossen! Es arbeiten noch immer viele Leute vorort.

P.S. *KMS ist die richtige Übersetzung vom Ukrainischen in das Deutsche und heißt übersetzt Kiewer Motorrad Werk (in etwa: Kiew Motoziklui Sawot). Falsch ist die Bezeichnung KMZ.

Dnepr Technik - Grundlegendes

Was Sie unbedingt vor dem Kauf beachten sollten:

Wie unterscheidet man Inlands- und Exportmodelle?

  • Inlandsmodelle : Zu erkennen an den lackierten Felgen und Speichen (oder Rost statt Farbe).
  • Egal wie billig solch ein Fahrzeug auch immer angeboten wird :!! niemals kaufen !!
  • Exportmodelle: Zu erkennen an den verchromten Felgen, lagerichtigen Schweissnähten und sich auch bei festgezogenen Achsmuttern drehenden Rädern!!!

Diese Fahrzeuge stellen eine gute Ausgangsbasis für weitere Massnahmen dar, die zu einem alltagstauglichen Gespann führen können.

Alle weiteren Ausführungen auf diesen Seiten beziehen sich auf diese Fahrzeugvariante:

Kauf "aus der Kiste"

Billig und möglich sofern die nötigen Modifikationen am Motor und an den Bremsen mit entsprechender Professionalität durchgeführt werden, andernfalls liegt die Lebensdauer des Motors zwischen 50km und 7.000km und jene des Fahrers eventuell unter dem Üblichen.

Für "Normalschrauber" stellt der Kauf aus der Kiste eine ausgezeichnete Möglichkeit dar: innerhalb kürzester Zeit

  1. ein riesiges Loch auf dem Konto
  2. eine Garagenleiche
  3. jede Menge Frust, sowie
  4. den Spott seiner Umwelt einzuheimsen.

Die Kosten ($$)

Die Dnepr ist de facto (tourentauglich modifiziert) keineswegs eine billige Angelegenheit, der niedrige Kaufpreis relativiert sich bei über 10.000km Fahrleistung im Jahr durch die Ersatzteil- und Wartungskosten.

Auch die scheinbar billigen Ersatzteile müssen im Normalfall vor dem Einbau überarbeitet werden und verwandeln sich auf diesen Weg schnell in Gold.

Fazit DNEPR & URAL Gespanne bis ca. 2010

Gemeinsam haben DNEPR und URAL den Viertakt-Boxer-Motor mit 649 ccm Hubraum nach BMW-Vorbild. Die Leistungen der unterschiedlich aufgebauten Motoren bewegen sich bei 32 PS (Dnepr) und 33 PS (Ural). Die Maschinen fügen sich also in die günstige 34 PS-Versicherungsklasse ein. Beide Fabrikate verwöhnen den Gespannfreund beim Rangieren mit einem Rückwärtsgang.

Das angetriebene Seitenwagenrad mit Differential gibt’s aber nur bei der DNEPR MT 16. Dafür kann die URAL mit geschobener Vorderradschwinge, sowie mit zuschaltbarem Seitenwagenantrieb geordert werden. Weiterer Vorteil der Ural sind die ungekröpften Speichen. Sie sind weniger bruchanfällig als die gekröpften Versionen des DNEPR-Gespannes.

Überhaupt zeigte die bisherige Erfahrung, das im URAL-Werk eine konstantere Fertigungsqualität geboten wird als von den Kollegen bei DNEPR.

Jochen Brett weiß von mancher DNEPR oder auch URAL, die bereits auf der ersten Kontrollfahrt noch in Sichtweite zur Werkstatt mit kapitalem Motorschaden das Handtuch warf.

Historie der Chinesen-Gespanne

ChangJiang 750-Gespannel

Die Geschichte der Chang-Jiang (Gespanne): Nachdem Russland die BMW R-71 Anfang der 40er Jahre erfolgreich kopiert hatte, bekam auch China die Lizenz für einen Nachbau der legendären R-71.... Allerdings kam die Lizenz von den Russen und die wiederrum brauchten ja keine...sie hatten ja gewonnen....!

Ab dem Jahr 1956 begann man hier - noch unter dem Namen "Yangtzee" - ein robustes Motorrad mit und ohne Seitenwagen zu bauen. Man nutzte es vorrangig für das Militär und als Behörden-Maschine.

Im Gegensatz zu Dnepr und Ural, wo mit den Jahren auch diverse Modifikationen (wenn man sie denn so nennen kann) an den Modellen stattfanden, ging die Zeit bei Chang Jiang ohne große Änderungen vorüber. Einzig eine 12 Volt- Anlage und ein E-Starter sind hinzugekommen und man hat die Leistung des Motors etwas gesteigert. Der seitengesteuerte Motor, der Blattgefederte Seitenwagen sowie die der Lenker mit Innenseilzügen ist noch so wie in den 50ern.

Bis heute wurden mehrere 100.000 Maschinen hergestellt. Auch in Westeuropa und auf vielen Kontinenten, fand das heute unter dem Namen "Chang Jiang" laufende Modell viele Liebhaber, die ihre robuste Bauweise und Zuverlässigkeit zu schätzen wissen. Mittlerweile hat "Chang Jiang" eine größere Modellpalette, welche allerdings fast alle auf Nachbau-Lizenzen beruhen.

Wer mit einem alten Motorrad reist, hat immer das Unvorhergesehene im Gepäck, insbesondere, wenn es sich bei dem Gefährt um eine Dnepr mit Beiwagen handelt, weiß Sven Altmann aus vielen bitter-süßen Erfahrungen.

Ein Wendepunkt in seinem Leben verhalf ihm zu 10 Wochen freier Reisezeit, und er fuhr einfach los. Es ging über den Balkan bis nach Kappadokien in der Zentraltürkei, und er erlebte fremde Lebensweisen und traumhafte Landschaften hautnah.

Allerlei Missgeschicke und technische Pannen führten Sven auf ungeplanten Wegen zu teils skurrilen Erlebnissen und vielen herzlichen Begegnungen, die diese Reise prägten. Er erfuhr unglaubliche Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft vieler Menschen, ohne deren Hilfe er nie an sein Ziel gekommen wäre.

Mit viel Augenzwinkern (und reich bebildert) erzählt das Buch in einer gelungenen Mischung aus Reisebericht, Anekdoten und Reiseführer seine Geschichte und gibt auch Antworten auf ungewöhnliche Fragen, die sich Sven unterwegs stellten:

  • Wie weit kann man mit einer verölten Kupplung fahren, und wo zerlegt man sein Motorrad in Bukarest?
  • Wie wird man ein bulgarisches Familienmitglied auf Zeit, und wie ist es, mit 1000 Hippies ums Lagerfeuer zu tanzen?
  • Kann man mit einem kaputten Vergaser über den Bosporus fahren, und warum ist manchmal ein Bagger die letzte Rettung?

Dieses humorvolle und auch für Nicht-Motorradfahrer unterhaltsame Buch ist die Liebeserklärung des Autors an das langsame Reisen und trotz aller technischer Widrigkeiten auch an seine Dnepr.

Modellgeschichte der Dnepr K750 (1958-1973)

Die Dnepr K750 wird ab 1958 im Kiewer Motorradwerk KMZ (Kievskiy Mototsikletniy Zavod) produziert. Sie basiert technisch auf der M72, die wiederum eine sowjetische Weiterentwicklung der BMW R71 darstellt.

Die K750 ist ein schweres Gespannmotorrad mit festem Beiwagen und richtet sich an militärische und zivile Nutzer. Sie wird ausschließlich mit Seitenwagen ausgeliefert und ist für den Betrieb mit drei Personen ausgelegt.

Baujahr 1958-1963 - Einführung der K750

Die erste Version der K750 übernimmt den seitengesteuerten Zweizylinder-Boxermotor (SV) mit 6-Volt-Elektrik. Das Vierganggetriebe mit Rückwärtsgang wird per Hand geschaltet. Die Vorderradführung erfolgt über eine Kurzschwingengabel, das Hinterrad ist an einer Schwinge mit zwei Federbeinen aufgehängt. Der Antrieb erfolgt über eine Kardanwelle. Der Beiwagen ist fest mit dem Rahmen verbunden und besitzt eine eigene mechanische Trommelbremse.

Baujahr 1964-1967 - technische Überarbeitung

Ab 1964 wird die K750 mit einer verstärkten Kurbelwelle ausgestattet. Die Lichtmaschine bleibt ein 6-Volt-System, wird jedoch in ihrer Leistung verbessert. Die Vorderradgabel wird überarbeitet, bleibt aber eine Kurzschwingengabel. Die Lackierung erfolgt je nach Verwendungszweck in mattem Olivgrün (militärisch) oder Schwarz (zivil).

Baujahr 1968-1973 - Einführung der K750M

Die K750M stellt eine überarbeitete Version der K750 dar und wird ab 1968 produziert. Die auffälligste Änderung ist die Einführung einer Telegabel anstelle der bisherigen Kurzschwingengabel. Die Sitzbank wird überarbeitet und bietet besseren Komfort für Fahrer und Sozius. Die Trommelbremsen bleiben unverändert, ebenso das Getriebe mit Rückwärtsgang. Die Elektrik bleibt bei 6 Volt.

Die K750M wird bis 1973 produziert, danach wird sie durch die Dnepr MT-9 mit OHV-Motor und 12-Volt-Elektrik abgelöst.

Ist die Dnepr K750 für Anfänger geeignet?

Die Dnepr K750 ist aufgrund ihres hohen Gewichts, des Beiwagens und der veralteten Technik nicht für Fahranfänger geeignet. Sie erfordert Erfahrung im Umgang mit Gespannen und mechanisches Verständnis.

Hat die Dnepr K750 ABS?

Nein, die Dnepr K750 ist nicht mit einem Antiblockiersystem ausgestattet. Sie verfügt ausschließlich über mechanisch betätigte Trommelbremsen an allen Rädern.

Dnepr K750 vs. Dnepr MT-9 - Unterschiede?

Die K750 besitzt einen seitengesteuerten Motor (SV), während die MT-9 einen OHV-Motor mit obenliegenden Ventilen verwendet. Zudem hat die MT-9 eine 12-Volt-Elektrik, während die K750 bei 6 Volt bleibt. Die MT-9 bietet außerdem eine verbesserte Telegabel und eine modernisierte Elektrik.

Dnepr K750 Tankinhalt und Reichweite?

Der Tankinhalt beträgt laut Hersteller 22 Liter. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 5,5 Litern pro 100 km ergibt sich eine Reichweite von rund 400 Kilometern.

Kann man mit der Dnepr K750 zu zweit fahren?

Ja, die Dnepr K750 ist für den Betrieb mit Beiwagen ausgelegt und bietet Platz für Fahrer, Sozius und eine weitere Person im Beiwagen.

Gespannhersteller, Jochen Brett, und Importeur verschiedener Marken. Jochen Brett als Gespannhersteller zu bezeichnen, trifft die Sache nicht ganz, er ist eher ein Monteur. Er verheiratet nach Kundenauftrag aus vorhandenen Komponenten Motorräder mit Seitenwagen.

Anfang der 1990er Jahren gründete er mit Albrecht Bergner die Firma Brett und Bergner. Bergner besaß eine Dnepr MT16 mit angetriebenem Seitenwagenrad, und bald wurde auch für Brett das Fahren auf drei Rädern selbstverständlich. Mit diesem ersten in die Werkstatt gespülten Dnepr-Gespann fuhr er zum Motorradstammtisch, und gleich drei Leute bestellten solch einen Russen. Damaliger Verkaufspreis: knapp 2000 D-Mark.

Auch versuchte man sich als Importeur der Marke Tecpama mit dem Modell Kahena aus Brasilien - ein großer, plastikverschalter Eisenhaufen auf drei Rädern mit einem 1600er Boxermotor aus dem VW Käfer. Doch mit dem südamerikanischen Hersteller konnte man nicht planen, die Lieferung erfolgte eher zufällig und nur sehr zögerlich. Auch war die Nachfrage gering, und das trotz eines vergleichsweise günstigen Preises.

Zwar hatte sich ef-tech auf die Dnepr-Exportmodelle festgelegt, doch selbst die hatten ihre Tücken. Ungehärtete Getriebezahnräder, nicht vorhandene Lenkkopflager, unrunde Räder oder nicht richtig vergossene Bremsringe aus Grauguss in den Leichtmetallnaben - sogenannte „Inlandsmodelle“ mit mangelhaften Schweißnähten oder Gießlunkern in den Motor- und Getriebegehäusen, Räder, die schon im Neuzustand einen Höhen- oder Seitenschlag im Zentimeterbereich hatten.

Albrecht Bergner schied 1995 aus der Firma aus, und auch Blandfort wandte sich nach seinem Intermezzo als Großimporteur anderen Unternehmungen zu. Daraufhin entstand eine Händlergemeinschaft um Johann Schwarz. Schwarz war aus Russland nach Deutschland übergesiedelt und hatte gute Kontakte zur Beschaffung der billigen Russengespanne aus dem Hause Ural mitgebracht. Mit dabei: Jochen Brett. Nach fünf Jahren löste sich die Händlergemeinschaft auf.

Als ein weiterer Player der Dnepr- und Ural-Szene, Theo Däschlein, 2005 aus dem Russen- und Ukrainegeschäft ausstieg, übernahm Jochen Brett den kompletten Teilebestand, der aus zwei LKW-Ladungen bestand.

Noch hatten fast alle Motorräder ausreichend stabile Rohrrahmen, die mit einem angepassten Hilfsrahmen gespanntauglich gemacht werden konnten. Als der Ural-Europa-Import aus Österreich kam, wurden in Mühlhausen keine neuen Urals mehr verkauft.

Das Urgestein der Gespannszene Hans Bauhs fertigte schon seit den 1960er Jahren Anschlussteile, Hilfsrahmen und spezielles Zubehör in Steib- und Stoye-Tradition. Brett versorgte sich für seine klassischen Umbauten fast ausschließlich aus dessen Teileprogramm, Material, dass sich auch heute noch hervorragend für den traditionellen Zusammenbau von Motorrad und Beiwagen eignet.

Im Jahr 2016 übernahm Jochen Brett sämtliches Material von Hans Bauhs, der im Februar 2018 verstarb. Er ist jetzt der Anbieter für Anschlussteile, Hilfsrahmen und spezielles Zubehör für klassische Umbauten, von denen nun jede Menge in Mühlhausen lagern, „auch vieles Unbekannte, bei dem ich noch nicht weiß wo es eigentlich hingehört.

Eine Erklärung, die zum Verständnis des Textes wichtig ist: Die russischen Gespannhersteller (u.a. Ural und Dnepr) stellen Motorräder und Gespanne in verschiedenen Qualitäten her. So ist es nicht nur das fehlende Chrom oder vielleicht der fehlende Drehzahlmesser, der ein sogenanntes "Inlandsmodell" billiger macht gegenüber einem "Exportmodell". Die Inlandsmodelle sind wirklich nur für den russischen Markt oder den Markt der ehemaligen UdSSR bestimmt (und auch früher gewesen).

Um es vorweg zu nehmen, Horror hat einen Namen! Es ist der Name der russischen Motorradgespanne Dnepr bzw. Ural und der chinesischen Pendants Jangtse 750, Chang Ijang oder Dong-Hai.

Technische Daten im Vergleich

Merkmal Dnepr Ural Chang Jiang
Motor Viertakt-Boxer Viertakt-Boxer Seitengesteuert
Hubraum 649 ccm 649 ccm 750 ccm
Leistung 32 PS 33 PS Variiert
Antrieb Seitenwagenrad MT-16 Optional Nein

Die russischen Gespanne sind eine absolute Katastrophe und die chinesischen Gespanne sind nichts anderes als die Nachbauten dieser Katastrophen.

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